Tierethik und deren massenhafte Tötung. Ist ein Vergleich mit dem Holocaust möglich und welchen Einfluss hat das auf unsere Ernährungsgewohnheiten?


Hausarbeit, 2018

16 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Problemstellung
1.2. Zielsetzung und Struktur der Arbeit

2. Grundlagen
2.1. Historische Entwicklung der Massentierhaltung und –tötung
2.2. Industrielle Tötung von Menschen – der Holocaust

3. Von der Notwendigkeit einer Veränderung der Ernährungsgewohnheiten
3.1. Wertewandel im Umgang mit Tieren
3.2. Veränderung der Ernährungsgewohnheiten

4. Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: 12 kurze Lektionen über Fleisch und die Welt...S

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

„Solange Menschen denken, dass Tiere nicht fühlen, müssen Tiere fühlen, dass Menschen nicht denken.“1

Sprichwort

1.1. Problemstellung

In der vorliegenden Arbeit soll die Frage des ethisch moralischen Umgangs mit unseren Mitlebewesen, den Tieren, im Vordergrund stehen. Dabei beschränkt sich die

Verfasserin vorwiegend auf die Tiere, die in der Lebensmittelproduktion ausgebeutet werden, ohne Berücksichtigung der vielen Millionen anderer Tiere, die für Versuche, Mode oder zur Unterhaltung der Menschen missbraucht und getötet werden.

Die Tatsache, dass Tiere Schmerzen empfinden, leiden, trauern und ausgeprägte Sozialstrukturen aufweisen, wird seit Jahrhunderten ausgeblendet.2

Seit Beginn der Industrialisierung, Ende des 19. Jahrhunderts, werden die Tiere aus ökonomischen Gründen stetig den Produktionsbedingungen angepasst und nicht etwa umgekehrt. So werden den Ferkeln die Ringelschwänze kopiert, den Hühnern die Schnäbel gekappt und den Kälbern die Hörner gekürzt etc., trotz des 2017 angepassten Tierschutzgesetzes. In diesem heißt es: „Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen“, §1 TierSchG.3

Ein aktuelles Beispiel ist die derzeitige Diskussion um die Kastration von männlichen Ferkeln ohne Betäubung. Sie zeigt nur einmal mehr, dass die Descartes´sche Auffassung, Tiere hätten kein Schmerzempfinden und seien demnach Maschinen gleichzusetzen, im 21. Jahrhundert eine weiterhin verbreitete Annahme ist.4 Allerdings lässt die Bestätigung des gesetzlichen Verbots vom 21.09.2018, Ferkel ohne Betäubung zu kastrieren, auf ein langsames, aber stetiges Umdenken hoffen.

1.2. Zielsetzung und Struktur der Arbeit

Ziel der vorliegenden Arbeit ist, einen Blick auf unser Zusammenleben mit den tierischen Lebewesen zu werfen und darzustellen, inwieweit ein moralisch ethischer Umgang möglich ist. Durch die Industrialisierung der Produktionsbedingungen sind Tiere immer mehr zu Produktionsfaktoren geworden und damit ihrer Anerkennung als fühlendes Lebewesen und Individuum beraubt worden. Sie sind seitdem milliardenfach ausgebeutet und getötet worden und werden es weiterhin.

In der Tierrechtsliteratur taucht häufig ein Vergleich mit dem Holocaust, eines der größten Verbrechen der Menschheit, auf.5

Die Arbeit soll sich konkret mit folgenden Fragen beschäftigen: Lässt sich die massenhafte Tötung von Tieren mit dem Holocaust vergleichen? Ist ein Vergleich überhaupt möglich bzw. zulässig? Oder soll einfach nur der allseits bekannte Begriff „Holocaust“, die unfassbaren Taten, die Menschen täglich Tieren antun, beschreiben?

In den Grundlagen erfolgt zunächst eine Beschreibung der historischen Entwicklung der Massentierhaltung und massenhaften Tötung von Tieren. Anschließend wird die industrielle Tötung von Menschen im Holocaust dargestellt und der von Tieren gegenüber gestellt. Im Hauptteil wird die Notwendigkeit einer Veränderung der Ernährungsgewohnheiten herausgearbeitet und der damit zusammenhängenden Erforderlichkeit eines Wertewandels im Umgang mit Tieren. Abschließend erfolgt eine Zusammenfassung im Fazit. Der Ausblick stellt noch die Frage nach der generellen moralischen Verantwortung eines jeden Einzelnen von uns gegenüber der Erde und den darauf lebenden Pflanzen, Tieren und Menschen. Hier sollen Lösungsansätze aufgezeigt werden.

2. Grundlagen

„Der alte Gott, ganz „Geist“, ganz Hoherpriester, ganz Vollkommenheit, lustwandelt in seinen Gärten: nur daß er sich langweilt. Gegen die Langeweile kämpfen Götter selbst vergebens. Was thut er? Er erfindet den Menschen, - der Mensch ist unterhaltend...Aber siehe da, auch der Mensch langweilt sich. Das Erbarmen Gottes mit der einzigen Noth, die alle Paradiese an sich haben, kennt keine Grenzen: er schuf alsbald noch andre Thiere. Erster Fehlgriff Gottes: der Mensch fand die Thiere nicht unterhaltend, - er herrschte über sie, er wollte nicht einmal „Thier“ sein.“6

Friedrich Nietzsche

Als Ende des 19. Jahrhunderts die Industrialisierung und damit der Kapitalismus das beherrschende System wurde, entfernten sich die Menschen mehr und mehr von den Tieren und der Natur. Es geht nur noch um Gewinnmaximierung und damit einhergehend die Automatisierung und Beschleunigung von Prozessen.

2.1. Historische Entwicklung der Massentierhaltung und –tötung

In Chicagos Schlachthöfen beginnt Ende des 19. Jahrhunderts die fließbandmäßige Schlachtung und Verarbeitung von Tieren. Durch Kühlhäuser, Schiffe und Flugzeuge wurde die monatelange Lagerung von landwirtschaftlichen Produkten, insbesondere dem Fleisch, und dem schnellen und günstigen Transport in die ganze Welt ermöglicht.7 Zur selben Zeit beginnen Unternehmer und Politiker, häufig in Personalunion (Drehtür = vom Unternehmen in die Politik und umgekehrt), den Fleischmarkt für ihre Zwecke auszubauen. Durch die Arbeitsteilung konnte eine Kuh innerhalb von 15 Minuten verarbeitet werden, während zuvor ein ganzer Arbeitstag benötigt wurde.8 Hierdurch wurde der Verkaufspreis des Fleisches immer günstiger und für immer mehr Menschen erschwinglich und der Fleischkonsum stieg weltweit an.

Die Fleischindustrie gewann mehr und mehr an Macht und die Tiere verloren endgültig ihren Status als fühlende Lebewesen, den sie zuvor durch das Zusammenleben mit den Menschen hatten. Durch die industrielle Produktion nahm die Gleichgültigkeit gegenüber den Tieren zu. Bis heute machen sich die wenigsten Konsumenten Gedanken darüber, woher das Fleisch auf ihren Tellern kommt.9

Im Bereich der Tierethik gab es im Verlauf der Jahrhunderte unterschiedliche Positionen. Nach Immanuel Kant sind Tiere im Gegensatz zum Menschen keine Vernunftwesen, so dass ihnen nur die Bedeutung von „Sachen“ zukommt. Demgegenüber ist Arthur Schopenhauer Vertreter der sog. Mitleidsethik, die dadurch gekennzeichnet ist, dass sie Rücksicht auf das einzelne Tier um seiner selbst willen verlangt. Die derzeitige tierethische Diskussion basiert im Wesentlichen auf der Theorie des sog. Utilitarismus. Vertreter dieser Theorie ist u.a. Peter Singer. Für den Utilitarismus ist moralisches Handeln auf das Ziel der Nutzenmaximierung bezogen.10 Auch wenn Singer das den Tieren zugefügte Leiden als vorrangig gegenüber dem Nutzen für den Menschen ansieht, führt die im Einzelfall nach dem Utilitarismus vorzunehmende Gewichtung dazu, dass weder das Leiden noch das Töten der Tiere beendet werden.11

Ähnlich wie beim Utilitarismus steht auch beim deutschen Tierschutzgesetz (TierSchG) der Nutzen für den Menschen im Vordergrund. §1 TierSchG lautet: „Zweck dieses Gesetzes ist es, aus der Verantwortung des Menschen für das Tier als Mitgeschöpf, dessen Leben und Wohlbefinden zu schützen. Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen“.12

Aus der Formulierung in §1, Satz 2 TierSchG „ohne vernünftigen Grund“ ergibt sich, dass, wie bei der Theorie des Utilitarismus, eine Abwägung stattzufinden hat, hier zwischen menschlichem Nutzeninteresse und tierischem Interesse an Unversehrtheit und Wohlbefinden. Dabei werden i.d.R. die wirtschaftlichen Interessen der Menschen als vorrangig angesehen. Die Formulierung in §1, Satz 1 TierSchG „...aus der Verantwortung des Menschen für das Tier als Mitgeschöpf, dessen Leben und Wohlbefinden zu schützen“ macht deutlich, dass dem Menschen entsprechend der aus der christlichen Tradition stammenden Überzeugung ein spezieller Wert zugrunde gelegt wird.

Nach Martha C. Nussbaum gehören Tiere im Hinblick auf Gerechtigkeit in den Bereich der Moral. Sie verweist darauf, dass der Utilitarismus es unmöglich mache das ungeheure Leiden und die Quälerei von Tieren aus Gründen der Gerechtigkeit zu verbieten.13 Zur besseren Veranschaulichung zitiert sie dabei ein indisches Gerichtsurteil, aus welchem hervorgeht, dass Wesen, die nicht zur Spezies homo sapiens gehören, dennoch Anspruch auf eine Existenz in Würde und eine Behandlung ohne Grausamkeit und Folter haben.14 Auch die Sozialpsychologin Melanie Joy hat sich umfassend mit dem Thema der Tierethik beschäftigt und den Begriff Karnismus, einer Art heimlichen Ideologie des Fleischkonsums in unserer industrialisierten Gesellschaft, geprägt. Sie stellt in ihrem Buch „Warum wir Hunde lieben, Schweine essen und Kühe anziehen“ dar, wie wir beinahe unmerklich von frühester Kindheit an mit tierischen Produkten aufwachsen, ohne es zu hinterfragen, bzw. wie die Industrie durch geschicktes Marketing und sog. Drehtüren in der Politik ihren Lobbyismus betreibt. So ist es nicht erstaunlich, dass der durchschnittliche Fleischkonsum der Deutschen bei etwa 60 kg pro Kopf und Jahr (Daten 2016) liegt.15

Dabei geht es auch um die flächendeckende Gewalt gegen Tiere in der Fleischproduktion.16 Yuval N. Harari geht soweit zu sagen, dass die Massentierhaltung das größte Verbrechen der Menschheit ist, denn„...nicht nur wie die Tiere sterben, sondern vor allem wie sie leben...“17 ist mit unvorstellbarem Leid verbunden.

Dieses Leid beschreibt ein aktueller Artikel „Jung, männlich, überflüssig“ aus der Wochenzeitung „Die Zeit“ vom 20.09.2018 ausführlich.18 So werden z.B. die überflüssigen männlichen Kälber aus der Kuhmilchproduktion kurz nach der Geburt ihren Müttern entzogen und an Mastbetriebe weiterverkauft. Ihr kurzes Leben, 16-18 Wochen, verbringen sie dann in kleinen Plastikboxen, in denen sie sich nicht bewegen können. Damit das Kalbfleisch seine beliebte blasse Farbe erhält, wird das Kalb mit eisenarmer Nahrung gefüttert. Dadurch werden sie in einen annähernd anämischen Zustand versetzt.19

Aus dieser Gewalt gegen Tiere kann sich schnell auch die Gewalt gegen Menschen ableiten lassen. Dieses möchte ich im nächsten Gliederungspunkt erläutern.

[...]


1 Precht, Richard D. (2018): Tiere denken. Vom Recht der Tiere und den Grenzen des Menschen, S. 450.

2 Singer, Peter (1996): Animal Liberation. Die Befreiung der Tiere, S. 43.

3 Tierschutzgesetz, in: https://www.gesetze-im-internet.de/tierschg/BJNR012770972.html. (Abruf 25.09.2018).

4 Joy, Melanie (2013): Warum wir Hunde lieben, Schweine essen und Kühe anziehen, S. 123f.

5 Dr. Grabowski, Annamaria (2014): Schwein gehabt? Annäherung an eine Kulturgeschichte des Fleischessens, S. 199ff.

6 Precht, Richard D. (2018): Tiere denken. Vom Recht der Tiere und den Grenzen des Menschen, S. 153.

7 Harari, Yuval N. (2015): Eine kurze Geschichte der Menschheit, S. 418.

8 Planet Wissen, in: https://www.planet-wissen.de/gesellschaft/wirtschaft/industrialisierung_in_deutschland/pwiedasfliessbandeineerfolgsgeschichte100.html. (Abruf 17.09.18).

9 Harari, Yuval N. (2015): Eine kurze Geschichte der Menschheit, S. 420.

10 BpB, in: http://www.bpb.de/gesellschaft/umwelt/bioethik/176364/tierethische-positionen?p=all. (Abruf 26.09.2018).

11 ebd.

12 §1 TierSchG

13 Nussbaum, Martha C. (2014): Die Grenzen der Gerechtigkeit. Behinderung, Nationalität und Spezieszugehörigkeit, S. 466f.

14 Nussbaum, Martha C. (2014): Die Grenzen der Gerechtigkeit. Behinderung, Nationalität und Spezieszugehörigkeit, S. 442ff.

15 BUND, in: https://www.bund.net/service/publikationen/detail/publication/fleischatlas-2018/. (Abruf 17.09.2018).

16 Joy, Melanie (2013): Warum wir Hunde lieben, Schweine essen und Kühe anziehen, S. 35ff.

17 Harari, Yuval N., in: https://www.theguardian.com/books/2015/sep/25/industrial-farming-one-worst-crimes-history-ethical-question. (Abruf 22.09.2018).

18 Kunze, Anne (2018): Jung, männlich, überflüssig, S. 4f.

19 Joy, Melanie (2013): Warum wir Hunde lieben, Schweine essen und Kühe anziehen, S. 70f.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Tierethik und deren massenhafte Tötung. Ist ein Vergleich mit dem Holocaust möglich und welchen Einfluss hat das auf unsere Ernährungsgewohnheiten?
Hochschule
Hochschule Bochum
Note
1,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
16
Katalognummer
V583467
ISBN (eBook)
9783346184498
ISBN (Buch)
9783346184504
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Tierethik, Massentierhaltung, Klimawandel, Ethik, Konsum, Ernährung, Ernährungsgewohnheiten
Arbeit zitieren
Iris Kücükince (Autor), 2018, Tierethik und deren massenhafte Tötung. Ist ein Vergleich mit dem Holocaust möglich und welchen Einfluss hat das auf unsere Ernährungsgewohnheiten?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/583467

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