Was haben Gleichnisforschung, Religionspädagogik und Entwicklungspsychologie gemeinsam? Was können die neutestamentlichen Gleichnisse im schulischen Religionsunterricht anbieten, vermitteln oder gar bewirken, und welche Rolle spielen in der Unterrichtsgestaltung die entwicklungspsychologischen Erkenntnisse? Darum soll es hier gehen, wobei die Schulkinder, in der Art, wie sie sich entwickeln, im Mittelpunkt stehen.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
0. Einleitung
0.1 Ausgangsthese
0.2 Zielsetzung, Methodik und Abgrenzung
1. Altersspezifische Gesichtspunkte der Entwicklungspsychologie
1.1 Psychosoziale Entwicklung des Kindes von Kleinkind- bis Vorschulalter
1.2 Entwicklungsphasen der Schulzeit
1.2.1 Grundschule: Werksinn gegen Minderwertigkeitsgefühl
1.2.2 Sekundarstufe: Identität gegen Identitätsdiffusion
1.3 Die Entwicklung des Denkens nach Piaget
1.4 Das Problem des Übergangs von der Grund- in die Sekundarstufe
1.5 Entwicklungsstadien des metaphorischen Verstehens bei Schülern
1.6 Ergebnisse für die Praxis des Religionsunterrichts
2. Die Doppelstruktur von Gleichnissen
2.1 Exegese von Lukas 15
2.1.1 Rekonstruktion der ursprünglichen Gestalt
2.1.2 Gattungsbestimmung
2.1.3 Annäherung an die Sachhälfte
2.1.3.1 Zusammenhang mit der Thematik der „Gottesherrschaft“
2.1.3.2 Kontext der Situationsangabe (15,1-3)
2.1.3.3 Kontext der Gleichnisse im engeren Sinn (15,4-10)
2.2 Einzelexegese der Parabel vom verlorenen Sohn
2.2.1 Gattungsmerkmale
2.2.2 Inhaltliche Annäherung an die Sachhälfte
2.2.3 Bestimmung von Bildhälfte und Pointe
2.2.4 Erschließung der Sache aus dem Bild
2.3 Ergebnisse
3. Methodisch-didaktische Überlegungen vom Arbeiten mit Gleichnissen im Religionsunterricht
3.1 Inhaltliche Sinnmitte der Parabel
3.2 Elementare Erfahrungswelten von Parabelhörer und Schulkinder
3.2.1 Abschied vom Vaterhaus
3.2.2 Der Sohn wird ein Verlorener => Not
3.2.3 Umkehr des Verlorenen => Besinnung
3.2.4 Heimkehr und Freudenfest => Lösung
3.2.5 Motivierung zum Mitfeiern => positive Lebenseinstellung
3.3 Elementare Wahrheiten
3.4 Elementare Anfänge in Grund- und Orientierungsstufen
3.5 Elementare Anfänge in der Sekundarstufe
3.6 Ergebnisse
Zielsetzung & Themen
Die Diplomarbeit untersucht, wie Gleichnisse Jesu im Religionsunterricht der Grundschule und Sekundarstufe vermittelt werden können, um die Persönlichkeitsentwicklung der Schüler unter Berücksichtigung ihrer unterschiedlichen entwicklungspsychologischen Voraussetzungen zu fördern. Dabei steht die Frage im Zentrum, wie eine Brücke zwischen der ursprünglichen metaphorischen Kraft der biblischen Texte und den aktuellen Erfahrungswelten der Kinder und Jugendlichen geschlagen werden kann.
- Entwicklungspsychologische Voraussetzungen von Kindern und Jugendlichen im Religionsunterricht
- Strukturanalyse und Exegese von Gleichnissen (insbesondere Lukas 15)
- Die Doppelstruktur von Bild- und Sachhälfte als didaktischer Zugang
- Förderung von Identitätsfindung und moralischem Lernen durch Parabeln
- Methodische Ansätze für einen erfahrungsbezogenen Religionsunterricht
Auszug aus dem Buch
2.1.2 Gattungsbestimmung
Zu den Kategorien der neutestamentlichen Gleichnisforschung gehören Bildworte, Gleichnisse im engeren Sinn, Parabeln und Beispielerzählungen. Die meisten Exegeten und Sprachwissenschaftler sind sich darüber einig, dass in Lukas 15 zwei Gleichnisse vom Verlorenen im engeren Sinn (15,4-10) und eine Parabel vom verlorenen Sohn (15,11-32) vertreten sind. Diese Unterscheidung hat sowohl für die Auslegung als auch für die didaktische Umsetzung im Religionsunterricht Konsequenzen. Im Folgenden sollen die beiden Gleichnisse und die Parabel in zwei Teilen exegetisch genauer untersucht werden.
Zusammenfassung der Kapitel
0. Einleitung: Die Einleitung formuliert die Forschungsfrage nach der Vermittlung von Gleichnissen unter Einbeziehung entwicklungspsychologischer Erkenntnisse und der Bedeutung der Metaphorik für die Schülerentwicklung.
1. Altersspezifische Gesichtspunkte der Entwicklungspsychologie: Dieses Kapitel analysiert die psychosozialen Entwicklungsphasen und kognitiven Denkstrukturen von Kindern und Jugendlichen, um daraus Konsequenzen für die religiöse Bildung abzuleiten.
2. Die Doppelstruktur von Gleichnissen: Hier erfolgt eine exegetische Untersuchung der lukanischen Gleichnisse vom Verlorenen, wobei insbesondere die Doppelstruktur von Bild- und Sachhälfte sowie deren gattungsspezifische Bedeutung analysiert werden.
3. Methodisch-didaktische Überlegungen vom Arbeiten mit Gleichnissen im Religionsunterricht: Dieses Kapitel erarbeitet auf Basis der Exegese didaktische Konzepte, um Gleichnisse in Grund- und Sekundarstufe schülerorientiert und erfahrungsbezogen zu vermitteln.
Schlüsselwörter
Gleichnisforschung, Religionspädagogik, Entwicklungspsychologie, Lukas 15, Parabel vom verlorenen Sohn, Gottesherrschaft, Identitätsfindung, Metaphorik, Bildhälfte, Sachhälfte, Religionsunterricht, Grundschule, Sekundarstufe, Schulpädagogik, Didaktik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der didaktischen Vermittlung der Gleichnisse Jesu im schulischen Religionsunterricht, wobei der Fokus auf dem Übergang zwischen Grundschule und Sekundarstufe liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die biblische Exegese (Lukas 15), entwicklungspsychologische Grundlagen nach Erikson und Piaget sowie die religionspädagogische Umsetzung in der Unterrichtspraxis.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt danach, wie Gleichnisse ausgehend von den Bedürfnissen der Schulkinder so vermittelt werden können, dass ihre Persönlichkeitsentwicklung gefördert und die Nähe Gottes erfahrbar gemacht wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein interdisziplinärer Ansatz verfolgt, der exegetische Analysen biblischer Texte mit psychologischen Entwicklungstheorien und didaktischen Modellen der Religionspädagogik verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst die Exegese der Gleichnisse vom Verlorenen, die Analyse der unterschiedlichen Verstehensstufen von Metaphern bei Kindern sowie konkrete methodische Überlegungen für den Unterricht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen die Doppelstruktur von Gleichnissen, die Unterscheidung von Bild- und Sachhälfte, das Reich Gottes und die Förderung der Identitätsentwicklung bei Schülern.
Warum spielt die Unterscheidung von Bild- und Sachhälfte eine so große Rolle?
Die Unterscheidung ist entscheidend, da jüngere Schüler meist in der anschaulichen Bildhälfte verbleiben, während ältere Schüler zunehmend die Fähigkeit entwickeln, die übertragene Sachhälfte, also die theologische Botschaft, zu erschließen.
Welche Bedeutung hat das Feiern für den Unterricht, wie der Autor es vorschlägt?
Das gemeinsame Feiern dient als lebendiges, alltägliches Symbol für die erfahrbare Nähe Gottes, in der Vergebung und Gemeinschaft (Tischgemeinschaft) für die Schüler praktisch erfahrbar werden.
- Citar trabajo
- Viktor Swoboda (Autor), 2006, Das Problem von Gleichnissen im Religionsunterricht, dargestellt an dem unterschiedlichen Wirklichkeitsverständnis der Schüler in der Grundschule und in der Sekundarstufe, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/57869