Die 'driving forces' im globalen Wettbewerb


Seminararbeit, 2006
40 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

GLIEDERUNG

1. Abschnitt : Hinführung zum Thema

2. Abschnitt : Die globale Umwelt
2.1 Die Komplexität der globalen Umwelt
2.2 Porters fünf Wettbewerbskräfte in der globalen Umwelt
2.3 Die formenden Kräfte der heutigen globalen Umwelt
i. Technologische Antriebskräfte
ii. Gesamtwirtschaftliche Antriebskräfte
iii. Politisch-rechtliche Antriebskräfte
iv. Sozio-kulturelle Antriebskräfte
v. Ökologische Antriebskräfte

3. Abschnitt : Grenzen im globalen Wettbewerb
3.1 Ökonomische Hindernisse
3.2 Institutionelle Hindernisse
3.3 Interkulturelle Aspekte
3.4 Ökologische Aspekte

4. Abschnitt : Abschließende Bemerkungen

Literaturverzeichnis

1. Abschnitt : Hinführung zur Thematik

Die Wirtschaftswissenschaften bezeichnen das Streben von mindestens zwei Akteuren eines Marktes nach einem Ziel, wobei der höhere Zielerreichungsgrad eines Akteurs einen niedrigeren Zielerreichungsgrad des anderen bedingt, als Wettbewerb.1 Die letzte Dekade war davon geprägt, dass jener wirtschaftliche Wettbewerb sich zunehmend im Rahmen internationaler Beziehungen abspielte. Konzerne mit einer Vielzahl von gegenseitigen Verflechtungen bauten starke internationale Wirtschaftsmacht auf, aber auch kleinere und mittelständische Unternehmen traten zunehmend mit ihren Marktaktionen in einem internationalen Umfeld auf. Dieser Prozess der Internationalisierung der Wirtschaft gewinnt derzeit weiter an Fahrt und wird sich in absehbarer Zeit fortsetzen. Der Wettbewerb, in dem sich Wirtschaftssubjekte bewegen, wird also zunehmend globaler.

Die klassische Lehre hat die unsichtbare Hand2, das Streben jedes Einzelnen nach seiner persönlichen Nutzenoptimierung, wodurch der Gesamtnutzen der Gesellschaft ebenfalls optimiert wird, als Triebfeder des Wettbewerbs erkannt. Die Lenkung knapper Ressourcen hin zur produktivsten Verwendung (Mittelallokation), das Generieren von Produktions- und Verfahrensinnovationen, die leistungsgerechte Verteilung von Erträgen sowie die Begrenzung der Macht Einzelner zur Eröffnung von Wahlmöglichkeiten für alle (Freiheit) sind die traditionellen Kräfte, die dem wirtschaftlichen Wettbewerb seine Richtung und Stärke verleihen.

Was sind jedoch die driving forces, die Antriebsfedern im gegenwärtigen wirtschaftlichen Umfeld des globalen Wettbewerbs ? Welche Kräfte lenken die Entwicklung von Unternehmen, Volkswirtschaften und der gesamten Weltwirtschaft ? Die vorliegende Studienarbeit versucht diese Fragen zu klären, indem sie den globalen Wettbewerb aus verschiedenen mikro- wie makroökonomischen Blickwinkeln betrachtet, um aus einer Vielzahl von Einflussfaktoren diejenigen herauszustellen, die heute für Richtung und Ausmaß wirtschaftlicher Entwicklung im globalen Wettbewerb verantwortlich zeichnen. Abschließend werden auch die Grenzen des globalen Wettbewerbs aufgezeigt, in deren Rahmen sich lediglich Wirtschaftswachstum aufbauen kann.

2. Abschnitt : Die globale Umwelt

Der Wettbewerb, dem Unternehmen und Volkswirtschaften heute ausgesetzt sind, ist globaler Natur. Zunehmend engagieren sich Firmen mit Produktions- und Vertriebsaktivitäten außerhalb ihrer angestammten Heimatmärkte. Jedoch kann weltmarktorientierte Produktion „nicht einfach an jedem Standort passieren, wo lediglich genügend Arbeitskräfte vorhanden sind. Profitable Industrieproduktion […] verlangt nach ausreichenden industriellen Ressourcen, einer entwickelten Infrastruktur sowie qualifizierter Arbeitskraft.“3 Die Weltwirtschaft hat dazu Zentren, Semiperipherie- und Peripherie-Standorte4 entwickelt, die in unterschiedlicher Ausprägung verschiedener Standorteigenschaften Funktionen im Weltwirtschaftsgefüge ausführen. Die Entwicklung dieser Regionen unterliegt einer permanenten Dynamik, wobei bestimmte Kräfte die Richtung und das Ausmaß der Entwicklung bestimmen. Bei der Analyse dieser Triebfedern, der driving forces des globalen Wettbewerbs, gilt es zu berücksichtigen, dass die globale Umwelt einer zunehmenden Komplexität unterliegt.

2.1 Die Komplexität der globalen Umwelt

Die globale Umwelt, in der Wettbewerb stattfindet, muss formal in drei Dimensionen aufgeteilt werden5, nämlich den Grad der Komplexität (die sog. Umwelteinfachheit), die Umweltdynamik (oder auch Umweltstabilität) und schließlich den Umweltdruck (Grad der Liberalität).

Die Umweltkomplexität beschreibt die Vielgestaltigkeit, den Grad der Unübersichtlichkeit der globalen Umwelt, die Zahl der Elemente und Faktoren, die in ihr eine aktive Rolle spielen, die Verschiedenartigkeit dieser Elemente sowie ihre gegenseitige Abhängigkeit bzw. den Zusammenhang zwischen den aktiven Elementen.6 Der globale Wettbewerb ist heute davon gekennzeichnet, dass sich der Umfang wirtschaftlicher Aktivitäten immer mehr ausweitet, gleichzeitig einer zunehmenden Spezialisierung unterliegt. Immer neue technologische Innovationen, neu entwickelte Bedarfe der Nachfrager sowie der Transfer von Bedarfen in andere, bisher weniger entwickelte Wirtschaftsräume erhöhen die Vielgestaltigkeit der globalen wirtschaftlichen Aktivitäten. Die Verflechtungen zwischen Unternehmen, Ländern und ganzen Regionen werden zahlreicher und dichter. Gerade multinationale Unternehmen (MNU’s) bauen engmaschige und weit reichende globale Netzwerke auf, die, geprägt durch eine hochgradige finanzielle und organisatorische Verschachtelung, immer unübersichtlicher werden. Die Zahl der global aktiven Wirtschaftssubjekte nimmt überproportional zu : Waren in früheren Zeiten in der Regel nur Großkonzerne weltweit aktiv, so treten heute mittelständische und selbst Kleinunternehmen wenn schon nicht weltweit, so doch zumindest international auf einzelnen Märkten auf. Dementsprechend nimmt die Verschiedenartigkeit der agierenden Wirtschaftssubjekte zu. Sie reicht heute vom kleinen, hochspezialisierten Nischenunternehmen bis hin zum großen, komplexen Multikonzern mit allen denkbaren Ausprägungen dazwischen. Komplexe Verbindungen bestehen zwischen diesen Unternehmen auf allen Ebenen, sowohl organisatorischer, finanzieller, wie auch technologischer oder vertrieblicher Natur.

Im Zeitablauf unterlag, unterliegt gegenwärtig und wird auch zukünftig die globale Umwelt einer permanenten Veränderung unterliegen. Von Bedeutung sind dabei die Art und das Ausmaß der Änderungen im Wirtschaftsgefüge, die Frage, inwieweit Art und Richtung der Änderung vorhersehbar sind, sowie die Häufigkeit von Veränderungen.7 Die Zahl weltweit agierender Unternehmen nimmt heute mit immer höherer Frequenz zu, Unternehmen wechseln oder scheiden aus dem globalen Wettbewerb auch wieder aus. Neue Technologien, immer weiter ausgereifte elektronische Kommunikationsmittel oder leichterer Güter- und Personentransport erzeugen ständig neue wirtschaftliche Betätigungsfelder, auf denen Unternehmen global aktiv sind. Insbesondere im Technologie-Sektor führt permanente Innovation zu einer exponentiell wachsenden Basis wirtschaftlicher Aktivitäten. Dauerte im 19. Jahrhundert die Verdoppelung des bekannten Wissens noch etwa 100 Jahre, verringerte sich die ‚Halbwertszeit des Wissens’ im 20. Jahrhundert auf 50 bis 10 Jahre, so spricht man heute von einem Zeitraum von 4 Jahren, im Bereich der Informationstechnologie sogar lediglich von 1,5 Jahren, bis sich das bekannte Wissen verdoppelt.8 Auch demographische Veränderungen bedingen in großem Maße Veränderungen der globalen wirtschaftlichen Aktivitäten. Während in praktisch allen Industrienationen die Bevölkerungszahl heute stagniert9 oder bereits rückläufig ist10, unterliegen die meisten Entwicklungsländer nach wie vor einem teilweise ungebremsten Bevölkerungswachstum, mit den entsprechenden Auswirkungen auf die Kräfte des globalen Wettbewerbs.11

In Bezug auf die Vorhersage zukünftiger Entwicklungen wirtschaftlicher Relevanz muss darauf hingewiesen werden, dass man hier einer gewissen Unsicherheit unterliegt. Sowohl ein unterschiedlicher Informationsstand der verschiedenen Wirtschaftssubjekte, aber auch eine subjektive Wahrnehmung von Zuständen oder Entwicklungen, die mangelnde Kenntnis über unvorhersehbare zukünftige Ereignisse mit ihren Auswirkungen auf die globale Umwelt und die darin aktiven Unternehmen führen dazu, dass die Analyse der driving forces des globalen Wettbewerbs immer nur bedingt und im Rahmen von bestimmten Voraussetzungen erfolgen kann. Abb. 1 stellt diesen Rahmen der Subjektivität der globalen Umwelt graphisch dar.12

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1 - Die Subjektivität der globalen Umwelt

Letztlich spielt bei der Analyse der Triebfedern im globalen Wettbewerb die Frage des Umweltdrucks eine zentrale Rolle. Das Ausmaß des Anpassungsdrucks, der sog. Reaktionszwang, und die mögliche Reaktionsvarianz, also der Spielraum, der zum Ausweichen bleibt, sind hier die Faktoren, die die driving forces determinieren.13 Im heutigen weltwirtschaftlichen Umfeld sind insbesondere drei Faktoren bei der Bewertung des Umweltdrucks, dem der globale Wettbewerb unterliegt, wesentlich :

i. Intensität des Wettbewerbs : Eine zunehmende Angleichung des technologischen Niveaus in verschiedenen Wirtschaftsräumen, innovative Kommunikationsmittel, erleichterter Güter- und Personentransport sowie eine tendenzielle Angleichung des Lebensstandards unterschiedlicher Regionen erhöhen gegenwärtig die Intensität des globalen Wettbewerb stetig;

ii. Knappheit von Ressourcen : Die zunehmende Verknappung von Rohstoffen, insbesondere von Energieträgern wie Erdöl, Erdgas und Uran und lebenswichtigem Trinkwasser in bestimmten Regionen14 stellt eine wesentliche Randbedingung dar, die den globalen Wettbewerb hochgradig beeinflusst;

iii. Rechtliche Rahmenbedingungen / Gesetze : Der globale Wettbewerb unterliegt der Schere aus einerseits Versuchen der Liberalisierung des Welthandels, z.B. durch die WTO, ehemals GATT, und andererseits protektionistischen Tendenzen einzelner Staaten15 sowie dem Problem hochgradig unterschiedlicher Rechtsnormen in unterschiedlichen Ländern; Inwieweit diese Faktoren letztlich den Veränderungsdruck auf Unternehmen und Volkswirtschaften erhöhen, hängt maßgeblich von dem jeweiligen Zustand der Institution ab, sowie von den Rahmenbedingungen, innerhalb derer sie sich bewegt.

2.2 Porters fünf Wettbewerbskräfte in der globalen Umwelt

Nach dieser einleitenden Betonung der Komplexität der globalen Umwelt, in der die Wettbewerbskräfte wirken und der Darstellung der drei formalen Dimensionen Komplexität, Dynamik und Reaktionszwang, geht es nun darum, die Wettbewerbskräfte sowohl aus mikroökonomischer wie auch makroökonomischer Sicht zu analysieren. Ausgangspunkt der mikroökonomischen Betrachtung sollen die fünf Wettbewerbskräfte nach Porter sein, jene Kräfte, die weithin als Antriebsfedern des Unternehmens gesehen werden, um im Wettbewerb zu bestehen. Die folgende Darstellung setzt Porters Wettbewerbskräfte in einen globalen Kontext.

Porter16 geht davon aus, dass das Unternehmen in seiner Funktion als Vermarkter in einer bestimmten Branche fünf Wettbewerbskräften unterliegt, die seine wirtschaftliche Entwicklung in Richtung und Ausmaß bestimmen (vgl. Abb. 2) :

i. Bestehende Wettbewerber in der Branche ð Rivalität zwischen den im Wettbewerb stehenden Marktteilnehmern

ii. Potentielle neue Wettbewerber ð Bedrohung durch neue Konkurrenten

iii. Lieferanten ð Verhandlungsmacht der Zulieferer

iv. Abnehmer ð Verhandlungsmacht der Kunden

v. Substitute ð Bedrohung bzw. Wettbewerb durch Austauschprodukte

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2 - Porters fünf Wettbewerbskräfte

Auch im weltweiten Wettbewerb wirken auf das Unternehmen die gleichen Kräfte, jedoch bedarf es einer genaueren Betrachtung, um zu analysieren, wie sich der globale Kontext auswirkt.

Die Rivalität zwischen den bestehenden Wettbewerbern äußert sich z.B. in Preiskämpfen, Werbeschlachten, der Einführung neuer Produkte oder der Erweiterung von Service- oder Garantieleistungen. Mit dem Eintritt in globale Märkte vervielfacht sich für das Unternehmen die Zahl der im Markt befindlichen Wettbewerber. Zu den bestehenden Konkurrenten kommen nun Widersacher hinzu, die bisher nicht oder nur wenig bekannt sind. Insofern kommt zur normalen Bedrohung durch im Markt befindliche Wettbewerber noch die Unsicherheit über deren Eigenschaften, Stärken und Schwächen hinzu. Mit dem für das Unternehmen verschärften Wettbewerb entsteht jedoch auch eine zusätzliche Triebfeder für neue Entwicklungen. Konkurrenzdruck bewirkt in aller Regel in Unternehmen die Notwendigkeit, sich durch geeignete Marketing-Maßnahmen, z.B. Produktinnovationen, innovative Vermarktungskonzepte, Forschung & Entwicklung, klare Kundenfokussierung, Schärfen des Unternehmensimages, neue Wettbewerbsvorteile zu verschaffen. Mit je mehr und umso stärkeren Konkurrenten das Unternehmen im Wettbewerb steht, desto größer wird tendenziell der Innovationsdruck für das Unternehmen. Insofern wird der globale Wettbewerb mit seinem überproportional wachsenden Potential an Marktkonkurrenten selbst bereits zur ersten wesentlichen Triebfeder der Entwicklung.

Mit der zunehmenden Globalisierung der Wirtschaft erhöht sich auch überproportional die Möglichkeit, dass im Markt neue, bisher gänzlich unbekannte Wettbewerber auftauchen. Insbesondere Konkurrenten aus Regionen und Ländern, die in der Vergangenheit wenig wettbewerbsfähig waren, z.B. aus Brasilien, Indien, China, Malaysia, Südafrika, treten in den unterschiedlichen Branchen zunehmend in den weltweiten Markt ein. Schwellenländer und auch einzelne Entwicklungsländer steigern gegenwärtig in erheblichem Maß ihre technologischen und kommerziellen Fähigkeiten und erreichen so zunehmend Zustände, in denen sie global wettbewerbsfähig werden. Aber auch neue Wettbewerber aus Industrienationen etablieren sich in neuen Märkten, insbesondere dort, wo auf der Basis eines gesunden, viel versprechenden Wirtschaftswachstums profitable Geschäfte zu erwarten sind. Dementsprechend erhöhen neue Wettbewerber den Innovationsdruck weiter auf das Unternehmen. Die Globalisierung führt dazu, dass das Potential an neuen Wettbewerbern exponentiell zunimmt. Insofern gilt auch hier, dass der globale Wettbewerb selbst die Wirkungskraft der Triebfeder zur Entwicklung verstärkt. Im Sinne eines positiven Regelkreises lässt sich also sagen, dass der globale Wettbewerb selbst eine verstärkende Wirkung als driving force ausübt.

Die Verhandlungsmacht der Lieferanten als dritte der Wettbewerbskräfte Porters erfährt ebenfalls im globalen Umfeld eine erhebliche Verstärkung. Mit der zunehmenden weltweiten Vernetzung und damit einer Zunahme der Größe von Unternehmen und Konzernen, erhöht sich auch deren Verhandlungsmacht. Im Einzelfall, unter der Annahme von Ressourcenknappheit, kann sich das Unternehmen sogar in einem Einkaufswettbewerb mit anderen Firmen befinden, was wiederum den Innovationsdruck erhöht. Umgekehrt bieten weltweite Partnerschaften mit Zulieferern aber auch Chancen für den Zugang zu ansonsten unzugänglichen Ressourcen oder Technologien, der Pool an Innovationspotential wird größer und bietet damit neue Möglichkeiten der Entwicklung.

Die möglicherweise am stärksten ausgeprägte Kraft im Rahmen von Porters Wettbewerbskräften auf globaler Ebenen stellt die Verhandlungsmacht der Abnehmer dar.

Ebenso wie auf Lieferantenseite führt die Globalisierung auch auf Abnehmerseite zu größeren und weiter vernetzten Unternehmen und Konzernen, die damit ihre Einkaufsmacht verstärken können. Global aktive Kunden verfügen auch über einen deutlich größeren Pool an verfügbaren Zulieferern, deren Transparenz untereinander durch moderne elektronische Kommunikationsmittel zunimmt. Das globale, und damit auch sozial und kulturell äußerst weit reichende Umfeld führt zu einer Vielzahl von neuen Rahmenbedingungen und Erfordernissen, auf die sich das weltweit agierende Unternehmen einstellen muss. Unterschiedlichste Bedürfnisse und Bedarfe von Nachfragern aus verschiedenen Ländern und Regionen bedingen eine ausgeprägte Anpassungs- und Innovationsfähigkeit des Unternehmens. Insofern wird im globalen Kontext die gegenüber dem lokalen Umfeld deutlich stärker und vor allem breiter entwickelte Verhandlungsmacht der Abnehmer zu einer wesentlichen Triebfeder für die Entwicklung des Unternehmens.

Schließlich liegt im globalen Umfeld auch eine erhöhte Bedrohung durch Austauschprodukte begründet. Niedrigere oder höhere Anspruchsschwellen von Nachfragern in anderen Ländern und Regionen führen ggf. zum Austausch der eigenen Produkte gegen Substitute. Auch die Wahrscheinlichkeit, dass Ersatzprodukte auf der Basis anderer Technologien oder Eigenschaften im eigenen Markt auftreten, steigert sich mit der Zunahme des Grades der Globalisierung in einer Branche. Die Bedrohung durch Substitute bedeutet für das Unternehmen, deutlich erhöhten Wert auf eine zuverlässige Marktbeobachtung zu legen, gleichzeitig auch durch die Entwicklung neuer und besserer Vermarktungstechniken und Technologien den Anreiz der Nachfrager, auf Ersatzprodukte umzusteigen, zu mindern.

Dementsprechend lässt sich zusammenfassend sagen, dass die durch Porter benannten Wettbewerbskräfte im globalen Umfeld ebenso auftreten, jedoch in ihrer Wirkung als driving force deutlich stärker ausgeprägt sind. Dies liegt wiederum in der Vervielfachung des Wettbewerbs durch die Globalisierung begründet. Insofern stellt die Globalisierung selbst eine driving force im globalen Wettbewerb dar.

Ergänzend muss noch festgehalten werden, dass neben den von Porter benannten fünf Wettbewerbskräften auf das Unternehmen aus dem sog. Stakeholder-Umfeld weitere Kräfte wirken, die das Unternehmen dazu bewegen, durch Anpassung und Entwicklung deren Ansprüche zu befriedigen. Post / Lawrence / Weber17 nennen neben den Lieferanten, Abnehmern, und Wettbewerbern weitere stakeholder, die das Unternehmen beeinflussen : Zwischenhändler, eigene Mitarbeiter, Kreditgeber und Anteilseigner. In einem weiter gefassten Sinne zählen sie auch die Medien, bestimmte Lobbygruppen, Verbände und Gewerkschaften, lokale, regionale und nationale Behörden und Regierungen sowie die Gesellschaft als Ganzes dazu. Mit dem Eintritt in weltweite Märkte erhöht sich die Anzahl der stakeholder für das Unternehmen überproportional und damit auch der Grad der Notwendigkeit, Anpassungen und Innovationen zu entwickeln, um stakeholder-Bedürfnisse zu bedienen. Je mehr das Unternehmen in globale Aktivitäten involviert ist, umso komplexer wird die ökonomische und politische Macht der stakeholder. Dem entsprechend erhöht sich auch deren Wirkungsgrad als driving force im globalen Wettbewerb.

2.3 Die formenden Kräfte der heutigen globalen Umwelt

Über die mikroökonomische Sicht hinaus gilt es nun, Betrachtungen aus makroökonomischem Blickwinkel anzustellen. Aus dieser Sicht können jene Kräfte als driving forces im globalen Wettbewerb betrachtet werden, die Volkswirtschaften nachhaltig beeinflussen und sowohl Richtung wie auch Ausmaß von wirtschaftlichen Entwicklungen bedingen. Jede Volkswirtschaft unterliegt einer Vielzahl von solchen Kräften, die wichtigsten seien nun herausgestellt18:

- Globale volkswirtschaftliche Veränderungen : z.B. Entstehen von volkswirtschaftlichen Wachstumsregionen, sog. Wachstums-Lokomotiven, regionale WirtschaftsstrukturKrisen, Verschiebungen der internationalen Wechselkurs-Relationen
- Rollenverschiebungen zwischen öffentlichem und privatem Sektor : z.B. friedliche oder gewaltsame Regierungswechsel, geänderte Ausrichtungen der Wirtschaftspolitik eines Staates, Privatisierungen von ehemals staatlichen Betrieben
- Sozial-strategische Herausforderungen : z.B. nachhaltige Veränderungen in der Bevölkerungszahl und -struktur eines Staates bzw. einer Region, Verschiebungen in der Einkommensverteilung innerhalb einer Gesellschaft, Entstehen von Wohlstandswachstum in Entwicklungs- und Schwellenländern
- Technologie und neues Wissen : z.B. Fortentwicklung elektronischer Kommunikationsmedien, Effizienzsteigerung von Güter- und Personentransportmitteln, bahnbrechende Forschungsergebnisse in modernen Technologien wie Gentechnik, Nuklearforschung oder Raumfahrt

[...]


1 Vgl. www.de.wikipedia.org , Begriff „Wettbewerb (Wirtschaft)“

2 Adam Smith’s invisible hand

3 Fröbel / Heinrichs / Kreye S.295

4 Die Begriffe stammen von Wallerstein, der unter der Überschrift „Weltsystemtheorie“ am Fernand Braudel Center for the Study of Economics, Historical Systems and Civilizations (Binghamton, USA) weltweite soziale, ökonomische und politische Strukturveränderungen untersucht.

5 Vgl. Schreyögg S. 304 ff.

6 Vgl. Schreyögg S. 305 ff.

7 Vgl. Schreyögg S. 307 ff.

8 Vgl. Davis / Botkin S. 156

9 Auch die Volksrepublik China weist heute bereits nur mehr marginales Bevölkerungswachstum auf

10 Dies gilt aufgrund von Seuchen, Misswirtschaft und Krieg auch bereits für eine ganze Zahl von Entwicklungsländern, z.B. Botswana, Zimbabwe und Schwellenländern, z.B. Südafrika

11 Zu den Auswirkungen demographischer Entwicklungen u.a. auf die Weltwirtschaft findet vom 27. - 29. September 2006 an der Universität St. Gallen (Schweiz) der World Ageing & Generations Congress 2006 statt

12 Vgl. Schreyögg S. 308

13 Vgl. Schreyögg S. 310 f.

14 Sowie in den letzten Jahren in diesem Zusammenhang vermehrt auftretende kriegerische Konflikte um Rohstoffe wie Erdöl oder Trinkwasser

15 Z.B. USA, Europäische Union, China, aber auch viele Schwellenländer wie z.B. Indien oder Brasilien

16 Vgl. Porter (2004) S. 23

17 Vgl. Post / Lawrence / Weber S. 10 ff.

18 Vgl. Post / Lawrence / Weber S. 10 ff.

Ende der Leseprobe aus 40 Seiten

Details

Titel
Die 'driving forces' im globalen Wettbewerb
Hochschule
Ekonomická univerzita v Bratislave  (Fakultät für Internationalen Handel)
Veranstaltung
Strategisches Management
Note
1,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
40
Katalognummer
V57342
ISBN (eBook)
9783638518376
ISBN (Buch)
9783638665346
Dateigröße
831 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Globalisierung, Porters Wettbewerbskräfte, Grenzen im globalen Wettbewerb
Schlagworte
Wettbewerb, Strategisches, Management
Arbeit zitieren
Dipl. Betriebswirt (FH) Klaus Mühlbäck (Autor), 2006, Die 'driving forces' im globalen Wettbewerb, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/57342

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