Um sich an den Terminus Prophet anzunähern, lohnt sich ein Blick in dessen Etymologie. Der Begriff entsprang der griechischen Religionsgeschichte. Man kann ihn von dem Verb projainw ableiten, welches zum einen „vorzeigen, erscheinen lassen, zum Vorschein bringen“, zum anderen „offenbaren und verkünden“ meinen kann. Man übersetzt es auch mit für jemanden bzw. für Gott sprechen, oder in seinem Auftrag reden. Deswegen stellt ein Prophet jemanden dar, der in Gottes Namen spricht und verkündet. Ursprünglich diente das Wort zur Bezeichnung lokaler Spezialisten, erfuhr aber rasch eine Bedeutungserweiterung und bezeichnete nunmehr auch Seher, Divinatoren, Berufs- und Orakelpriester. Die doch aktive Konnotation, die den Bezeichneten als Handlungsträger erachtet, lässt sich auf semitischen Sprachgebiet nicht finden. Wir stoßen hier auf das Nomen „nabi“, welches dem akkadischen Verb „nabum“ entstammt und sich mit „nennen, berufen“ übersetzen lässt. Ein „nabi“ ist demnach ein von Gott Berufener, ein berufener Rufer oder ein Übermittler des Gotteswortes. Trotz dieses passiven Beiklanges wurde der Terminus adäquat dem des Propheten gebraucht. In der Septuaginta wurde „nabi“ auch hauptsächlich mit Prophet übersetzt. Weitere Bezeichnungen sind zum Beispiel „baen- nabi“, was so viel bedeutet wie Prophetensohn oder Mitglied einer Prophetengenossenschaft, „nebbim“, was Prophetengruppen oder Ordenspropheten bezeichnet, „ro, aeh, hozaeh“ welche Begriffe den Seher oder Schauer benennen, oder aber einfach der „Gottesmann“, welche eine eher alte Bezeichnung ist.
(vgl.: Zenger, Erich; Einleitung in das AT; Stuttgart; Kohlhammer; 1998, S. 371 f.)
Inhaltsverzeichnis
1. Zur Terminologie
2. Definition „Prophet“
3. Zur Typologie
a) Die Ordens- und Genossenschaftspropheten
b) Die Tempel- bzw. Kultpropheten
c) Die Hofpropheten
d) Die freien oppositionellen Einzelpropheten
e) Die literarischen Propheten (Tradenten - Propheten)
4. „Wahre“ und „falsche“ Prophetie
5. Die Bedeutung der Prophetie
6. Die Zeit der Propheten (Übersichtstafel)
7. Eine Übersicht über die Königsbücher
8. Der Prophet Elija
9. Eine Übersicht über die Elijageschichten
a) Elija am Bach Kerit ( 1Kön 17,1-7)
b) Elija in Sarepta (1Kön 17,8-24)
c) Das Gottesurteil auf dem Karmel ( 1Kön 18,1-46)
d) Elija am Horeb ( 1Kön 19,1-13a)
e) Neue Aufträge ( 1Kön 19,13b-18) und die Berufung Elischas ( 1Kön 19,19-21)
f) Nabots Weinberg ( 1Kön 21,1-29)
g) Die Entrückung Elijas ( 2Kön 2,1-18)
10. Literatur
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich mit dem biblischen Propheten Elija auseinander, um dessen Rolle und Wirken im Kontext der alttestamentlichen Prophetie zu analysieren. Dabei steht die Frage im Zentrum, wie Elija als Instrument Gottes auftritt und welche Bedeutung sein Handeln im Konflikt zwischen dem Glauben an Jahwe und der Baalsverehrung für die Geschichte Israels einnimmt.
- Etymologische Herleitung und Definition des Prophetenbegriffs.
- Typologische Einordnung verschiedener prophetischer Gruppierungen.
- Unterscheidungskriterien zwischen „wahrer“ und „falscher“ Prophetie.
- Historischer Rahmen durch die Königsbücher und die Chronologie der Propheten.
- Detaillierte exegetische Betrachtung der Elijageschichten und ihrer zentralen Motive.
Auszug aus dem Buch
8. Prophet Elija
Der Name Elija (auch Elia; Ilia; Elias; Elijah; el- ijajah) kommt aus dem hebräischen und bedeutet "Mein Gott ist Jahwe".
Elija war ein bedeutender hebräischer biblischer Prophet, der im 9. Jahrhundert vor Christus, zur Zeit der Regentschaft von König Ahab ( 871-852 v.Chr.) und König Ahasja ( 852- 851 v. Chr.) im Nordreich wirkte.
Elija war Einzelprophet und stammte aus der grundbesitzlosen Schicht der Beisassen aus der israelitischen Randregion, aus Tischbe in Gilead.
Zur Zeit Elijas heiratete König Ahab die phönizische Prinzessin Isebel, die Tochter des Etbaal. Ebenso wurde der kanaanäische Fruchtbarkeitsgott Baal immer mehr etabliert und es wurden mehr und mehr Anbetungsstätten für ihn errichtet (1Kön 16,29-34). Es herrschte große Trockenheit, die von Elija angekündigt war, die symbolisch für die Eröffnung des Gotteskampfes zwischen Jahwe und Baal stand.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Zur Terminologie: Untersuchung der etymologischen Wurzeln des Begriffs Prophet im griechischen und semitischen Sprachraum.
2. Definition „Prophet“: Erläuterung des Selbstverständnisses biblischer Propheten als Berufene, die eine göttliche Botschaft übermitteln.
3. Zur Typologie: Differenzierung der Propheten in fünf Kategorien, von Ordens- und Kultpropheten bis hin zu den schriftlichen Einzelpropheten.
4. „Wahre“ und „falsche“ Prophetie: Darlegung der Kriterien zur Identifizierung wahrer Propheten, insbesondere im Hinblick auf deren Unabhängigkeit und Lebensweise.
5. Die Bedeutung der Prophetie: Zusammenfassung der Wirkweise biblischer Prophetie als Instrument Gottes in der Menschheitsgeschichte.
6. Die Zeit der Propheten (Übersichtstafel): Chronologische Einordnung der Propheten in den historischen Kontext der biblischen Zeitrechnung.
7. Eine Übersicht über die Königsbücher: Strukturelle Analyse der Königsbücher und deren Entstehungsgeschichte.
8. Der Prophet Elija: Vorstellung des Propheten Elija, seiner Herkunft und seines Wirkens im Nordreich während der Zeit von Ahab.
9. Eine Übersicht über die Elijageschichten: Detaillierte Betrachtung der einzelnen Erzählungen über Elija von der Dürreperiode bis zu seiner Entrückung.
10. Literatur: Auflistung der verwendeten Quellen und Sekundärliteratur.
Schlüsselwörter
Elija, Prophet, Jahwe, Baal, Königsbücher, Altes Testament, Berufung, Gottesbegegnung, Dürre, Horeb, Prophetie, Elijageschichten, Israel, Offenbarung, Gotteskampf.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit im Kern?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Wirken des Propheten Elija im Alten Testament und ordnet ihn in den allgemeinen theoretischen Rahmen der biblischen Prophetie ein.
Welche Themenfelder sind zentral?
Zentrale Themen sind die Definition des Prophetenbegriffs, die verschiedenen Typen der Prophetie, die Abgrenzung von wahrer und falscher Prophetie sowie die historisch-theologische Analyse der Elijageschichten.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Rolle Elijas als bedeutenden Gottesboten darzustellen, der durch sein konsequentes Wirken den Anspruch Jahwes gegen die Baalsverehrung verteidigt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, bei der biblische Texte und wissenschaftliche Einleitungen zum Alten Testament (insbesondere von Erich Zenger) ausgewertet werden.
Was wird im Hauptteil ausführlich behandelt?
Im Hauptteil werden neben den theoretischen Grundlagen zum Prophetentum die einzelnen Elijageschichten, wie das Gottesurteil auf dem Karmel oder die Gottesbegegnung am Horeb, exegetisch erläutert.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Begriffe wie Prophetie, Jahwe, Baal, Elijageschichten und Gotteskampf prägen das inhaltliche Profil dieser Ausarbeitung.
Warum ist das Gottesurteil auf dem Karmel so bedeutend für Elija?
Es markiert den entscheidenden Punkt, an dem Elija die Macht Jahwes über die Elemente und die Unhaltbarkeit der Baalsverehrung gegenüber dem ganzen Volk offenbart.
Welche Rolle spielt die Ehe von König Ahab mit Isebel für Elijas Wirken?
Diese Ehe förderte die Ausbreitung des Baalskults in Israel, was den primären Anlass für Elijas prophetisches Auftreten als Kritiker und Verteidiger der monolatrischen JHWH-Verehrung bildete.
Wie endet Elijas Wirken in der biblischen Erzählung?
Elija endet nicht mit einem gewöhnlichen Tod, sondern wird in einem Wirbelsturm zum Himmel entrückt, was seine besondere Stellung als einer der „Väter“ des prophetischen Volkes unterstreicht.
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- Janina Weber (Author), 2006, Der Prophet Elija, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/57989