Ich habe bewusst diese Periode gewählt, da 1927 einerseits die Arbeit und Integration der Frau als Sache der Gesamtpartei erklärt und in den Statuten festgeschrieben wurde, andereseits, wie oben bereits erwähnt, der Frauenanteil schrumpfte und keine Frau in der engeren Führung vertreten war. Ausserdem lancierte die KPS während dieser Periode ihre einzigen frauenpolitischen Kampagnen:1922 für einen straffreien Schwangerschaftsabbruch und 1927 für die Einführung des Frauenstimmrechts.
Im ersten Kapitel geht es um die theoretische Auseinandersetzung mit den marxistischen Emanzipationstheorien von August Bebel und Clara Zetkin und die Geschlechtsidentität innerhalb der kommunistischen Bewegung.
Das zweite Kapitel liefert einen kurzen Überblick über die Frauenemanzipation in der schweizerischen Arbeiterbewegung. Es geht dabei um die vorherrschenden theoretischen Werke und ihre Rezeption im ArbeiterInnenmilieu selbst.
Das dritte Kapitel umfasst die Gründung der KPS, ihr struktureller Aufbau, ihre Entwicklung bis 1927 und insbesondere die zunehmende Zentralisierung unter dem Einfluss von Moskau. Das vierte Kapitel stellt die Eingliederung der Frau in die KPS dar. Dabei wird auf Rekrutierungs-und Mobilisierungstrategien und ihre tatsächliche Umsetzung eingegangen. Ein weitere wichtiger Punkt bildet die Aufzeichnung der Grenzen und Schwierigkeiten weiblicher Durchsetzungsfähigkeit und Partizipation innerhalb der KPS. Dabei wird sowohl auf soziokulturelle wie auch organisationstechnische Hindernisse eingegangen.
Das fünfte Kapitel zeigt die Frauenpolitik der KPS auf. Es darin insbesondere um die Stellung der Frauenanliegen innerhalb der politischen Agenda. Dabei wird besonders auf das Engagement für Frauenstimmrecht und Schwangerschaftsabbruch eingegangen. Im letzten Punkt geht es um den Wandel der Frauenpolitik und der Marginalisierung von Frauenanliegen durch die zunehmende „Stalinisierung“ der Partei. Das sechste und letzte Kapitel umfasst die Konklusion.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Frauenbild im Kommunismus: Gleichberechtigt aber anders...
2.1. Die marxistische Emanzipationstheorie: August Bebel und Clara Zetkin
2.2. Geschlechtsidentität und Kommunismus
3. Frauenemanzipation in der schweizerischen Arbeiterbewegung
3.1. Theoretische Werke
3.2. Frauenemanzipation und ArbeiterInnenmilieu
4. Entwicklung der KPS vom Gründungsparteitag bis zum „Bolschewisierungsstatut“ von 1927.
4.1.Die Gründung der KPS
4.2. Struktureller Aufbau der KPS
4.3.Die Bolschewisierungsphase 1924-1927
5. Die Eingliederung der Frau in die KPS
5.1.Rekrutierung und Mobilisierung
5.2 Grenzen weiblicher Durchsetzungsfähigkeit und Partizipation in der KPS
6. Die Frauenpolitik der KPS
6.1.Allgemeine Postulate der KPS zur Frauenemanzipation in der Schweiz
6.2. Frauenstimmrecht
6.3.Schwangerschaftsabbruch
6.4.Wandel der Frauenpolitik
7. Konklusion
7.1.Soziokulturelle Faktoren
7.2.Parteistrukturelle Faktoren
8. Bibliographie
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die politische und soziale Stellung der Frau in der Kommunistischen Partei der Schweiz (KPS) zwischen 1921 und 1927. Sie geht der zentralen Forschungsfrage nach, welche soziokulturellen und parteistrukturellen Faktoren das aktive politische Engagement sowie den Aufstieg von Frauen innerhalb der Partei in diesem Zeitraum bremsten.
- Marxistische Emanzipationstheorie und ihre Rezeption in der schweizerischen Arbeiterbewegung
- Strukturelle Entwicklung der KPS und die Auswirkungen der „Bolschewisierung“
- Mobilisierungsstrategien für Arbeiterinnen und deren tatsächliche Reichweite
- Die Frauenpolitik der KPS, insbesondere hinsichtlich Stimmrecht und Schwangerschaftsabbruch
- Barrieren für weibliche Partizipation und Führungspositionen in der Partei
Auszug aus dem Buch
2.1. Die marxistische Emanzipationstheorie: August Bebel und Clara Zetkin
Als die wichtigsten ExponentInnen der marxistischen Frauenemanzipationstheorie gelten Friedrich Engels, August Bebel und Clara Zetkin, paradoxerweise aber nicht Karl Marx selbst, der die Frauenfrage kaum zur Kenntnis nahm. In gewisser Weise tritt dies auch auf Engels zu, obgleich sein Werk über den Ursprung der Familie sich als einziges unter den klassischen Schriften des Marxismus mit der Stellung der Frau in der Gesellschaft befasst. Erst August Bebel und Clara Zetkin haben sich intensiver mit der Frauenfrage befasst. Bebel hat mit seinem 1879 erschienenen Buch „Die Frau und der Sozialismus“, einer eingehenden, historischen Analyse der Stellung der Frau von der Urgeschichte bis zur bürgerlichen Familie, die Haltung der SozialistInnen nachhaltig geprägt. Er kritisierte die zu seiner Zeit herrschenden sozialen und sexuellen Eheverhältnisse, untersucht Prostitution, geht auf die Frauenarbeit ein und entwickelte Modelle für die Zukunft im Sozialismus.
„Die Frau der neuen Gesellschaft ist sozial und ökonomisch vollkommen unabhängig, sie ist in keinem Schein von Herrschaft und Ausbeutung mehr unterworfen, sie steht dem Mann als Freie, Gleiche gegenüber und ist Herrin ihrer Geschicke. Ihre Erziehung ist der des Mannes gleich, mit Ausnahme der Abweichungen, welche die Verschiedenheit des Geschlechts und ihre geschlechtliche Funktion bedingen;...sie wählt für ihre Tätigkeit diejenigen Gebiete, die ihren Wünschen, Neigungen und Anlagen entsprechen und ist unter gleichen Bedingungen wie der Mann tätig (...)In der Liebeswahl ist sie gleich dem Mann frei und ungehindert. Sie freit oder lässt sich freien und schliesst den Bund aus keiner anderen Rücksicht als ihre Neigung. (...) Die Befriedigung des Geschlechtstriebs ist ebenso jedes einzelnen persönliche Sache wie die Befriedigung jedes anderen Naturtriebs.“
Bebel behandelt in seinem Werk auch auf die Umwandlung des häuslichen Lebens. Die Frau wird dabei aufgefordert, unter Herbeiziehung technischen Fortschritts und kommunitaristischem Gedankenguts den Haushalt soweit zu rationalisieren, dass ihrer Eingliederung und Entfaltung in der produktiven Gesellschaft nichts mehr im Wege steht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung skizziert den Forschungsstand zu Frauen in der Schweizer Arbeiterbewegung und stellt die zentrale Fragestellung nach den Hemmnissen für politisches Engagement von Frauen in der KPS (1921-1927) vor.
2. Frauenbild im Kommunismus: Gleichberechtigt aber anders...: Das Kapitel analysiert die theoretischen Grundlagen der marxistischen Frauenemanzipation durch Bebel und Zetkin sowie das widersprüchliche Frauenbild innerhalb der internationalen kommunistischen Bewegung.
3. Frauenemanzipation in der schweizerischen Arbeiterbewegung: Hier wird der theoretische und praktische Umgang der schweizerischen Arbeiterbewegung mit der Frauenfrage vor der Gründung der KPS untersucht, wobei patriarchale Strukturen im Milieu betont werden.
4. Entwicklung der KPS vom Gründungsparteitag bis zum „Bolschewisierungsstatut“ von 1927.: Dieses Kapitel beschreibt den organisatorischen Wandel der KPS von einer losen Gruppierung hin zu einer zentralistisch geführten Partei unter dem Einfluss der Komintern.
5. Die Eingliederung der Frau in die KPS: Hier werden die Mobilisierungserfolge und -misserfolge sowie die strukturellen Barrieren beleuchtet, die Frauen innerhalb der KPS-Strukturen und bei der Arbeit in den Betriebszellen begegneten.
6. Die Frauenpolitik der KPS: Das Kapitel untersucht die konkreten frauenpolitischen Vorstösse der KPS, wie den Kampf für das Frauenstimmrecht und die Straflosigkeit des Schwangerschaftsabbruchs, und analysiert deren Scheitern.
7. Konklusion: Das abschließende Kapitel fasst die soziokulturellen und parteistrukturellen Faktoren zusammen, die das Engagement von Frauen in der KPS maßgeblich behinderten.
8. Bibliographie: Dieses Verzeichnis listet die für die Arbeit verwendete Literatur und Quellen auf.
Schlüsselwörter
KPS, Kommunistische Partei der Schweiz, Frauenemanzipation, Arbeiterbewegung, Bolschewisierung, Frauenstimmrecht, Schwangerschaftsabbruch, Geschlechterrollen, Betriebszellen, Parteistruktur, Soziokulturelle Faktoren, Rosa Grimm, Mentona Moser, Komintern, Klassenkampf.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die politische und soziale Position von Frauen in der Kommunistischen Partei der Schweiz (KPS) in den Jahren 1921 bis 1927.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der marxistischen Emanzipationstheorie, der Parteientwicklung der KPS, der Mobilisierung von Frauen und dem Umgang mit frauenpolitischen Anliegen wie dem Stimmrecht.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet, welche parteistrukturellen und soziokulturellen Faktoren ein aktives politisches Engagement von Frauen in der KPS in den untersuchten Jahren bremsten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine zeithistorische Analyse, die Parteiprogramme, Statuten, zeitgenössische Literatur sowie Sekundärforschung auswertet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die theoretischen Grundlagen des Frauenbilds, die organisatorische Entwicklung der Partei, die Rekrutierung von Frauen, deren Partizipationsgrenzen sowie spezifische Kampagnen der Partei.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
KPS, Frauenemanzipation, Arbeiterbewegung, Bolschewisierung, Geschlechterrollen und politische Partizipation sind zentrale Begriffe.
Warum spielt die „Bolschewisierung“ für die Frauen in der KPS eine Rolle?
Die Bolschewisierung führte zu einer Zentralisierung und einer stärkeren Ausrichtung auf den männlich dominierten Betriebsarbeiter, was für die oft weniger in Betrieben verankerten Frauen einen Bedeutungsverlust bedeutete.
Welchen Einfluss hatten Frauen wie Rosa Grimm oder Mentona Moser?
Sie waren als Vorkämpferinnen für Frauenanliegen in der Partei aktiv, sahen sich jedoch mit einer männlich dominierten Kultur und einer zunehmenden Marginalisierung durch die Parteiführung konfrontiert.
- Quote paper
- Master Angela Mattli (Author), 2005, "Gleichberechtigt aber anders..." Grenzen weiblicher Integration und Partizipation in der Kommunistischen Partei der Schweiz 1921-1927, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/58279