Council for a Democratic Germany


Seminararbeit, 2002
28 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhalt

1. Einführung

2.1. Zur Vorgeschichte
2.2. Vom Thomas-Mann-Komitee bis zur Gründung des Council
2.3. Reaktionen auf die Gründung des Council for a Democratic Germany
2.4. Organisation und Arbeit des Council..
2.5. Vom 20. Juli zur Potsdamer Konferenz – Das Ende des CDG

3. Schlussbetrachtung

Bibliographie

1. Einführung

Schon bei der Gründung des Council, im März 1944, war viel über Absichten und Ziele dieser Organisation geschrieben wurden; manche vermuteten in ihr eine Volksfront-Organisation nach dem Vorbild des Nationalkomitees Freies Deutschland, andere, etwa das U.S. State Department, argwöhnten einen Versuch eine deutsche Exilregierung aufzustellen. Angesichts des, seit der Konferenz von Casablanca (14.-24. Januar 1943), erklärten Kriegszieles der totalen Kapitulation Deutschlands, war eine solche Exilregierung unerwünscht: man wollte nach Kriegsende freie Hand bei der Neugestaltung Deutschlands behalten. Eine Exilregierung, als möglicher Ansprechspartner, war dabei hinderlich. Konsequenterweise taten das State Department und das Office for Strategic Services ihr möglichstes um die Bildung des Councils zu erschweren.

Der deutschen Exilpolitik in den U.S.A. waren ohnehin enge Grenzen gesetzt worden. Die Einreise allein bereitete vielen Schwierigkeiten; Jacob Walcher und Ruth Fischer etwa, konnten, aufgrund ihrer kommunistischen Vergangenheit, nur durch die Bemühungen und Fürsprachen des bereits emigrierten Karl Franks einreisen[1].

Nach dem Kriegseintritt der Vereinigten Staaten wurden deutsche

Emigranten offiziell als “enemy aliens” eingestuft: obwohl sie nicht, wie etwa amerikanische Bürger japanischer Abstammung, interniert wurden, waren sie dennoch einigen Restriktionen unterworfen. Eine eigens gegründete Zweigstelle des Office of Strategic Services (OSS), die Foreign Nationalities Branch (FNB), wurde beauftragt die politischen Aktivitäten der deutschen Emigranten zu überwachen. Je mehr über die Lage in Europa, und die Taten der Nazis bekannt wurde, desto schneller schwand die Unterstützung der Amerikaner für die deutschen Exilgruppierungen. Da diese auf Spenden angewiesen waren um überhaupt funktionieren zu können, brachte dies natürlich Probleme mit sich.

Auch die Arbeit des Councils wurde durch ähnliche Probleme behindert; sie spielten jedoch bei dessen Ende nur eine geringe Rolle. Als der CDG sich Ende 1945 nach und nach aufgelöst hatte, wurden schon lebhaft Vermutungen angestellt, was dieses vorzeitige Ende herbeigeführt haben könnte, nicht zuletzt von den Beteiligten selbst.

Karl Frank etwa, war der Meinung daß der Council an seinen kommunistischen Mitgliedern gescheitert war. Die sozialdemokratischen Mitglieder wiederum, behaupteten Frank selbst hätte das Ende willkürlich herbeigeführt, um eine Organisation die seinen Zwecken nicht mehr diente, und ihm lästig geworden war, ein für allemal los zu werden.

Zu zeigen was schlußendlich am ehesten den Tatsachen entspricht, darzulegen welche Kette von Ereignissen zum Niedergang des Councils geführt haben, ist das Ziel dieser Arbeit.

2.1 Zur Vorgeschichte

Ehe man auf die eigentliche Geschichte des Councils eingehen kann, muß man ein kurzes Wort über die American Friends of German Freedom (AFGF) verlieren: die Bedeutung der AFGF für das Entstehen des Council ist überragend. Gegründet wurde sie 1935 von Mitgliedern des Jewish Labour Committee[2] (JLC), und dessem Vorsitzenden Baruch Vladeck, der nun, zusammen mit Paul Kellogg und Reinhold Niebuhr den Vorstand der AFGF darstellte. Zweck der Organisation war die “Unterstützung des aktiven antinazistischen Kampfes innerhalb und außerhalb Deutschlands”[3].

Vladeck war zuvor bereits vom JLC nach Europa geschickt worden, um Kontakte zu den sozialistischen Exilgruppen zu knüpfen. Dabei lernte er Karl Frank kennen, Auslandsleiter von Neu Beginnen, und eine der führenden Perönlichkeiten dieser Gruppe. Auf eine Einladung Vladecks hin, besuchte Frank noch im selben Jahr die Vereinigten Staaten, auf einer Art “Fund-raising” Kampagne[4], und knüpfte im Auftrag von Neu Beginnen enge Kontakte mit den AFGF, die ab dann quasi als Sponsoren von NB auftraten. Nach seiner endgültigen Emigration in die USA, wurde Frank Research Director bei den AFGF, zu denen jetzt auch Paul Tillich zählte[5].

Kernstück der meisten Exilgruppen, war die Theorie vom “anderen Deutschland”. Man unterschied zwischen dem nationalsozialistischem Regime und seinem Gefolge, und der Mehrheit der Deutschen, die dem Hitler-Regime feindlich gegenüber stünden. Man glaubte, daß diese unterdrückten Masse, nur auf eine Gelegenheit warteten sich gegen die verhaßte Diktatur aufzulehnen.

Eine radikal andere Meinung bildete sich in den sogenannten Vansittartisten, so benannt nach Lord Vansittart, die die Ansicht vertraten das Dritte Reich wäre die logische und unumgängliche Konsequenz der deutschen Natur. Die Vansittartisten glaubten nicht an ein “anderes Deutschland”; ihr Gral war die Kollektivschuld. Die Möglichkeit eines innerdeutschen Widerstandes stritten sie kategorisch ab, und verlangten dementsprechend, als Konsequenz des Sieges der Alliierten, eine harte Bestrafung der gesamten deutschen Nation.

Die amerikanische Öffentlichkeit hatte sich den Vansittartismus noch nicht zu eigen gemacht, doch zweifelten viele an der Theorie der Deutschen als erste Opfer Hitlers. Im weiteren Verlauf des Krieges, nachdem Nachrichten über den Holocaust das amerikanische Volk erreicht hatten, steigerte sich dies immer weiter. Die öffentliche Stimmung wurde zunehmend deutschfeindlicher. So schrieb etwa Rex Stout, der Leiter des Writers War Board[6], am 17. Januar 1943 im New York Times Magazine: “The hate I am talking about is a feeling toward the Germans of deep and implacable resentment for their savage attack on the rights and dignity of man, of loathing for their ruthless assault on the persons and […] insolent doctrine of the German master race.”[7]

Auch die offizielle Politik der Alliierten machte den deutschen Exilgruppen zu schaffen: auf der Konferenz von Casablanca, im Januar 1943, wurde die bedingungslose Kapitulation Deutschlands zum offiziellem Kriegsziel erhoben. Die Alliierten sicherten sich so ein freies Betätigungsfeld zur Neugestaltung Deutschlands und Europas. Die Fehler des Versailler Vertrages wollte man nicht noch einmal begehen; man hielt es für notwendig, der eigenen Sicherheit wegen, Deutschland so neugestalten zu können, wie man es wünschte. Man wollte außerdem verhindern, daß eine neue Version der “Dolchstoßlegende” aufkommen würde. Roosevelt sagte dazu zu seinem Stab: “Practically all Germans deny that they surrendered in the last war, but this time they are going to know it.

Konsequenz dieser Politik war unter anderem, daß das deutsche politische Exil immer mehr an Bedeutung verlor. Etwaige Verhandlungen mit dem Exil, als Vertreter Deutschlands, waren nun ausgeschlossen. Die totale Niederlage Deutschlands schloß auch die Emigranten mit ein.

Die Hoffnungen der Emigranten wurden jedoch im Juni 1943 erneut genährt: am 12. Juni 1943 trat das Nationalkomitee Freies Deutschland auf die Weltbühne. Nach der Schlacht von Stalingrad, formierte sich das NKFD in der Sowjetunion, in erster Linie als Teil der psychologischen Kriegsführung gegen Deutschland. Es bestand vor allem aus deutschen Kriegsgefangenen (unter ihnen Feldmarschall Paulus, Befehlshaber der in Stalingrad besiegten 6. Armee), und einigen deutschen Emigrierten. Die Gründung dieses Komitees erweckte den Eindruck daß die UdSSR, anders als die USA, möglicherweise zur Kooperation mit den deutschen Exilanten bereit wäre, ja vielleicht gar einen Separatfrieden mit Deutschland (nachdem man Hitler beseitigt hätte) ansteuerte.

Als Konsequenz hatten, so die Theorie, die “anderen” Deutschen, nur 2 Möglichkeiten: entweder man ließ sich auf einen Verhandlungsfrieden mit der Sowjetunion, der man mißtraute, ein, oder man akzeptierte die Forderung der Westmächte, nach einer bedingunslosen Kapitulation, und verspielte so das Mitspracherecht an der Nachkriegswelt.

In den Augen der Emigranten in den USA wurde es somit höchste Zeit ein Gegenstück zum NKFD in einem, und das war der ausschlag-

gebende Punkt, demokratischen Land aufzubauen, um dem deutschen Volk noch eine dritte Möglichkeit zu eröffnen, eine Möglichkeit zu einem Separatfrieden mit einer den demokratischen Grundsätzen verschriebenen Nation. So schrieb Karl Frank : “Ich habe den Eindruck, daß es von einer gewissen Bedeutung sein würde, wenn ein Kreis von namhaften Deutschen und Deutsch-Amerikanern, […], den Versuch machen würden, eine Art Balance zu dem in Moskau gegründeten sogenannten Deutschen National-Komitee zu bilden”.[8]

[...]


[1] Vgl, Ursula Langkau-Alex, Was soll aus Deutschland werden?, s.57.

[2] Ein Zusammenschluß meist, aber nicht ausschließlich, jüdischer Gewerkschaften, mit dem Ziel den Widerstand gegen Hitler, überall auf der Welt, zu stärken.

[3] Vgl. Langkau-Alex, Was soll…?, s. 22.

[4] Da die Beziehungen von NB zur Sopade durchgehend schlecht blieben, war der Erschluß einer alternativen Geldquelle zwingend notwendig. Bei dieser Reise nahm Frank, auf Vorschlag Vladecks hin, das Pseudonym “Paul Hagen” an, daß er fortan in den USA benutzte.

[5] Tillich, ein protestantischer Theologe, war am 4. November 1933 der Einladung seines Freundes Niebuhr gefolgt, und hatte eine Gastprofessur am Union Theological Seminary in New York angenommen.

[6] Eine Organisation die nach Pearl Harbour ins Leben gerufen worden war, um Schriftstellern die Müglichkeit zu geben, sich unentgeltlich an den Kriegsanstrengungen zu beteiligen.

[7] Rex Stout, “We shall hate, or we shall fail”, in NYT Magazine vom 17.01.1943.

[8] Karl Frank an Thomas Mann, 26.07.1943. Vgl, Liebner, Tillich und der CDG, s.180.

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Council for a Democratic Germany
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Seminar für Mittlere und Neue Geschichte)
Veranstaltung
Die SPD in den Jahren 1933-1945
Note
2,3
Autor
Jahr
2002
Seiten
28
Katalognummer
V58018
ISBN (eBook)
9783638523219
Dateigröße
565 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die ARbeit behandelt die kurze Existenz und Wirkung des Council for a Democratic Germany, eines Komitees namhafter Exil-Sozialdemokraten in den USA während des II. Weltkrieges.
Schlagworte
Council, Democratic, Germany, Jahren
Arbeit zitieren
Christian Rollinger (Autor), 2002, Council for a Democratic Germany, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/58018

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