„Copy kills music“ - mit diesem griffigen Slogan macht die Musikindustrie weltweit auf die aus ihrer Sicht zunehmende Bedrohung durch das Austauschen bzw. Kopieren von Musikdateien („File-Sharing“) via Internet oder CD-Brenner aufmerksam. In der Tat sehen sich die Musikunternehmen seit Ende der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts mit einem globalen Rückgang der Verkaufszahlen auf dem Tonträgermarkt konfrontiert. Als Hauptursache hierfür sieht die Branche die Konkurrenz durch illegale „Musik-Piraterie“ in Form der im Juni 1999 entstandenen Online-Musiktauschbörse „Napster“ und ihrer zahlreichen Nachfolger. Diese haben - so die Argumentation - einen negativen Effekt auf den legalen CD-Absatz und würden somit zehntausende Arbeitsplätze in der gesamten Musikbranche und sogar die Zukunft der Musik selbst gefährden (vgl. Die deutschen Phonoverbände 2004a sowie Oberholzer und Strumpf 2004, S. 2 mit weiteren Nachweisen). Diese Auffassung wird auch von Teilen des wissenschaftlichen Schrifttums zu diesem Thema unterstützt. Dagegen machen einige Autoren andere Gründe wie bspw. die volkswirtschaftliche Entwicklung der letzten Jahre oder das veränderte Konsumverhalten der Wirtschaftssubjekte für die Krise in der Musikindustrie verantwortlich. Inwieweit die jeweiligen Argumente in diesem Kontext als relevant betrachtet werden können und ob die Untersuchungsergebnisse einem Vergleich mit empirischen Daten standhalten, soll im Rahmen dieser Arbeit erörtert werden. Dazu werden in Kapitel 2 die Konzepte des File-Sharing und der Peer-to-Peer-Netzwerke vorgestellt und eine kurze juristische Beurteilung der Thematik vorgenommen. Daran anknüpfend wird in Kapitel 3 die derzeitige Krise in der Musikindustrie anhand entsprechender Zahlen dokumentiert und dargelegt, mit welchen Mitteln die Musikwirtschaft auf ihre derzeit schwierige Situation reagiert. Anschließend werden in Kapitel 4 die verschiedenen ökonomischen Effekte behandelt, die dem File-Sharing in der Literatur zugeschrieben werden, und auf ihre tatsächliche Relevanz geprüft. Kapitel 5 bietet schließlich einen Einblick in den gegenwärtigen Stand der wissenschaftlichen Diskussion über den Einfluss von Online-Musiktauschbörsen auf die Absatzzahlen von Tonträgern. Dazu werden stellvertretend einige Beiträge der einschlägigen Fachliteratur zu diesem Thema vorgestellt und analysiert, inwieweit die gewonnenen Erkenntnisse durch entsprechende empirische Studien gestützt werden. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Gegenstand dieser Arbeit
2. Einführung in die relevanten Begrifflichkeiten
2.1 Ökonomische Eigenschaften des Gutes „Musik“
2.2 File-Sharing und P2P-Netzwerke
2.3 Juristische Beurteilung des File-Sharing
3. Der Status Quo der Musikwirtschaft
3.1 Aktuelle wirtschaftliche Situation der Musikindustrie
3.2 Maßnahmen der Musikindustrie gegen File-Sharing
4. Ökonomische Effekte des File-Sharing
4.1 Substitutionseffekt
4.2 Informationseffekt (sampling)
4.3 Netzwerkeffekte
4.4 Indirekte Aneignung (indirect appropriation)
4.5 Wohlfahrtsökonomische Effekte
5. Diskussion: Auswirkungen des File-Sharing auf die Musikindustrie
5.1 Pro-Meinung: File-Sharing schadet der Musikindustrie
5.2 Contra-Meinung: File-Sharing keine Bedrohung für Musikindustrie
5.3 File-Sharing - eine Chance für die Musikindustrie?
6. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die ökonomischen Auswirkungen von Online-Musiktauschbörsen auf die Musikindustrie. Ziel ist es, die wissenschaftliche Debatte um die vermeintliche Bedrohung durch File-Sharing auf Basis empirischer Daten zu analysieren und zu bewerten, ob das Phänomen tatsächlich als existenzgefährdend einzustufen ist.
- Ökonomische Charakterisierung von Musik als Erfahrungsgut
- Analyse der Krisenursachen der Musikindustrie
- Evaluation ökonomischer Effekte wie Substitution und Information
- Vergleichende Untersuchung aktueller wissenschaftlicher Studien
- Potenziale neuer Vermarktungs- und Vertriebsstrategien
Auszug aus dem Buch
4.1 Substitutionseffekt
Dieser von der Musikindustrie häufig als Argument gegen File-Sharing angeführte Effekt besagt, dass Käufe von Original-CDs durch gebrannte Kopien bzw. durch illegal aus P2P-Netzwerken heruntergeladene Musik-Files substituiert werden. Dies führt c.p. zu einem Rückgang der Nachfrage nach Original-CDs und hat somit einen negativen Einfluss auf deren Verkaufszahlen (Liebowitz 2005, S. 446 sowie Oberholzer und Strumpf 2004, S. 2).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Gegenstand dieser Arbeit: Einleitung in die Problematik des File-Sharing und Erläuterung der Zielsetzung sowie der methodischen Vorgehensweise der Untersuchung.
2. Einführung in die relevanten Begrifflichkeiten: Definition der ökonomischen Eigenschaften von Musik sowie Erläuterung technischer und rechtlicher Grundlagen von P2P-Netzwerken.
3. Der Status Quo der Musikwirtschaft: Dokumentation des Umsatzrückgangs der Musikindustrie und Vorstellung der Gegenmaßnahmen wie DRM oder Sabotageaktionen.
4. Ökonomische Effekte des File-Sharing: Theoretische Herleitung verschiedener ökonomischer Effekte, die durch File-Sharing induziert werden können.
5. Diskussion: Auswirkungen des File-Sharing auf die Musikindustrie: Kritische Analyse pro- und contra-orientierter Argumentationen sowie empirischer Studien zum Einfluss auf die Musikverkäufe.
6. Zusammenfassung und Ausblick: Synthese der Ergebnisse und Bewertung, ob File-Sharing tatsächlich als existenzbedrohend anzusehen ist.
Schlüsselwörter
Musikindustrie, File-Sharing, P2P-Netzwerke, Urheberrecht, Substitutionseffekt, Informationseffekt, Netzwerkeffekte, Digital Rights Management, Musikmarkt, Tonträgerabsatz, Ökonomische Analyse, Online-Tauschbörsen, Konsumentenverhalten, Musikpiraterie, Wohlfahrtsökonomie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die öffentliche und wissenschaftliche Debatte darüber, ob der durch das Internet ermöglichte Austausch von Musikdateien (File-Sharing) tatsächlich für die Krise der Musikindustrie verantwortlich ist.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die ökonomischen Eigenschaften von Musik, die technischen Funktionsweisen von P2P-Systemen und die ökonomischen Mechanismen, die den Einfluss von Tauschbörsen auf den CD-Absatz erklären sollen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das Hauptziel ist die Prüfung der Hypothese, dass File-Sharing die Musikindustrie in den Untergang führt, durch einen kritischen Vergleich theoretischer Konzepte mit existierenden empirischen Studien.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und dem systematischen Abgleich verschiedener volkswirtschaftlicher Erklärungsansätze und empirischer Studien.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der ökonomischen Wirkmechanismen (Substitution, Sampling, Netzwerkeffekte) und eine detaillierte Diskussion der empirischen Ergebnisse verschiedener Autoren.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen File-Sharing, Substitutionseffekt, Informationseffekt, Musikindustrie und empirische Wirkungsanalyse.
Warum wird Musik als "Erfahrungsgut" bezeichnet?
Als Erfahrungsgut wird Musik definiert, da der Konsument die qualitativen Eigenschaften des Produkts erst nach dem eigentlichen Konsum (dem „Austesten“) bewerten kann.
Was besagt die Theorie der "indirekten Aneignung"?
Dieses Konzept legt dar, dass Produzenten durch eine Bepreisung des Originals indirekt einen Teil des Wertes der Kopien vereinnahmen könnten, was jedoch laut Autor im Musikmarkt aufgrund fehlender Preisdiskriminierungsmöglichkeiten schwer umsetzbar ist.
Welches Fazit zieht der Autor bezüglich der "Todesdrohung" für die Musikindustrie?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass ein eindeutig negativer Effekt des File-Sharing bisher nicht zweifelsfrei bewiesen werden konnte und die Branche durch innovative Strategien durchaus Chancen zur Krisenbewältigung besitzt.
- Quote paper
- Alexander Wittkopp (Author), 2006, File-Sharing - der Tod der Musikindustrie?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/57801