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Die interpretative Ethnologie von Clifford Geertz im Kontext der philosophischen Hermeneutik

Title: Die interpretative Ethnologie von Clifford Geertz im Kontext der philosophischen Hermeneutik

Term Paper (Advanced seminar) , 2003 , 33 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Boris Kruse (Author)

Ethnology / Cultural Anthropology
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Seit den 60er Jahren haben in der Ethnologie Auseinandersetzungen über die Darstellbarkeit von Kultur stattgefunden. Im Gegensatz zu vorangegangenen Fachdebatten wurde dabei nicht mehr vorrangig auf spezifische anthropologische Konzeptionen Bezug genommen, sondern v.a. auf die deutende Tätigkeit des Ethnologen bei der Erarbeitung seines Forschungsberichtes, sprich der Ethnographie. Nicht erst seit Etablierung der teilnehmenden Beobachtung im anthropologischen Diskurs durch Bronislaw Malinowski stützte sich ethnographische Autorität in weitgehendem Ausmaß auf publizierte Erlebnisberichte über Feldforschungen. Ein Wissenschaftler, der möglichst umfassende sprachliche und sonstige kulturelle Vorkenntnisse zu besitzen hatte, unternahm ausgedehnte Reisen zu den fremden Kulturen, an deren Leben er dann im Idealfall als gleichwertiges Gesellschaftsmitglied teilhaben sollte. Daran schloß sich eine Aufarbeitung der gewonnenen Einsichten in Form einer Monographie oder eines wissenschaftlichen Artikels mit quasi-realistischem Erzählgestus an. Kultur, so könnte das Credo des entsprechenden Wissenschaftsverständnisses subsumiert werden, läßt sich weitgehend objektiv und in allgemeingültigen Ausdrücken und Kategorien erfassen, wenn der Forscher nur gründlich und unvoreingenommen arbeitet- will sagen: wenn er seine eigenen Vorurteile zu überwinden und statt dessen den vermeintlich unbestechlichen Blick des Wissenschaftlers zu gebrauchen versteht. An einer derartigen Ausübung ethnographischer Autorität wurden zunehmend Zweifel geäußert. Neue Denkansätze, die aus der Philosophie oder auch der Philologie übernommen wurden, fanden erstmals Eingang in den kulturwissenschaftlichen Diskurs. Als besonders fruchtbar erwies sich dabei die Hermeneutik. Einen Markstein stellen die Schriften des US-amerikanischen Ethnologen Clifford Geertz und dessen Programm einer interpretativen Ethnologie dar. Die Aufgabe dieser Arbeit wird es sein, den philosophiegeschichtlichen Hintergrund, vor dem Geertz seinen Ansatz entwickelte, zu rekonstruieren Dazu sollen herausragende Positionen hermeneutischer Philosophie bis zur 2. Hälfte des 20.Jh.s herangezogen werden. Im Anschluß daran wird sich die Frage stellen, ob Geertz den daraus resultierenden als auch den selbstgestellten Ansprüchen gerecht geworden ist oder nicht. Ferner soll diskutiert werden, ob Geertz mit seinen Beiträgen dem anthropologischen Wissenschaftsdiskurs einen ernstzunehmenden Beitrag für eine weitergehende Debatte geliefert hat.

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Hermeneutik im Wandel der Zeit

2.1. Grundlagen: die klassische Hermeneutik

2.2. Die Hermeneutik nach der Aufklärung: Schleiermacher

2.3. Der Historismus: Dilthey

2.4. Die ontologische Wendung und die Hermeneutik des 20. Jh.s

2.4.1. Das Vorurteil im Verstehensprozeß

2.4.2. Die Bedeutung der Frage

3. Clifford Geertz und die Hermeneutik

3.1. Direkte Anknüpfungspunkte an die Hermeneutik

3.1.1. Der Common Sense- Begriff

3.1.2. Erfahrungsnahe vs. erfahrungsferne Darstellungen

3.1.3. Zeitlichkeit und Horizont

3.2. Geertz` Kulturbegriff

3.2.1. Exkurs: Paul Ricoeur

3.2.2. Kultur als offenes Buch

4. Das Problem der Dialogizität in Philosophie, Philologie und Ethnologie

4.1. Geertz` monologische Auffassung des hermeneutischen Zirkels

4.2. Die Dialektik des hermeneutischen Zirkels

4.3. Die Stellung des Subjektes bei Geertz

4.4. Ausblicke auf einen selbstreflexiven Ansatz in der interpretativen Ethnologie

5. Schlußbetrachtungen

6. Bibliographie

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit rekonstruiert den philosophiegeschichtlichen Hintergrund der interpretativen Ethnologie von Clifford Geertz, um zu untersuchen, inwieweit sein Ansatz den Anforderungen einer dialogischen Hermeneutik und einer wissenschaftlichen Methodik gerecht wird.

  • Philosophische Grundlegung der Hermeneutik (von der Klassik über Schleiermacher und Dilthey bis zu Gadamer)
  • Analyse der hermeneutischen Anleihen im Werk von Clifford Geertz
  • Kritische Auseinandersetzung mit den Begriffen "Common Sense" und "Dichte Beschreibung"
  • Untersuchung der monologischen versus dialogischen Struktur in ethnographischen Texten
  • Diskussion der Problematik der Subjektivität und der Autorität des Ethnologen

Auszug aus dem Buch

3.1.2. Erfahrungsnahe vs. erfahrungsferne Begriffe

Geertz unterscheidet in seinem Essay „From the Native`s Point of View“ zwischen erfahrungsnahen und erfahrungsfernen Begriffen zur Darstellung von Lebenswelten in ethnographischen Texten. Mit seinen erfahrungsnahen Bezeichnungen bleibt er argumentativ dem Common Sense- Begriff, so wie oben erläutert, verhaftet. Erfahrungsnah werden solche Ausdrücke genannt, die von allen- oder doch von den allermeisten- Teilhabern eines kulturellen Bezugssystems leicht zu fassen sind und unmittelbar mit einem bestimmten Gefühl oder einer Situation in Verbindung gebracht werden können, während erfahrungsferne Begriffe ein höheres Abstraktionsniveau aufweisen, aber nicht so sehr eine unmittelbare Verknüpfung mit einem sinnlichen Erlebnis hervorrufen.

Als Beispiele nennt er „Angst“ im Gegensatz zu „Phobie“ bzw. „nicht Ich-gerecht“ und macht so nebenbei deutlich, daß es sich dabei nicht um rein qualitative Unterschiede handelt, sondern eher um graduelle. Mit diesen Anhaltspunkten will Geertz also zwischen Textpassagen unterscheiden, die vorrangig dem Erfahrungshorizont der untersuchten Ethnie verpflichtet sind und solchen, die den Horizont des Ethnographen wiedergeben sollen. Mit diesen Zuschreibungen will er die bekannte Unterscheidung zwischen Innensicht und Außensicht ersetzen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Darstellung der ethnologischen Debatte über die Darstellbarkeit von Kultur und die Zielsetzung der Arbeit, Geertz' Ansatz hermeneutisch einzuordnen.

2. Die Hermeneutik im Wandel der Zeit: Historischer Abriss der philosophischen Hermeneutik von der Klassik bis zu Gadamers ontologischer Wende.

3. Clifford Geertz und die Hermeneutik: Untersuchung von Geertz' Anknüpfungspunkten an die Hermeneutik anhand zentraler Begriffe wie "Common Sense" und "Kultur als offenes Buch".

4. Das Problem der Dialogizität in Philosophie, Philologie und Ethnologie: Kritische Analyse von Geertz' oft monologisch erscheinender Forschungsweise und der Rolle des Subjekts.

5. Schlußbetrachtungen: Fazit über Geertz als wichtigen Ideengeber, dessen theoretisches Konzept jedoch an Unschärfe und methodischen Defiziten leidet.

6. Bibliographie: Verzeichnis der herangezogenen Fachliteratur.

Schlüsselwörter

Clifford Geertz, Interpretative Ethnologie, Philosophische Hermeneutik, Hans-Georg Gadamer, Dichte Beschreibung, Common Sense, hermeneutischer Zirkel, Dialogizität, Ethnographie, Kulturwissenschaften, Paul Ricoeur, Subjektivität, Inskription, Erkenntnistheorie, Wissenschaftstheorie

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen der interpretativen Ethnologie von Clifford Geertz und setzt diese in Bezug zur philosophischen Hermeneutik.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Im Fokus stehen der hermeneutische Zirkel, die Rolle des Subjekts in der Forschung, der Kulturbegriff sowie die methodischen Herausforderungen der ethnographischen Repräsentation.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Es soll geklärt werden, ob Geertz' Ansatz den Ansprüchen an eine wissenschaftlich fundierte und dialogisch orientierte Ethnologie gerecht wird.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine kritische Literaturanalyse und vergleicht die Konzepte von Geertz mit den theoretischen Modellen von Denkern wie Gadamer, Ricoeur und Foucault.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert die direkte Verbindung von Geertz zur Hermeneutik, seine umstrittene Verwendung von Begriffen wie "Common Sense" sowie seine monologische Auffassung des hermeneutischen Zirkels.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind "Dichte Beschreibung", "hermeneutischer Zirkel", "Interpretative Ethnologie" und "dialogische Forschung".

Warum kritisiert der Autor Geertz' Verwendung des "Common Sense"-Begriffs?

Der Autor bemängelt, dass Geertz den Begriff unsauber und im Gegensatz zur hermeneutischen Tradition eher umgangssprachlich verwendet, was zu theoretischer Unschärfe führt.

Was ist das zentrale Problem bei Geertz' "Dichter Beschreibung"?

Das Hauptproblem liegt laut Autor darin, dass Geertz den Forscher und das Subjekt monologisch behandelt und die dialogische Dimension des Verstehens sowie die ethische Verantwortung des Ethnographen vernachlässigt.

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Details

Title
Die interpretative Ethnologie von Clifford Geertz im Kontext der philosophischen Hermeneutik
College
Free University of Berlin  (Institut für Ethnologie)
Course
Die Ethnologie von Clifford Geertz: Pro und Contra im Widerstreit
Grade
1,0
Author
Boris Kruse (Author)
Publication Year
2003
Pages
33
Catalog Number
V56725
ISBN (eBook)
9783638513401
ISBN (Book)
9783656800026
Language
German
Tags
Ethnologie Clifford Geertz Kontext Hermeneutik Ethnologie Clifford Geertz Contra Widerstreit
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Boris Kruse (Author), 2003, Die interpretative Ethnologie von Clifford Geertz im Kontext der philosophischen Hermeneutik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/56725
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