„Grün wirkt“ - so der Slogan der Partei Bündnis 90/DIE GRÜNEN, die sich insbesondere den Schutz und den Erhalt unserer Umwelt auf die Fahnen geschrieben haben. Grün wirkt aber offensichtlich nicht, da wir uns nach wie vor den Auswirkungen der globalen Zerstörung unserer Umwelt ausgesetzt sehen. Zwar haben Umweltprobleme auf regionaler, nationaler und globaler Ebene in den letzten Jahrzehnten zu der Einsicht geführt, dass die Umwelt und die Natur entscheidende wie auch knappe Produktionsfaktoren sind. Es stellte sich auch heraus, dass Änderungen des Umweltzustands ihrerseits eine Einschränkung wirtschaftlicher Nutzungsmöglichkeiten nach sich ziehen. Warum aber werden nicht intensivere Maßnahmen ergriffen um negative Auswirkungen für die Umwelt aufzuhalten, oder wenigstens einzudämmen? Welchen Wechselwirkungen unterliegen Wirtschaft und Umwelt? Steht der Umweltschutz über den wirtschaftlichen Interessen? Wieso sind der Schutz und der Erhalt unserer Umwelt nicht als Grundrechte in unserem Grundgesetz verankert?
Diese Fragen sollen in diesem Referat aufgegriffen werden. Es werden die Zusammenhänge zwischen Wirtschafts- und Umweltpolitik dargelegt. Weiterhin wird ein Überblick über die Vereinbarkeit von Wirtschafts- und Umweltpolitik, sowie den Stand der Verankerung von Umweltschutz in unserer Verfassung gegeben. Im Fazit werden die wichtigsten Erkenntnisse aufgegriffen und es wird Bezug auf die Fragen aus der Einleitung genommen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definition/Begriffsabgrenzung: Umweltökonomie-Umweltpolitik
2.1 Umwelt
2.2 Umweltpolitik
2.3 Umweltökonomie
3. Konfliktfeld Ökonomie contra Ökologie
3.1 Auswirkungen des Umweltschutzes auf das Magische Viereck
3.2 Ziel eines hohen Beschäftigungsstandes
3.3 Ziel der Preisniveaustabilität
3.4 Ziel des außenwirtschaftlichen Gleichgewichtes
3.5 Ziel des angemessenen und stetigen Wirtschaftswachstums
3.5.1 Kritik an der Messung des Wohlstandes durch BSP/VGR
3.6 Forderung nach mehr Wirtschaftsverträglichkeit
3.7 Wirtschaft und Umwelt im Blickpunkt der Öffentlichkeit
4. Stand der Verankerung des Umweltschutzes in der Verfassung
4.1 Umweltschutz im deutschen Grundgesetz
4.2 Umweltschutz in der europäischen Dimension
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen ökonomischen Interessen und ökologischen Notwendigkeiten. Ziel ist es, die Wechselwirkungen zwischen Wirtschafts- und Umweltpolitik zu analysieren, die Vereinbarkeit dieser Bereiche kritisch zu beleuchten und den verfassungsrechtlichen Status des Umweltschutzes in Deutschland sowie der Europäischen Union darzustellen.
- Wechselwirkungen zwischen Wirtschaftsprozessen und Umweltbelastung
- Auswirkungen umweltpolitischer Maßnahmen auf das "Magische Viereck" der Wirtschaftspolitik
- Beschäftigungseffekte durch Umweltschutzinvestitionen
- Methodische Kritik an der Wohlstandsmessung mittels BSP/VGR
- Verankerung des Umweltschutzes im Grundgesetz als Staatsziel
Auszug aus dem Buch
3.2 Ziel eines hohen Beschäftigungsstandes
Durch Einführung der ersten Umweltschutzauflagen Anfang der siebziger Jahre wurden die Unternehmen mit höheren Kosten belastet. Dabei mussten sie u.a. neue Anlagen zur Abgas- und Abwasserreinigung erstellen und unterhalten, zusätzliche Abgaben für die Inanspruchnahme staatlicher Entsorgungsleistungen entrichten und sich gegen Schadenersatzansprüche absichern. Weiterhin mussten die Unternehmen eine verminderte Nachfrage einkalkulieren, soweit sie versuchten diese Kosten im Preis der erzeugten Güter weiterzuwälzen und mussten daraufhin möglicherweise ihre Produktion einschränken sowie Beschäftigung abbauen. Diese Wirkungen sind jedoch unvermeidliche Begleiterscheinungen des Umweltschutzes und im Prinzip auch hinzunehmen, da sie nichts anderes als die Internalisierung externer Kosten darstellen.
Auf der einen Seite gibt es also durch Umweltmaßnahmen erhebliche Kosten für die Unternehmen, die zu negativen Beschäftigungswirkungen führen. Dies ist insbesondere der Fall bei den Unternehmen, deren wirtschaftliche Situation bereits aus anderen als Umweltschutzgründen unbefriedigend ist. So sind von den umweltschutzbedingten Kostenerhöhungen nur solche Betriebe wirklich betroffen, die bisher mit dem Verkaufserlös ihrer Produkte gerade noch ihre Kosten decken konnten, das sind die sogenannten Grenzbetriebe. Gelingt es solchen Betrieben nicht umweltschutzbedingte Kosten durch Rationalisierung, Produktionsumstellung oder Preiserhöhung aufzufangen, dann müssen sie schließen und Arbeitsplätze gehen verloren.
Auf der anderen Seite stellt sich aber auch eine arbeitsplatzschaffende und damit positive Beschäftigungswirkung heraus. Die Ausgaben des Staates, der Wirtschaft und der Haushalte für umweltschützende Maßnahmen führen bei der Wirtschaft zu Einnahmen, durch die Arbeitskräfte zusätzlich beschäftigt oder besser ausgelastet werden können.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung der Problemstellung, die durch die Diskrepanz zwischen wirtschaftlichen Interessen und notwendigem Umweltschutz entsteht.
2. Definition/Begriffsabgrenzung: Umweltökonomie-Umweltpolitik: Klärung der Grundbegriffe Umwelt, Umweltpolitik und der Disziplin Umweltökonomie.
3. Konfliktfeld Ökonomie contra Ökologie: Analyse der Wechselwirkungen zwischen Wirtschaft und Natur sowie der Zielkonflikte im Stabilitätsgesetz.
4. Stand der Verankerung des Umweltschutzes in der Verfassung: Erörterung des Umweltschutzes als Staatsziel im Grundgesetz und auf europäischer Ebene.
5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung des Spannungsfeldes und Appell zur strikten Weiterverfolgung einer nachhaltigen Politik.
Schlüsselwörter
Umweltpolitik, Umweltökonomie, Wirtschaftswachstum, Magisches Viereck, Beschäftigungsstand, Umweltschutz, Grundgesetz, Staatsziel, Nachhaltigkeit, Umweltbewusstsein, Ressourcen, Wohlstandsmessung, Bruttosozialprodukt, Wirtschaftsverträglichkeit, Effizienz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit?
Die Arbeit behandelt die komplexe Beziehung zwischen ökologischen Schutzmaßnahmen und wirtschaftspolitischen Zielen in Deutschland.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Fokus stehen die Umweltökonomie, die Auswirkungen von Umweltschutz auf das Stabilitätsgesetz, die Messbarkeit von Wohlstand und die rechtliche Verankerung des Umweltschutzes.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, zu untersuchen, ob Umweltschutz und ökonomisches Handeln unvereinbar sind oder ob langfristig eine Zielkomplementarität besteht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Literaturanalyse volkswirtschaftlicher und rechtswissenschaftlicher Quellen zur Einordnung des Umweltschutzes.
Was wird im Hauptteil detailliert behandelt?
Detailliert werden die Auswirkungen von Umweltschutzauflagen auf Arbeitsplätze, Preise, Wachstum und das außenwirtschaftliche Gleichgewicht analysiert.
Welche Keywords prägen die Publikation?
Die wichtigsten Schlagworte sind Umweltpolitik, Wirtschaftswachstum, Beschäftigungseffekte und das Grundgesetz als verfassungsrechtlicher Rahmen.
Warum wird das BSP zur Wohlstandsmessung kritisiert?
Die Kritik basiert darauf, dass das BSP Umweltleistungen ignoriert und umweltschädigende Tätigkeiten teilweise sogar positiv in die Wachstumsbilanz einfließen lässt.
Ist ein Grundrecht auf eine intakte Umwelt sinnvoll?
Laut Arbeit wäre ein solches Grundrecht aus Gründen der Praktikabilität schwierig durchsetzbar, weshalb die Lösung als Staatsziel in Art. 20a GG als sachgerechter angesehen wird.
- Quote paper
- Christian Hagedorn (Author), 2004, Die ökologische Orientierung der Wirtschaftspolitik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/58008