Zur Konstruktion der ersten Minnedame in Ulrichs von Liechtenstein Frauendienst


Seminararbeit, 2005

12 Seiten, Note: 2,8


Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. Erste Einsichten

2. Brüche in der Darstellung

3. Entscheidende Szenen

Ergebnis

Literaturverzeichnis

Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Konstruktion der ersten Minnedame in Ulrichs von Liechtenstein „Frauendienst“. Textnah sollen die konsistenten Charakterzüge der Dame aufgezeigt und daraufhin untersucht werden, ob sich diese als bedeutsam für die Handlungen der Erzählung erweisen.

Ferner soll überprüft werden, ob die Darstellung der Dame von kontinuierlicher Art ist oder ob sie möglicherweise durch Brüche gekennzeichnet ist. Gemeinsamkeiten in den Äußerungen der Figuren bezüglich der ersten Dame sollen aufgezeigt werden.

Die genannten Untersuchungen werden die Grenzen des Textes nicht verlassen, die Tatsache der Fiktivität der Erzählung soll keinerlei Beachtung erhalten. Bezüge zur Realität und mögliche Fragestellung diesbezüglich sollen innerhalb dieser Beobachtungen keine Berücksichtigung finden.

Handlungen und Verhaltensweisen der ersten Minnedame, die auf den wahrscheinlichen Verhaltenskodex des Mittelalters verweisen, sollen nicht in die Darstellung und Charakterisierung der Dame einfließen.

Die Nennung des Namen Ulrich von Liechtenstein verweißt im Folgenden stets auf die Figur Ulrich von Liechtenstein und nicht auf den Autor. Ausnahmen werden gekennzeichnet.

Diese Arbeit untersucht ausschließlich den ersten Minnedienst Ulrichs von Liechtenstein, ist in den Ausführungen von > Erzählung < die Rede, ist nur dieser Teil des Frauendienstes gemeint.

1. Erste Einsichten

Ohne weitere Überlegungen und umfassendere Auseinandersetzungen bezüglich der Darstellung der ersten Dame, begegnet dem Leser zunächst die durchweg auffällig positiven Beschreibungen Ulrichs von Liechtenstein Minnedame:

Si was zer besten ûz erkorn,

si was von hôher art geborn,

sî was schœne, sî was guot,

sî was reiniclîch gemuot,

sî was kiusche, senfte gar,

sî was minneclîch gevar:

von ir vil tugende wart vernomen:

si was an tugenden gar volcomen.[1]

Diese Textstelle kann als stellvertretend für alle weiteren bestimmenden, konstant durch den Text gezogenen Darstellungen der Wesenszüge und des Äußeren der Minnedame Ulrichs von Lichtenstein verstanden werden. Andere kennzeichnenden Bezeichnungen sind unter anderem süeze, werde, hôchgemuot, wîz und zühte rîch. Bemerkt werden muss, dass diese Aufführungen jedoch einseitig aus dem Blickwinkel der zugetanen Figur Ulrich von Liechtenstein geschildert sind und keine Gültigkeit für den übrigen Rahmen der Charakterisierung der Dame darstellen. Für den Leser ergibt sich im Laufe der Erzählung ein dies ergänzendes anderes Bild. Weiteres hierzu im späteren Verlauf dieser Arbeit.

Weißt die erste Dame im überwiegenden Verlauf der Erzählung die Annäherungsversuche Ulrichs von Liechtenstein konsequent ab und akzeptiert ihre Rolle als Minneherrin nur widerstrebend, so ist zu bemerken, dass sie zu Beginn des Minnedienstes zunächst positiv auf ihn zu sprechen ist (Str. 44) und sogar seinen Minnedienst als ritterlich lobpreist (Str. 55). Nachdem sie aber erfährt, dass sie selbst die von ihm angebetete Minnedame ist, wehrt sie seine Bemühungen vehement ab (Str. 74ff). Die Aufnahme Ulrichs von Liechtenstein in ihren Dienst würde für sie einen Ehrverlust bedeuten und stellt überdies, aus ihrer Sicht, ein ohnehin zu hochgestecktes Ziel für ihn dar (Str. 76). Schon zu Beginn der Erzählung lässt die Dame erkennen, dass sie sich als Ulrich überlegen ansieht und ihn als ihrer nicht würdig versteht.

Diese ersten Einsichten in die Eigenarten der Dame lassen den Leser bereits verschiedene Ebenen der Berichterstattung in der Erzählung erkennen, in diesem Fall sind dies der Bericht von der Figur Ulrich von Liechtenstein gegenüber dem Bericht des Erzählers über die Dame. Die Unterschiede in den verschiedenen Ebenen der Darstellungen sind am einfachsten zu erkennen, durch die verschiedenen Arten der Berichtserstattung. Die Figur Ulrich von Liechtenstein scheint durch die Ergebenheit zu seiner Dame geblendet und nimmt ihre fortwährenden Ablehnungen und Herabsetzungen nicht als solche wahr, oftmals findet er Entschuldigungen oder spielt die Handlungen der Dame herunter (10. Lied Str. 61-72). Durch den Erzähler erfährt der Leser jedoch von der Selbstgefälligkeit der Dame (Str. 79 und Str. 406) und der schlechten Behandlung die sie Ulrich zukommen lässt (Str. 134). Diese Charakterzüge offenbaren sich dem Leser an vielen Stellen des Textes. Und auch nachdem die Dame Ulrich viel Leid angetan hat, preist er sie als Vrouwe reine, gar valsches ân[2] und lässt verlauten: mir ist für wâr daz kunt, daz nie herze sô reinez wart noch vor wandel baz bewart danne ir herze wandels fri[3]. Selbst die Drohung der Dame, sie würde ihm Schaden zufügen wenn er das Werben um sie nicht lässt (Str. 404f), kann Ulrich nicht von seinen Bestrebungen abbringen. Sehr deutlich ist Ulrichs verdrehte Sicht auf die Wirklichkeit im 2. Büchlein erkennbar. Seine Minnedame schickt ihm eine augenscheinlich abweisende Nachricht, die Ulrich beiseite schiebt, mit der Intention ihr diese nicht übel zu nehmen und weiterhin zuversichtlich in ihrem Dienst und im Dienste der Minne zu stehen (2. Büchlein Str. 76-85 und Str. 99f). Er ist sich sicher, dass sie ihn über seinen großen Schmerz hinwegtrösten würde, wüsste sie von seiner Sehnsucht (2. Büchlein Str. 233).

[...]


[1] Ulrich’s von Liechtenstein Frauendienst. Hg. V. Bechstein, Reinhold. Leipzig 1888 (Deutsche Dichtungen des Mittelalters 6). Str. 15. Im weiteren Verlauf durch FD gekennzeichnet.

[2] FD (9. Lied Str. 21)

[3] FD (2. Büchlein Str. 331)

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Zur Konstruktion der ersten Minnedame in Ulrichs von Liechtenstein Frauendienst
Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
2,8
Autor
Jahr
2005
Seiten
12
Katalognummer
V58223
ISBN (eBook)
9783638524827
Dateigröße
393 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Konstruktion, Minnedame, Ulrichs, Liechtenstein, Frauendienst
Arbeit zitieren
Linda Kim Wegener (Autor), 2005, Zur Konstruktion der ersten Minnedame in Ulrichs von Liechtenstein Frauendienst, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/58223

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