Zwei japanische Geschäftsmänner stehen in der Toilette eines kalifornischen Flughafens, sich in ihrer Landessprache unterhaltend. Ein Amerikaner betritt den Raum, hört die beiden, und raunzt sie an:„You're in America now - speak Spanish!“ Hinter diesem Witz verbirgt sich eine einfache Tatsache: ein großer Teil der amerikanischen Bevölkerung spricht Spanisch. Die sogenannten Hispanos bilden die mit einem Anteil von 9% der Gesamtbevölkerung die zweitgrößte Minderheit der Vereinigten Staaten, direkt nach Afroamerikanern, die 12% der Gesamtbevölkerung ausmachen. Zwar ist allein die Existenz einer spanischsprachigen Bevölkerungsgruppe, unabhängig von ihrer Größe, schon ein ausreichender Grund, um eine genauere Betrachtung der von ihr benutzten Sprache und ihrer Charakteristika anzustellen. Der guten Gründe gibt es allerdings noch weitere, so zum Beispiel die Heterogenität der Sprachgemeinschaft, die sich aus Einwanderern verschiedener Herkunftsländer (größtenteils aus Mexiko, Puerto Rico und Kuba) und verschiedener Generationen zusammensetzt. Aber auch der Status des Spanischen als Minderheitensprache in den Vereinigten Staaten ist hierbei von Bedeutung, da Spanisch in den meisten Ländern der Welt, in denen es gesprochen wird, die Mehrheitssprache beziehungsweise Amtssprache darstellt. Aus dieser Sonderrolle der Koexistenz mit einer anderen Sprache ergeben sich interessante Charakteristika, auf die im Rahmen dieser Arbeit eingegangen werden wird. Die besonderen sozialen, historischen und politischen Gegebenheiten, unter denen das Spanische der Vereinigten Staaten existiert, machen es zu einer äußerst interessanten Varietät, die nicht allein auf sprachlicher Ebene dargestellt werden kann. Um es ganz zu begreifen, ist es erforderlich, auch die Menschen zu betrachten, von denen es gesprochen wird, und die Umstände, unter denen sie leben und unter denen sie nach Amerika kamen, zu beleuchten. Das Ziel dieser Arbeit soll demnach sein, dem Leser einen Überblick über das Spanische der Vereinigten Staaten zu vermitteln. Dass hierbei kein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben werden kann, dürfte angesichts der Fülle der Literatur, die sich mit genau diesem Thema befasst, nicht weiter verwundern.
Inhaltsverzeichnis
0 Einleitung
1 Historischer Überblick – Einwanderung in die Vereinigten Staaten
1.1 Allgemein
1.2 Einwanderung aus spanischsprachigen Ländern
1.2.1 Mexiko
1.2.2 Puerto Rico
1.2.3 Kuba
2 Das Spanische der Herkunftsländer
2.1 Mexikanisches Spanisch
2.1.1 Lexik
2.1.2 Phonetik und Phonologie
2.1.3 Morphologie
2.2 Caribeño
2.2.1 Lexik
2.2.2 Phonetik und Phonologie
2.2.3 Morphologie
3 Das Spanische der Vereinigten Staaten
3.1 Allgemein
3.2 Charakteristika des Spanischen der Vereinigten Staaten
3.2.1 Phonetik und Phonologie
3.2.1.1 Consonantismo
3.2.1.2 Vocalismo
3.2.2 Morphosyntax
3.2.2.1 Verben
3.2.2.2 Substantive und Adjektive
3.2.3 Lexik
3.2.4 Anglizismen des Spanischen der Vereinigten Staaten
3.2.4.1 Cambios de código
3.2.4.2 Préstamos lexicales
3.2.5 Besonderheiten des Spanisch der Vereinigten Staaten – Caló
4 Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Spanische der Vereinigten Staaten, um einen Überblick über diese einzigartige Varietät zu geben, die durch die Koexistenz mit dem Englischen geprägt ist. Dabei wird analysiert, wie soziale, historische und sprachliche Faktoren das US-Spanisch beeinflussen und warum es sich nicht bloß als verkümmerte Form, sondern als ein durch Bilingualismus innovatives Sprachsystem darstellt.
- Historische Einwanderungswellen und ethnische Gruppen
- Phonetische und morphosyntaktische Merkmale des US-Spanischen
- Einfluss der englischen Sprache auf Lexik und Grammatik
- Differenzierung zwischen Code-Switching und Entlehnungen
- Entwicklung urbaner Codes wie Caló
Auszug aus dem Buch
3.2.4.1 Cambios de código
Cambios de código werden als alternierender Gebrauch zweier Sprachen im selben Sprechakt definiert. In älteren Untersuchungen zum US-Spanischen wird dieses auch als code switching bezeichnete Phänomen meist als sprachliches Defizit interpretiert. Aus diesem Kontext entstammt der Begriff des „Spanglish“, der in abwertender Weise diesen Mix aus Spanisch und Englisch bezeichnet. Vor allem in monolinguistische Ansätzen wird code switching als Defizit ausgelegt, während neuere Untersuchungen eine andere Sichtweise nahelegen.
Der alternierende Sprachgebrauch wird zwar als Zeichen des Zerfalls der Sprachgemeinschaft durch den korrumpierenden Einfluß des Englischen angesehen, allerdings heben insbesondere zweisprachig aufgewachsenen Sprecher hervor, dass cambios de código einen wichtigen Bestandteil ihrer kulturellen und ethnischen Identität darstellen und als Identifikationssymbol für eine Gesellschaft stehen, in der zwei Sprachen nebeneinander benutzt werden.
Somit müssen cambios de código immer als Zeichen des Bilingualismus betrachtet werden und können nur vor dem Hintergrund einer zweisprachigen Analyse richtig interpretiert werden. Schließlich kann ein Sprecher nur zwischen zwei Sprachsystemen alternieren, wenn er/sie Kenntnisse beider Sprachen aufweist.
Zusammenfassung der Kapitel
0 Einleitung: Die Einleitung stellt die Bedeutung des Spanischen in den USA dar und definiert die Forschungsfrage bezüglich der Charakteristika dieser Minderheitensprache.
1 Historischer Überblick – Einwanderung in die Vereinigten Staaten: Dieses Kapitel erläutert die drei großen Einwanderungswellen und beleuchtet spezifisch die Geschichte der Einwanderung aus Mexiko, Puerto Rico und Kuba.
2 Das Spanische der Herkunftsländer: Hier werden die sprachlichen Merkmale des mexikanischen Spanisch und des Caribeño in den Bereichen Lexik, Phonetik und Morphologie beschrieben.
3 Das Spanische der Vereinigten Staaten: Dieser Hauptteil analysiert die spezifischen Merkmale des US-Spanischen, einschließlich phonetischer Besonderheiten, morphosyntaktischer Entwicklungen, sowie den Einfluss von Anglizismen.
4 Schlussbemerkung: Die Schlussbemerkung fasst die Varietät als faszinierendes und eigenständiges Forschungsobjekt zusammen, das sich durch dynamischen Bilingualismus stetig weiterentwickelt.
Schlüsselwörter
US-Spanisch, Einwanderung, Hispanos, Chicanos, Bilingualismus, Code-Switching, Cambios de código, Préstamos lexicales, Sprachwandel, Anglizismen, Phonologie, Morphosyntax, Caló, Identität, Sprachkontakt
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der linguistischen Analyse des Spanischen der Vereinigten Staaten, das sich durch den Sprachkontakt mit dem Englischen und die heterogene Herkunft der Sprecher auszeichnet.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die historische Einwanderungsgeschichte, die Beschreibung der Ursprungsdialekte und die detaillierte Analyse der phonetischen und morphosyntaktischen Besonderheiten des US-Spanischen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, dem Leser einen fundierten Überblick über das Spanische in den USA zu vermitteln und das Verständnis für diese Varietät jenseits monolinguistischer Defizit-Modelle zu schärfen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein deskriptiv-analytischer Ansatz gewählt, der linguistische Daten (Phonetik, Morphologie, Lexik) vor dem soziohistorischen Hintergrund der Einwanderer auswertet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden neben den phonetischen und morphosyntaktischen Charakteristika insbesondere die Mechanismen der Anglizismen, wie das Code-Switching und verschiedene Formen der Entlehnung, ausführlich diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Bilingualismus, Sprachkontakt, Code-Switching, US-Spanisch und kulturelle Identität charakterisiert.
Warum wird das US-Spanisch nicht als "Spanglish" abgewertet?
Die Autorin argumentiert, dass monolinguistische Ansätze den Begriff abwertend als Defizit nutzen, während eine bilinguale Perspektive das Phänomen als systematisches, innovatives Sprachsystem erkennt.
Was ist "Caló"?
Caló ist ein urbaner Slang, der in den 1940er Jahren unter jungen Chicanos entstand und als identitätsstiftendes Merkmal innerhalb dieser Subkultur diente.
Was unterscheidet "cambio de código" von "préstamos"?
Beim Code-Switching alterniert der Sprecher zwischen zwei Sprachsystemen, während ein préstamo (Entlehnung) in das System der Zielsprache inkorporiert und morphologisch oder syntaktisch angepasst wird.
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- Anonym (Author), 2005, Spanisch in den Vereinigten Staaten von Amerika, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/58031