Didaktische Überlegungen zur Behandlung von Terrorismus im Sozialkundeunterricht

Kann anhand des 11. September die Bedrohung der Grundrechte durch Terrorismus verdeutlicht werden?


Seminararbeit, 2005
26 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Bedrohte Freiheit

1 Didaktische Überlegungen
1.1 Ziele und Aufgaben des Sozialkundeunterrichts
1.1.1 Ziele
1.1.2 Aufgaben
1.1.3 Politische Kultur und Stabilität von Demokratie
1.2 Lernen von Grundfertigkeiten
1.2.1 Ziele laut Lehrplan
1.2.2 Einschätzung von Quellen
1.2.3 Umgang mit Massenmedien
1.2.4 Konzepte und Methoden

2 Unterrichtsvorbereitung
2.1 Planung und Ablauf
2.1.1 Unterrichtssequenzen und Lernziele
2.1.2 Lernvorraussetzungen
2.2 Unterrichtseinheiten
2.2.1 Grundrechte
2.2.2 Die Ereignisse des 11. September
2.2.3 Terrorismus
2.2.4 Friedens- und Sicherheitspolitik

3 Bedrohung in doppelter Hinsicht

Bedrohte Freiheit

Am Morgen des 11. September treffen entführte Passagierflugzeuge mehrere symbolträchtige Ziele in den USA. Mehrere tausend Menschen werden verletzt und getötet. Millionen Menschen verfolgen die Katastrophe fast von Beginn an live vor den Bildschirmen weltweit. In immer neuen Schreckensbildern geht ihre Botschaft vom wehrlosen Riesen Amerika um die Welt. Es ist der D-Day des internationalen islamistischen Terrorismus, der eine neue Ära der internationalen Friedens- und Sicherheitspolitik markiert. Die Anschläge auf die einzig verbleibende Weltmacht USA zeigen die Verwundbarkeit offener freiheitlicher Gesellschaften. Die Mediatisierung und Emotionalisierung der terroristischen Anschläge[1] verursachte ein weltweites Gefühl der Angst und Verunsicherung. Die Schüler, Eltern und Lehrer müssen sich einer Aufarbeitung dieser Erlebnisse und Gefühle stellen. In dieser Arbeit werden didaktische Überlegungen angestellt, wie das Thema Terrorismus im Sozialkundeunterricht behandelt werden kann.

In einem ersten Schritt wird untersucht, ob der Umgang mit dem Thema den Zielen und Aufgaben des Sozialkundeunterrichts entspricht. Die Vorgaben des Lehrplans erfordern dabei besonderer Aufmerksamkeit und werden in einem eigenen Abschnitt behandelt. Der Mediatisierung wird im Zusammenhang mit Freiheit und deren Bedrohung durch Terrorismus große Bedeutung beigemessen.

In einem zweiten Schritt werden mit dem exemplarischen und dem kategoralen Lernen zwei didaktische Methoden zur Aufarbeitung des Themas vorgeschlagen. Der terroristische Anschlag eignet sich als Beispiel für die Bedrohung demokratischer Grundrechte. Es wird ein Kategoriensystem entwickelt, anhand dessen die Schlüsselfrragen für den Unterricht vorbereitet werden können.

Im dritten Gliederungspunkt werden Überlegungen zur Unterrichtsvorbereitung angestellt. Dabei liegt der Schwerpunkt auf den Themenbereichen Grundrechte, Terrorismus sowie Friedens- und Sicherheitspolitik. Diese werden in Zusammenhang gestellt. Sowohl zu einander, als auch zu den Ereignissen des 11. September. Diese Arbeit konzentriert sich auf die Fragestellung, inwieweit der internationale Terrorismus die Freiheit bedroht und ob dieses Thema im Sozialkundeunterricht behandelt werden kann.

1 Didaktische Überlegungen

1.1 Ziele und Aufgaben des Sozialkundeunterrichts

1.1.1 Ziele

Wird unsere Freiheit durch den Terrorismus bedroht? Damit die Schüler diese Fragestellung einordnen, bewerten und beantworten können, bedarf es grundlegender Kenntnisse der Begriffe Freiheit und Terrorismus. Während letzterer nicht explizit im Lehrplan erwähnt wird, gehört die Kenntnis der wesentlichen Grundrechte[2] zum Grundwissen. Die Einschätzung einer Bedrohung setzt die Kenntnis und Bedeutsamkeit des Bedrohten voraus. In diesem Fall der Menschenrechte, die im Grundgesetz an vorderster Stelle verankert sind. Der Umgang mit dem Text des Grundgesetzes entspricht den Vorgaben des Lehrplans. Die Schüler sollen lernen, dass die Achtung der Menschenrechte die Voraussetzung für ein menschenwürdiges Zusammenleben schaffen soll. Sie erkennen, dass es zur Erhaltung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung notwendig ist, sich engagiert für sie einzusetzen und sie gegen Gefährdungen zu verteidigen. Zu diesen zählt der internationale Terrorismus. Erkenntnis und Wertschätzung der Grundrechte befähigen den Schüler dazu, Sicherheitspolitische Fragen und Probleme der Terrorismusbekämpfung kritisch zu beurteilen. Dies ist wichtiger Bestandteil der Werteerziehung und trägt –wie im Lehrplan ausdrücklich gefordert- zum Meinungsbildungsprozess bei. Toleranz und gegenseitige Achtung als Grundlage für ein friedliches Zusammenleben scheinen in einer Zeit globaler Terroristenhatz und völkerrechtswidriger Präventivschläge bloß noch leere Worthülsen zu sein, die gerade deshalb umso mehr als Handlungsalternativen in das Bewußtsein der Schüler und der Öffentlichkeit gerückt werden müssen.

1.1.2 Aufgaben

Sozialkundeunterricht hat nach Rothe folgende Aufgaben:

1. „Ausbildung und Festigung eines freiheitlich demokratischen Wertebewußtseins
2. Verstehen der Grundstruktur von Politik als Lösung aktueller Probleme durch Herbeiführung von verbindlichen Entscheidungen in strittigen gesellschaftlichen Fragen,
3. Orientierungswissen in wichtigen aktuellen Politikbereichen mit Zukunftsbedeutung [...]
4. Erwerb gewisser Fertigkeiten im Umgang mit Informationen, Medien usw.“[3]

Entsprechend der Ziele und Aufgaben von Sozialkundeunterricht müssen die Inhalte ausgewählt werden. Mit zwölf Stunden wird der Unterrichtssequenz über den „demokratischen Verfassungsstaat“ neben den Zielen und Maßnahmen der Wirtschaftspolitik der meiste Raum eingeräumt. Das unterstreicht die Bedeutung der Vermittlung der Grundrechte ebenso, wie die Tatsache, das sie zum Grundwissen zählen. Den Schülern soll deutlich werden, dass die Achtung der Menschenrechte die Voraussetzung für ein menschenwürdiges Zusammenleben schaffen soll. Terrorismus missachtet diese Rechte und gefährdet dadurch das Zusammenleben.

In der Unterrichtssequenz „Die Bundesrepublik Deutschland in Europa und der Welt“ erkennen die Schüler anhand tagespolitischer Beispiele,

„wie die Bundesrepublik Deutschland in die internationale Völkergemeinschaft und in die weltweite Arbeitsteilung eingebettet ist. Sie setzen sich mit Grundprinzipien internationaler Zusammenarbeit sowie mit den Herausforderungen der Globalisierung auseinander und werden dadurch angeregt, weltpolitisches Geschehen zu verfolgen, sich eine eigene, sachlich fundierte Meinung zu bilden und sich am politischen Leben aktiv zu beteiligen“[4].

Deutschland ist durch Europäisierung und Globalisierung in vielen Bereichen von anderen Akteuren abhängig und als offene demokratische Gesellschaft gefährdet. Diese internationale Dimension sollte kein Sonderfall unterrichtlicher Behandlung sein, sondern „eine implizite Notwendigkeit“[5]. Terrorismus profitiert, ebenso wie die Globalisierung, vom Ende des Kalten Krieges ebenso wie von der beschleunigten Mobilität und den modernen Kommunikationstechniken. Terrorismus bestimmt als neue weltpolitische Bedrohung die Schlagzeilen der Medien, wichtigste Quelle politischer Information. Ein Unterlassen der Thematisierung im Sozialkundeunterricht käme einem schwerwiegenden Versäumnis gleich. Obwohl dieses Thema im Lehrplan nicht explizit erwähnt wird, gibt es genügend Anknüpfungspunkte für dessen Integration.

1.1.3 Politische Kultur und Stabilität von Demokratie

Der Werte- und Meinungsbildungsprozess der Schüler kann durch eine sachliche Auseinandersetzung mit dem Phänomen Terrorismus positiv beeinflusst werden. Die angesprochenen Prozesse sind als sensible Vorgänge zu betrachten und im Sinne des Beutelsbacher Konsens in keinster Weise ideologisch zu beeinflußen. Die Schüler sollen nicht zur Normentreue gezwungen werden. Der Sozialkundelehrer hat vielmehr die Aufgabe, Grundwerte in einer lebendigen Schul- und Unterrichtskultur vorzuleben und dadurch für die Schüler erlebbar zu machen. Er darf die grundlegenden Normen, auf denen unser politisches System beruht in ihrer Bedeutung herausstellen und sie vermitteln, ohne sie zu erzwingen. Überwältigungsverbot und der Grundsatz der Kontroversität müssen bei der Herausbildung der politischen Kultur beachtet werden. „Es entspricht einer toleranten und respektvollen Einstellung, andere Meinungen als die eigene zum Zug kommen zu lassen und sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Man kann also insgesamt sagen, dass der Beutelsbacher Konsens einer Wertevermittlung nicht im Wege steht, dass er sie vielmehr ermöglicht und abstützt“[6]. Grundwerte können nicht von oben diktiert werden, sondern müssen von den Schülern akzeptiert, übernommen und als politische Tugenden umgesetzt werden. „Deshalb ist die Stabilität der Demokratie auf die politische Kultur angewiesen, in der sich diese Grundwerte bewähren müssen und in der sie reproduziert werden“[7]. Das gilt umso mehr in einer Zeit, in der die jungen Generationen verstärkt an postmateriellen Werthaltungen orientiert sind. Der traditionelle deutsche Kollektivismus und die von Almond und Verba konstatierte Untertanenkultur wichen in den 70er und 80er Jahren tendenziell demokratischeren Verhaltensweisen, wie sie der amerikanische Sozialwissenschaftler Inglehart bereits 1977 festgestellt hat[8]. Terror und Orientierungslosigkeit könnten, katalysiert durch Zukunftsängste, bei den derzeitigen Schülergenerationen eine Rückwendung zur traditionellen politischen Kultur Deutschlands zur Folge haben. Eine Ausweitung staatlicher sicherheitspolitischer Maßnahmen wird bereits jetzt gefordert. Dabei wird in vielen Fällen übersehen, dass eine Erhöhung der Sicherheit mit einer Beschneidung demokratischer Grundrechte einhergeht.

1.2 Lernen von Grundfertigkeiten

1.2.1 Ziele laut Lehrplan

Die Schüler sollen lehrplangemäß folgende Grundfertigkeiten erlernen: Sachtexte, Grafiken, Schaubilder und Tabellen auswerten, Hintergründe und tagespolitische Entwicklungen in verschiedenen Medien recherchieren und präsentieren. Die Berichterstattung der Medien über die Ereignisse des 11. September liefert entsprechende Materialien. Hinzu kommen spezielle Reader schulpädagogischer Verlage und die Informationsquellen des Internet bzw. wissenschaftliche Literatur[9]. Sozialkundeunterricht soll die Fähigkeit der Schüler fördern, politische Fragen und Probleme kompetent zu beurteilen[10]. Dazu bedarf es politischen Grundkenntnissen und Fertigkeiten im Umgang mit Informationen. Gerade beim Thema Terrrorismus besteht die Gefahr der ideologischen Verzerrung und Fehlinformation. Es ist daher unerlässlich, den Umgang mit Quellen und Medien und deren Wirkungen anzusprechen.

[...]


[1] Im Folgenden wird auch im Singular von „dem terroristischen Anschlag“ gesprochen. Dieser Terminus bezeichnet die beschriebenen Ereignisse in ihrer Gesamtheit.

[2] Weiterführende Literatur: Mühleisen, Hans-Otto (1998): 3ff; Hesselberger, Dieter (19918); Bielefeldt, Heiner (1991)

[3] Rothe (1999):97

[4] Lehrplan Sozialkunde

[5] Mickel (1999):639

[6] Schiele (2000):10

[7] Spieth/Klein (2000): 53

[8] Bleek/Sontheimer (2000): 192f

[9] s. Anhang

[10] vgl. Massing/Sander (2003)

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Didaktische Überlegungen zur Behandlung von Terrorismus im Sozialkundeunterricht
Untertitel
Kann anhand des 11. September die Bedrohung der Grundrechte durch Terrorismus verdeutlicht werden?
Hochschule
Universität Passau  (Philosophische Fakultät)
Veranstaltung
PS Feiern und Gedenken - Festkultur als Aufgabe der historisch-politischen Bildung
Note
1,7
Autor
Jahr
2005
Seiten
26
Katalognummer
V56966
ISBN (eBook)
9783638515184
ISBN (Buch)
9783656525011
Dateigröße
532 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Didaktische, Behandlung, Terrorismus, Sozialkundeunterricht, Kann, September, Bedrohung, Grundrechte, Feiern, Gedenken, Festkultur, Aufgabe, Bildung
Arbeit zitieren
Christian Freiburg (Autor), 2005, Didaktische Überlegungen zur Behandlung von Terrorismus im Sozialkundeunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/56966

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