Die Türkei zwischen Vergangenheit und Zukunft - Eine Untersuchung der Wandlungsprozesse


Hausarbeit, 2006
21 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt

1.Einleitung

2. Die Brücke zwischen Orient und Okzident
2.1. Die Ausrufung der Republik
2.2. Der Wandel der türkischen Wirtschaft

3. Kultur im Wandel
3.1. Bevölkerungsentwicklung und Verstädterung
3.2. Das Bildungs- und Erziehungssystem
3.3. Soziale Unterschiede
3.4. Familie zwischen Tradition und Moderne

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1.Einleitung

Das zunehmende Bevölkerungswachstum und die damit ansteigende Zahl der Menschen in den Städten stellt die Türkei vor neue Herausforderungen.

Betrug die Einwohnerzahl 1927 noch 13,7 Millionen, so waren es im Jahr 2005 schon 72,9 Millionen Menschen. (Deutsche Stiftung Weltbevölkerung 2005)

Die Hoffnung auf Arbeit und bessere Ausbildungsmöglichkeiten für die Kinder lässt viele Familien in die Städte immigrieren.

In meiner Hausarbeit möchte ich mich mit den Ursachen der Landflucht und den Folgen der zunehmenden Verwestlichung auf die Alltagskultur befassen. Welchen Wandlungsprozessen sind und waren die Türken seit den Reformen und der damit einhergehenden Errichtung eines modernen Nationalstaats durch Kemal Atatürk ausgesetzt? Hat die Urbanisierung Einfluss auf die Rollen in der familiären Gemeinschaft? Wenn ja, wie bedeutend sind heutzutage noch traditionelle Werte?

2. Die Brücke zwischen Orient und Okzident

2.1. Die Ausrufung der Republik

Mit der Ausrufung der Republik am 29.10.1923 durch Mustafa Kemal wurde ein moderner Nationalstaat errichtet, ohne dass ihm eine moderne Gesellschaft entsprach.

Anders als in den entwickelten europäischen Staaten, in denen sich die Bürger politische Rechte erkämpft hatten, kam es in der Türkei zu einer Umgestaltung, die nicht durch das Volk veranlasst wurde. (Seufert 2000: 1)

Da Mustafa Kemal überzeugt war, dass die Überlegenheit Europas auf seiner Wissenschaft beruhte, forderte er eine konsequente Anpassung von Staat und Gesellschaft an westliche Werte und Organisationsformen. (Steinbach 2003: 32)

Da Bildung zur Zeit des Osmanischen Reichs nur der vermögenden Oberschicht vorbehalten war, wurde ein Großteil der einfachen Bevölkerung von Imamen unterrichtet. (Sen 1996: 72)

Das Erziehungswesen, bislang unter dem Einfluss islamischer Institutionen stehend, ordnete Mustafa Kemal daher einem staatlichen Unterrichtsministerium unter.

Per Gesetz führte er die allgemeine und kostenlose Schulpflicht von fünf Jahren ein. (Steinbach 2003: 31f.)

Die Abschaffung der komplizierten arabischen Schrift zugunsten der lateinischen ermöglichte auch vielen älteren Türken in so genannten Nationalschulen das Lesen- und Schreibenlernen nachzuholen. (Sen 1996: 72)

Ein weiterer Schritt seines Modernisierungsprogramms war die konsequente Säkularisierung. Bis dato bezog das Reich „seine Legitimation aus der Anwesenheit der Scheriat, des aus der Religion geschöpften Rechts, welches als der natürliche Weg, Ordnung und Gerechtigkeit zu stiften, aufgefasst wurde“. (Seufert 2000 :2)

Anstelle der islamischen Gesetze erhielt die neue Republik westeuropäische Zivil- und Strafgesetze. Zunächst waren das, das Schweizer Zivilrecht, das deutsche Handelsrecht und das italienische Strafrecht. (Sen 1996 :39f.)

Des Weiteren gehörten zu Atatürks Vorstellung von Laizismus auch die Abschaffung der traditionellen Kopfbedeckung, des Fes und damit die Verordnung des Tragens von westeuropäischer Kleidung als Symbol für die Modernisierung im Lande. (Steinbach 2003: 31)

Zum dritten wurde das Türkentum zur Nationalität der auf dem Gebiet des türkischen Staates lebenden Menschen erklärt. Wenige Jahre zuvor galt die Bezeichnung „Türke“ noch als negativ besetzter Ausdruck für die ungebildete Landbevölkerung.

Mustafa Kemal vermochte es ein Gefühl der Gleichheit und des Nationalstolzes in der Bevölkerung zu wecken. (Steinbach 2002: 11)

2.2. Der Wandel der türkischen Wirtschaft

Zu Zeiten des Osmanischen Reiches wurden ausschließlich Rohstoffe exportiert. Zahlreiche Nahrungsmittel und Industrieprodukte mussten vom Reich importiert werden. Demzufolge war die wirtschaftliche Lage zu Beginn der Republik ruinös.

Aufgrund der fehlenden Infrastruktur litt besonders die Landwirtschaft. Ihre Erträge waren niedrig, was nicht zuletzt mit einem Mangel an Technik und Ausbildung der Bevölkerung zu begründen ist.

Nach 1923 kam es zu einer Phase des Aufschwungs; die Wirtschaft wuchs von

1923-1930 jährlich um 11 Prozent.

Der Etatismus[1] wurde eines der Prinzipien auf denen der Staat gründen sollte.

Ziel dieser Politik war es, Importgüter durch eigene Produkte zu ersetzen. (Steinbach 2003: 113f.) Um die eigenen Produkte wettbewerbsfähig zu machen, wurden Importzölle und Subventionen erhoben bzw. eingesetzt. Diese Form des modernen Merkantilismus hatten schon die Vereinigten Staaten und Deutschland zum Ende des 19. Jahrhunderts angewendet, um die wirtschaftliche Überlegenheit Englands zu brechen.

Die eigentliche wirtschaftliche Entwicklung der Türkei setzte jedoch erst mit der Wahl der DP[2] 1950 ein. Zinsgünstige Kredite wurden für landwirtschaftliche Projekte gewährt und die Produkte zu hohen garantierten Preisen abgekauft. (Steinbach 2003: 114) Der Lebensstandard stieg; jedoch konnte die Industrialisierung mit der Modernisierung der Landwirtschaft nicht in dem Maße mithalten, dass der Überschuss an Arbeitskräften in der Landwirtschaft mit ausreichend Arbeitsplätzen in der Industrie ausgeglichen werden konnte.

In der Hoffnung auf Arbeit zogen viele Bauern, die sich die modernen Landmaschinen nicht leisten konnten, in die Städte. (Sen 1996: 90)

Anfang der achtziger Jahre veranlasste die Regierung Demirel eine umfassende Sanierung der Wirtschaft. Ihr Programm sah Marktwirtschaft statt Dirigismus und Exportorientierung statt Importsubstitution vor. Um den Export anzukurbeln wurde die türkische Lira um 50 Prozent abgewertet und der Außenhandel liberalisiert.

Erfolgreich wurden ausländische Investoren angezogen; die Reformen verwandelten das Land innerhalb weniger Jahre von einem Agrarland in eine Volkswirtschaft mit stetig wachsender Industrie. (Steinbach 2003: 115)

Insgesamt ging „von 1968 bis 1996 der Anteil der Landwirtschaft am Bruttosozialprodukt von 39,8 % auf 16,8% zurück“. (Steinbach 2003: 117)

2004 entfielen nur noch 5 Prozent des Exports auf Obst und Gemüse; Bekleidung und Textilien wurden mit 28 Prozent zum wichtigsten Industriesektor, wobei auch der Automobil- (13%) und der Metallindustrie (10%) eine wichtige Rolle zukam.

(Der Fischer Weltalmanach 2006: 459)

Der Anteil des Agrarsektors machte 2003 nur noch 13 Prozent am Bruttoinlandsprodukt aus. Im Industriesektor waren es 22 Prozent und im Dienstleistungssektor wurden 65 Prozent erwirtschaftet. Der hohe Anteil des Dienstleistungssektors ist jedoch auch damit zu erklären, dass hierzu alle Dienstleistungsbranchen wie Schuhputzer und Träger gezählt werden, die zwar zahlreich in dieser Branche beschäftigt sind, jedoch nur einen minimalen Gewinn erwirtschaften. (Hütteroth 2000 :6)

Der wichtigste Zweig des tertiären Sektors ist der Tourismus; 2002 verbrachten

13,3 Millionen Urlauber ihre Ferien in der Türkei. Im Vergleich zu 1980 mit

1,3 Millionen Gästen macht das eine Steigerung um mehr als das Zehnfache. (Steinbach 2003: 117, Spiegel Online Länderlexikon 2006)

„Mittlerweile arbeiten rund 2,5 Millionen Türken im Tourismussektor, das macht einen Einheimischen auf knapp vier ausländische Gäste“. (Bahnerth 2002: 51)

3. Kultur im Wandel

3.1. Bevölkerungsentwicklung und Verstädterung

Wie bereits erwähnt, ist die Bevölkerung von 13,7 Millionen im Jahre 1927 auf 72,9 Millionen Menschen im Jahr 2005 angestiegen.

Anfangs war die Türkei ein unterentwickeltes Land mit einer hohen Geburten- und Sterberate.Im Zuge der Modernisierung verbesserten sich auch die Hygiene und die medizinische Versorgung. Heute besteht die Bevölkerung zu 29 Prozent aus Kindern unter 15 Jahren und nur zu 6 Prozent aus Erwachsenen über 65 Jahren.

Die Bevölkerungswachstumsrate beträgt 1,4 Prozent pro Jahr. Dies spiegelt sich auch in der Bevölkerungsprojektion für 2050 wider, die einen Anstieg der Bevölkerung auf

100,8 Millionen prognostiziert.[3] (Deutsche Stiftung Weltbevölkerung 2005)

[...]


[1] Etatismus: Die bestimmende Rolle des Staates in der Wirtschaft (Steinbach 2003: 36)

[2] DP: Demokratische Partei, die das westliche Wirtschaftssystem unter Förderung der USA vertrat.

[3] Im Vergleich dazu ist der Anteil der Bevölkerung unter 15 Jahren in Deutschland 15%, über 65 Jahren 18%. Die Bevölkerungswachstumsrate beträgt -0.1% pro Jahr. Bevölkerung 2005: 82,5 Millionen. Prognose für 2050: Rückgang auf 75,1 Millionen Menschen. (Deutsche Stiftung Weltbevölkerung 2005)

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Details

Titel
Die Türkei zwischen Vergangenheit und Zukunft - Eine Untersuchung der Wandlungsprozesse
Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung)  (Sozialwissenschaften)
Veranstaltung
Seminar "Türkei und Griechenland"
Note
1,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
21
Katalognummer
V58327
ISBN (eBook)
9783638525558
ISBN (Buch)
9783638752480
Dateigröße
510 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit den Wandlungsprozessen in der Türkei. Neben einer Zusammenfassung der republikanischen Entwicklung und einer kurzen Skizzierung der wirtschaftlichen Prozesse, bildet der kulturelle Wandel den Schwerpunkt dieser Untersuchung.
Schlagworte
Türkei, Vergangenheit, Zukunft, Eine, Untersuchung, Wandlungsprozesse, Seminar, Griechenland
Arbeit zitieren
Britta Eisenbarth (Autor), 2006, Die Türkei zwischen Vergangenheit und Zukunft - Eine Untersuchung der Wandlungsprozesse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/58327

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