Die Vorsokratiker dachten über die Entstehung und den Aufbau der Welt nach. Sie glaubten den Urgrund aller Dinge in einem Urstoff zu finden. Pythagoras und seine Anhänger redeten über kosmische Harmonie. Diese beruhten auf Zahlen als den Relationen zwischen Dingen. Pythagoras war der Auffassung, dass die Seele ein unsterbliches Ding ist und sich in andere Lebende Dinge verwandelt, was ins Dasein tritt, wird im kommen und gehen eines unabänderlichen Kreislaufs wiedergeboren, es ist also nichts absolut neu. Außer den Pythagoreer zählte die Naturphilosophie der Milesier, die Eleaten, Heraklit, die jüngeren Naturphilosophen und Atomisten zur Vorsokratik. Auch die Sophisten zählen in der Regel zu den Vorsokratikern, allerdings denken sie anders und ihr Interesse liegt auf einer anderen Ebene. Womit die Sophisten sich beschäftigt haben und was sie lehrten werde ich im folgenden Punkt darstellen. Anschließend werde ich Protagoras, den größten Sophisten der damaligen Zeit vorstellen. Zudem werde ich auf seinen wohl bekanntesten Satz „ Aller Dinge Maß ist der Mensch, derer die sind, dass sie sind, derer die nicht sind “ eingehen und ihn anhand von Beispielen verdeutlichen. Zu einem weiteren wichtigen Sophisten gehört Gorgias, der wie Protagoras das Volk durch seine Beredsamkeit imponierte. Ich werde mich zu seinem Leben und seiner Philosophie äußern. Sein Denken über das „ Nichtseiende “ werde ich bei der Betrachtung in den Vordergrund stellen und anhand von Materialien, die ich während des Seminars „Die Sophisten“ gehalten von Georg Siegmann gesammelt habe verdeutlichen. Am Ende dieser Arbeit werde ich eine Zusammenfassung des Erarbeiteten bieten.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. DIE SOPHISTEN
3. PROTAGORAS „ DER MENSCH ALS MAß ALLER DINGE“
3.1 GORGIAS NICHTSEIENDES
4. SCHLUSSBEMERKUNG
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht das philosophische Denken der beiden bedeutenden Sophisten Protagoras und Gorgias. Ziel ist es, deren Kernansichten – insbesondere Protagoras' Relativismus und Gorgias' Skepsis gegenüber der Erkenntnis- und Mitteilungsfähigkeit – darzustellen und anhand von Beispielen verständlich zu machen.
- Die philosophische Abgrenzung der Sophisten von den Vorsokratikern
- Protagoras und der berühmte Leitsatz über den Menschen als Maß aller Dinge
- Die epistemologische und sprachphilosophische Skepsis des Gorgias
- Die Bedeutung von Rhetorik und subjektiver Wahrnehmung im sophistischen Denken
- Das Verhältnis zwischen Wirklichkeit, Sprache (Logos) und Mitteilbarkeit
Auszug aus dem Buch
3.1 GORGIAS NICHTSEIENDES
Gorgias Aussage, dass nichts ist, wenn doch etwas ist, sei es dem Menschen nicht erfassbar, wenn aber doch etwas sowohl ist als auch erkennbar ist, sei es jedoch anderen Menschen nicht mitzuteilen,16 soll in diesem Punkt erläutert werden. Er meint, wenn man das Seiende des Parmenides als gültig unterstellt, gar nichts vorstellt, sondern ein Nichtseiendes annimmt. Das nichts ist, schließt er, indem er zusammenstellt, was von anderen gesagt worden ist, die in ihren Äußerungen über das Seiende unter sich widersprüchliche Behauptungen aufstellen, da nämlich die einen es als eines und nicht vieles und nicht eines und jene es als ungeworden, diese aber als geworden aufweisen, er schließt dies gegen beide Seiten.
Sein erstes Argument für seine Aussage, dass nichts ist, lautet: „ Wenn etwas nämlich ist, ist entweder das Seiende oder das Nichtseiende oder sowohl das Seiende als auch das Nichtseiende.“17 Ich habe dies wie folgt verstanden, stellt man sich Phänomene der Bewegtheit vor, so ist es in einem Moment, woanders ist es noch nicht, wird es aber bald sein. Es ist auch möglich zu sagen, hier ist es nicht und dort ist es, es ist, ist jedoch nicht mehr hier, sondern woanders. Es gibt also kein Nichtseiendes, es gibt nur nichts. Wenn es Nichtseiendes geben würde, würde das Seiende nicht sein. Damit meine ich, wenn grün blau ist, muss demzufolge blau grün sein, dies funktioniert jedoch nicht. Sagt man von Nichtsein, dass es Nichtsein ist, dann würde das Nichtsein nicht mehr auszuschließen sein aus dem Bereich des Seienden. Würde man zugeben, dass Nichtsein ist, so hätte man zugegeben, was Gorgias behauptet, nämlich, dass nichts ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Arbeit ordnet die Sophisten in den Kontext der vorsokratischen Philosophie ein und skizziert die methodische Vorgehensweise zur Analyse von Protagoras und Gorgias.
2. DIE SOPHISTEN: Dieses Kapitel beschreibt den Rollenwandel des Philosophen, die Bedeutung der Rhetorik und den Kontrast zwischen der sophistischen Lehre und dem Wirken des Sokrates.
3. PROTAGORAS „ DER MENSCH ALS MAß ALLER DINGE“: Hier wird der radikale Subjektivismus des Protagoras untersucht, der davon ausgeht, dass es keine objektive Wahrheit gibt, sondern nur individuelle Wahrnehmungen.
3.1 GORGIAS NICHTSEIENDES: Dieser Abschnitt analysiert die radikale Skeptik des Gorgias, der die Existenz, die Erkennbarkeit und die kommunikative Vermittelbarkeit des Seins in Frage stellt.
4. SCHLUSSBEMERKUNG: Abschließend werden die zentralen Thesen der beiden Denker zusammenfassend rekapituliert und der Erkenntniswert der Untersuchung reflektiert.
Schlüsselwörter
Sophisten, Protagoras, Gorgias, Vorsokratiker, Subjektivismus, Relativismus, Rhetorik, Erkenntnistheorie, Nichtseiendes, Logos, Wahrnehmung, Skeptizismus, Philosophie, Wahrheit, Argumentationskunst.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit dem philosophischen Erbe der antiken Sophisten, wobei der Fokus gezielt auf die Positionen und Argumentationsweisen von Protagoras und Gorgias gelegt wird.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt der Untersuchung?
Im Zentrum stehen der erkenntnistheoretische Subjektivismus, die Skepsis gegenüber objektiven Wahrheiten sowie die machtvolle Rolle der Rhetorik und Sprache innerhalb des menschlichen Zusammenlebens.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel der Arbeit ist es, die komplexen und oft als paradox empfundenen Thesen der Sophisten so aufzubereiten, dass ihr systematischer Kern – insbesondere in Bezug auf die Subjektivität der menschlichen Wahrnehmung – verständlich wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine Analyse von Fachliteratur sowie auf Mitschriften aus einem universitären Seminar, um die (oft nur fragmentarisch überlieferten) Gedanken der Sophisten zu rekonstruieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der sophistischen Denkweise im Allgemeinen, gefolgt von einer tiefgehenden Analyse der Protagoras-Maxime „Der Mensch ist das Maß aller Dinge“ und einer Auseinandersetzung mit der skeptischen Ontologie des Gorgias.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Sophistik, Subjektivismus, Skeptizismus, Rhetorik, Erkenntnistheorie und der Begriff des „Nichtseienden“.
Wie begründet Protagoras seine Ablehnung einer objektiven Wahrheit?
Protagoras argumentiert, dass Wahrnehmung stets an das Individuum gebunden ist; da jeder Mensch Dinge anders wahrnimmt, gibt es keine übergeordnete, objektive Realität, sondern lediglich nützliche Meinungen.
Warum behauptet Gorgias, dass eine Mitteilung von Erkenntnissen unmöglich sei?
Gorgias geht davon aus, dass Sprache (der Logos) ein von der äußeren Wirklichkeit unabhängiges Medium ist; da das Erlebte nicht identisch in eine andere Person übertragen werden kann, bleibt Kommunikation stets ein Konstrukt, das die Wirklichkeit nicht deckungsgleich abbilden kann.
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- Sibel Yilanci (Author), 2006, Die Sophisten Protagoras und Gorgias, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/57379