Vor dem Hintergrund internationaler Harmonisierungsbestrebungen im Bereich der Rechnungslegung soll im Rahmen des Gesetzgebungsverfahrens zum Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz über die Ausübung bisher nicht in nationales Recht umgesetzter Wahlrechte der EU-Modernisierungsrichtlinie (2003/51/EG), über weitere Anpassungen des HGB an internationale Entwicklungen und über eine Öffnung des Handelsbilanzrechts für das Konzept der Fair-Value-Bewertung entsprechend der Fair-Value-Richtlinie der EU (2001/65/EG) entschieden werden.1 Zu diesem Zweck hat der Deutsche Standardisierungsrat (DSR) dem Bundesministerium der Justiz (BMJ) am 03.05.2005 im Rahmen seiner Beratungsaufgabe2 Vorschläge für ein Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz mit dem Ziel unterbreitet eine verbesserte internationale Vergleichbarkeit von Jahres- und Konzernabschlüssen herbeizuführen, bilanzpolitische Spielräume einzuschränken und das deutsche Handelsbilanzrecht schrittweise den dynamischen Entwicklungen internationaler Rechnungslegungsnormen anzunähern.3
Die vorliegende Arbeit greift die vom DSR gemachten Vorschläge zur bilanziellen Abbildung von assoziierten Unternehmen im Konzernabschluss heraus und versucht diese im Rahmen einer vergleichenden Darstellung kritisch zu analysieren. Dazu werden im Folgenden zunächst assoziierte Unternehmen definiert und der Assoziierungskreis abgegrenzt (Kap. 2). Im Anschluss (Kap. 3) wird dargestellt, welche Anpassungen des Jahresabschlusses des assoziierten Unternehmens nach HGB und IAS/IFRS vorzunehmen sind und welche diesbezüglichen Änderungen der DSR vorschlägt. Anschließend wird die Anwendung der Equity-Methode verdeutlicht, indem wiederum nationale und internationale Vorschriften vergleichend nebeneinander gestellt und entsprechende Änderungsvorschläge des DSR berücksichtigt werden (Kap. 4). Danach wird kurz auf die Beendigung der Equity-Bilanzierung eingegangen (Kap. 5), bevor in Kapitel 6 Fragen des Ausweises in Konzernbilanz und -GuV sowie notwendige Anhangangaben diskutiert werden. Die Arbeit endet mit einer kritischen Würdigung der Reformvorschläge des DSR (Kap. 7) und einer Diskussion möglicher Auswirkungen und Probleme, die eine wortgetreue Umsetzung jener Vorschläge hervorrufen könnte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Problemstellung
2. Definition assoziierter Unternehmen, Assoziierungskreis und Ausnahmen von der Equity-Bilanzierung
3. Anforderungen an den Jahresabschluss assoziierter Unternehmen
3.1 Anpassung von Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden
3.2 Abweichender Abschlussstichtag beim assoziierten Unternehmen
4. Die Equity-Methode zur Bilanzierung von Anteilen an assoziierten Unternehmen
4.1 Grundkonzept der Equity-Methode
4.2 Zwischenergebniseliminierung
4.3 Außerplanmäßige Abschreibungen
4.4 Berücksichtigung negativer Equity-Werte
5. Beendigung der Equity-Bilanzierung
6. Ausweis der Beteiligung und Angaben im Anhang
6.1 Ausweis der Beteiligung
6.2 Ausweis des Beteiligungsergebnisses
6.3 Angaben im Konzernanhang
7. Kritische Würdigung der Änderungsvorschläge, mögliche Auswirkungen und Probleme
Anhang 1: Ausgangsdaten des Beispiels zur Bilanzierung assoziierter Unternehmen
Anhang 2: Beispiel zur Bilanzierung assoziierter Unternehmen nach der Buchwertmethode
Anhang 3: Beispiel zur Bilanzierung assoziierter Unternehmen nach der Kapitalanteilsmethode
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert kritisch die Vorschläge des Deutschen Standardisierungsrates (DSR) für ein Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz hinsichtlich der bilanziellen Abbildung assoziierter Unternehmen im Konzernabschluss und stellt diese den bestehenden nationalen und internationalen Rechnungslegungsvorschriften gegenüber.
- Vergleichende Analyse von HGB- und IAS/IFRS-Vorschriften zur Equity-Bilanzierung.
- Kritische Würdigung der DSR-Änderungsvorschläge zur Methodik der Equity-Bewertung.
- Diskussion der Auswirkungen von Wahlrechtsstreichungen auf die Rechnungslegungsqualität.
- Untersuchung der Problematik eingeschränkter Informationsbeschaffung bei assoziierten Unternehmen.
Auszug aus dem Buch
4.1 Grundkonzept der Equity-Methode
Obwohl DRS 8 die Equity-Methode explizit als Konsolidierungsmethode bezeichnet, herrscht in der Literatur Uneinigkeit darüber, ob es sich um ein Bewertungs- oder Konsolidierungsverfahren handelt. Einigkeit besteht indes dahingehend, als dass die Equity-Methode dazu geeignet angesehen wird, die Bildung stiller Reserven im Beteiligungsansatz sowie eine zeitliche Inkongruenz zwischen Ergebniserzielung beim assoziierten Unternehmen und Ergebnisvereinnahmung beim Gesellschafterunternehmen zu verhindern. Die Equity-Methode ist daher als ein zeitgerechteres und damit den Informationszwecken des Jahresabschlusses weitaus besser dienendes Verfahren anzusehen, als die im Einzelabschluss zwingend anzuwendende Anschaffungskostenmethode gem. § 253 HGB.
Bei erstmaliger Anwendung der Equity-Methode sind die zur Ermittlung des Unterschiedsbetrages notwendigen Wertverhältnisse zu bestimmen. Sowohl nach § 312 Abs. 3 HGB als auch nach DRS 8.14f. und IAS 28.23 sind dafür die Wertverhältnisse im Zeitpunkt des Anteilserwerbs zugrunde zu legen. Darüber hinaus erlaubt § 312 Abs. 3 HGB auch, auf den Zeitpunkt der erstmaligen Einbeziehung in den Konzernabschluss oder, bei Erwerb der Anteile zu verschiedenen Zeitpunkten, auf denjenigen Zeitpunkt abzustellen, an dem das Unternehmen assoziiertes Unternehmen geworden ist. IAS 28 und DRS 8 sehen ein solches Wahlrecht nicht vor.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und Problemstellung: Vorstellung der Intention des Gesetzgebers zur Harmonisierung der Rechnungslegung und Zielsetzung der kritischen Analyse der DSR-Vorschläge.
2. Definition assoziierter Unternehmen, Assoziierungskreis und Ausnahmen von der Equity-Bilanzierung: Abgrenzung des Anwendungsbereichs und Definition des maßgeblichen Einflusses nach HGB und IAS/IFRS.
3. Anforderungen an den Jahresabschluss assoziierter Unternehmen: Erörterung der methodischen Anpassungen an konzerneinheitliche Bilanzierungsregeln und der Behandlung abweichender Abschlussstichtage.
4. Die Equity-Methode zur Bilanzierung von Anteilen an assoziierten Unternehmen: Detaillierte Darstellung der Equity-Bewertung, inklusive Fortschreibung, Zwischenergebniseliminierung, außerplanmäßiger Abschreibungen und negativer Equity-Werte.
5. Beendigung der Equity-Bilanzierung: Kurze Erläuterung der notwendigen Vorgehensweise bei Wegfall des maßgeblichen Einflusses oder Veräußerung der Beteiligung.
6. Ausweis der Beteiligung und Angaben im Anhang: Darstellung der Anforderungen an die Bilanzierung, den Ergebnisausweis sowie die umfangreichen Anhangangaben.
7. Kritische Würdigung der Änderungsvorschläge, mögliche Auswirkungen und Probleme: Fazit der Arbeit mit kritischer Bewertung der beabsichtigten Einschränkungen der Wahlrechte und Annäherung an internationale Standards.
Schlüsselwörter
Equity-Methode, Assoziierte Unternehmen, Konzernabschluss, Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz, DSR, HGB, IAS, IFRS, Maßgeblicher Einfluss, Zwischenergebniseliminierung, Buchwertmethode, Kapitalanteilsmethode, Goodwill, Stille Reserven, Rechnungslegungsharmonisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht kritisch die vom Deutschen Standardisierungsrat (DSR) unterbreiteten Vorschläge zur Bilanzierung assoziierter Unternehmen im Konzernabschluss im Rahmen des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Definition assoziierter Unternehmen, die Anwendung der Equity-Methode, die notwendigen Anpassungen an den Konzernabschluss sowie die Ausweis- und Anhangspflichten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Auswirkungen der geplanten Streichungen von Wahlrechten im HGB zu analysieren und deren Eignung zur Annäherung an internationale Rechnungslegungsstandards zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es erfolgt eine vergleichende Darstellung der bestehenden nationalen HGB-Vorschriften und internationaler Standards (IAS/IFRS), ergänzt um eine kritische Würdigung der DSR-Reformvorschläge.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition des Assoziierungskreises, Anforderungen an den Jahresabschluss, die Durchführung der Equity-Methode, den Ausweis sowie die Beendigung der Equity-Bilanzierung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Equity-Methode, Konzernabschluss, Maßgeblicher Einfluss, Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz und HGB/IFRS-Vergleich.
Wie unterscheidet sich die Buchwertmethode von der Kapitalanteilsmethode?
Bei der Buchwertmethode bleibt der Unterschiedsbetrag Teil des Beteiligungsbuchwertes, während die Kapitalanteilsmethode einen separaten Ausweis von Goodwill bzw. neubewertetem Eigenkapital vorsieht.
Warum sieht der Autor die Streichung von Wahlrechten kritisch?
Der Autor kritisiert, dass durch die Streichung der Wahlrechte das zentrale Problem der eingeschränkten Informationsbeschaffung bei assoziierten Unternehmen zu wenig berücksichtigt wird, was die Aussagefähigkeit des Konzernabschlusses gefährden könnte.
Welche Bedeutung hat die Zwischenergebniseliminierung im Kontext der Arbeit?
Die Eliminierung stellt einen wesentlichen Aspekt der Konsolidierung dar; der Autor merkt an, dass die vom DSR geforderte obligatorische anteilige Eliminierung in der Praxis an fehlenden Informationen scheitern kann.
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- Monty Bäcker (Author), 2006, Vorschlag zur Bilanzierung von assoziierten Unternehmen im Konzernabschluss - vergleichende Darstellung und kritische Würdigung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/58150