Viele Unternehmen haben in den letzten Jahren begonnen sich intensiv mit dem Thema Wissensmanagement auseinanderzusetzen. Ein Grund, warum die Ressource Wissen immer stärker an Bedeutung gewinnt, ist die fortschreitende Entwicklung der Wissensgesellschaft. Der stete Umbau der „wirtschaftlichen und sozialen Umwelt in eine Informationsgesellschaft [bzw.] Wissenswirtschaft“ durch die „explosionsartige Vermehrung, weitgehende Fragmentierung sowie zunehmende Globalisierung des Wissens“ (Probst et al 2003: 3 und 6) führt zu einer veränderten und komplexeren Wettbewerbssituation, der sich die Unternehmen stellen müssen. Durch Bemühungen eines systematischen Wissensmanagements soll der bedeutsamen Rolle von Wissen als Faktor für den Erhalt der Leistungsfähigkeit und Wandelbarkeit der Unternehmen, in einer sich rasant verändernden Umwelt, Rechnung getragen werden. Dabei konzentrieren sich viele Maßnahmen des unternehmerischen Wissensmanagements vornehmlich auf die Generierung neuen Wissens, um sich so Wettbewerbsvorteile gegenüber der Konkurrenz zu verschaffen. Diese Vorgehensweise vernachlässigt die Tatsache, dass relevantes Wissen häufig bereits in der Unternehmung vorhanden ist aber nicht adäquat zu den betroffenen Stellen transferiert wird. Der Zugang zum benötigten Wissen bzw. Know-how und deren effiziente Verteilung werden so zu einem entscheidenden Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen. Dies erfordert eine intensive Auseinandersetzung mit Prozessen, Verfahren bzw. Instrumenten, über die der Change-Manager steuernd auf den Wissenstransfer einwirken kann, um ihn so erfolgreich und effizient zu gestalten. Ein wichtiger Aspekt, der in diesem Zusammenhang berücksichtigt werden muss, ist die Charakterisierung des zu transferierenden Wissens. Da Wissen und dessen Nutzung häufig implizit an Menschen gebunden ist, werden diese zu einem zentralen Element der organisationalen Wissensbasis (vgl. Probst et al 2003: 18). Deshalb muss eine praxisorientierte Gestaltung von Wissenstransfer stets das Individuum mit einbeziehen. In der vorliegenden Hausarbeit wird die Problematik von erfolgreichem Wissenstransfer tiefer gehend analysiert. In einem ersten Schritt (Abschnitt 2) werden die wesentlichen theoretischen Grundlagen von Wissenstransfer dargestellt. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Grundlagen und die Bedeutung von Wissenstransfer
2.1 Begriffsabgrenzung
2.2 Wissenstransfer und dessen Bedeutung
3. Wissenstransfer als interaktiver Prozess
4. Gestaltung und Probleme des Wissenstransferprozesses
5. Zusammenfassung und kritische Würdigung
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit analysiert den intraorganisationellen Wissenstransfer, um aufzuzeigen, wie dieser Prozess erfolgreich gestaltet und gesteuert werden kann. Im Zentrum steht die Entwicklung eines Prozessschemas, das dem Change-Manager als strukturelles Instrument dient, um vorhandenes Wissen effizient innerhalb einer Organisation zu verteilen und die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern.
- Grundlagen des Wissensmanagements und Definition relevanter Wissensbegriffe.
- Strukturierung des Wissenstransfers in fünf logische, interaktive Phasen.
- Identifikation und Analyse von Barrieren und Problemen im Transferprozess.
- Ableitung praxisorientierter Gestaltungsempfehlungen für Führungskräfte.
- Bedeutung der Einbindung des Individuums bei der Wissensübertragung.
Auszug aus dem Buch
1. Initiierung
In dieser ersten Phase, der Initiierungsphase, entwickelt ein Akteur ein Problembewusstsein im Hinblick auf bestehende Fähigkeitsdefizite und identifiziert Wissenslücken, die nicht durch den eigenen Wissensbestand bewältigt werden können (vgl. Probst et al 2003: 87). Mögliche Auslöser für die tiefer gehende Auseinandersetzung mit Wissensproblemen sind unter anderem Produktivitätsrückgang, Verlust von Marktanteilen oder negative Benchmarkingergebnisse im Vergleich zu Konkurrenten (vgl. North 2005: 202 ff).
Es besteht demnach ein Bedarf an Wissen seitens einer Organisationseinheit. In jeder Organisation existieren Wissensträger, die eine Vorreiterrolle in Bezug auf bestimmtes Wissen besitzen (z.B. Forschungs- und Entwicklungsabteilung). Diese Einheiten sind teilweise bereits auf die Generierung, Entwicklung und den Erwerb neuen Wissens spezialisiert. Im Sinne eines „Matching-Prozesses“ muss nun der Wissensbedarf eines Akteurs mit dem vorhandenen Wissen eines anderen Akteurs übereinstimmen, damit der Transfer initiiert und systematisiert werden kann (vgl. Szulanski 1996: 28). Letzterer fungiert dann als Wissensquelle bzw. Wissensgeber, da er über relevantes Wissen und potentielle Problemlösungen verfügt, die an den Wissensempfänger, jene Organisationseinheit, die dieses Wissen nachfragt und benötigt, weitergegeben wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die steigende Bedeutung von Wissen in der Wissensgesellschaft und begründet die Notwendigkeit, bereits vorhandenes Wissen durch ein systematisches Wissensmanagement effizienter zu nutzen.
2. Theoretische Grundlagen und die Bedeutung von Wissenstransfer: Dieses Kapitel liefert die definitorische Abgrenzung der Begriffe Daten, Informationen und Wissen sowie eine Analyse der zentralen Wissensarten als Fundament für den Wissenstransfer.
3. Wissenstransfer als interaktiver Prozess: Hier wird ein idealtypisches Prozessschema vorgestellt, das die Wissensübertragung in fünf aufeinanderfolgende, interaktive Phasen untergliedert.
4. Gestaltung und Probleme des Wissenstransferprozesses: Ausgehend vom entwickelten Schema werden hier konkrete Gestaltungsempfehlungen abgeleitet sowie die mit der praktischen Umsetzung verbundenen Hindernisse diskutiert.
5. Zusammenfassung und kritische Würdigung: Das Abschlusskapitel resümiert die Ergebnisse der Arbeit und betont die Notwendigkeit einer praxisorientierten, kontextabhängigen Anwendung des Prozessmodells.
Schlüsselwörter
Wissensmanagement, Wissenstransfer, Intraorganisationeller Wissenstransfer, Wissensquelle, Wissensempfänger, Implizites Wissen, Explizites Wissen, Prozessschema, Change-Management, Organisationswissen, Wissensmarkt, Implementierung, Wissenslücken, Problemlösungskapazität, Unternehmenskultur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Hausarbeit?
Die Arbeit untersucht, wie Wissen innerhalb einer Organisation erfolgreich transferiert werden kann, um bestehende Wissensressourcen effizient für Unternehmensziele zu nutzen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen umfassen Wissensarten, die Struktur des Wissenstransferprozesses, Barrieren beim Wissensaustausch und Instrumente für das Wissensmanagement.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Erarbeitung eines Prozessschemas, das dem Change-Manager hilft, die Übertragung von Wissen systematisch und erfolgreich zu gestalten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die durch ein Prozessmodell und den Einbezug von Fallbeispielen zur Veranschaulichung der praktischen Anwendbarkeit untermauert wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst theoretische Grundlagen gelegt, gefolgt von einem Fünf-Phasen-Modell für den Wissenstransfer und konkreten Handlungsempfehlungen zur Steuerung dieses Prozesses.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wissensmanagement, Wissenstransfer, implizites Wissen, Organisationslernen und Change-Management sind die zentralen Begriffe.
Warum spielt implizites Wissen eine so wichtige Rolle?
Implizites Wissen ist an Personen gebunden und daher schwieriger zu übertragen als explizites Wissen, weshalb es besondere Aufmerksamkeit in der Prozessgestaltung erfordert.
Welchen Zweck erfüllt die Feedbackphase?
Die Feedbackphase ermöglicht die kritische Reflexion des Transferprozesses, den Austausch von "lessons-learned" und die Optimierung für zukünftige Wissensprojekte.
- Citation du texte
- Melanie Thiem (Auteur), 2006, Intraorganisationeller Wissenstransfer - Wie der Prozess des Wissenstransfers erfolgreich gestaltet werden kann, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/58212