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Die Exemplarische Lehre - Ein didaktisches Prinzip

Title: Die Exemplarische Lehre - Ein didaktisches Prinzip

Seminar Paper , 2005 , 15 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Toni Rudat (Author)

Didactics - Common Didactics, Educational Objectives, Methods
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Summary Excerpt Details

Martin Wagenschein, der Mathematik, Geographie und Physik, zunächst in Gießen später in Freiburg, auf Lehramt studierte, setzte sich früh mit der Problematik der Stofffülle an wissenschaftsspezifischen Gymnasien auseinander. Vorallem in den fünfziger und sechziger Jahren forderte er eine „neue Art des Lehrens und Lernens“.1 Er war der Überzeugung, dass die Fülle an zu lernendem Stoff an Schulen zum Einen hervorgerufen werde durch die Wirtschaft, die »fertige Endprodukte« von den Schulen verlange, also Schüler, die regelrechte Spezialisten sind, und zum anderen durch die Fachlehrer, die als »Anwälte ihrer Wissenschaft« in den Schulen fungieren würden und ihre Wissenschaft, als die wichtigste Wissenschaft unter allen anderen ansehen. Wagenschein suchte nach einer entlastenden Lehrmethode für Schüler, sowie für Lehrer. Er war der Überzeugung, dass der ursprünglichste Sinn der Schule, als »Stätte der Muße für geistiges Leben« zu dienen, durch den zum Teil von außen ausgeübten Druck, aber auch durch den Druck von innen verloren ginge. Wagenschein sah es als einen utopischen Versuch an, bereits abgeschlossene Weltbilder und Spezialisten von der Schule zu entlassen und glaubte das Ziel der Schule bzw. die Bildungsaufgabe der Lehrer bestünde viel mehr darin, die Schüler geistig zu öffnen. Er strebte danach mit den Schülern ein Minimalziel zu erreichen, durch welches sie in der Lage wären alles weitere Wissen zu erschließen. Er sah das Durchdringen des Wesentlichen der Unterrichtsgegenstände als vorrangig vor jeder stofflichen Ausweitung an. Er suchte also nach dem exemplarischen Prinzip zu lehren. Damit trat Wagenschein eine fundamentale Diskussion in der Bildungspolitik und -didaktik los.2

Gustav Siewerth bezeichnet den Stoffplan an Gymnasien als »die Erledigungsmaschinerie des Unterrichts« und verweist darauf, dass das Hasten durch bereits getroffene Erkenntnisse in den Wissenschaften zu einer Demotivation von Schülern und Lehrern führt und schließlich gipfelt zu einem mehr oder minder gestörtem Verhältnis der Schüler zum Lehrgegenstand. Er prangert das regelkonforme Auswendiglernen von Formel an und warnt vor der »gedankenlosen Phantastik des Materialismus«. Denn bei dem stupiden Auswendiglernen von bereits durch andere erfahrene Gegebenheiten verkümmere die Erfahrung der Schüler im Bezug auf die Welt. Verloren in Abstraktionen und Formel seien Schüler nicht mehr im Stande dazu eigene Erfahrungswerte zu sammeln, zu deuten, zu verstehen.3

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Impuls, der zur Lehre führte

Problematik

Einführende Wesensbestimmung

Das eigentlich Exemplarische

Formen und Prinzipien der Exemplarische Repräsentation

1. Das Paradigma

2. Das Exemplar

3. Das Exempel

4. Der Typus einer Gruppe

5. Der Fall einer Regel

6. Das Gleichnis

»Mut zur Lücke-Mut zur Gründlichkeit«

Kurze kritische Auseinandersetzung mit der exempl. Lehre

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das didaktische Prinzip der "exemplarischen Lehre", wie es maßgeblich von Martin Wagenschein geprägt wurde. Ziel ist es, den Ansatz einer stoffreduzierten, aber tiefgründigen Vermittlung von Inhalten zu analysieren und dessen Anwendungsmöglichkeiten sowie theoretische Grundlagen kritisch zu hinterfragen.

  • Historische Entwicklung und Kritik an der Stofffülle in Schulen
  • Methodische Grundpfeiler des exemplarischen Lehrens (Gründlichkeit, Selbsttätigkeit, genetisches Verfahren)
  • Differenzierung verschiedener Formen exemplarischer Repräsentation (z.B. Paradigma, Exemplar, Modell)
  • Das Konzept des "Mut zur Lücke" als Voraussetzung für fundamentales Verstehen
  • Kritische Reflexion über die Anwendbarkeit und die Voraussetzungen bei den Lernenden

Auszug aus dem Buch

Formen und Prinzipien der exemplarischen Repräsentation

Wagenschein hat eine Vielzahl von Vokabeln angegeben, die alle mehr oder weniger unter den Sammelbegriff des Exemplarischen gefasst werden können, jede aber für sich selbst steht und eine andere Form der exemplarischen Repräsentation darstellt.

Dabei unterscheidet er zwischen dem »Exemplar einer Gattung« , »dem Exempel« , »dem Fall einer Regel« , »dem Typus einer Gruppe« , »dem Muster« , »Modell«, »Gleichnis« oder »Paradigma«, wobei es sich bei dem »Paradigma«, um den allgemeinsten Ausdruck handelt. Er ist abgeleitet von dem griechischen Wort »παράδειγμα«, das soviel bedeutet wie „daneben vorzeigen“.Und auch, wenn dieser Begriff im Zuge seiner Allgemeinbegrifflichkeit vorteilhaft erscheint und an sich repräsentativ ist, weil er als unmissverstänlicher Oberbegriff für alles Exemplarische dient, so bleibt er dennoch auf der Stufe des extrem Allgemeinen und nicht klar Fassbaren. Denn im Prinzip ist alles ein »Paradigma«, wenn man es als solchen ansehen möchte. Wagenschein ging es aber vornehmlich darum eine Vokabel für das Exemplarische zu finden, die klar fassbar und nicht interpretierbar bleibt, um der wissenschaftlichen interpretationsfreudigkeit entgegenzuwirken und nicht bloss eine auslegbare Lehre zu stellen.

Zusammenfassung der Kapitel

Impuls, der zur Lehre führte: Dieses Kapitel erläutert Martin Wagenscheins Suche nach einer entlastenden Lehrmethode, um der Stofffülle und der fachlichen Spezialisierung an Gymnasien entgegenzuwirken.

Problematik: Hier wird die fundamentale didaktische Frage behandelt, wie innerhalb einer wissenschaftlichen Disziplin exemplarische Inhalte ausgewählt werden können, um ein Verständnis des Ganzen zu ermöglichen.

Einführende Wesensbestimmung: Die wesentlichen Voraussetzungen der exemplarischen Lehrmethode, insbesondere Gründlichkeit, Selbsttätigkeit und das genetische Verfahren, werden hier definiert.

Das eigentlich Exemplarische: Dieses Kapitel beleuchtet, wie die Auseinandersetzung mit einem repräsentativen Exempel zu einem übergreifenden Verständnis und zur Überwindung von Fachgrenzen führen kann.

Formen und Prinzipien der Exemplarische Repräsentation: Es erfolgt eine detaillierte Differenzierung verschiedener Begriffe wie Paradigma, Exemplar, Exempel, Typus, Fall, Muster, Modell und Gleichnis.

»Mut zur Lücke-Mut zur Gründlichkeit«: Das Kapitel erklärt das Konzept des "pars pro toto" im Unterricht und die Bedeutung der Vertiefung des Wissens gegenüber der bloßen Anhäufung von Fakten.

Kurze kritische Auseinandersetzung mit der exempl. Lehre: Abschließend werden die Grenzen des Modells diskutiert, insbesondere im Hinblick auf unterschiedliche Schülertypen und die reale Umsetzbarkeit in Bildungsprozessen.

Schlüsselwörter

Exemplarische Lehre, Martin Wagenschein, Stofffülle, Didaktik, Genetisches Verfahren, Wissensaneignung, Unterrichtsplanung, Fachgrenzen, Paradigma, Selbsttätigkeit, Fundamentales Wissen, Bildungsaufgabe, Repräsentation, Lernmotivation, Hans Scheuerl.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es grundsätzlich in dieser Arbeit?

Die Arbeit befasst sich mit der didaktischen Konzeption der „exemplarischen Lehre“, einem Ansatz, der gegen eine übermäßige Stofffülle im Unterricht eintritt und stattdessen für ein tiefes, strukturiertes Verständnis zentraler Lerngegenstände plädiert.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Kritik an einer rein stofforientierten Lehre, die methodische Umsetzung des exemplarischen Prinzips durch den Lehrer und die Unterscheidung verschiedener Formen exemplarischer Wissensvermittlung.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, die theoretischen Hintergründe des exemplarischen Lernens nach Wagenschein aufzuarbeiten und die verschiedenen Begrifflichkeiten, die dieses Prinzip charakterisieren, methodisch zu differenzieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine theoretische Literaturanalyse und Auseinandersetzung mit didaktischen Schriften, insbesondere von Martin Wagenschein und Hans Scheuerl, um die Konzepte strukturiert darzustellen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die methodischen Voraussetzungen der Lehre, die Differenzierung von Fachbegriffen wie "Exemplar" und "Exempel" sowie die Analyse von Funktionsplänen statt klassischer Stoffpläne.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie exemplarische Lehre, Stofffülle, genetisches Verfahren, Selbsttätigkeit und fundamentales Wissen charakterisiert.

Warum ist der Begriff des "Exemplars" von dem des "Exempels" zu unterscheiden?

Wagenschein und Scheuerl differenzieren hier, da ein "Exemplar" eher als Teil einer Gattung zu verstehen ist, während ein "Exempel" eine repräsentative, normative Kraft entfaltet und oft ein subjektives Einmaliges in den Mittelpunkt stellt.

Was bedeutet der "Mut zur Lücke" im Kontext der exemplarischen Lehre?

Es handelt sich nicht um ein willkürliches Kürzen des Lehrplans, sondern um die didaktische Entscheidung, an einem ausgewählten Beispiel so tiefgreifend zu arbeiten, dass die Schüler in der Lage sind, daraus umfassendere Strukturen der gesamten Wissenschaft zu erschließen.

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Details

Title
Die Exemplarische Lehre - Ein didaktisches Prinzip
College
RWTH Aachen University
Grade
1,0
Author
Toni Rudat (Author)
Publication Year
2005
Pages
15
Catalog Number
V58357
ISBN (eBook)
9783638525800
ISBN (Book)
9783638766258
Language
German
Tags
Expemplarische Lehre Martin Wagenschein
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Toni Rudat (Author), 2005, Die Exemplarische Lehre - Ein didaktisches Prinzip, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/58357
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