Die betriebliche Altersversorgung nimmt heute als eigenständiges System mit ihrer mehr als 150-jährigen Tradition einen festen Platz im bundesdeutschen System der Alterssicherung ein. Dennoch kommt dieser Art der Vorsorge, mit einem Anteil von ca. 5 % am durchschnittlichen Alterseinkommens, eine, auch international gesehen, sehr geringe Bedeutung zu. Dieser Beitrag verfolgt primär zwei Zielstellungen. Dies ist zum einen die Darlegung der gegenwärtigen Ausgestaltung der betrieblichen Altersversorgung in Deutschland, in Anbetracht des Umfangs, mit Schwerpunkt auf die organisatorischen und arbeitsrechtlichen Rahmenbedingungen. Zum anderen die Schaffung einer Grundlage für die steuersystematische Darstellung und Wirkungsanalyse im Weiteren.
Als Basis für die weitere Betrachtung gibt Kapitel 2 zunächst einen Überblick über das derzeitige System der Altersversorgung in Deutschland. Bezug nehmend darauf wird die Stellung der betrieblichen Altersversorgung innerhalb des dreigliedrigen Alterssicherungssystems erklärt. Anschließend wird in Kapitel 3 die gegenwärtige Situation der betrieblichen Altersversorgung darlegt. Aus dem Blickwinkel der Komplexität der Rahmenbedingungen ist eine systematische Diskussion der Normen, die primär durch das Betriebsrentengesetz2 und die Rentenreform aus dem Jahr 1999 bestimmt sind, zweckmäßig. Darauf aufbauend, erfolgt eine Darstellung der verschiedenen Durchführungswege. Mit einem Resümee und kritischen Argumenten der Praxis schließt die Arbeit. Die betriebliche Altersversorgung bildet einen wichtigen Bestandteil des bundesdeutschen „Gesamtsystems“ der Alterssicherung.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die betriebliche Altersversorgung als Bestandteil des „Gesamtsystems“ der Altersversorgung in Deutschland
2.1 Das Drei-Säulenkonzept als alterspolitische Zielkonzeption
2.1.1 Die gesetzliche Altersversorgung
2.1.2 Die betriebliche Altersversorgung
2.1.3 Die private Eigenversorgung
2.2 Zusammenwirken von gesetzlicher, betrieblicher und privater Altersversorgung im Rahmen des Drei-Säulen-Konzeptes i.e.S.
3 Juristische Grundlagen und organisatorische Grundstrukturen der betrieblichen Altersversorgung
3.1 Zielsetzung und Bedeutung des Betriebsrentengesetzes
3.2 Konkretisierung des Begriffs „Betriebliche Altersversorgung“ durch das Betriebsrentengesetz und nachfolgende Rechtsprechung
3.3 Gesetzliche Rahmenbedingungen
3.3.1 Unverfallbarkeit dem Grunde (§1 BetrAVG) und der Höhe nach (§ 2 BetrAVG)
3.3.2 Flexible Altersgrenze (§ 6 BetrAVG)
3.3.3 Die Insolvenzsicherung (§§ 7-15 BetrAVG)
3.3.4 Anpassungspflicht (§ 16 BetrAVG)
3.4 Eckpunkte der Novellierung des Betriebsrentengesetzes zum 1. Januar 1999
3.4.1 Durchführungsweg
3.4.2 Rechtsanspruch auf Entgeltumwandlung
3.4.3 Verkürzung oder Wegfall der Unverfallbarkeitsfristen
3.5 Durchführungswege der betrieblichen Altersversorgung
3.5.1 Wahl des Durchführungsweges als unternehmerische Aufgabe
3.5.2 Pensionsverpflichtung
3.5.3 Unterstützungskasse
3.5.4 Direktversicherung
3.5.5 Pensionskasse
3.5.6 Pensionsfonds
4 Resümee und Kritik
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Studienarbeit verfolgt das Ziel, die aktuelle Ausgestaltung der betrieblichen Altersversorgung in Deutschland darzulegen, wobei der Schwerpunkt auf den organisatorischen und arbeitsrechtlichen Rahmenbedingungen liegt. Zudem soll eine fundierte Basis für eine weiterführende steuersystematische Darstellung und Wirkungsanalyse geschaffen werden.
- Systematik des deutschen Drei-Säulen-Modells der Altersvorsorge
- Rechtliche Grundlagen und das Betriebsrentengesetz (BetrAVG)
- Die verschiedenen Durchführungswege der betrieblichen Altersversorgung
- Anforderungen an Insolvenzsicherung und Entgeltumwandlung
Auszug aus dem Buch
3.5.2.2 Finanzierung
Durch die Abgabe einer Pensionszusage entsteht seitens des Unternehmens eine ungewisse Verbindlichkeit in der Zukunft, da der Leistungsfall in Abhängigkeit vom Eintreten eines biologischen Ereignisses erfolgt. Vormals wurden die Leistungszahlungen aus Direktzusagen aus dem laufenden Ertrag des Unternehmens finanziert. Heute findet die Berücksichtigung des Aufwandes im Rahmen der internen Vorfinanzierung bereits während des Arbeitsverhältnisses durch die Bildung von Pensionsrückstellungen in der Steuer- und Handelsbilanz statt. Bei einer Finanzierung aus Entgeltumwandlung ist die Rückdeckung und gleichzeitige Verpfändung der Ansprüche an den Mitarbeiter obligatorisch. In der Erfüllungsphase wird eine Auflösung der Pensionsrückstellungen nach einer versicherungsmathematischen Methode (vergleiche Abschnitt 41 Abs. 25 EStR) vorgenommen.45
Bis zur Erfüllung der Pensionszusage verbleiben die Mittel für Investitionen im Unternehmen, dem erzielten Investitionserfolg wird vergleichend ein kalkulatorischer Zins gegenübergestellt, demnach ergibt sich für den Träger eine entsprechende Zusatzbe- oder –entlastung. Restriktionen in Hinblick auf Anlagevorschriften existieren nicht. 46 Entsprechend resultieren aus den zukünftig anfallenden Versorgungsleistungen Liquiditätsrisiken, aufgrund unzureichender Rückstellungen, gestiegener Lebenserwartung, vorzeitiger Versorgungsfälle und der Anpassungspflicht nach § 16 BetrAVG.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung gibt einen Überblick über den Stellenwert der betrieblichen Altersversorgung und definiert die zwei zentralen Zielstellungen der Arbeit.
2 Die betriebliche Altersversorgung als Bestandteil des „Gesamtsystems“ der Altersversorgung in Deutschland: Dieses Kapitel erläutert das Drei-Säulen-Konzept und ordnet die betriebliche Altersversorgung als Ergänzung zur gesetzlichen Rentenversicherung und privaten Vorsorge ein.
3 Juristische Grundlagen und organisatorische Grundstrukturen der betrieblichen Altersversorgung: Dieser Hauptteil analysiert das Betriebsrentengesetz, die gesetzlichen Rahmenbedingungen sowie die fünf spezifischen Durchführungswege der betrieblichen Altersvorsorge.
4 Resümee und Kritik: Das abschließende Kapitel bewertet das System der betrieblichen Altersversorgung in Deutschland kritisch und reflektiert die zukünftige Entwicklung vor dem Hintergrund ökonomischer und demografischer Herausforderungen.
Schlüsselwörter
Betriebliche Altersversorgung, Drei-Säulen-Konzept, Betriebsrentengesetz, BetrAVG, Entgeltumwandlung, Unverfallbarkeit, Insolvenzsicherung, Direktzusage, Unterstützungskasse, Direktversicherung, Pensionskasse, Pensionsfonds, Altersvorsorge, Rentenreform, Anwartschaftsdeckungsverfahren.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Studienarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit gibt einen strukturierten Überblick über das System der betrieblichen Altersversorgung in Deutschland, insbesondere unter Berücksichtigung der arbeitsrechtlichen und organisatorischen Rahmenbedingungen nach den Rentenreformen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen das Drei-Säulen-Modell der Alterssicherung, die gesetzlichen Grundlagen des Betriebsrentengesetzes (BetrAVG) sowie die detaillierte Analyse der fünf zugelassenen Durchführungswege.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel ist die Darlegung der gegenwärtigen Ausgestaltung der betrieblichen Altersversorgung sowie die Schaffung einer Grundlage für weiterführende steuersystematische Analysen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt primär eine Literatur- und Rechtsquellenanalyse, um das komplexe juristische und organisatorische Gefüge der betrieblichen Altersversorgung systematisch zu durchdringen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit den gesetzlichen Mindestbestimmungen wie der Unverfallbarkeit und Insolvenzsicherung sowie der strukturellen Differenzierung der fünf Durchführungswege (Pensionsverpflichtung, Unterstützungskasse, Direktversicherung, Pensionskasse, Pensionsfonds).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Zu den prägenden Begriffen zählen Betriebliche Altersversorgung, Drei-Säulen-Konzept, BetrAVG, Durchführungswege, Entgeltumwandlung und Insolvenzsicherung.
Welcher Durchführungsweg ist laut Arbeit der dominanteste?
Die Arbeit identifiziert die Pensionsverpflichtung (Direktzusage) als die dominanteste Form, welche im Jahr 1999 einen erheblichen Anteil der angesammelten Mittel ausmachte.
Wie bewertet der Autor die Zukunft der betrieblichen Altersversorgung?
Der Autor konstatiert ein rückläufiges Interesse seitens der Unternehmen aufgrund hoher administrativer Anforderungen und finanzieller Belastungen, trotz der theoretisch propagierten „Renaissance“ der Betriebsrente.
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- Dipl.-Kaufmann Marco Matzke (Author), 2003, Betriebliche Altersversorgung - ein Überblick, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/58306