Das Frauenbild im NS-Staat


Referat (Ausarbeitung), 2004

15 Seiten

Eva Fründt (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Gedichte über die Frau
2.1 Frauenrecht
2.2 Frauen
2.3 Interpretation der Gedichte

3. Das Wesen der Frau

4. Das Idealbild der Mutter

5. Das Idealbild der Ehefrau

6. Das negative Bild der Frau

7. Warum ließen sich Frauen auf jene Frauenbilder ein?

8. Literaturverzeichnis

1.Einleitung

Das Bild der Frau im Nationalsozialismus ist gegensätzlich zu dem der heutigen Zeit. Aus diesem Grunde möchte ich in dieser Arbeit versuchen, dem Frauenbild des Nationalsozialismus’ etwas näher zu kommen. Da die damaligen Frauenbilder gezielt zu bestimmten Zwecken entworfen worden sind, müssen sie der Realität nicht entsprechen. Und dennoch hatten sie im Nationalsozialismus große Wirkungen auf das gesellschaftliche Leben.

In meinen Texten werde ich Frauenbilder aus der Sicht der Frau dieser Zeit und aus der Sicht des Mannes betrachten, hingegen ich mich mit dem Männerbild, welches Adolf Hitler im Nationalsozialismus geschaffen hat, nicht auseinandersetzen werde, es wird jedoch indirekt in meinen Texten durchschimmern.

Beginnen werde ich mit zwei Gedichten, welche Frauen in der NS-Zeit verfasst haben. Um dem Leser den Inhalt der Gedichte näher zu bringen, fahre ich mit einer Interpretation dieser fort. Auf diese Weise möchte ich das Plenum mit dem Thema „Frauenbild“ vertraut machen.

Im Anschluss werden die Wesenseigenschaften der Frau im Frauenbild dieser Zeit näher beschrieben. Um dabei einen direkten Bezug zur NS-Zeit aufzubauen, werde ich eine Rede Hitlers an die deutschen Frauen vom 8. September 1934 und eine Geschichte aus dem „Völkischen Beobachter“, einer Zeitung der NSDAP, aufführen. Mit der Geschichte werde ich zu dem Idealbild der Mutter überleiten. Fortfahren werde ich mit einer Beschreibung des Idealbildes der Ehefrau, wobei ich unter anderem auf die „Zehn Gebote der Gattenwahl“ eingehen werde.

Sowohl das Mutterbild wie auch das Bild der Ehefrau stellten im Nationalsozialismus relativ positive Frauenbilder dar. Denen wurden „negative Frauen“ gegenübergestellt. Dabei handelte es sich um Feministinnen, welche ihr Leben selbst bestimmen und sich von dem patriarchalischen System losreißen wollten.

Die Schlussbetrachtung meiner Arbeit möchte ich mit der Frage verbinden, warum sich Frauen im Nationalsozialismus auf die oben genannten Frauenbilder eingelassen haben.

2. Gedichte über die Frau

2.1 Frauenrecht

Das Recht[1] , zu dienen und zu lieben,
das Recht, Barmherzigkeit zu üben,
das Recht, die Kindlein sanft zu hegen,
zu ziehen, lehren, mahnen, pflegen,
das Recht, wenn alles schläft, zu wachen,
das Recht, im Dunkel Licht zu machen,
das Recht, gekrönt mit sanfter Würde,
zu tragen andrer Last und Bürde,
das Recht, wenn trübe Zweifel walten,
den Glauben fest und treu zu halten,
das Recht, ohn’ End zu verzeihn,
das Recht, ein gutes Weib zu sein
voll wahrer Güte, fromm und echt,
das ist das schönste Frauenrecht!
Dora Rappard

2.2 Frauen

Wir sind[2] die Erde.
Erhaft fest verbunden
Dem Weltensinn, der uns erschuf.
Wir können nichts als wachsen oder sinken
So tief verwurzelt sind wir unserem Sein.
Ihr aber schreitet...
Bleibt bei uns und geht vorüber.
Das Leben treibt euch hin durch tausend Welten.
Uns bleibt nur Eins:
Stille sein und warten
Und sein für Euch solch letzte Erdengabe
Wie Heimat und wie Mutter sein...
Wie Erde...
J.P.

2.3 Interpretation der Gedichte

Im Gedicht „Frauenrecht“ werden der Frau nur solche Rechte zugesprochen, die eigentlich ihre Pflichten sind. Das individuelle Wesen der Frau bleibt unberücksichtigt, hingegen werden die Eigenschaften der Frau als Mutter und als Ehefrau hervorgehoben: Die Frau hat nur das Recht, Mutter und Ehefrau zu sein.

Als Mutter hat sie ihre Kinder zu versorgen (V. 3-11), als Ehefrau ihrem Mann zu dienen und zu verwöhnen (V. 12-14). Diese Eigenschaften lassen sich in Vers 1 zusammenfassen: „Das Recht. Zu dienen und zu lieben“.

Die Geschlechtlichkeit sowie Wünsche und Bedürfnisse einer Frau werden in diesem Gedicht außer Acht gelassen.

Das Gedicht „Frauen“ handelt von Frauen im Nationalsozialismus und gibt Auskünfte darüber, wie das Frauenbild in jener Zeit tatsächlich ausgesehen haben mag.

Das lyrische Ich („Wir“) spricht im Namen einer Vielzahl von Frauen, die sich mit dem Wesen des lyrischen Ichs identifizieren können.

Frauen waren im Nationalsozialismus als passive Wesen an einen Ort gebunden (V.1, 2) und als Erde „ewig dazu verdammt, Objekt der über sie schreitenden, marschierenden Männer zu sein“ (Lehker, 1984, S.27). Damit übernahmen Männer den aktiven Part der Geschlechter (V. 6, 7). Sie schritten nicht nur über die Frauen hinweg, sie waren dazu geboren, die Welt zu erobern (V. 8). Hitler propagierte dieses Männerbild in „Mein Kampf“.

Frauen hingegen können nur wachsen oder sinken (V. 4), indem sie ihre (Mutter-) Pflichten erfüllten oder diesen nicht gerecht wurden, denn dies war ihre Wesensbestimmung. Die Individualität der Wesenseigenarten der Frauen ging dabei verloren.

Frauen waren dazu bestimmt „Stille zu sein und zu warten“ (V. 10), bis ihre Männer aus dem Krieg zurückkehrten. Waren Männer zurückgekehrt, stellten Frauen Symbole für eine Heimat und Geborgenheit da, indem sie die verwundeten Männer gesund pflegten. In seinen Reden befürwortete Hitler diese Wesenseigenschaft der Frauen, welche, wie er sagte, auf ihrer Intuition beruhte (vgl. Lehker, 1984, S.27).

Aus dem Gedicht ist zu entnehmen, dass Männer und Frauen zwei verschiedenen Welten angehörten: Weder der Mann gehört in die Welt der Frau, noch die Frau in die Welt des Mannes.

3. Das Wesen der Frau

Die Nationalsozialisten knüpften in ihrer Auffassung und Bestimmung der Frau an die Vorstellungen des 19. Jahrhunderts an. So blieb die Theorie der „natürlichen Wesensunterschiede“ der Geschlechter erhalten: Das Wesen des Mannes wurde durch Aktivität und den „männliche(n) Geist“ (vgl. Lehker, 1984, S.27) hervorgehoben, während die Frau von passivem Wesen war und intuitiv handelte. Marianne Lehker nennt weitere Wesenseigenschaften der Frau: Sie galt als beständig, als emotional und ihr fehlte jede Abstraktionsgabe (vgl. S.29).

In diesem Zusammenhang zieht Karl Beyer einen weiteren Gesichtspunkt heran, nämlich jenen, dass der Mann nach der Zeugung eines Kindes wieder frei und ungebunden ist, hingegen die Frau „lange über die Geburt hinaus voll in Anspruch genommen [wird], was ihre stetige Schutzbedürftigkeit bedinge“ (Lehker, 1984, S.26). Aufgrund seines Bewegungsdranges ist der Mann jedoch nicht dazu in der Lage, die Verantwortung gegenüber seiner Frau vollständig zu übernehmen und kann sich so dieser entziehen. Da Frauen durch Kinder „gebunden“ waren, interpretiert Karl Beyer diese Eigenschaft mit dem Begriff der „Pfanzenhaftigkeit“. Durch das „Pflanzenhafte“ ist die Frau an einen Ort gebunden (vgl. Gedicht „Frauen“, V. 2).

[...]


[1] Benz, 1997, S. 107; Das Gedicht war Lesestoff für die neue deutsche Schule.

2 Lehker, 1984, S.27; abgedruckt in: Nationalsozialistische Frauenkorrespondenz , München, 2. Jg., Nr.16, 22.4.1933; Es konnte nicht ermittelt werden, wer „J.P.“ ist. Nach dem lyrischen Ich zu beurteilen, handelt es sich bei dem Verfasser des Gedichtes um eine Frau.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Das Frauenbild im NS-Staat
Hochschule
Universität Osnabrück
Veranstaltung
Diagnostik, Beratung, Förderung: Zum Umgang mit Geschlechterdifferenz in der Schule
Autor
Jahr
2004
Seiten
15
Katalognummer
V57474
ISBN (eBook)
9783638519281
ISBN (Buch)
9783638922098
Dateigröße
473 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Frauenbild, NS-Staat, Diagnostik, Beratung, Förderung, Umgang, Geschlechterdifferenz, Schule
Arbeit zitieren
Eva Fründt (Autor), 2004, Das Frauenbild im NS-Staat, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/57474

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