Der Königsfrieden von 387/86 v. Chr.


Hausarbeit (Hauptseminar), 2003

28 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

A Einleitung: Zur Quellenlage .

B. Der Königsfrieden von 387/86 v. Chr
1. Historischer Hintergrund
1.1 Die Situation seit 404 v. Chr
l .2 Der spartanisch-persische Krieg
l .3 Der Korinthische Krieg
l .4 Die ergebnislosen Friedensverhandlungen von 392 v. Chr
1.4.1 Die Verhandlungen in Sardes
1.4.2 Die Verhandlungen in Sparta
2. Der Abschluss des Königsfriedens 387/86 v. Chr
2.1 Die Verhandlungen des Antalkidas' mit dem Großkönig
2.2 Die Verkündigung der Friedensbedingungen
2.3 Der Abschluss des Königsfriedens in Sparta
3. Der Rechtscharakter des Königsfriedens
3.1 Die Autonomie und die Koine Eirene
3.2 Der Königsfrieden als Diktatfrieden
3.3 Die Kriegsdrohung
3.4 Probleme bei der Umsetzung des Vertrages
4. Die Auswirkungen des Königsfriedens auf das 4. Jahrhundert
4.1 Die Überdehnung des Autonomiebegriffs durch Sparta
4.2 Der Frieden von 371 v. Chr
4.3 Der Vertrag nach der Schlacht bei Mantineia 362 v. Chr
4.4 Zusammenfassung

C. Schluss: Vergleich mit dem Westfälischen Frieden von 1648

D. Quellen- und Literaturverzeichnis

A. Einleitung: Zur Quellenlage

„Artaxerxes, der Großkönig, hält es für gerecht, dass die Städte in Kleinasien ihm gehören und von den Inseln Klazomenai und Cypern, die anderen Griechenstädte aber, groß und klein, sollen autonom sein außer Lemnos, Imbros und Skyros, die, wie in alten Zeiten, den Athenern gehören sollen. Wer aber diesen Frieden nicht annimmt, den werde ich bekriegen zusammen mit den Bundesgenossen, zu Land und zur See, unter dem Einsatz von Schiffen und von Geldmitteln.“[1]

Dieser Auszug aus der „Hellenika“ des Xenophon stellt die wichtigste Quelle für den Königsfrieden bzw. den Frieden des Antalkidas dar. Der Text ist vermutlich die Grundlage des eigentlichen Friedensinstruments, welches nicht überliefert ist, so dass man sich in der Forschung v. a. auf die Schriften Xenophons, Diodors und Isokrates’ stützen muss, um etwas über den Königsfrieden in Erfahrung zu bringen.[2] Dies erschwert natürlich die Untersuchung des Vertrages, der für die griechische Geschichte des vierten Jahrhunderts v. Chr. von großer Bedeutung ist, da man ihn als „Ausdruck eines weitverbreiteten Friedenswillens [...] - in der Forschung [...] als Idee der Koine Eirene angesprochen – werten“[3] kann. In den folgenden Friedensverträgen bis hin zum Korinthischen Bund mit Philipp von Makedonien im Jahre 337 v. Chr.[4], berief man sich immer wieder, beim Vertrag mit Philipp lediglich in formaler Hin­sicht, auf den Königsfrieden bzw. auf seine zentralen Inhalte der „Koine Eirene" und der „Autonomie“. Der Einfluss des Königsfriedens auf alle nach ihm geschlossenen Friedensab­machungen in Griechenland war also immens.

Im folgenden sollen, ausgehend von der oben genannten zentralen Quelle, die Kernpunkte des Vertrages herausgearbeitet und untersucht werden. Ferner sollen seine Vorge­schichte und die bereits erwähnten Auswirkungen auf das vierte Jahrhundert betrachtet werden. Abschließend wird versucht, einen Vergleich zwischen dem Königsfrieden und dem Westfälischen Frieden von 1648 anzustellen, da sich in der Diskussion im Seminar gezeigt hatte, dass es hier einige Parallelen gibt. Diese wenigstens kurz aufzuzeigen, halte ich für einen interessanten Schluss, um zu zeigen, inwieweit die Antike ein Modell für die Geschichte der Neuzeit ist.

B. Der Konigsfneden von 387/86 v. Chr.

1. Historischer Hintergrund

1.1 Die Situation seit 404 v. Chr.

Bei der Betrachtung der Vorgeschichte des Königsfriedens ist es ratsam, bereits im Jahre 404 v. Chr. mit dem Ende des Peloponnesischen Krieges zu beginnen. Die Situation stellte sich in dieser Zeit folgendermaßen dar: Athen ging aus dem Krieg als Verlierer hervor; der Attische Seebund war nicht mehr existent, weshalb Athen keine Hegemonie mehr besaß und somit nicht mehr die ordnende Macht in Griechenland war. An die Stelle der Athener traten nun die Spartaner, die für diese große, bedeutende Aufgabe in keiner Weise geeignet waren. Die „spartanische Herrschaft [ist] an die Stelle des Delisch-Attischen Seebundes getre­ten, sie hat einen feingegliederten Organismus durch ein [...] geradezu gewalttätiges System ersetzt.“[5] Sparta war nicht in der Lage, seine durch den Peloponnesischen Krieg gewonnene Machtstellung in der griechischen Welt anders zu behaupten, als durch ein straff hierarchisch aufgebautes Herrschaftssystem, dessen Basis Gewalt und Unterdrückung war. Die sparta­nische Herrschaft hatte folglich kein solides Fundament. Durch ihre Gewaltherrschaft mach­ten sie sich äußerst unbeliebt.[6] Dies ist auch nicht verwunderlich, wenn man sich die Herrschaftsausübung der Spartaner im Detail ansieht: In vielen Städten wurden oligarchische Verfassungen eingerichtet, sogenannte Dekarchien (Zehnerkommissionen) standen zusammen mit spartanischen Militär­befehlshabern (Harmosten) an der Spitze der Verwaltung. Beson­ders hart wurde mit den Athenern umgegangen, wo „im Hochsommer 404 die attische Demokratie zu Grabe getragen“[7] wurde. Unter dem Schutz der spartanischen Militärbefehlshaber wurde die Schreckensherrschaft der sogenannten „Dreißig Tyrannen“ eingerichtet, die jedoch im folgenden Jahr durch den Athener Thrasybul beseitigt werden konnte. Trotzdem verbreitete sich innerhalb der athenischen Bürger aufgrund des Terrors der „Dreißig Ty­rannen“ ein großes Ressentiment den Spartanern gegenüber.

Sparta machte sich allerdings nicht nur innerhalb Griechenlands unbeliebt, sondern geriet auch beim persischen Großkönig in Misskredit, was im folgenden kurz skizziert werden soll: Zum einen war es die spartanische Unterstützung für Kyros, der seinen älteren Bruder

Artaxerxes bekämpfte, um selbst den persischen Thron besteigen zu können, die die Spartaner

in ein negatives Bild rückten. Es bestand ein Geheimabkommen zwischen Sparta und Kyros[8] ; sie schickten ihm Soldaten und unterstützten ihn auch durch ihre Flotte. Allerdings kann man davon ausgehen, dass sie dies taten, „ohne dass hiermit [...] von spartanischer Seite bewusst

eine Konfrontation mit Persien intendiert worden wäre."[9] Man hätte diesen Feldzug wohl

nicht unternommen, wenn man nicht in Kyros „einen nach eigener Einschätzung offenbar aus­sichtsreichen Thronprätendenten"[10] gesehen hätte. Wäre er persischer Großkönig geworden, wäre Spartas Vormachtstellung weiter konsolidiert gewesen.[11] Allerdings starb Kyros bei dei entscheidenden Schlacht bei Kunaxa im Jahre 401 v. Chr., so dass Artaxerxes’ Thronanspruch gesichert war und dieser natürlich nicht viel von Sparta hielt, das auf Seiten seines Rivalen gegen ihn gekämpft hatte.

Hinzu kam außerdem noch folgendes: Nach dem Peloponnesischen Krieg übernahm, wie bereits erwähnt, Sparta die Rolle, die vorher Athen inne hatte, nämlich die der Ordnungs-und Schutzmacht Griechenlands.[12] Dies bedeutete nicht nur, dass die Spartaner aufgrund ihres Hegemonieanspruches Rechte gewannen, sondern auch, dass Sparta in der Pflicht war. griechische Interessen nach außen hin zu verteidigen. Als nun die kleinasiatischen Grie­chenstädte ein Hilfegesuch an Sparta richteten, diese mögen ihre Souveränität gegen die Ansprüche der Perser verteidigen, konnten die Lakedämonier nicht umhin, dieser Bitte nachzukommen, um ihrem Anspruch auf die Hegemonie Griechenlands gerecht zu werden. Man kann somit nicht unbedingt sagen, dass der „Hilferuf der Ioner [...] Sparta vor die Ent­scheidung [stellte], zwischen der persischen Allianz und der Freiheit der Ioner zu wählen.“[13] Denn auch wenn Sparta nicht darauf aus war, einen Krieg gegen die Perser zu führen, wai man eigentlich dazu verpflichtet, Hilfe für die kleinasiatischen Griechen zu leisten. Wie hätte Sparta sonst dagestanden in der griechischen Welt? Jeder hätte protestiert, wenn Sparta die Griechen nicht gegen die Barbaren verteidigt hätte. Also kam man der Verpflichtung nach, wenn auch nur zögerlich und in ungenügendem Umfang: Man entsandte Soldaten nach Kleinasien, aber „mit einer völlig unzureichenden Reiterei und mit mangelhafter finanzieller

Ausstattung"[14], was beweist, dass Spartas Interesse an diesem Krieg als gering einzustufen

ist.

1.2 Der spartanisch-persische Krieg

Nichtsdestotrotz stand Sparta aufgrund der kleinasiatischen Griechenstädte, die von Persien beansprucht wurden, mit dem persischen Reich seit 400/399 v. Chr. im Krieg. Dieser spartanisch-persische Krieg und der sogenannte Korinthische Krieg, auf dem im folgenden Punkt eingegangen werden soll, wurden durch den Königsfrieden beendet. Aus diesem Grund sollen beide Kriege kurz erörtert werden.

Im Krieg mit Persien bedeutete eine „Wende zu größerer Aktivität [...] die mit pan­hellenischen Pathos umgebene Entsendung des Königs Agesilaos mit 8000 Soldaten" im Jahre 396 v. Chr. Urban argumentiert hier, dass dies nur eine Wende „auf den ersten Blick“ sei, da sie lediglich „eine Reaktion auf Nachrichten über umfangreiche persische Flotten­rüstungen“ bedeutete.[15] Wenn man aber die völlig unzureichenden spartanischen Maßnahmen zu Beginn des Krieges betrachtet, ist meiner Meinung nach die Tatsache, dass nun ein König Spartas mit einer bedeutenden Truppenstärke nach Kleinasien hinübergeht, eine eindeutige Aufwertung der Bedeutung des Konflikts durch Sparta, und dies nicht nur scheinbar. Man hätte auch den Rückzug antreten können, wenn man wie anfangs nicht sonderlich daran interessiert gewesen wäre, die ionischen Griechenstädte gegen Persien zu verteidigen. Somil wäre das Jahr 396 schon als ein Umschwung in der spartanischen Kriegspolitik zu bezeich­nen; „nach der Übernahme des Kommandos durch den König Agesilaos [...] wurde die spartanische Kriegführung aktiver."[16] Doch blieben entscheidende Siege der Spartaner aus. Einen solchen konnten jedoch die Perser im Jahre 394 v.Chr. in der Seeschlacht bei Knidos verbuchen. Zuvor fand eine groß angelegte persische Flottenrüstung statt, deren Oberbefehl der athenische Stratege Konon erhielt. Diese war es nun, die die Spartaner vernichtend schlug und damit zwar nicht den Krieg entscheiden konnte, Sparta allerdings so weit schwächte, dass ein Gewinnen des Krieges für die Spartaner in weite Ferne rückte. Der Krieg zog sich noch lange Zeit hin, wobei „die militärische Situation keinem der Gegner spektakuläre Erfolge [erlaubte].“[17]

1.3 Der Korinthische Krieg

Ähnlich verhielt es sich an der zweiten Front, an der Sparta kämpfte: der Korinthische Krieg. Entzündet hatte sich dieser Krieg Spartas gegen Theben, Korinth, Argos und Athen an einem Grenzstreit zwischen den Phokern und den Lokrern. Aufgrund der bereits skizzierten Gewaltherrschaft Spartas Über Griechenland, bedurfte es „nur noch eines geringen Anstoßes zu einer allgemeinen Erhebung der Griechen gegen Spartas Zwangsherrschaft“[18]. Allerdings ist Urban der Ansicht, dass es „ohne die militärische Auseinandersetzung zwischen Sparta und Persien und ohne das Ausbleiben klarer spartanischer Erfolge in diesem Kampf [...] eine größere Erhebung in Griechenland trotz aller Verbitterung in den Städten schwerlich ge­geben“ hätte.[19] In bedeutendem Umfang trugen neben Spartas Machtpolitik auch persische Bestechungsgelder zur Bildung einer anti-spartanischen Allianz bei.[20] Die Perser erhofften sich durch die Unterstützung anti-spartanischer Gruppen eine zweite Front gegen Sparta in Griechenland aufbauen zu können. Dies war relativ einfach umzusetzen, denn bereits als Agesilaos nach Kleinasien aufbrach, wurde deutlich, dass sich eine Koalition gegen die Lakedämonier in Griechenland bildete, denn Theben, Korinth, Argos und Athen verweigerten die Heeresfolge. Lediglich Athen war zu diesem Zeitpunkt noch bemüht, eine „offene Provokation der Spartaner zu vermeiden.“[21] Die Athener wollten zunächst die innenpolitische Lage konsolidieren und „die außenpolitische Isolierung allmählich [...] überwinden, ohne Sparta zu provozieren.“[22] Im Sommer des Jahres 395 v.Chr. aber wurde schließlich „faktisch der Bruch mit Sparta vollzogen, als der athenische Demos mit großer Mehrheit eine Defensivallianz mit dem Boiotischen Bund beschloss.“[23] Seit diesem Jahr kämpften nun die oben genannten Poleis gegen Sparta, allerdings, ohne dass eine Entscheidung auf dem Schlachtfeld erzielt werden konnte. Zwar konnte das Bündnis den spartanischen Angriff gegen Boiotien zum Scheitern bringen, aber weitergehende Siege konnten nicht errungen werden. Auch Sparta gelang dies nicht. Zwar kehrte Agesilaos aus Kleinasien zurück und bereitete den Boiotern zwei Niederlagen, doch auch dies konnte den Krieg nicht entscheiden, sondern lediglich eine Patt-Situation zwischen Sparta und seinen Gegnern erreichen.

[...]


[1] Xenophon: Hellenika V 1,31 / Bengtson, Hermann (Hg.): Die Staatsverträge des Altertums Band 2. Die Verträge der griechisch-römischen Welt von 700-338 v. Chr. München u. Berlin 1962, Nr. 242.

[2] Vgl. Bengtson: Staatsverträge (1962), S. 191f.

[3] Urban, Ralf: Der Königsfrieden von 387/386 v. Chr. Vorgeschichte, Zustandekommen, Ergebnis und politische Umsetzung. Stuttgart 1991, S. 11.

[4] Die Gründung des Korinthischen Bundes manifestierte das Ende der Vorherrschaft der griechischen Poliswelt.

[5] Bengtson, Hermann: Griechische Geschichte. Von den Anfängen bis in die römische Kaiserzeit. In: Handbuch der Altertumswissenschaft. Dritte Abteilung. Vierter Teil. München 1960, S. 251.

[6] Quelle für spartanische Herrschaft nach 404 v. Chr. ist v. a. der anti-spartanisch eingestellte, attische Rhethor

Isokrates.

[7] Bengtson: Griechische Geschichte (1960), S. 252.

[8] Xenophon: Anabasis I 1,6.

[9] Welwei, Karl-Wilhelm: Das klassische Athen. Demokratie und Machtpolitik im 5. und 4. Jahrhundert. Darmstadt 1999, S. 265.

[10] Urban: Königsfrieden (1991), S. 26.

[11] Vgl. Welwei: Das klassische Athen (1999), S. 265.

[12] Vgl. Xenophon: Hellenika III 1,3: Xenophon bezeichnet Sparta in diesem Zusammenhang als „Vorkämpfer ganz Griechenlands".

[13] Bengtson: Griechische Geschichte (1960), S. 256.

[14] Urban: Königsfrieden (1991), S. 27.

[15] Vgl. ebd., S. 28f.

[16] Bengtson: Griechische Geschichte (1960), S. 256 f.

[17] Urban: Königsfrieden (1991), S. 31.

[18] Bengtson: Griechische Geschichte (1960), S. 258.

[19] Urban: Königsfrieden (1991), S. 48.

[20] Vgl. Xenophon: Hellenika III 5,1.

[21] Welwei: Das klassische Athen (1999), S. 266.

[22] Urban: Königsfrieden (1991), S. 33.

[23] Welwei: Das klassische Athen (1999), S. 266.

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Der Königsfrieden von 387/86 v. Chr.
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Institut für Geschichte - Alte Geschichte)
Veranstaltung
Hauptseminar: Von Hattusa bis Maastricht - 3500 Jahre Außenpolitik im Spiegel der Staatsverträge
Note
1,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
28
Katalognummer
V57230
ISBN (eBook)
9783638517409
Dateigröße
535 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Königsfrieden, Hauptseminar, Hattusa, Maastricht, Jahre, Außenpolitik, Spiegel, Staatsverträge
Arbeit zitieren
Markus Lukas (Autor), 2003, Der Königsfrieden von 387/86 v. Chr., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/57230

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