Der Begriff Mikropolitik taucht zum ersten Mal in einer Untersuchung von T.R. Burns aus dem Jahre 1961 auf. Er wurde in den 1970er Jahren von H. Bosetzky in den deutschsprachigen Raum eingeführt und ist seitdem gebräuchlich. Hintergrund waren ökonomische Krisen und die steigende Komplexität in Organisationen.
Dieser Teil der Seminararbeit befasst sich mit der Betrachtung der Reorganisation eines tayloristisch geführten Unternehmens zu einem Lean Management (LM) gelenkten Unternehmen. Im Mittelpunkt der Betrachtung wird dabei insbesondere das mikropolitische Verhalten der Mitarbeiter und des mittleren Managements stehen, da dies eines der elementarsten Hindernisse bei der Neuordnung sein kann.
Der Bereich, dem dabei die meiste Bedeutung zukommt, ist das „Human Resource Management“. Es wird durch das LM neu entwickelt und besagt, dass Mitarbeiter erstmals mit ihren managementdienlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten angesehen werden. Weitere wichtige Bereiche die hier eine Rolle spielen, sind der „kontinuierliche Verbesserungsprozess“ (KVP) sowie das „Total Quality Management“ (TQM).
Die neue Machtstruktur, die veränderten Aufgabenbereiche sowie die Verstärkung mikropolitischer Strategien führen zu Disharmonie, Anspannung und Rivalität zwischen den Organisationsteilnehmern. Ziel dieser Ausarbeitung ist, nach einer umfassenden Analyse, die Hindernisse bei der Umsetzung von LM zu verstehen und Ansätze zur Problemeliminierung darzustellen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung und Aufbau
2 Begriffsbestimmung und Anwendung von Mikropolitik
2.1 Definition
2.2 Mikropolitisches Verhalten
3 Begriffsbestimmung und Strategie von Macht
3.1 Definition
3.2 Macht durch Mikropolitik
3.3 Verliehene Macht in Organisationen
4 Neuordnung der Unternehmensstruktur durch Lean Management
5 Problemstellung: Mikropolitik im Lean Management und im Taylorismus
5.1 Soll-Zustand
5.2 Ist-Zustand
5.3 Hindernisse bei der Umwandlung in Lean Management
5.4 Einzelelemente des Lean Management
5.4.1 Hierarchieabbau
5.4.2 Teamarbeit
5.4.3 Qualitätszirkel (KVP)
5.5 Mind Map Mikropolitik im Lean Management
5.6 Einflussmatrix
5.7 Wirkungszusammenhänge
5.8 Portfolioanalyse
6 Problemlösung
6.1 Chancen und Risiken von Mikropolitik
6.2 Wege zur erfolgreichen Reorganisation
6.2.1 Teamfähigkeit und Qualifikation von Gruppen
6.2.2 Reduzierung von Widerständen
6.2.3 Partizipation
6.3 Arbeitsrechtliche Rahmenbedingungen
7 Schlussbetrachtung
8 Zusammenfassung in Thesenform
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Reorganisation tayloristisch geprägter Unternehmen hin zu einem Lean-Management-System unter besonderer Berücksichtigung mikropolitischer Verhaltensweisen. Dabei wird analysiert, wie sich das Machtstreben von Mitarbeitern und mittlerem Management auf den Transformationsprozess auswirkt und welche Strategien zur Problemeliminierung genutzt werden können.
- Mikropolitik in der Unternehmensorganisation
- Lean Management als strukturverändernde Maßnahme
- Machtdynamiken und Interessenkonflikte
- Identifikation und Überwindung von Transformationshindernissen
- Methoden zur Förderung kooperativer Strukturen
Auszug aus dem Buch
2.1 Definition
Mikropolitik ist nach „Neuberger“ „das Arsenal jener alltäglichen ‚kleinen’ Machtmethoden, mit denen innerhalb von Organisationen Macht aufgebaut und eingesetzt wird“.4 Mikropolitik befasst sich daher mit unauffälligen Techniken die besonders darauf abzielen, den Handlungsspielraum der Organisationsteilnehmer zu erweitern und sich so der Kontrolle zu entziehen.5 Hierbei wird davon ausgegangen, dass Unternehmen nicht vollständig durchorganisiert sind, sondern dass es immer Spielraum für individuelles machtorientiertes Handeln gibt. Um Erfolge zu erzielen ist es daher für Arbeitnehmer aber auch für Führungskräfte wichtig, Mikropolitik auszuüben.6
Der Soziologe „Bosetzky“ definiert den Begriff Mikropolitik als „die Bemühung, die systemeigenen materiellen und menschlichen Ressourcen zur Erreichung persönlicher Ziele, insbesondere des Aufstiegs im System selbst und in anderen Systemen zu verwenden sowie zur Sicherung und Verbesserung der eigenen Existenzbedingungen“.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung und Aufbau: Diese Einleitung führt in das Thema der Reorganisation tayloristischer Unternehmen ein und legt den Fokus auf die Rolle mikropolitischen Verhaltens als Hindernis bei der Implementierung von Lean Management.
2 Begriffsbestimmung und Anwendung von Mikropolitik: Hier werden theoretische Grundlagen zur Definition von Mikropolitik sowie das Spielkonzept und verschiedene Machtspiele nach Mintzberg und Burawoy dargelegt.
3 Begriffsbestimmung und Strategie von Macht: Dieses Kapitel definiert den Machtbegriff nach Max Weber und beleuchtet Strategien zur Machtgewinnung durch Mikropolitik sowie Formen verliehener Autorität in Organisationen.
4 Neuordnung der Unternehmensstruktur durch Lean Management: Es wird erläutert, wie Lean Management tayloristische Strukturen dezentralisiert und welche neuen Möglichkeiten für Mitarbeiter durch Hierarchieabbau und Gruppenarbeit entstehen.
5 Problemstellung: Mikropolitik im Lean Management und im Taylorismus: Dieses Kapitel stellt den Soll- und Ist-Zustand gegenüber, identifiziert Hindernisse bei der Wandlung und visualisiert Zusammenhänge mittels Einflussmatrix und Portfolioanalyse.
6 Problemlösung: Hier werden Strategien zur erfolgreichen Reorganisation erarbeitet, wobei Aspekte wie Teamfähigkeit, die Reduzierung von Widerständen sowie Partizipation und rechtliche Rahmenbedingungen im Vordergrund stehen.
7 Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung resümiert die Veränderung der hierarchischen Stellung der Mitarbeiter und betont, dass Mikropolitik als zweischneidiges Schwert aktiv durch das Management gesteuert werden muss.
8 Zusammenfassung in Thesenform: Dieses Kapitel fasst die zentralen Erkenntnisse der Arbeit in fünf prägnanten Thesen zusammen.
Schlüsselwörter
Mikropolitik, Lean Management, Taylorismus, Organisationsstruktur, Machtspiele, Reorganisation, Gruppenarbeit, Human Resource Management, KVP, TQM, Widerstand, Führung, Partizipation, Unternehmenskultur, Machtstreben.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Phänomen der Mikropolitik im Kontext der Einführung von Lean Management und untersucht, wie dieses Verhalten den Wandel von klassischen, tayloristischen Strukturen beeinflusst.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören Machttheorie, Lean Management, Hierarchieabbau, Teamarbeit, die Entstehung von Widerständen in Organisationen und Strategien zur erfolgreichen Reorganisation.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Hindernisse bei der Umsetzung von Lean Management zu identifizieren, die durch mikropolitische Verhaltensweisen der Akteure entstehen, und daraus resultierende Lösungsansätze abzuleiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der modellhaften Anwendung von Mikropolitik-Analysetools wie Einflussmatrizen und Portfolioanalysen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Definition von Mikropolitik und Macht, der Gegenüberstellung von Soll- und Ist-Zuständen beim Lean Management sowie der praktischen Lösung von Konflikten durch Management-Interventionen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlüsselwörter sind Mikropolitik, Lean Management, Machtspiele, Reorganisation und Organisationsentwicklung.
Warum ist Hierarchieabbau bei Lean Management problematisch?
Der Abbau von Hierarchien führt zu Machtverlusten im mittleren Management, was häufig zu Abwehrmechanismen, Sabotage und dem Aufbau von mikropolitischen Koalitionen führt, um persönliche Machtpositionen zu schützen.
Inwiefern kann Mikropolitik auch positive Effekte haben?
Mikropolitik kann als sportlicher Wettkampf wirken, der Mitarbeiter herausfordert, ihre Zähigkeit beweist und somit zur Funktionsfähigkeit der Organisation beitragen kann, sofern sie nicht destruktiv gegen Unternehmensziele gerichtet ist.
Welche Rolle spielt die Partizipation bei der Problemlösung?
Partizipation ist essentiell, um Motivation und Identifikation der Mitarbeiter zu steigern. Durch das Mitspracherecht beim KVP können Mitarbeiter ihr Expertenwissen einbringen und fühlen sich stärker mit der Reorganisation verbunden.
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- David Pieper (Author), 2006, Mikropolitik im Lean Management, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/57292