Man könnte sich die Frage stellen, ob es für Unternehmen, Gemeinden, Kommunen oder andere Einrichtungen richtig ist, das unternehmerische Handeln an zukünftigen, aber unsicheren und unberechenbaren Ereignissen auszurichten. Das „Hier und Jetzt“ in den Mittelpunkt der Betrachtung zu stellen hat einen gewissen Anreiz, aber birgt auch eine Menge von Gefahren. Vorausschauendes Handeln hat zum Ziel, Misserfolge auszuschließen. Wirtschaftlicher Erfolg hängt eng von der Fähigkeit ab, zukünftige Entwicklungen zu erkennen und das wirtschaftliche Handeln daran zu orientieren. Um zukünftig Erfolg zu haben, müssen wir uns plastische und realitätsnahe Vorstellungen darüber verschaffen, wie Kundenwünsche, Umweltbedingungen, Lebensstile, Politik, Absatzmärkte, Technologie etc. sich entwickeln. Damit stehen wir vor einer sehr komplexen Aufgabe. Man könnte die Zeit auch einmal um 20 bis 30 Jahre zurückdrehen und schauen, wie die Welt zu diesem Zeitpunkt aussah. Hätte man damals voraussehen können, dass heute an jedem Arbeitsplatz Computer stehen oder jeder bzw. jeder zweite Haushalt heute einen Computer besitzt? Man wird feststellen, dass solche Voraussagen i.d.R. unmöglich sind. Aber deshalb darf man nicht gleich die Flinte ins Korn werfen. In der Geschichte existieren Beispiele, in denen eventuelle Ereignisse vorweggenommen wurden, zum Beispiel die Ölkrise. Die großen Mineralölkonzerne hatten diese Krise Jahre zuvor für möglich gehalten und konnten beim tatsächlichen Eintreten schnell reagieren.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die strategische Planung und der Kampf der Unternehmen mit der Zukunft
3. Allgemeine Darstellung der Szenario-Technik
3.1 Historische Entwicklung der Szenario-Technik
3.2 Wesensmerkmale der Szenario-Technik
3.3 Anforderungen an Szenarien
3.4 Vorgehensweise der Szenario-Technik
3.5 Die Ablaufschritte der Szenario-Technik
4. Verfahren zur Erstellung von Szenarien
4.1 Die Vernetzungsanalyse – Analyse von Wechselbeziehungen
4.1.1 Darstellung und Vorgehensweise der Vernetzungsanalyse
4.1.2 Kritische Betrachtung der Vernetzungsanalyse
4.2 Die Konsistenzanalyse – Ein Verfahren zur Erstellung von Szenarien
4.2.1 Methodische Vorgehensweise der Konsistenzanalyse
4.2.2 Probleme der Konsistenzanalyse
4.3 Die Cross-Impact-Analyse – Charakterisierung und Klassifizierung
4.3.1 Die korrelierte Cross-Impact-Analyse
4.3.2 Kausale Cross-Impact-Methoden
4.3.2.1 Die statisch-kausale Cross-Impact-Analyse
4.3.2.2 Die dynamisch-kausale Cross-Impact-Analyse
4.3.3 Kritische Betrachtung ausgewählter Ansätze der Cross-Impact-Methode
4.3.3.1 Beurteilung der Cross-Impact-Analyse
4.3.3.2 Problemfelder der korrelierten Cross-Impact-Analyse
4.3.3.3 Problembereiche der kausalen Cross-Impact-Analysen
4.3.4 Überblick über die vorgestellten Verfahren
5. Lösungsansätze für einzelne Problembereiche der dargestellten Verfahren
5.1 Theoretische Grundlagen
5.1.1 Grundlagen der Fuzzy-Set Theorie
5.1.1.1 Grundidee der Fuzzy-Set Theorie
5.1.1.2 Fuzzy-Sets – Begriff der unscharfen Mengen
5.1.1.3 Fuzzy-Inferenz – Das fuzzy-logische Schließen
5.1.2 Die Possibilitätstheorie – Theorie der Möglichkeit
5.1.3 Grundlagen der LPI-Theorie
5.2 Ansätze zur Beseitigung einzelner Problemfelder der Vernetzungsanalyse
5.3 Anregungen zur Beseitigung methodischer Probleme der Konsistenzanalyse
5.4. Anregungen und Denkanstöße zu den kausalen Cross-Impact-Analysen
6. Zusammenfassende Betrachtung der Verfahren
7. Wertung und Ausblick für die Anwendung der Szenario-Technik
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist die intensive Untersuchung, Darstellung und kritische Analyse verschiedener Verfahren zur Erstellung von Szenarien im Rahmen der strategischen Unternehmensplanung. Die Forschungsfrage fokussiert dabei darauf, wie gravierende methodische Problemfelder innerhalb der Vernetzungs-, Konsistenz- und Cross-Impact-Analyse identifiziert und durch Lösungsansätze, insbesondere unter Einbeziehung von Unschärfetheorien, entkräftet werden können.
- Grundlagen und historische Entwicklung der Szenario-Technik
- Methodische Vorgehensweise bei Vernetzungs-, Konsistenz- und Cross-Impact-Analysen
- Kritische Analyse der Schwachstellen herkömmlicher Verfahren
- Theoretische Grundlagen zur Modellierung von Unschärfe (Fuzzy-Set, Possibilität, LPI)
- Entwicklung und Anwendung von Lösungsansätzen zur Verbesserung der Szenario-Erstellung
Auszug aus dem Buch
4.1.1 Darstellung und Vorgehensweise der Vernetzungsanalyse
Ausgangspunkt der Vernetzungsanalyse ist eine Vernetzungsmatrix. In einer Zeilen/Spalten-Matrix werden die verschiedenen Einflussbereiche hinsichtlich ihrer Stärke des Einflusses eingetragen. Die Stärke des Einflusses wird durch eine Zahl einer Bewertungsskala bestimmt. Die Skalierung der Bewertungsskala kann individuell festgelegt werden. Schwager und Heinecke verwenden eine Skalierung von Null (=keinen Einfluss) bis Zwei (=starker Einfluss). Götze hingegen verwendet eine Skalierung von Null (=keinen Einfluss) bis Drei (=starker Einfluss). Auf die Art und Wahl der Skalierung werden wir in späteren Abschnitten zur Kritik und zu den Lösungsansätzen der Vernetzungsanalyse noch intensiver eingehen.
Wir wollen die Vernetzungsmatrix nun anhand eines selbst gewählten Beispiels vorstellen und erläutern. Zur Veranschaulichung stellen wir uns ein kleines Telekommunikationsunternehmen in Sachsen-Anhalt vor. Um eine Vernetzungsmatrix aufstellen zu können, benötigen wir zuerst die wichtigsten Einflussbereiche des Telekommunikationsunternehmens. Nehmen wir der Einfachheit halber folgende Einflussbereiche an: Wirtschaft, Politik & Gesetzgebung, Wettbewerb, Absatzmarkt (Abnehmer oder Kunden) und Beschaffungsmarkt, Technologieentwicklung und Gesellschaft. Für jeden Einflussbereich müssen zudem die relevanten Einflussfaktoren bestimmt und hinsichtlich der Bedeutung für das Unternehmen bewertet werden. Diese Bewertung erfolgt meist durch eine relative Rangfolge. Sind diese beiden Schritte vollzogen, kann die Vernetzung vorgenommen werden. Eine Vernetzung bedeutet in diesem Kontext: „Wie stark beeinflusst jeder Bereich, charakterisiert durch seine wichtigsten Einflussfaktoren, jeweils alle anderen Bereiche?“60 Eine solche Vernetzungsmatrix kann beispielsweise folgende Gestalt annehmen. Für die Bewertung der Einflussstärke der einzelnen Einflussbereiche legen wir eine Bewertungsskala von Null (keinen Einfluss) bis Zwei (starken Einfluss) zugrunde. Bei der Ermittlung der Einflussstärken geht man folgendermaßen vor. Man bestimmt mittels der zugrundegelegten Bewertungsskala zeilenweise von links nach rechts den Einfluss jedes Systemelementes auf jedes andere Systemelement.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die unternehmerische Zukunftsproblematik ein und umreißt das Hauptziel, Verfahren zur Erstellung von Szenarien zu untersuchen und methodisch zu verbessern.
2. Die strategische Planung und der Kampf der Unternehmen mit der Zukunft: Dieses Kapitel erörtert die Notwendigkeit, unternehmerische Strategien an eine unsichere Umwelt anzupassen, und stellt die Szenario-Technik als Instrument zur Bewältigung dieser Herausforderungen vor.
3. Allgemeine Darstellung der Szenario-Technik: Dieser Teil liefert einen Überblick über die historischen Wurzeln, Wesensmerkmale, Anforderungen und den methodischen Ablauf der Szenario-Technik.
4. Verfahren zur Erstellung von Szenarien: Hier werden die zentralen Analyseinstrumente – Vernetzungs-, Konsistenz- und Cross-Impact-Analyse – im Detail erläutert und kritisch hinterfragt.
5. Lösungsansätze für einzelne Problembereiche der dargestellten Verfahren: Dieses Kapitel widmet sich der theoretischen Fundierung von Unschärfetheorien (Fuzzy-Set, Possibilität, LPI) und präsentiert praktische Ansätze zur Optimierung der zuvor analysierten Verfahren.
6. Zusammenfassende Betrachtung der Verfahren: Hier erfolgt eine Synthese der gewonnenen Erkenntnisse und eine kritische Reflektion der gesamten Untersuchung.
7. Wertung und Ausblick für die Anwendung der Szenario-Technik: Abschließend werden die Ergebnisse gewürdigt und zukünftige Entwicklungsperspektiven der Szenario-Technik aufgezeigt.
Schlüsselwörter
Szenario-Technik, Strategische Planung, Vernetzungsanalyse, Konsistenzanalyse, Cross-Impact-Analyse, Fuzzy-Set Theorie, Possibilitätstheorie, LPI-Theorie, Unschärfe, Zukunftsbilder, Systemdynamik, Prognose, Strategieentwicklung, Unsicherheit, Entscheidungsfindung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Szenario-Technik als methodisches Instrument der strategischen Unternehmensplanung zur Erstellung und Analyse von Zukunftsbildern unter Unsicherheit.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die methodische Darstellung und kritische Analyse der Vernetzungs-, Konsistenz- und Cross-Impact-Analyse sowie deren Verbesserung durch den Einsatz von Unschärfetheorien.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, gravierende methodische Probleme dieser Instrumente zu identifizieren und Lösungsansätze zu entwickeln, um die Qualität der Szenariobildung zu erhöhen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Neben der Literaturanalyse und kritischen Reflexion werden mathematische und systemtheoretische Ansätze verwendet, insbesondere die Fuzzy-Set Theorie, die Possibilitätstheorie und die LPI-Theorie.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Darstellung und Kritik der klassischen Verfahren sowie in die Erarbeitung von Lösungsansätzen basierend auf Unschärfetheorien für die jeweilige Problembereiche.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Szenario-Technik, Vernetzungsanalyse, Konsistenzanalyse, Cross-Impact-Analyse und Fuzzy-Methoden definiert.
Warum ist die Integration von Unschärfetheorien in die Szenario-Technik wichtig?
Die Integration ermöglicht es, die bei klassischen Verfahren auftretende sprachliche Unschärfe besser abzubilden, subjektive Experteneinschätzungen robuster zu verarbeiten und Defuzzifizierungsverfahren für präzisere Entscheidungsbasen zu nutzen.
Worin liegt der entscheidende Vorteil der vorgeschlagenen Verbesserungen für die Praxis?
Die Verbesserungen ermöglichen es Anwendern, ihre eigene Unsicherheit bei der Bewertung expliziter auszudrücken, anstatt gezwungen zu sein, ungenaue Punkteinschätzungen vorzunehmen, was zu valideren strategischen Planungsgrundlagen führt.
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- Carsten Redlich (Author), 2005, Kritische Analyse ausgewählter Verfahren zur Erstellung von Szenarien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/57016