Die kommunale Selbstverwaltung ist dem Wandel der Zeit und der politischen Einflussnahme so stark ausgesetzt wie kaum ein anderes Rechtsinstitut der deutschen Rechtsgeschichte. Zum Verständnis der kommunalen Selbstverwaltung aus heutiger Sicht trugen insbesondere die Entwicklungen des 19. Jh., die Weimarer Zeit und das nationalsozialistische Unrechtsregime bei. Auch aus heutiger Sicht befindet sich die kommunale Selbstverwaltung in einem stetigen Entwicklungsprozess. Insbesondere die voranschreitende europäische Integration wirkt sich in zunehmendem Maße auf die Kommunen aus. Gegenstand der nachfolgenden Untersuchung wird daher sein, den Status der Kommunen im Mehrebenensystem zu beleuchten und zu eruieren, inwiefern sich auf den jeweiligen Ebenen Gemeinsamkeiten, Unterschiede, Besonderheiten und Wirkungsmechanismen darstellen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
I. Die kommunale Selbstverwaltung in Bayern, Deutschland und Europa - ein Vergleich -
1. Rechtsgrundlagen des kommunalen Selbstverwaltungsrechts
1.1. Die Kommunen im deutschen Staatsaufbau
1.2. Die Stellung der Kommunen im Gemeinschaftsrecht
2. Rechtsdogmatische Ausformung der kommunalen Selbstverwaltungsgarantie
2.1. Schutzbereich des kommunalen Selbstverwaltungsrechts
2.1.1. Wirkungsweise der kommunalen Selbstverwaltung
a) Garantieebenen der kommunalen Selbstverwaltung
2.1.2. Inhalt des kommunalen Selbstverwaltungsrechts
a) Gemeinden
aa) Aufgabenbestand
bb) Eigenverantwortlichkeit
b) Gemeindeverbände
II. Die kommunale Selbstverwaltung in Bayern, Deutschland und Europa - Verhältnis und Zusammenspiel der Ebenen untereinander
1. Verpflichtungsadressaten des Selbstverwaltungsrechts
2. Gesetzesvorbehalt des kommunalen Selbstverwaltungsrechts
3. Eingriffe in das Selbstverwaltungsrecht und Grenzen des Gesetzesvorbehalts
3.1. Gebietsänderungen von Gemeinden und Gemeindeverbänden
3.2. Eingriffe in den Aufgabenbestand
3.2.1. Aufgabenentzug durch den Landesgesetzgeber
3.2.2. Aufgabenzuweisungen durch den Landes- und Bundesgesetzgeber
3.3. Eingriffe in die Eigenverantwortlichkeit kommunaler Selbstverwaltung
3.4. Eingriffe in Aufgabenbestand und Eigenverantwortlichkeit durch das Gemeinschaftsrecht
III. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Status und die verfassungsrechtliche Absicherung der kommunalen Selbstverwaltung in einem Mehrebenensystem, insbesondere im Hinblick auf den Einfluss europäischer Integration sowie das Verhältnis von Bund, Ländern und Kommunen bei Aufgabenübertragungen und Finanzierungsfragen.
- Verfassungsrechtliche Grundlagen der kommunalen Selbstverwaltung in Deutschland und Bayern
- Die Rechtsdogmatik der Selbstverwaltungsgarantie und der Schutzbereich für Gemeinden und Gemeindeverbände
- Die Auswirkungen des europäischen Gemeinschaftsrechts auf kommunale Kompetenzen und Handlungsspielräume
- Herausforderungen durch staatliche Aufgabenübertragungen und die Konnexitätsproblematik
- Die Rolle des Ausschusses der Regionen im europäischen Kontext
Auszug aus dem Buch
3.4.1.2. Weiterhin sind Eingriffe in den Bereich der gemeindlichen Daseinsvorsorge festzustellen, die sogar bis in den Kernbereich der kommunalen Selbstverwaltung vordringen (vgl. Art. 83 I ).
Mit dem Bekenntnis der EG zu einer offenen Marktwirtschaft mit freiem Wettbewerb gem. Art 4 I EGV wird im Zuge der Liberalisierung zahlreicher Wirtschaftssektoren, das althergebrachte Modell der Daseinsvorsorge, die Einräumung einer Monopolstellung von Unter-nehmen im Gegenzug zu deren nicht gewinnorientierten Arbeitsweise, um eine preisgünstige, flächendeckende Versorgung aller Nachfrager zu gewährleisten, zugunsten eines neuen Modells aufgegeben, in welchem ein gemeinwirtschaftlicher Dienstleistungsauftrag an ein am Wettbewerb partizipierendes Unternehmen, aufgegeben.
Zu nennen ist hier etwa die 1997 in Kraft getretene Richtlinie für den Elektrizitätsbinnenmarkt, nach der das ausschließliche Recht von regionalen Versorgungsunternehmen, die Kommunen mit Energie zu versorgen, durch das bundesdeutsche Durchleitungssystem aufgehoben wird.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Diese Einleitung skizziert die historische Entwicklung der kommunalen Selbstverwaltung und beleuchtet die aktuelle Relevanz der Untersuchung im Mehrebenensystem unter besonderer Berücksichtigung der europäischen Integration.
I. Die kommunale Selbstverwaltung in Bayern, Deutschland und Europa - ein Vergleich -: Dieses Kapitel analysiert die Rechtsgrundlagen und die dogmatische Ausformung der kommunalen Selbstverwaltungsgarantie, wobei die unterschiedlichen Schutzbereiche und Kompetenzen von Gemeinden und Gemeindeverbänden herausgearbeitet werden.
II. Die kommunale Selbstverwaltung in Bayern, Deutschland und Europa - Verhältnis und Zusammenspiel der Ebenen untereinander: Hier wird das Zusammenspiel der staatlichen Ebenen untersucht, insbesondere die Grenzen gesetzgeberischer Eingriffe in den Aufgabenbestand sowie die komplexen Finanzierungs- und Konnexitätsfragen bei Aufgabenübertragungen.
III. Fazit und Ausblick: Das Fazit resümiert die aktuelle Lage der kommunalen Selbstverwaltung und bewertet den potenziellen Einfluss zukünftiger EU-Verträge auf die Stärkung kommunaler Interessen und Kompetenzen.
Schlüsselwörter
Kommunale Selbstverwaltung, Verfassungsrecht, Deutschland, Bayern, Europa, Gemeinschaftsrecht, Selbstverwaltungsgarantie, Gemeindehoheit, Daseinsvorsorge, Konnexitätsprinzip, Aufgabenbestand, Eigenverantwortlichkeit, EU-Verfassungsvertrag, Ausschuss der Regionen, Europäische Integration
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die rechtliche Stellung und den verfassungsrechtlichen Schutz der kommunalen Selbstverwaltung im Mehrebenensystem Deutschlands und Europas.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit fokussiert auf die verfassungsdogmatische Einordnung, die Auswirkungen der europäischen Integration auf kommunale Aufgaben sowie die finanzverfassungsrechtlichen Fragen bei der Aufgabenübertragung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Status der Kommunen im Mehrebenensystem zu beleuchten und zu eruieren, inwiefern Gemeinsamkeiten, Unterschiede und Wirkungsmechanismen auf den verschiedenen Ebenen bestehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine rechtswissenschaftliche Analyse vorgenommen, die auf der Auswertung von verfassungsrechtlichen Grundlagen, einschlägiger Rechtsprechung (insbesondere BVerfG und BayVerfGH) sowie einschlägiger Fachliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der Rechtsdogmatik der Selbstverwaltungsgarantie und eine Untersuchung der Eingriffsmöglichkeiten in das kommunale Selbstverwaltungsrecht durch den nationalen Gesetzgeber sowie das europäische Gemeinschaftsrecht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen zählen kommunale Selbstverwaltung, Verfassungsrecht, europäische Integration, Konnexitätsprinzip und Finanzhoheit.
Wie bewertet die Arbeit die Situation der kommunalen Selbstverwaltung auf EU-Ebene?
Die Autorin zeichnet ein eher düsteres Bild, da die kommunale Selbstverwaltung auf europäischer Ebene derzeit keine wirksame Gewährleistung erfährt und eine „Kommunalblindheit“ des Gemeinschaftsrechts konstatiert wird.
Welche Bedeutung kommt dem Konnexitätsprinzip im Hinblick auf bayerische Gemeinden zu?
Das Konnexitätsprinzip (Art. 83 III BV) spielt eine entscheidende Rolle, um den Kommunen bei Aufgabenübertragungen einen finanziellen Ausgleich zu sichern und so ein eigenverantwortliches Handeln zu ermöglichen.
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- Daniela Müller (Author), 2006, Die kommunale Selbstverwaltung in Bayern, Deutschland und Europa, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/57192