Muslime und Araber sind in den USA seit dem 11.September in besonderem Maße einem gesellschaftlichen Druck ausgesetzt, der in Teilen einer Vorverurteilung gleicht. Der Prozess einer Stigmatisierung der Araber und Muslime in den USA hat jedoch nicht erst mit dem 11. September begonnen. Es lässt sich eine klare Stereotypisierung feststellen, die ihre Climax im Bild des arabischen Terroristen findet.
Bei der Beschäftigung mit diesem Thema habe ich bewusst auf die Maßnahmen des PATRIOT Act verzichtet, weil ich meinen Schwerpunkt eher auf die gesellschaftlichen, innerhalb der USA vorhandenen Sichtweisen gelegt habe. Ich halte die innenpolitischen Maßnahmen seit dem 11. September in den USA ebenso wie in Europa meist für politische Reflexe, die aufgrund geschaffener Stimmungen schnell und meist ohne größeren Widerstand eingeführt werden konnten. Zwar wird für die Durchsetzung solcher Gesetzesvorhaben immer wieder auf vorhandene Feindbilder und Stereotype zurückgegriffen. Deren Vorhandensein ist aber meiner Ansicht nach nicht von plötzlich auftretenden Ereignissen, wie Terroranschlägen, allein abhängig. Stereotype und Feindbilder sind Teil der Persönlichkeit eines jeden Individuums und wahrscheinlich auch des Empfindens von größeren (vermeintlich) homogenen Gruppen. Der Mensch, so schreibt Mathias Hildebrandt in seinem Aufsatz „Identity Formation, Prejudices, Stereotypes and Enemy Images“, ändere seine Feindbilder nicht einfach und schnell, da seine Wahrnehmung durch diese Stereotype gefestigt und gelenkt werde . Deshalb scheint es mir zwar logisch, dass Stereotype für populistische Zwecke gebraucht werden, die angesprochenen Gesetzesvorhaben und Verordnungen wie der PATRIOT Act sind jedoch Produkte einer vorhandenen Stereotypisierung und oft eben auch des Machtbewusstseins politischer Eliten. In einem Artikel für die Website www.islamfortoday.com schreibt Bassil Akel, dass negative Stereotype des Islam in der westlichen Welt nichts Neues seien und schon mit den Kreuzzügen und der Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen 1453 entstanden sind.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
2. Verwendete Literatur
3. Stereotypisierung – eine Definition
4. Stereotypisierung in den amerikanischen Medien
4.1 Literatur
4.2 Stereotypisierung in den journalistischen Medien
4.3 Die Experten- und Korrespondentenfrage
5. Stereotypisierung und US-Amerikanische Außenpolitik
5.1 Strömungen in der US-Außenpolitik
5.2 Der II. Weltkrieg, Israel und der arabische Nationalismus
5.3 Die islamische Revolution & das Ende des Kalten Krieges
5.4 Der 2. Golfkrieg und der Kreuzzug gegen den Terror
6. Christliche & jüdische Verbände und das Bild der American-Muslims
6.1 Die israelische Lobby
6.2 Neokonservative und christliche Einflüsse
6.3 Internet und Stereotypisierung
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwiefern die Stereotypisierung des Islam und der Muslime die Außenpolitik der USA sowie den gesellschaftlichen Umgang mit amerikanischen Muslimen maßgeblich beeinflusst hat.
- Analyse von Trends der Stereotypisierung in Literatur, Medien und Politik.
- Untersuchung des Einflusses christlich-konservativer Gruppierungen auf das Bild des Islam.
- Reflektion über die Rolle der israelischen Lobby bei der US-Nahostpolitik.
- Betrachtung der Wirkung populistischer Internetmedien auf die öffentliche Wahrnehmung.
- Diskussion über Identitätskonflikte von Muslimen in der US-Gesellschaft.
Auszug aus dem Buch
4. Stereotypisierung in den amerikanischen Medien
„Americans tend to associate all Muslims with the worst Muslim they know of at the time, a Muslim who is in the news for causing trouble“, schreibt Asma Gull Hassan in ihrem Werk „American Muslims“ und drückt damit aus, was in den meisten Arbeiten über das Verhältnis von Muslimen zu den amerikanischen Medien angeklagt wird. Es seien, so ist zu lesen, ganz bestimmte negative Vorurteile und Stereotype maßgebend für die Berichterstattung über den Islam und die Muslime. Ute Gerhard stellt in ihrem Vortrag anlässlich der IfA-Tagung Deutsch – arabischer Mediendialog vom November 1997 dar, dass der einfachste Weg zur Bildung von Stereotypen die Schaffung einer homogenen Masse sei, die mit negativen Attributen versehen werde. Sie nennt die „unspezifische Pluralbildung“ und somit die Verbindung des einzelnen Individuums in der Gruppe der Muslime und Araber mit einem als irrational und bedrohlich betrachteten Fanatismus als maßgeblichen Faktor, um ein negatives Stereotyp zu bilden.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung führt in die Forschungsfrage ein und erläutert den Fokus der Arbeit auf gesellschaftliche Sichtweisen und politische Reflexe in den USA seit dem 11. September.
2. Verwendete Literatur: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die für die Analyse herangezogene Fachliteratur, Standardwerke zur Stereotypisierung sowie medienkritische Publikationen.
3. Stereotypisierung – eine Definition: Hier wird der theoretische Rahmen gesteckt, indem die Entstehung von Vorurteilen, Stereotypen und Feindbildern im Kontext der interkulturellen Kommunikation diskutiert wird.
4. Stereotypisierung in den amerikanischen Medien: Dieses Kapitel analysiert, wie Medien und Literatur durch die Konstruktion eines homogenen, bedrohlichen Bildes des Islam zur Stereotypisierung beitragen.
5. Stereotypisierung und US-Amerikanische Außenpolitik: Es wird untersucht, wie außenpolitische Entscheidungen und Interessen der USA eng mit der Stigmatisierung der arabischen Welt verknüpft sind.
6. Christliche & jüdische Verbände und das Bild der American-Muslims: Dieses Kapitel beleuchtet den Einfluss lobbyistischer und religiöser Akteure auf die politische Meinungsbildung und die Diffamierung muslimischer Identitäten.
7. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und diskutiert Möglichkeiten, wie durch differenzierte Aufklärung festgefahrene Feindbilder überwunden werden könnten.
Schlüsselwörter
Stereotypisierung, Islam, USA, Außenpolitik, Medien, Vorurteile, Feindbild, American-Muslims, Nahost-Konflikt, Evangelikale, Lobbyismus, Identität, Diskriminierung, Terrorismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert, wie die Stereotypisierung des Islam und der Muslime die US-Außenpolitik und den gesellschaftlichen Umgang mit muslimischen Minderheiten innerhalb der Vereinigten Staaten geformt hat.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Zentrale Themen sind die Rolle von Massenmedien, der Einfluss christlich-konservativer Gruppen, die Wirkmacht der israelischen Lobby sowie die Auswirkungen von Identitätskonflikten nach dem 11. September.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie politisch instrumentalisierte Feindbilder und mediale Stereotype eine sachliche Wahrnehmung des Islam verhindern und zur Ausgrenzung von Muslimen beitragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Der Autor stützt sich auf eine tiefgehende Literatur- und Diskursanalyse, wobei er aktuelle Publikationen, Reden und Medienberichte kritisch gegenüberstellt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die historischen und aktuellen Trends der Stereotypisierung in Medien und Literatur, die Verknüpfung von Außenpolitik mit religiösen Narrativen sowie den Einfluss spezifischer Interessengruppen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Stereotypisierung, Feindbildkonstruktion, US-Außenpolitik, Neokonservatismus und interkulturelle Kommunikation.
Welche Rolle spielen die Medien bei der Entstehung von Stereotypen?
Laut Arbeit tragen Medien durch die Sensationspräferierung und die „unspezifische Pluralbildung“ entscheidend dazu bei, den Islam pauschal mit Terrorismus und Gewalt gleichzusetzen.
Wie beeinflussen religiöse Verbände die politische Stimmung in den USA?
Die Arbeit argumentiert, dass vor allem evangelikale Gruppen den Islam als ideologischen Gegner stilisieren und so die öffentliche sowie politische Akzeptanz für eine konfrontative Nahost-Politik erhöhen.
Welchen Einfluss hat die „Israel Lobby“ auf die Nahost-Politik?
Der Autor führt aus, dass pro-israelische Verbände einen maßgeblichen Einfluss darauf nehmen, wie der Nahost-Konflikt in den USA definiert wird, was oft zu einer Dämonisierung palästinensischer Interessen führt.
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- Christian Wolff (Author), 2006, Muslime und Araber in den USA - Die Gefahr der Stereotypisierung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/57447