Lehrerbildungsstandards - Kriterien und Kritik


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006

25 Seiten, Note: Gut


Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. Länderspezifische Unterschiede bei Standards in der Lehrerbildung
USA:
England:
Schweiz:
Finnland:

2. Funktionen von Standards

3. Die vier Kriterien
3.1 Zu den vier Kriterien am Beispiel der Leistungsmessung
a) Das Kriterium der Theorie
b) Das Kriterium der Empirie
c) Das Kriterium der Qualität
d) Das Kriterium einer immer schon vorhandenen Praxis
3.2 Vernetzung der vier Kriterien

4. Grundsatzfrage: Was lässt sich überhaupt standardisieren?
Fachkompetenz
Didaktische Kompetenz.
Klassenführungskompetenz
Diagnostische Kompetenz
Exkurs: Mustervortragsnetzwerk (am Beispiel des Buchhaltungsunterrichts)

5. Zur Formulierung von Standards
Beispiel: Ein konkreter Mindeststandard im Buchhaltungsunterricht

6. Überprüfung von Standards

7. Internationale Standardkritik

Literatur

Eine Anmerkung zur geschlechtsneutralen Formulierung: Die deutsche Sprache beinhaltet nun mal verschiedene Geschlechter. Manche Wörter sind, warum auch immer, männlich, manche weiblich, manche sächlich besetzt. Geht es um Menschen, speziell im Plural, so existiert keine korrekte Endung, welche mitten im Wort Großbuchstaben enthält. Wir geben hiermit bekannt, ab nun im Zweifelsfall die unseres Erachtens nach gebräuchlichere Variante (z.B. der Schüler + die Schülerin = die Schüler, nicht SchülerInnen) zu verwenden. Dies ist kein fehlgeleiteter Chauvinismus, allein uns ist die Steigerung der Unlesbarkeit durch eben diese wild verstreuten Großbuchstaben, Klammern und Schrägstriche schlicht unsympathisch. Gemeint sind natürlich immer beide Geschlechter.

Einleitung

Ob man sich nun für sie, gegen sie oder gar nicht zu ihnen ausgesprochen hat, Tatsache ist, dass Standards in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen haben. Der „PISA Schock“ von 2001, wenngleich er primär durch mangelnde Fähigkeit des Lesens der Studienergebnisse entstand, hat auch die Debatte um Lehrerbildungsstandards in Mitteleuropa wieder aufgeheizt und vorangetrieben, welche nun im Rahmen dieser Seminararbeit behandelt werden soll.

Wir gehen grundsätzlich nicht auf einzelne Standards (außer sie dienen als Beispiel) ein, sondern besprechen, ob Lehrerbildungsstandards generell zu begrüßen sind. Ohne dem allwissenden „kommt drauf an“, dass jede sinnvolle Argumentation ob seiner Allgemeingültigkeit jäh beendet. Im Entstehungsprozess von Standards verweilen wir daher primär in der Phase vor ihrer Zeugung und wollen Überlegungen anstellen, ob und wo sie überhaupt sinnvoll und wünschenswert wären.

Der Aufbau der hier vorliegenden Seminararbeit gestaltet sich wie folgt:

Um einen Überblick über die nationalen Zugänge zu geben werden kurz implementierte Standards aus verschiedenen Ländern (USA, England, Schweiz und Finnland) umrissen. Um die Konsequenzen einer Einführung von Lehrerbildungsstandards zu beleuchten, werden die verschiedenen Funktionen, welche diese erfüllen (sollten) vorgestellt. Eine zentrale Rolle im Standarddiskurs spielt Oser, welcher vier Kriterien formuliert hat, denen Standards genügen müssen. Seine Ausführungen stellen den nächsten Punkt dar. Ausgehend von dieser Hinführung wollen wir danach einige Grundsatzüberlegungen, was denn Standards in der Lehrerbildung sein sollen, können und müssen und ob sie überhaupt und wenn ja in welchen Bereichen wünschenswert sind, anstellen. Vielleicht nur soviel vorab: Es gibt sicher stärkere Befürworter ihrer Einführung als uns, weshalb der Unterton ein eher kritischer sein wird.

1. Länderspezifische Unterschiede bei Standards in der Lehrerbildung

Die Lehrerausbildung war lange Zeit durch eine Inputsteuerung geprägt, das heißt es wurde stärker auf die Autonomie der einzelnen Personen und Institutionen gesetzt als auf eine Kontrolle von außen. Seit einigen Jahren kommt es allerdings aus verschiedenen Gründen zu einer Verschiebung hin zu einer outputorientierten Steuerung[1]. Lehrerbildungsstandards sind international zu einem bedeutsamen Thema geworden. Hierbei beschreiten einige Länder ähnliche Wege, allerdings gibt es aber natürlich auch Länder, die ihren ganz eigenen Weg gehen. Um dies zu verdeutlichen soll nun ein grober Überblick über länderspezifische Unterschiede gegeben werden. Hierzu werden vier Beispiele angeführt, welche für die internationalen Überlegungen zu Standards von besonderer Bedeutung sind und zwar soll auf die Entwicklungen in den USA, in England, in der Schweiz und in Finnland näher eingegangen werden[2].

USA:

In den Vereinigten Staaten werden Standards in der Lehrerbildung schon seit längerer Zeit diskutiert und auch entwickelt. Es wird zwischen drei Standardgruppen unterschieden.

NCATE Standards [3] : sind Standards für Institutionen, welche sich mit Lehrerbildung befassen

INTASC Standards: dienen als Standards für die Zertifizierung beziehungsweise Lizenzierung beginnender Lehrpersonen. Diesen haben besondere Bedeutungen für die Lehrerbildung. Sie umfassen zehn Standards, von denen jeder wiederum auf drei Ebenen: Knowledge, Dispositions und Performance betrachtet werden kann[4].

NBPTS Standards [5] : sind Standards für Zertifizierung beziehungsweise Lizenzierung von Lehrern, die bereits mehr Erfahrung besitzen. Bei den NBPTS Standards wird der Fokus vorwiegend auf die einzelnen Unterrichtsfächer, die verschiedenen Schulstufen und die unterschiedlichen Berufsfelder innerhalb der Schule gelegt.

England:

Die Briten leben ebenfalls schon seit geraumer Zeit „ Professional Standards “, welche von dem „General Teaching Council of England“ erlassen wurden. Diese dienen als Maßstab für die Zertifizierung des „Qualified Teacher Status“ und umfassen fünf Standardbereiche:

Professional Values and Practice

Knowlegde and understanding

Planning, expectations and targets

Monitoring and assessment

Teaching and class management

welche wiederum in insgesamt 42 Standards ausdifferenziert wurden.

Schweiz:

Für die Schweiz, welche bereits standardähnliche Überlegungen hegt, sind vor allem die Arbeiten von Fritz Oser von Bedeutung, dessen Theorien Auswirkungen auf den gesamten deutschsprachigen Raum haben. Durch Operationalisierungen seiner Standardgruppen kommt Oser insgesamt zu 88 Standards, welche wichtige Anforderungen an die Lehrerbildung spezifizieren. Aufgrund der Wichtigkeit seiner Überlegungen wird seine Theorie als eigener Punkt später noch behandelt werden.

Finnland:

Der Weg den Finnland beschreitet unterscheidet sich maßgeblich von z.B.: dem Weg der USA. Finnland besitzt nur relativ allgemeine Vorgaben für die Lehrerbildung. Der Gesetzgeber hat lediglich die Merkmale bzw. die universitären Abschlüsse die eine Lehrperson nachweisen muss geregelt. Zentrale Vorgaben sind vor allem an einem Lehrerleitbild, welches im „Teacher Education Development Programm“ von 2001 verankert ist, autonomen und verantwortlichen Handelns sowie professioneller Problemlösekapazitäten orientiert. Das „TEDP“ von 2001 enthält neben diesem Leitbild, auch Vorschläge zur Entwicklung von Kerncurricula für die Lehrerbildung.

2. Funktionen von Standards

Echte Lehrerbildungsstandards oder wie in Finnland Kerncurricula erfüllen eine Vielzahl von unterschiedlichen Funktionen[6]:

Eine zentrale Funktion die Standards bzw. Kerncurricula erfüllen ist die Orientierungsfunktion: Es wird zukünftigen oder bereits im Dienst befindlichen Lehrern aufgezeigt welche Kompetenzen sie besitzen müssen und was von ihnen erwartet wird. Die Orientierungsfunktion ist mit einer Curriculumfunktion gekoppelt, da Standards oft für die Entwicklung von Curricula in den Lehrerbildenden Institutionen verwendet werden.

Da Standards auch Reformbestrebungen anregen bzw. unterstützen kommt ihnen auch noch eine Reformfunktion zu. Außerdem haben Standards eine Erhöhung der Qualität bzw. die Qualifizierung der Lehrerbildung zum Ziel, deswegen wird Standards eine Qualifizierungsfunktion unterstellt.

Weiters werden Standards noch folgende 3 Funktionen zugeschrieben: Professionalisierungsfunktion, Zertifizierungs- und Akkreditierungsfunktion sowie Evaluationsfunktion. Wobei sie sich dahingehend unterscheiden welche Relevanz ihnen in den unterschiedlichen Ländern zugesprochen wird.

Durch die Entwicklung bzw. Implementierung von Standards wird dem Beruf des Lehrers mehr Professionalität zugesprochen. Die Professionalisierungsfunktion hat sowohl für den Lehrer als einzelnen als auch für die Profession des Lehrers insgesamt einen hohen Stellenwert. Dem Einzelnen wird es ermöglicht professioneller zu handeln, während gleichzeitig das Ansehen der gesamten Lehrerschaft in der Öffentlichkeit steigt. Die Professionalisierungsfunktion ist je nach Land unterschiedlich wichtig. Während ihr in den USA große Bedeutung zukommt, da der Beruf des Lehrers dort kein hohes Ansehen genießt, ist sie beispielsweise in Finnland, wo die Lehrer hohes Ansehen genießen, nur von geringer Bedeutung.

In England und den USA ist mit einer Zertifizierung, d.h. Bestätigung des Erreichens eines bestimmten Qualitätslevels (= Standards), oft eine Gehaltserhöhung verknüpft. Außerdem dienen Standards als Vergleichsmaßstab für die Akkreditierung (= Beglaubigung) von Lehrerbildungsstätten. Obschon die Zertifizierungs- und Akkreditierungsfunktion für die USA und England wichtig sind, kommt ihr in der Schweiz und in Finnland keine Bedeutung zu.

Die letzte wichtige Funktion, die Standards erfüllen, ist die Evaluationsfunktion. Da durch Standards die Vergleichbarkeit von Ergebnissen erhöht wird, haben die „objektiveren“ Ergebnisse auch Einfluss auf die Mittelverteilung unter den verschiedenen Universitäten. Allerdings unterscheiden sich britische und amerikanische stark von finnischen Evaluationskonzepten. Während britische und amerikanische Konzepte insbesondere auf äußere Qualitätskontrollen abzielen, legen finnische Konzepte mehr Augenmerk auf Selbstevaluation, Partizipation aller Beteiligten und Entwicklungsförderung.

[...]


[1] vgl. Blömeke S 26

[2] vgl. Tulodziecki S 35ff

[3] für nähere Informationen siehe: http://www.ncate.org/

[4] mehr unter: http://www.ncpublicschools.org/pbl/pblintasc.htm

[5] vgl. http://www.nbpts.org/standards/index.cfm

[6] vgl. Tulodziecki S 37f

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Lehrerbildungsstandards - Kriterien und Kritik
Hochschule
Wirtschaftsuniversität Wien  (Institut für Wirtschaftspädgagogik)
Note
Gut
Autoren
Jahr
2006
Seiten
25
Katalognummer
V57556
ISBN (eBook)
9783638519991
ISBN (Buch)
9783656793762
Dateigröße
575 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Bildungsstandards stehen nicht nur für Schüler, sondern auch in der akademischen Lehrerausbildung zur Debatte. Die Arbeit behandelt einige Kriterien (z.B. nach Fritz Oser), stellt einen internationalen Überblick an und widmet sich besonders der Kritik an Lehrerbildungsstandards
Schlagworte
Lehrerbildungsstandards, Kriterien, Kritik
Arbeit zitieren
Ewald Bechtloff (Autor:in)Georg Laloux (Autor:in), 2006, Lehrerbildungsstandards - Kriterien und Kritik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/57556

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Lehrerbildungsstandards - Kriterien und Kritik



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden