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Kunsthonig, Feinkost und Zwiebeln - Das Nahrungsmittel-Motiv bei der Darstellung der Nachkriegsgesellschaft in Günter Grass' "Blechtrommel"

Title: Kunsthonig, Feinkost und Zwiebeln - Das Nahrungsmittel-Motiv bei der Darstellung der Nachkriegsgesellschaft in Günter Grass' "Blechtrommel"

Seminar Paper , 2000 , 15 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Torsten Halling (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Die Arbeit befasst sich mit dem Nahrungsmittel-Motiv im Dritten Buch von Günter Grass' "Blechtrommel", wobei die Frage nach der gesellschaftlichen Bedeutung von Nahrungsmitteln und den gesellschaftskritischen Implikationen der Darstellung im Vordergrund steht. Die Analyse beschäftigt sich vor allem mit der Bedeutung von Nahrungsmitteln als Ware. Der Handel mit Kunsthonig, den die Familie Matzerath in der Schwarzmarktzeit betreibt, zeugt vom alles umfassenden Materialismus der ersten Nachkriegsjahre. Der Handel mit Feinkost, dem Maria sich später widmet, wird zur Chiffre für die aufstiegsfixierte Verdrängungshaltung in der entstehenden Wohlstandsgesellschaft der fünfziger Jahre, welche die Schrecken der Vergangenheit hinter einer Fassade des Konsumrauschs verbirgt. Die eigenwillige Verwendung des in Grass' Werk ständig wiederkehrenden Zwiebel-Motivs in der Zwiebelkeller-Episode lässt schließlich die zeittypische Fixierung auf das Konsumgut Nahrung als Krankheitssymptom einer verlogenen Gesellschaft erscheinen, die zu keiner aufrichtigen, individuellen Trauerarbeit mehr in der Lage ist und sich deshalb in unauthentische, kollektive Trauerrituale flüchtet.

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil

2.1 Der Handel mit Nahrungsmitteln

2.1.1 Kunsthonig – Schwarzhändlermentalität und Materialismus

2.1.2 Feinkost – Karrieredenken und Käuflichkeit

2.2 Zwiebeln

2.2.1 Die Zwiebel als Erzählmotiv

2.2.2 Der Zwiebelkeller – Trauer als Konsumartikel

3. Fazit

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht das Nahrungsmittel-Motiv im Dritten Buch von Günter Grass' Roman „Die Blechtrommel“, um daraus die gesellschaftskritische Haltung des Autors gegenüber der deutschen Nachkriegsgesellschaft und dem Wirtschaftswunder abzuleiten.

  • Analyse der Bedeutung des Schwarzhandels und des materiellen Aufstiegs.
  • Untersuchung der Zwiebel als zentrales Erzählmotiv und Symbol für Melancholie.
  • Kritische Beleuchtung der Zwiebelkeller-Episode als Ausdruck verdrängter Vergangenheit.
  • Darstellung der Kommerzialisierung von Emotionen in der Nachkriegszeit.
  • Einordnung der gesellschaftlichen Fixierung auf Wohlstand und Konsum.

Auszug aus dem Buch

2.2.2 Der Zwiebelkeller – Trauer als Konsumartikel

In der satirischen Zwiebelkeller-Episode vermittelt Grass wohl das eindringlichste Bild von der Wohlstandsgesellschaft im Wirtschaftswunder-Deutschland, die hier einmal mehr durch ihre starke Fixierung auf ein bestimmtes Nahrungsmittel - in diesem Fall auf die Zwiebel – charakterisiert wird.

Schon die Einrichtung des exklusiven Nachtlokals „Zwiebelkeller“ ist bezeichnend: Es handelt sich hier um einen ehemaligen Luftschutzkeller, der durch kitschige Elemente wie „Butzenscheiben bierflaschengrüner Art“(S.624) oder „friedliche Bauernstuben, wie man sie ähnlich manchmal im Film sieht“(S.625) „verschönt“ wurde. Die Vergangenheit, also der Krieg, wird dadurch mit einem biedermeierlich anmutenden Anstrich übertüncht und somit völlig in den Hintergrund des Bewusstseins gedrängt.

Die Gäste des Zwiebelkellers sind vor allem Wohlstandsbürger, also „alle, die sich heutzutage Intellektuelle nennen“(S.626). Ihr beruflicher Erfolg steht in einem krassen Gegensatz zu ihrem verkümmerten Gefühlsleben und ihrer emotionalen Gleichgültigkeit, die jeden natürlichen Ausdruck von Trauer oder Schuldgefühl unmöglich machen. Sie alle suchen verzweifelt nach einer Möglichkeit, die allgemeine Gefühlssperre aufzulockern und sich vom Zwang zur Sachlichkeit und Rationalität zu befreien: „Man versuchte, ins Gespräch zu kommen, schaffte es aber nicht, redete, trotz bester Absicht, an den eigentlichen Problemen vorbei“(S.626).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die zentrale Fragestellung ein, wie das Nahrungsmittel-Motiv in Günter Grass' „Die Blechtrommel“ das Bild der Nachkriegsgesellschaft prägt.

2. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert exemplarisch den Handel mit Nahrungsmitteln und die Funktion des Zwiebel-Motivs als Indikator für gesellschaftliche Verhaltensmuster.

2.1 Der Handel mit Nahrungsmitteln: In diesem Kapitel wird aufgezeigt, wie der Schwarzhandel und das spätere Karrieredenken im Feinkosthandel den Materialismus der Nachkriegsdeutschen verdeutlichen.

2.1.1 Kunsthonig – Schwarzhändlermentalität und Materialismus: Hier wird Marias Verhalten analysiert, das das Festhalten an gewohnten Mustern aus der Zeit des Nationalsozialismus und den Fokus auf Nützlichkeitsdenken widerspiegelt.

2.1.2 Feinkost – Karrieredenken und Käuflichkeit: Das Kapitel belegt den Wandel des Schwarzhandels zu einem auf Karriere und Anpassung ausgerichteten System, das die Aufarbeitung der Vergangenheit verdrängt.

2.2 Zwiebeln: Dieser Abschnitt widmet sich der Zwiebel als komplexem Leitmotiv, das Stimmungen wie Melancholie und gesellschaftliche Verdrängung symbolisiert.

2.2.1 Die Zwiebel als Erzählmotiv: Das Kapitel erläutert die Bedeutung der Zwiebel als Emblem des Saturn sowie als Mittel zur Charakterisierung von Figuren und Stimmungen im Roman.

2.2.2 Der Zwiebelkeller – Trauer als Konsumartikel: Die Analyse der Zwiebelkeller-Episode zeigt auf, wie Trauer in einer wohlstandsorientierten Gesellschaft zum kommerzialisierten Gemeinschaftserlebnis degradiert wird.

3. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass das Nahrungsmittel-Motiv als Instrument der Gesellschaftskritik dient, um die emotionslose und vergangenheitsverdrängende Mentalität des Wirtschaftswunders offen zu legen.

Schlüsselwörter

Günter Grass, Die Blechtrommel, Nachkriegsgesellschaft, Nahrungsmittel-Motiv, Wirtschaftswunder, Materialismus, Schwarzhandel, Zwiebelkeller, Melancholie, Vergangenheitsbewältigung, Konsumgesellschaft, Gesellschaftskritik, Kollektivschuld, Oskar Matzerath, Biedermeier.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der vorliegenden Arbeit im Kern?

Die Arbeit untersucht das zentrale Nahrungsmittel-Motiv in Günter Grass' „Die Blechtrommel“ und dessen Funktion bei der Darstellung und Kritik der deutschen Nachkriegsgesellschaft.

Welche zentralen Themenfelder behandelt der Autor?

Die Themenfelder umfassen die Schwarzmarktkultur, das Wirtschaftswunder, die Rolle von Nahrungsmitteln als Statussymbole sowie die Verdrängung der nationalsozialistischen Vergangenheit.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass die Fixierung auf Nahrungsmittel eine konkrete gesellschaftskritische Haltung von Grass verdeutlicht und die mangelnde Aufarbeitung der Vergangenheit kritisiert.

Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?

Die Arbeit nutzt eine motivgeschichtliche Analyse und interpretative Untersuchung literarischer Episoden aus dem Dritten Buch der „Blechtrommel“ unter Rückgriff auf zeitgenössische Sekundärliteratur.

Was bildet den inhaltlichen Schwerpunkt des Hauptteils?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Nahrungsmittelhandels bei Maria Matzerath und die tiefgehende Deutung der Zwiebel als Motiv, insbesondere in der Zwiebelkeller-Episode.

Welche Schlagworte charakterisieren diese Analyse am besten?

Wichtige Begriffe sind Materialismus, Konsumzwang, fehlende Trauerarbeit, Anpassertum und gesellschaftliche Infantilität.

Welche Bedeutung hat der „Zwiebelkeller“ im Roman laut der Analyse?

Der Zwiebelkeller fungiert als Satire auf die Wohlstandsgesellschaft, in der Trauer nicht individuell und aufrichtig geleistet, sondern als künstliches Gemeinschaftserlebnis konsumiert wird.

Wie unterscheidet sich Oskar Matzerath von anderen Figuren im Kontext des Zwiebelkeller-Erlebnisses?

Oskar bewahrt sich laut der Arbeit eine seelische Flexibilität und die Fähigkeit zu echter Trauer, während die anderen Gäste nur durch den Zwiebelreiz künstliche Gefühlsausbrüche erreichen.

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Details

Title
Kunsthonig, Feinkost und Zwiebeln - Das Nahrungsmittel-Motiv bei der Darstellung der Nachkriegsgesellschaft in Günter Grass' "Blechtrommel"
College
Free University of Berlin  (Deutsche und Niederländische Philologie)
Course
Proseminar "Das Romanjahr 1959"
Grade
1,0
Author
Torsten Halling (Author)
Publication Year
2000
Pages
15
Catalog Number
V57124
ISBN (eBook)
9783638516518
ISBN (Book)
9783638848763
Language
German
Tags
Kunsthonig Feinkost Zwiebeln Nahrungsmittel-Motiv Darstellung Nachkriegsgesellschaft Günter Grass Blechtrommel Proseminar Romanjahr
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Torsten Halling (Author), 2000, Kunsthonig, Feinkost und Zwiebeln - Das Nahrungsmittel-Motiv bei der Darstellung der Nachkriegsgesellschaft in Günter Grass' "Blechtrommel", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/57124
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