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Thomas Manns "Der Tod in Venedig" - Die Verführung Aschenbachs durch Dionysos

Title: Thomas Manns "Der Tod in Venedig"  - Die Verführung Aschenbachs durch Dionysos

Term Paper (Advanced seminar) , 2002 , 21 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Markus Lukas (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Summary Excerpt Details

Bei der folgenden Untersuchung der Verführung des Schriftstellers Aschenbach durch das Dionysische halte ich es für wichtig auch immer die Parallele zu Thomas Manns Leben zu ziehen, denn „es scheint [...], als habe Thomas Mann, nachdem er Aschenbach getötet, dessen Verirrungen erst auch selbst nachvollziehen müssen.“ In der Erzählung geht es somit auch um Thomas Mann selbst und zwar genauer gesagt, um dessen „Kunst [...] und deren
Verhältnis zu seinem Leben.“ In seiner Autobiographie „On myself“ von 1940 betonte er, dass die Erzählung „die moralisch und formal zugespitzteste und gesammeltste Gestaltung des Décadance- und Künstlerproblems“ sei, mit welchem er sich zeit seines Lebens auseinander zu setzen hatte. Doch nicht nur die zentrale Künstlerproblematik der Novelle ist aus Thomas Manns Leben gegriffen, sondern auch die äußeren Geschehnisse. In seinem „Lebensabriss“
von 1930 erwähnt er, dass „im ,Tod in Venedig' nichts erfunden [sei]: Der Wanderer [...], der greise Geck, der verdächtige Gondolier, Tadzio und die Seinen [...] - alles war gegeben [...] und erwies dabei aufs verwunderlichste seine kompositionelle Deutungsfähigkeit.“ Aus diesem Grund sollen einige autobiographische Fakten zur Entstehungsgeschichte der Erzählung der eigentlichen Analyse vorangestellt werden. Im Mai 1911 reiste Thomas Mann nach der Insel Brioni vor Istrien, wo er vom Tod des Komponisten Gustav Mahler erfuhr, dessen Bekanntschaft er gemacht hatte und der ihn wohl
sehr beeindruckt hatte. Er verlieh seinem Helden Aschenbach nicht nur dessen Vornamen, sondern auch dessen Äußeres. Nach einem relativ kurzen Aufenthalt auf Brioni ging es »«her nach Venedig, wo er im Hotel des Bains am Lido wohnte. Dort verfasste er den Aufsatz -Über die Kunst Richard Wagners“, der wie ,jene anderthalb Seiten erlesener Prosa“ (S. 55) Aschenbachs auf einem hoteleigenen Briefbogen verfasst wurde. Die Inspirationsquelle Aschenbachs, der schöne Jüngling Tadzio, war in Thomas Manns Leben der damals 14-
jährige polnische Junge Wladyslaw Baron Moes (Rufname Wladzio), der ihm am Lido begegnete. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

A. Einleitung: Thomas Mann und Gustav von Aschenbach - Autobiographisches in der Erzählung

B. Die Verführung Aschenbachs durch Dionysos

1. Aschenbachs Hang zum Dionysischen

1.1 Das bisherige Leben Aschenbachs

1.2 Die ersten Anzeichen des Dionysischen

2. Die Todesboten - Die Ankündigung des Verfalls

2.1 Der Fremde vor der Aussegnungshalle

2.2 Der falsche Jüngling

2.3 Der Gondoliere

2.4 Der Bänkelsänger

2.5 Die Funktion der Todesboten

3. Tadzio - Der Verführer

3.1 Die ersten Begegnungen mit Tadzio

3.2 Der Fluchtversuch

3.3 Versuch der Sublimierung - Die erlesene Prosa

3.4 Tadzios Lächeln

3.5 Tadzio als Hermes und sein Gang ins Verheißungsvoll-Ungeheure

4. Der Verfall Aschenbachs

4.1 Die Cholera und der innere Verfall

4.2 Das Motiv der Faust und der offenen Hand

4.3 Die dionysische Schreckensvision und der Untergang im Tode

C. Schluss: Muss die Kunst am Dionysischen untergehen?

Zielsetzung und Themenfelder

Die Arbeit untersucht die Verführung des Schriftstellers Gustav von Aschenbach durch das Dionysische in Thomas Manns Novelle „Der Tod in Venedig“. Dabei wird analysiert, wie Aschenbachs streng apollinisches Künstlerleben durch den Einbruch dionysischer Mächte, symbolisiert durch diverse Todesboten und die Gestalt des Tadzio, zersetzt wird und in den Untergang führt.

  • Die autobiographische Verknüpfung zwischen Thomas Mann und Gustav von Aschenbach.
  • Die Gegenüberstellung apollinischer Prinzipien (Ordnung, Disziplin) und dionysischer Triebe (Rausch, Auflösung).
  • Die symbolische Bedeutung der verschiedenen Todesboten im Verlauf der Erzählung.
  • Tadzio als Verführerfigur und Repräsentant des Eros und der Auflösung.
  • Der Zusammenhang zwischen Aschenbachs psychischem Zerfall und der Ausbreitung der Cholera in Venedig.

Auszug aus dem Buch

2.5 Die Funktion der Todesboten

Man wird sich fragen, warum Thomas Mann diese Boten des Todes in der Novelle auftreten lässt und warum er mit deren mythologischer Symbolik spielt. Den einzelnen Gestalten ist ja mehr oder weniger die „Verbindung der Attribute des spätmittelalterlichen Teufels, des Hermes als des Seelenführers in das Reich der Toten und des Dionysos in seiner Kühnheit, Wildheit und fremden (asiatischen) Herkunft“ gemeinsam, die dem klassisch gebildeten Leser, den Thomas Mann voraussetzt und in seiner Zeit auch erwarten konnte, allerdings erst in der Zusammenschau der Todesboten bewusst wird. Durch die Montage der einzelnen symbolischen Details der Gestalten wird der „Gesamteindruck der ,Entstellung'“ vermittelt. Dieser führt zu einer maskenhaften Verzerrung der Klassik und damit des Gleichgewichts von Natur und Kunst. Die Neuklassik erleidet somit „im Tod in Venedig ihre Decouvrierung als Irrweg.“ Folglich ist die Novelle die „Geschichte einer gescheiterten Décadence-Überwindung“. Die Todesboten verdeutlichen durch ihr entstelltes Äußeres und ihrer Sympathie mit dem Abgrund genau dies: Aschenbach muss in seinem Versuch, die Décadence mit einer neuen Klassizität zu überwinden, scheitern. Sie zeigen ihm den Weg in den Abgrund, den er gehen muss, da sein apollinisches Künstlerdasein sinnlos ist und nicht bestehen kann.

Dadurch, dass jeder der Todesboten isoliert von der Umwelt vorkommt („Als mythische Figur wird [z. B. der Wanderer] erkennbar durch seine Ort- und Bezugslosigkeit: er ist plötzlich da und verschwindet ebenso plötzlich.“), ist es fraglich, ob sie reelle Erscheinungen sind oder lediglich Spiegelbilder von Aschenbachs Unterbewusstsein. Da der Erzähler darauf verzichtet, Aschenbachs Inneres, seine Psyche zu beschreiben, liegt es nahe, dass die Boten zum Teil diese Aufgabe übernehmen und sein Unterbewusstsein für den Leser manifestieren. Sie zeigen, dass der dionysische Drang in Aschenbach vorhanden ist. Sie verführen ihn nicht direkt dazu, sondern spiegeln lediglich wider, wonach der Schriftsteller sich sehnt: nach dem Rauschhaften, Wilden, dem Fremden, dem Eros und letztlich damit auch nach dem Abgrund. In der Folge deuten sie auch voraus, was mit Aschenbach geschehen wird, da sie in seinem Innersten sind und mehr und mehr Macht über ihn gewinnen.

Zusammenfassung der Kapitel

A. Einleitung: Thomas Mann und Gustav von Aschenbach - Autobiographisches in der Erzählung: Dieses Kapitel erläutert die autobiographischen Parallelen zwischen Thomas Manns eigenem Leben und der Figur Gustav von Aschenbach, insbesondere im Kontext von Künstlerproblematik und Entstehungsgeschichte.

1. Aschenbachs Hang zum Dionysischen: Hier wird Aschenbachs bisheriges Leben als apollinisch charakterisiert und dargelegt, dass dennoch bereits dionysische Impulse in ihm angelegt waren, die nur unterdrückt wurden.

2. Die Todesboten - Die Ankündigung des Verfalls: Das Kapitel analysiert die fünf symbolischen Todesboten, die Aschenbachs Weg in den Untergang begleiten, und ihre mythologische Bedeutung als Vorboten des Dionysischen und des Todes.

3. Tadzio - Der Verführer: Dieses Kapitel beschreibt die Begegnung mit Tadzio, der für Aschenbach zur zentralen Verführerfigur wird, den Eros manifestiert und den Prozess der Hingabe an das Nichts einleitet.

4. Der Verfall Aschenbachs: Hier wird der Prozess der inneren und äußeren Auflösung Aschenbachs thematisiert, der parallel zur Cholera-Epidemie in Venedig verläuft und in einer dionysischen Schreckensvision gipfelt.

C. Schluss: Muss die Kunst am Dionysischen untergehen?: Das abschließende Kapitel reflektiert die Frage, ob eine Unvereinbarkeit zwischen Kunst und Leben besteht und wie Thomas Mann persönlich mit diesen Konflikten umging.

Schlüsselwörter

Thomas Mann, Der Tod in Venedig, Gustav von Aschenbach, Dionysisches, Apollinisches, Todesboten, Tadzio, Eros, Verfall, Décadence, Künstlerproblematik, Symbolik, Mythologie, Untergang, Ästhetik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Seminararbeit analysiert Thomas Manns Novelle „Der Tod in Venedig“ und untersucht den moralischen sowie ästhetischen Zerfall des Protagonisten Gustav von Aschenbach unter dem Einfluss dionysischer Kräfte.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentrale Themen sind die Dialektik zwischen apollinischer Ordnung und dionysischem Rausch, die Künstlerproblematik, das Verhältnis von Kunst und Leben sowie die symbolische Aufladung der Erzählung.

Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?

Ziel ist es aufzuzeigen, wie Aschenbachs Versuch, eine klassizistische Ordnung in seinem Leben und Werk aufrechtzuerhalten, am Einbruch des Dionysischen, verkörpert durch Tadzio und die Todesboten, scheitert.

Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?

Die Arbeit nutzt eine interpretative Literaturanalyse, die auf primären Textstellen der Novelle und ergänzender Sekundärliteratur (wie Nietzsches „Geburt der Tragödie“) basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Aschenbachs Charakter, die Analyse der fünf mythologischen Todesboten, die Rolle Tadzios als Verführer und die Darstellung des finalen Verfalls durch Cholera und Traumvisionen.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Zu den Schlüsselbegriffen zählen: Apollinisches, Dionysisches, Décadence, Künstlerproblematik, Eros, Todesboten und die Symbolik des Untergangs.

Wie ist die Funktion der Todesboten in der Novelle zu verstehen?

Die Todesboten fungieren als Spiegelbilder von Aschenbachs eigenem Unterbewusstsein; sie verkörpern das in ihm schlummernde Verlangen nach dem Maßlosen und begleiten ihn symbolisch in den Abgrund.

Wie unterscheidet sich Thomas Manns Umgang mit dem Dionysischen von dem seiner Figur Aschenbach?

Während Aschenbach am dionysischen Element zerbricht, da er versucht, sein Leben radikal für die Kunst zu verneinen, nutzte Thomas Mann die Homoerotik und die dionysische Seite als „Stachel seiner Kreativität“, ohne dabei an seiner eigenen Kunst zu untergehen.

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Details

Title
Thomas Manns "Der Tod in Venedig" - Die Verführung Aschenbachs durch Dionysos
College
Friedrich-Alexander University Erlangen-Nuremberg  (Institut für Germanistik)
Course
Hauptseminar: Thomas Manns Erzählungen
Grade
2,0
Author
Markus Lukas (Author)
Publication Year
2002
Pages
21
Catalog Number
V57261
ISBN (eBook)
9783638517638
ISBN (Book)
9783656781509
Language
German
Tags
Thomas Manns Venedig Verführung Aschenbachs Dionysos Hauptseminar Thomas Manns Erzählungen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Markus Lukas (Author), 2002, Thomas Manns "Der Tod in Venedig" - Die Verführung Aschenbachs durch Dionysos, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/57261
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