Alleinkämpfer oder Teamplayer Konzepte der Redaktionsorganisation


Seminararbeit, 2006

15 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Ressorts

3. Die Machtverteilung innerhalb der Redaktion
3.1 Der Verleger
3.2 Der Chefredakteur
3.3 Der Chef vom Dienst
3.4 Die Ressortleiter
3.5 Die Redakteure
3.6 Die freien Mitarbeiter

4. Redaktionelle Strukturen
4.1 Die individuum-orientierte Form
4.2 Die prozess-orientierte Form

5. Die Bilanz des Zeitungswesens in Deutschland

6. Schlussbetrachtung

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Zirka 48,5 Millionen Bundesbürger lesen täglich Zeitung, dass sind fast so viele, wie täglich durch das Fernsehen erreicht werden. Das gedruckte Wort hat eine lange Tradition. Nun im 21. Jahrhundert scheint gerade die Zeitung starke Konkurrenz zu bekommen. Seit einigen Jahren buhlt das Internet um die Gunst der Mediennutzer. Seit Mitte der 90er Jahre sinken erstmals die Auflagen der meisten Abo-Zeitungen. Die Zeitungen sind gezwungen, stärker auf ihre Leser einzugehen. So fragen mittlerweile auch Chefredakteure und Verleger nach den Bedürfnissen ihrer Leser. Die Zeitungsredaktionen in Deutschland unterliegen mittlerweile gravierenden Veränderungen. Der Redakteur, der die Ressortgrenzen nicht mehr überwindet, gehört der Vergangenheit an. Kostendruck der Verleger, die Konkurrenz schnellerer Medien, wie beispielsweise das Internet und der Leserschwund vor allem bei jungen Lesern stellt das Produkt Zeitung und alle daran Beteiligten, immer wieder vor neue Herausforderungen. Große Verlegerpersönlichkeiten werden immer rarer, sie werden durch Verlagsmanager ersetzt, die nur noch um Profit werben und sich immer weniger um ihre redaktionellen Verpflichtungen kümmern. Diese Seminararbeit im Zuge des Proseminars „Medienlehre Presse“ soll einen Überblick über die redaktionellen Strukturen und das Innenleben einer Tageszeitung sowie die Arbeitsorganisation in Zeitungsredaktionen geben. Die Arbeit lässt sich grob in drei Abschnitte unterteilen. Im ersten Teil (Gliederungspunkt 2) gehe ich auf die verschiedenen Ressorts bei Tageszeitungen ein. Der zweite Teil der Arbeit (Gliederungspunkte 3 und 4) behandelt die Machtstruktur in Redaktionen. Dabei gehe ich auf die Funktionen von Verleger, Chefredakteur, Chef vom Dienst, Ressortleiter, Redakteure und freie Mitarbeiter genauer ein und stelle im Anschluss die wichtigsten Arbeitsstrukturen in Redaktionen vor. Der letzte Teil der Seminararbeit (Gliederungspunkt 5) handelt von der allgemeinen Stellung der Tageszeitung in der Gegenwart unter Darstellung einiger Probleme der deutschen Presse. Als hauptsächliche Textgrundlage liegen mir, neben einigen Lexika, vor allem Fachbücher vor.

2. Die Ressorts

In den klassischen Massenmedien finden wir die Vielfalt der Inhalte in aller Regel geordnet. Dies war nicht immer so. Im 16. und 17. Jahrhundert wurden die Nachrichten zunächst in der Reihenfolge abgedruckt, in der sie in der Redaktion einliefen. Die heutige Einteilung in Ressorts oder Sparten bildete sich erst im 19. Jahrhundert heraus. So sind die Tageszeitungen in verschiedene Sparten unterteilt, sodass der Leser gesuchte Inhalte schnell findet, und die Themenvielfalt übersichtlicher wird.[1] Ein Ressort ist ein „nach inhaltlichen Merkmalen gegliederter redaktioneller Zuständigkeitsbereich. Als klassische Ressorts gelten Politik, Wirtschaft, Feuilleton, Lokales und Sport.“[2] Die Sparten können aber von Zeitung zu Zeitung variieren. In aller Regel findet man bei großen Tageszeitungen die Ressorts Politik (Innen- und Außenpolitik), Wirtschaft, Lokales, Kultur (und Feuilleton), Sport, Chronik und Vermischtes. Es gibt aber auch Zeitungen, die daneben noch andere Sparten wie Medien, Wissenschaft, Umwelt oder Recht enthalten.[3] Eine Passage aus dem Manteltarifvertrag für Redakteure legt fest, inwiefern ein Ressort, definiert ist: „Ressorts sind die Sachgebiete Politik, Kultur und Lokales. Bei Wirtschaft, Sport und Provinz ist der Begriff Ressort gegeben, wenn für diese Sachgebiete mindestens ein Redakteur überwiegend und bestimmungsmäßig tätig ist.“[4] Der Begriff Ressort hat zweierlei Bedeutung: Zum einen meint er das Sachgebiet (z.B. Wirtschaft oder Innenpolitik), zum anderen die Organisationsform als „eine selbstständige Einheit von Fachzuständigkeiten und Mitarbeitern, deren Leiter in der Regel auch als Verantwortlicher im Sinne des Pressegesetzes für dieses Ressort im Impressum genannt wird.“[5] Die Einteilung einer Zeitung in verschiedene Ressorts, dient der Übersichtlichkeit und der Bequemlichkeit für den Leser. Leser möchten beim täglichen Blick in ihre Tageszeitung ihre Lieblingsthemen nicht suchen, sondern jeden Tag am selben Ort finden. Dies ist mit der Einteilung der Themen in Sparten gegeben. Es hängt von der Größe und von den Organisationswünschen einer Zeitung ab, welche journalistischen Sachgebiete jeweils in einem Ressort vereinigt werden, ob zum Beispiel die gesamte Politik in einer Sparte untergebracht wird oder ob die Sparte Politik in mehrere kleine Ressorts, wie Innenpolitik oder Außenpolitik aufgeteilt wird.[6] Sind Themen nicht auf den ersten Blick einer bestimmten Sparte zuzuordnen, entscheidet die Redaktionskonferenz über Zuständigkeiten. Auch die Bedeutung einzelner Ressorts hat sich in den letzten Jahren verändert. So hat das Lokale, neben der Politik, stark an Beachtung gewonnen.[7]

3. Die Machtverteilung in der Redaktion

Obwohl der Chefredakteur die dominierende Figur in der Redaktion ist, hat er einen Verleger, Verlagsleiter oder Herausgeber über sich, der seine Macht beschränkt. Wie das Verhältnis von Verleger zu Chefredakteur und umgekehrt ist, hängt von der wirtschaftlichen Lage des Blattes ab oder davon, wer von beiden mehr publizistisches Können zeigt. Ist der Chefredakteur eine starke Persönlichkeit und macht ein erfolgreiches Blatt, hält sich der Verleger im Hintergrund. Hat der Herausgeber aber selbst journalistischen Ergeiz oder schreibt sein Blatt rote Zahlen, kann die Arbeit des Chefredakteurs stark in den Hintergrund geraten. Der Chefredakteur bleibt jedoch in jedem Fall Bezugsperson der Redakteure in der Redaktion.[8]

3.1 Der Verleger

Der Verleger trägt die publizistische sowie wirtschaftliche Gesamtverantwortung über das Unternehmen. „Die publizistische Leitungsmacht des Verlegers manifestiert sich darin, dass ihm nach allgemeiner Ansicht, die Befugnis zur Festlegung der grundsätzlichen Haltung der Zeitung zukommt: die so genannte Grundsatzkompetenz“[9]. Er ist der haftende Inhaber, Eigentümer oder Geschäftsführer des Verlages. Damit trägt er das wirtschaftliche Risiko des Unternehmens oder zumindest die finanzielle Verantwortung.[10] Er schafft die wirtschaftlichen und technischen Voraussetzungen für das Produkt „Zeitung“ und bewirkt dies, indem er Typ, Richtung, Kontinuität und regelmäßiges Erscheinen der Zeitung sicherstellt.[11] Der Verleger wird auch von Rückmeldungen der Leserschaft (Abbestellungen oder Nachforderungen) als erster erreicht. Auch Ergebnisse von Leserforschungen werden zuerst im Verlag aufgenommen und verarbeitet.

Historisch gesehen arbeitete der Verleger in den Anfangsjahren des Pressewesens (bis zum 19. Jahrhundert) als Redakteur und Drucker zugleich.[12] Erst die wachsende Bedeutung der Presse als Faktor politischen Wirkens, die Erschließung immer breiterer Bevölkerungsschichten durch lesergerechte Nachrichtenangebote und der damit verbundene redaktionelle Aufwand, zwangen zur Arbeitsteilung. Es entstanden die Bereiche Verlag, Redaktion und Technik. Die Verlage wurden zunehmend in Kapitalgesellschaften umgewandelt, große Verlegerpersönlichkeiten wurden immer weniger. Heute koordiniert der Verleger Verlag, Redaktion und Technik. Er ist für die Führung und Koordination aller Unternehmensbereiche wie Redaktion, Anzeigenabteilung, Vertrieb, Buchführung, Personalwesen und Marketingabteilung zuständig. Der Verleger muss die erforderlichen ökonomischen Grundlagen für die Arbeitsfähigkeit und Funktionstüchtigkeit eines Zeitungsverlages schaffen, delegiert die publizistischen Aufgaben an die Redaktion und hat eine umfassende personelle Entscheidungsbefugnis bei der Anstellung und Entlassung von Mitarbeitern im redaktionellen Bereich. Damit ist er Publizist und Unternehmer zugleich und muss in dieser Doppeleigenschaft auf die Informationserwartungen und –bedürfnisse der Leser reagieren, um nicht erfolglos am Publikum vorbeizuproduzieren. Dazu hat er die oberste Entscheidungsmacht über alle unternehmerischen Fragen eines privatwirtschaftlich geführten Pressehauses.[13] In der Regel greift er aber nur selten in die Selbstständigkeit der Redaktion ein und nur dann, wenn es im Gesamtinteresse der Zeitung erforderlich ist. Allgemein geht die Tendenz dahin, dass die publizistische und die wirtschaftliche Verantwortung getrennt werden. Die publizistische Verantwortung übernimmt der Herausgeber, der Chefredakteur oder auch ein Gremium, die wirtschaftliche ein Manager.[14]

[...]


[1] Vgl. Pürer, Heinz: Publizistik- und Kommunikationswissenschaft. Ein Handbuch. Konstanz 2003, S. 187.

[2] Vgl. Brand, Peter/ Schulze, Volker: Medienkundliches Handbuch. Die Zeitung. Braunschweig 1983, S. 141.

[3] Vgl. Pürer 2003, a.a.O., S. 187.

[4] Vgl. Schneider, Wolf/ Raue, Paul-Josef: Handbuch des Journalismus. Hamburg 1998, S. 228.

[5] Vgl. Von LaRoche, Walter: Einführung in den praktischen Journalismus. München 1991, S. 38.

[6] Vgl. Von LaRoche 1991, a.a.O., S. 38.

[7] Vgl. Mast, Claudia: ABC des Journalismus. Konstanz 1994, S. 277/278.

[8] Vgl. Schneider/ Raue 1998, a.a.O., S. 225.

[9] Vgl. Pürer, Heinz/ Raabe, Johannes: Medien in Deutschland. Presse. München 1994, S. 246

[10] Vgl. Maaßen, Ludwig: Die Zeitung. Daten – Deutungen - Porträts. Heidelberg. 1986, S. 53.

[11] Vgl. Brand/ Schulze 1983, a.a.O., S. 56.

[12] Vgl. ebd., S. 56.

[13] Vgl. ebd., S. 56.

[14] Vgl. Maaßen 1986, a.a.O., S. 53.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Alleinkämpfer oder Teamplayer Konzepte der Redaktionsorganisation
Hochschule
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
Veranstaltung
Medienlehre Presse
Note
1,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
15
Katalognummer
V57830
ISBN (eBook)
9783638521581
Dateigröße
419 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Alleinkämpfer, Teamplayer, Konzepte, Redaktionsorganisation, Medienlehre, Presse
Arbeit zitieren
Annika Hoya (Autor), 2006, Alleinkämpfer oder Teamplayer Konzepte der Redaktionsorganisation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/57830

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