Entstehung, steuerliche Konsequenzen und Möglichkeiten der Vermeidung einer Betriebsaufspaltung


Akademische Arbeit, 2020

40 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Definitionsverzeichnis

1. Einführung

2. Der Begriff der Betriebsaufspaltung
2.1 Rechtsgrundlagen
2.2 Definition und Rechtsformen

3. Voraussetzungen
3.1 Sachliche Verflechtung
3.1.1 Wesentliche Betriebsgrundlage
3.1.2 Urteile des BFH zur wesentlichen Betriebsgrundlage
3.2 Personelle Verflechtung
3.2.1 Einheitlicher geschäftlicher Betätigungswille
3.2.2 Personengruppentheorie
3.2.3 Zusammenrechnung der Anteile von Familienangehörigen
3.2.4 Faktische Beherrschung

4. Rechtsfolgen der Betriebsaufspaltung
4.1 Umqualifizierung der Einkunftsart des Besitzunternehmens
4.2 Änderungen im Betriebsvermögen
4.3 Wegfall der steuerfreien Veräußerungen
4.4 Einkommensteuer
4.4.1 Beispielrechnung bei Dividendenausschüttung
4.5 Gewerbesteuer
4.6 Körperschaftsteuer des Einzelunternehmens
4.7 Bilanzierungspflichten

5. Beendigung der Betriebsaufspaltung
5.1 Tatbestandsmerkmale der Beendigung
5.2 Steuerliche Konsequenzen der Beendigung
5.3 Vergünstige Vorschriften bei Beendigung
5.3.1 Teileinkünfteverfahren gem. § 3 Nr. 40 Buchstabe b EStG
5.3.2 Freibetrag für Betriebsveräußerungen gem. § 16 Abs. 4 EStG
5.3.3 Tarifbegünstigungen gem. § 34 Abs. 3 EStG

6. Möglichkeiten zur Vermeidung der Betriebsaufspaltung im Voraus
6.1 Wiesbadener Modell
6.2 Vermeidung mithilfe einer GbR

7. Möglichkeiten zur steuerneutralen Auflösung und Verhinderung einer unkontrollierten Beendigung der Betriebsaufspaltung
7.1 Fortführung der gewerblichen Tätigkeit beim Besitzunternehmen
7.2 Umwandlung der Betriebs-GmbH in eine GmbH & Co. KG
7.3 Einbringung des Besitzunternehmens in das Betriebsunternehmen

8. Fazit

Rechtsquellenverzeichnis

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Sachliche Verflechtung (Eigene Darstellung)

Abbildung 2: Personelle Verflechtung (Eigene Darstellung)

Abbildung 3: Personengruppentheorie (Eigene Darstellung)

Abbildung 4: Rechenbeispiel Dividende (Eigene Abbildung)

Abbildung 5: Wiesbadener Modell (Eigene Darstellung)

Abbildung 6: Vermeidung mithilfe einer GbR (Eigene Darstellung)

Abbildung 7: Auflösung mittels Rechtsformwechsel (Eigene Darstellung)

Abbildung 8: Einbringung des gesamten Besitzunternehmens (Eigene Darstellung)

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Personelle Verflechtung mit minderjährigem Kind (Dommermuth, 2019, Skript Vertiefungsfach „Steuerliche Gestaltung der Rechtsform und Unternehmensnachfolge“, S. 13)

Definitionsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einführung

Jeder Unternehmer ist dem unternehmerischen Risiko ausgesetzt und verfolgt zeitgleich das Ziel, sein privates und betriebliches Vermögen im Falle einer Haftungsklage zu schützen. Daher sollte die Wahl der Rechtsform eines Unternehmens schon bei Gründung gut überlegt und durchdacht sein.

Für einen Unternehmer besteht im Falle eines Einzelunternehmens oder einer Personengesellschaft ein enormes Haftungsrisiko, da er persönlich und unmittelbar haftet. Dagegen ist bei einer GmbH oder AG das Haftungsrisiko beschränkt, sodass diese nur mit dem Betriebsvermögen haften.

Im Folgenden wird die Besonderheit einer Betriebsaufspaltung untersucht, die eintreten kann, wenn ein Einzelunternehmer aus Gründen der Haftungsreduzierung eine GmbH gründet und typischerweise eine Immobilie an die GmbH vermietet, da diese im Insolvenzfall nicht in die Haftungsmasse miteinbezogen werden soll. Da diese Betriebsaufspaltung besonders für den GmbH-Gesellschafter wesentliche Nachteile mit sich bringt muss diese Gestaltung gut durchdacht sein. Liegen die Voraussetzungen der Betriebsaufspaltung erstmal vor, kann diese nur schwer steuerneutral wieder aufgelöst werden.

Die vorliegende Arbeit behandelt die Betriebsaufspaltung anhand eines Fallbeispiels. Dabei wird auf die Rechtsgrundlagen, die Voraussetzungen und steuerlichen Konsequenzen eingegangen. Im Anschluss werden Strategien und Möglichkeiten aufgezeigt, wie eine Betriebsaufspaltung sowohl im Voraus als auch nach der Entstehung vermieden bzw. möglichst steuerneutral wieder aufgelöst werden kann.

Das Fallbeispiel stellt folgenden Sachverhalt dar:

Der verheiratete Einzelunternehmer A, geboren am 15.02.1980, ist in München ansässig und betreibt dort eine kleine Schreinerei in seiner Werkhalle, in der er exklusive Holzskulpturen für einen geringen Kundenstamm fertigt. Der Unternehmer A wird immer bekannter und die Nachfrage nach seinen besonderen Holzskulpturen nimmt immer weiter zu. Er entschließt sich dazu, neue Fertigungsmaschinen zu leasen, die ihm die Arbeit erleichtern sollen, um somit die höhere Nachfrage bedienen zu können. Auch seine Liefer- und Abnahmeverträge nehmen deutlich zu und erhöhen sein unternehmerisches Risiko.

Einzelunternehmer A möchte dies jedoch möglichst gering halten und gründet deshalb eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH). Um seine Werkhalle im Privatvermögen zu behalten, welches im Falle einer Insolvenz nicht in die Haftungsmasse miteinbezogen werden kann, vermietet er diese an seine GmbH. Das Umlaufvermögen hat er der GmbH zum Verkehrswert verkauft. Er hat von einem Bekannten gehört, dass es durch die Vermietung der Werkhalle zu einer Betriebsaufspaltung kommen könnte.

2. Der Begriff der Betriebsaufspaltung

2.1 Rechtsgrundlagen

Es existieren keine gesetzlichen Normen zur Betriebsaufspaltung. Das Rechtskonstrukt hat sich ausschließlich durch die Rechtsprechung entwickelt. Erst die Urteile des Finanzgerichts, des Bundesfinanzhofes und die Verwaltungsanweisungen der Finanzbehörden definieren diesen Begriff. Auch das Bundesverfassungsgericht sieht die Betriebsaufspaltungs-Rechtsprechung als zulässiges Richterrecht an und hat dieses nicht beanstandet.1

2.2 Definition und Rechtsformen

Es handelt sich um eine Betriebsaufspaltung, wenn ein Unternehmen nach Erfüllung der sachlichen und personellen Verflechtung in zwei rechtlich selbstständige Unternehmungen aufgeteilt wird.2 Es wird hier zwischen Besitz- und Betriebsunternehmen unterschieden.3

Die Rechtsform des Besitzunternehmen ist in der Regel ein Einzelunternehmen und das Betriebsunternehmen – auch operatives Unternehmen genannt – muss durch seine Betätigung oder Rechtsform gewerblich tätig sein.4

3. Voraussetzungen

Damit überhaupt eine Betriebsaufspaltung vorliegen kann, müssen die Tatbestandsmerkmale der sachlichen und der personellen Verflechtung zeitgleich erfüllt sein.5

Sobald eine Voraussetzung nicht erfüllt ist, also entweder die sachliche oder die personelle Verflechtung fehlt oder entfällt, liegt keine Betriebsaufspaltung vor.

3.1 Sachliche Verflechtung

Eine sachliche Verflechtung liegt vor, wenn das Besitzunternehmen dem Betriebsunternehmen ein Wirtschaftsgut zur Nutzung überlässt, welches bei dem operativen Unternehmen eine wesentliche Betriebsgrundlage darstellt.6

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Sachliche Verflechtung (Eigene Darstellung)

3.1.1 Wesentliche Betriebsgrundlage

Eine wesentliche Betriebsgrundlage zeichnet sich dadurch aus, dass diese für den operativen Geschäftsbetrieb des Betriebsunternehmens von besonderer wirtschaftlicher Bedeutung ist. Das ist der Fall, wenn der Betrieb auf diese wesentliche Betriebsgrundlage angewiesen ist, weil er ohne dieser nicht fortgeführt werden kann.7

Selbst wenn das Wirtschaftsgut nicht Eigentum des Besitzunternehmens ist, sondern nur von diesem angemietet oder gepachtet ist, kann dies bereits die sachliche Verflechtung begründen.8

Die Überlassung eines Wirtschaftsguts geschieht entweder auf schuldrechtlicher Grundlage durch Miet- oder Pachtverträge oder auf dinglicher Grundlage durch Nießbrauch oder Erbbaurecht.9 Auch eine leihweise Überlassung von wesentlichen Betriebsgrundlagen an das Betriebsunternehmen kann die sachliche Verflechtung darstellen.10 Es ist dabei nicht entscheidend, ob die Nutzungsüberlassung entgeltlich oder unentgeltlich erfolgt, denn der BFH unterstellt eine mögliche Wertsteigerung der Anteile des Besitzunternehmens am Betriebsunternehmen, obwohl die überlassenen Wirtschaftsgüter unentgeltlich übertragen wurden.11

3.1.2 Urteile des BFH zur wesentlichen Betriebsgrundlage

In der Praxis muss das Tatbestandsmerkmal der sachlichen Verflechtung i.d.R. einer Einzelfallbetrachtung unterzogen werden. Was als wesentliche Betriebsgrundlage anzusehen ist hat der BFH in verschiedenen Urteilen über die Jahre hinweg immer weiter geregelt, wie folgende Beispiele zeigen. Bereits im Jahre 1974 hat der BFH entschieden, dass die sachliche Verflechtung dann gegeben ist, wenn das überlassene Wirtschaftsgut bei dem Betriebsunternehmen nur eine der wesentlichen Betriebsgrundlagen darstellt.12

Im Folgenden werden praxisrelevante Fälle im Hinblick auf die wesentliche Betriebsgrundlage aufgezählt:

- Ist ein unbebautes Grundstück auf besondere Art und Weise für das Betriebsunternehmen hergerichtet und wird von dem Besitzunternehmen an das Betriebsunternehmen verpachtet, begründet diese Verpachtung bereits die sachliche Verflechtung.13
- Auch Büro- und Verwaltungsgebäude werden dann zu einer wesentliche Betriebsgrundlage, wenn diese entscheidend für die Geschäftstätigkeit des Betriebsunternehmens sind.14 Sind diese Räume nur von untergeordnetem Wert und somit von geringer wirtschaftlicher Bedeutung für das Betriebsunternehmen, stellen sie keine wesentliche Betriebsgrundlage dar. Dies ist der Fall, wenn der vom Besitzunternehmen überlassene Grundbesitz nicht mehr als 10 Prozent des gesamten Grundbesitzes des Betriebsunternehmens ausmacht.15
- Ein Fabrikationsgrundstück ist nach BFH-Rechtsprechung in den meisten Fällen eine wesentliche Betriebsgrundlage, da dieses speziell auf den Fertigungsbetrieb zugeschnitten ist und eng im zeitlichen Zusammenhang mit Betriebsaufnahme und Vermietung der Halle steht.16 Entscheidende Kriterien sind hierbei die Größe, der Grundriss und die Gliederung der Halle.17 Neben der Fabrikhalle zählen auch die Lagerungs- und Reparaturhallen meist zur wesentlichen Betriebsgrundlage.18
- Auch die Vermietung von „nicht besonders hergerichteter Büroräume in einem Einfamilienhaus“19, wie etwa zwei Arbeitszimmer des Geschäftsführers als einziges Büro und somit als Sitz des Unternehmens, kann zu einer sachlichen Verflechtung führen.20 Die Tatsache, dass der Unternehmenssitz an der Anschrift der überlassenen Büroräume ist, begründet zwar noch nicht, dass die Büroräume eine wesentliche Betriebsgrundlage darstellen, spricht dem Unternehmenssitz jedoch eine Indizwirkung zu, dass diese Räume von wesentlicher Bedeutung sind.21 Im Falle des häuslichen Arbeitszimmers gibt es seitens des Gesetzgebers eine Freigrenze, wenn der Wert des Arbeitszimmers unter 20 Prozent des gesamten Grundstückswerts liegt und außerdem nicht höher als 20.500 Euro ist.22 Die Berechnung des Arbeitszimmerwerts erfolgt über den gemeinen Wert des Zimmers.23 Somit könnte auch ein Arbeitszimmer oder ein Homeoffice eine wesentliche Betriebsgrundlage darstellen. Dazu hat der BFH keine Stellung bezogen.
- Immaterielle Wirtschaftsgüter sind auch als wesentliche Betriebsgrundlage einzustufen. Es ist ausreichend, wenn das Besitzunternehmen seinen Namen, das Patent auf eine Erfindung oder eine Lizenz dem Betriebsunternehmen zur Nutzung überlässt. Diese Überlassung begründet bereits eine Betriebsaufspaltung.24

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass besonders Grundstücke oder Bauten, die von wirtschaftlicher Bedeutung für das Betriebsunternehmen sind, meist eine wesentliche Betriebsgrundlage begründen. Nur Grundstücke, die von untergeordneter Bedeutung für das Betriebsunternehmen sind, stellen keine wesentliche Betriebsgrundlage dar und führen zu keiner sachlichen Verflechtung.25

Bei der Beurteilung der wesentlichen Betriebsgrundlage ist es dabei nicht entscheidend, ob das Betriebsunternehmen am Markt ein alternatives, gleichwertiges Wirtschaftsgut hätte besorgen können.26 Des Weiteren ist weder die Tatsache, dass das zur Nutzung überlassene Wirtschaftsgut stille Reserven aufdeckt, noch die Höher dieser stillen Reserven entscheidend.27

Fallbeispiel

Wie in Abbildung 1 zu erkennen ist, vermietet der Einzelunternehmer A seine Werkhalle, die sich nun im Besitzunternehmen befindet, dem Betriebsunternehmen. Die Werkhalle ist bei der GmbH eine wesentliche Betriebsgrundlage, da die GmbH ohne diese Halle ihre operative Tätigkeit nicht ausführen könnte. Die Vermietung begründet hierbei die sachliche Verflechtung.

3.2 Personelle Verflechtung

Die zweite Voraussetzung, um eine Betriebsaufspaltung zu begründen, ist neben der sachlichen Verflechtung die personelle Verflechtung. Eine personelle Verflechtung liegt vor, wenn sowohl im Besitz- als auch im Betriebsunternehmen eine Person oder mehrere Personen zusammen ihren „einheitlichen geschäftlichen Betätigungswillen“28 durchsetzen können.29

In dieser Ausarbeitung wird angenommen, dass die prozentuale Höhe der Anteile mit den Stimmrechten übereinstimmen, da i.d.R. die Mehrheit der Stimmrechte erforderlich für die Durchsetzung eines einheitlichen geschäftlichen Betätigungswillens ist.30 Zudem wird unterstellt, dass keinerlei anderweitige Regelungen im Gesellschaftsvertrag getroffen wurden.

3.2.1 Einheitlicher geschäftlicher Betätigungswille

Hat eine Person oder Personengruppe (siehe 3.2.2 Personengruppentheorie) einen beherrschenden Einfluss sowohl im Betriebs- als auch im Besitzunternehmen und kann somit ihren Willen zumindest bei den Geschäften des täglichen Lebens durchsetzen, so liegt bereits ein einheitlicher geschäftlicher Betätigungswille und dadurch eine personelle Verflechtung vor.31 Dies setzt nicht voraus, dass eine Person an beiden Unternehmen die gleiche Höhe an Stimmrechte benötigt.32

Der grundlegendste Fall ist in Abbildung 2 erkennbar. In diesem Beispiel beherrscht eine Person mit 100 Prozent der Stimmrechte sowohl das Besitzunternehmen als auch das Betriebsunternehmen und kann somit seinen Willen in beiden Unternehmen durchsetzen.

Ein einheitlicher geschäftlicher Betätigungswille ist auch dann gegeben, wenn zwei Personen mit einer wechselseitigen Mehrheitsbeteiligung am Besitzunternehmen und am Betriebsunternehmen beteiligt sind.33

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Personelle Verflechtung (Eigene Darstellung)

Fallbeispiel

Aufgrund der Tatsache, dass Person A allein selbstständig war und aus Haftungsgründen die GmbH gegründet hat, bei der er neben dem Einzelunternehmen auch 100 Prozent der Stimmrechte besitzt und somit in beiden Unternehmen seinen Willen durchsetzen kann, ist die personelle Verflechtung erfüllt. Dies wird im Grundfall in Abbildung 2 als Veranschaulichung dargestellt.

3.2.2 Personengruppentheorie

Die Personengruppentheorie besagt, dass die an beiden Unternehmen beteiligten Personen eine geschlossene Personengruppe darstellen, wenn ihre Beteiligung an den Unternehmen vermuten lässt, dass sie gleichgerichtete wirtschaftliche Interessen verfolgen und einheitlich entscheiden.34 Somit werden bei der Frage nach dem Durchsetzungswillen die einzelnen Anteile addiert und müssen zusammen über 50 Prozent der Stimmrechte ergeben.35

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Personengruppentheorie (Eigene Darstellung)

In Abbildung 3 werden die Anteile der Personen A (40 Prozent im Besitz- und 25 Prozent im Betriebsunternehmen) und B (30 Prozent im Besitz- und 30 Prozent im Betriebsunternehmen) miteinander addiert, da sie in beiden Unternehmen beteiligt sind und somit wird davon ausgegangen, dass diese gleichgerichtete wirtschaftliche Interessen verfolgen. Da diese zusammen in beiden Unternehmen mehr als 50 Prozent der Anteile halten, ist in diesem Beispiel die personelle Verflechtung gegeben.

Die Personengruppentheorie im Hinblick auf den einheitlichen geschäftlichen Betätigungswillen ist nicht gegeben, wenn die Interessen der einzelnen Beteiligten nachweislich entgegengerichtet sind.36

3.2.3 Zusammenrechnung der Anteile von Familienangehörigen

Die Anteile beider Ehegatten werden zunächst getrennt betrachtet und nicht zusammengerechnet. Dieser Grundsatz kommt nicht zur Anwendung, wenn die Ehegatten nachweislich gleichgerichtete wirtschaftliche Interessen verfolgen.37 Dies ist auch bei volljährigen Kindern der beteiligten Eheleute anzuwenden.

Eine Besonderheit ergibt sich bei minderjährigen Kindern der Ehegatten. Die Anteile sind zusammenzurechnen, wenn

- ein oder beide Elternteile zusammen mit dem Kind die Mehrheit der Stimmrechte an beiden Unternehmen halten und das Vermögenssorgerecht beiden Elternteilen zusteht.38
- beide Elternteile an einem Unternehmen zusammen die Mehrheit der Stimmrechte haben und ihres minderjährigen Kindes wegen am anderen Unternehmen auch die Mehrheit der Stimmrechte halten. Zusätzlich muss beiden Elternteilen das Vermögenssorgerecht an dem Kind zustehen.39
- einem Elternteil das alleinige Vermögenssorgerecht zusteht und nur dieses Elternteil an einem Unternehmen die Mehrheit der Stimmrechte und zusammen mit dem Kind auch die Mehrheit am anderen Unternehmen hält. Die Anteile werden hier auch zusammengerechnet, wenn beiden Elternteilen das Vermögenssorgerecht zusteht. Dabei müssen jedoch die wirtschaftlichen Interessen der Ehegatten gleichgerichtet sein.40
- einem Elternteil in einem Unternehmen die Mehrheit der Stimmrechte zuzuordnen ist und an dem anderen Unternehmen beide Elternteile zusammen mit dem Kind die Mehrheit halten, sofern das Vermögenssorgerecht beiden Elternteilen zusteht und die Anteile der Ehegatten addiert werden können.41

Fallbeispiel

Würde A seine Ehefrau B sowohl am Besitz- als auch am Betriebsunternehmen beteiligen, werden beide Personen zunächst getrennt voneinander betrachtet. Dadurch, dass sie jedoch nachweislich gleichgerichtete wirtschaftliche Interessen verfolgen, wird die Finanzverwaltung diese Anteile addieren, sodass die personelle Verflechtung begründet wird.

Hätten die Eheleute ein minderjähriges Kind, das sie zumindest an einem der beiden Unternehmen beteiligen, wären folgende Möglichkeiten, wie in Tabelle 1 dargestellt, denkbar.

[...]


1 Vgl. BVerfG-Urteil vom 14.01.1969 - 1 BvR 136/62 BStBl. 1969 II S. 389; BFH-Beschluss vom 18.07.2006 – X B 206/05.

2 Vgl. H 15.7 Abs. 4 „Allgemeines“ EStH.

3 Vgl. H 15.7 Abs. 4 „Allgemeines“ EStH.

4 Vgl. H 15.7 Abs. 4 „Allgemeines“ EStH.

5 Vgl. H 15.7 Abs. 4 „Allgemeines“ EStH.

6 Vgl. H 15.7 Abs. 5 „Wesentliche Betriebsgrundlage“ 1. Spiegelstrich EStH; BFH-Urteil vom 21.5.1974 (VIII R 57/70) BStBl. II S. 613.

7 Vgl. BFH-Urteil vom 24.08.1989 (IV R 135/86) BStBl. 1989 II S. 1014.

8 Vgl. H 15.7 Abs. 5 „Eigentum des Besitzunternehmens“ EStH; BFH-Urteil vom 12.10.1988 (X R 5/86) BStBl. 1989 II S. 152.

9 Vgl. H 15.7 Abs. 5 „Beginn der sachlichen Verflechtung“ EStH; BFH-Urteil vom 12.12.2007 (X R 17/05) BStBl. 2008 II S. 579.

10 BFH-Urteil vom 24.4.1991 (X R 84/88) BStBl. 1991 II S. 713.

11 Vgl. H 15.7 Abs. 5 „Beginn der sachlichen Verflechtung“ EStH; BFH-Urteil vom 13.11.1997 (IV R 67/96) BStBl. 1998 II S. 254.

12 Vgl. BFH-Urteil vom 21.5.1974 (VIII R 57/70) BStBl. II S. 613.

13 Vgl. BFH-Urteil vom 24.08.1989 (IV R 135/86) BStBl. 1989 II S. 1014.

14 Vgl. BFH-Urteil vom 23.5.2000 (VIII R 11/99) BStBl. 2000 II S. 621.

15 Vgl. BFH-Urteil vom 19.03.2009 (IV R 78/06) BStBl. 2009 II S. 803.

16 Vgl. BFH-Urteil vom 12.9.1991 (IV R 8/90) BStBl. 1992 II S. 347; BFH-Urteil vom 26.3.1992 (IV R 50/91) BStBl. 1992 II S. 830.

17 Vgl. BFH-Urteil vom 5.9.1991 (IV R 113/90) BStBl. 1992 II S. 349.

18 Vgl. BFH-Urteil vom 28.01.1993 – IV R 39/92, BFH/NV 1993.

19 Vgl. BFH-Urteil vom 13.07.2006 (IV R 25/05) BStBl. 2006 II S. 804.

20 Vgl. BFH-Urteil vom 13.07.2006 (IV R 25/05) BStBl. 2006 II S. 804.

21 Vgl. BFH-Urteil vom 29.07.2015 - IV R 16/13.

22 Vgl. § 8 EStDV.

23 Vgl. § 8 EStDV.; § 9. BewG.

24 Vgl. BFH-Urteil vom 6.11.1991 (XI R 12/87) BStBl. 1992 II S. 415.

25 Vgl. BFH-Urteil vom 4.11.1992 (XI R 1/92) BStBl. 1993 II S. 245.

26 Vgl. BFH-Urteil vom 26.5.1993 (X R 78/91) BStBl. 1993 II S. 718.

27 Vgl. H 15.7 Abs. 5 „Wesentliche Betriebsgrundlage“ 10. Spiegelstrich „Stille Reserven“ EStH; BFH-Urteil vom 26.5.1993 (X R 78/91) BStBl. 1993 II S. 718.

28 Vgl. H 15.7 Abs. 6 „Allgemeines“ EStH.

29 Vgl. H 15.7 Abs. 4 „Allgemeines“ Satz 1 EStH; H 15.7 Abs. 6 „Allgemeines“ EStH; BFH-Urteil vom 08.11.1971 (GrS 2/71) BStBl. 1972 II S. 63.

30 Vgl. H 15.7 Abs. 6 „Mehrheit der Stimmrechte“ EStH.

31 Vgl. BMF vom 07.10.2002 - IV A 6 - S 2240 - 134/02 BStBl 2002 I S. 1028.

32 Vgl. BFH-Urteil vom 8.11.1971 – BStBl 1972 II S. 63.

33 Vgl. BFH-Urteil vom 24.02.2000 (IV R 62/98) BStBl. 2000 II S. 417.

34 Vgl. BFH-Beschluss vom 28.5.1991 (IV B 28/90) BStBl. 1991 II S. 801.

35 Vgl. BFH-Beschluss vom 28.5.1991 (IV B 28/90) BStBl. 1991 II S. 801.

36 Vgl. BFH-Urteil vom 15.05.1975 (IV R 89/73) BStBl. 1975 II S. 781.

37 Vgl. BVerfG-Beschluss vom 12.3.1985 (1 BvR 571/81, 1 BvR 494/82, 1 BvR 47/83) BStBl. 1985 II S. 475; BMF vom 18.11.1986 (IV B 2 - S 2240 - 25/86 II) BStBl. 1986 I S. 537.

38 Vgl. R 15.7 Abs. 8 „Betriebsaufspaltung – Zusammenrechnung der Anteile von Eltern und Kindern“ Satz 1 EStR.

39 Vgl. R 15.7 Abs. 8 „Betriebsaufspaltung – Zusammenrechnung der Anteile von Eltern und Kindern“ Satz 2 EStR.

40 Vgl. R 15.7 Abs. 8 „Betriebsaufspaltung – Zusammenrechnung der Anteile von Eltern und Kindern“ Satz 3 EStR.

41 Vgl. R 15.7 Abs. 8 „Betriebsaufspaltung – Zusammenrechnung der Anteile von Eltern und Kindern“ Satz 4 EStR.

Ende der Leseprobe aus 40 Seiten

Details

Titel
Entstehung, steuerliche Konsequenzen und Möglichkeiten der Vermeidung einer Betriebsaufspaltung
Hochschule
Fachhochschule Amberg-Weiden
Note
1,3
Autor
Jahr
2020
Seiten
40
Katalognummer
V583468
ISBN (eBook)
9783346180209
ISBN (Buch)
9783346180216
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Steuer, Betriebsaufspaltung, GmbH, Steuergestaltung, Steuerkonstrukt, BFH, BFH Urteile, Sachliche Verflechtung, Personelle Verflechtung, Personengruppentheorie, Wesentliche Betriebsgrundlage, Faktische Beherrschung, Teileinkünfteverfahren, Wiesbadener Modell, Betriebsunternehmen, Besitzunternehmen
Arbeit zitieren
Felix Kirchberger (Autor), 2020, Entstehung, steuerliche Konsequenzen und Möglichkeiten der Vermeidung einer Betriebsaufspaltung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/583468

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