Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den Barrieren und Chancen von betrieblicher Gesundheitsförderung in kleinen und mittelständigen Unternehmen. Es wird der Frage nachgegangen, inwiefern sich mittelständige Unternehmen hinsichtlich ihrer gesundheitsförderlichen Maßnahmen von kleinständigen Unternehmen unterscheiden. Ziel ist es, zu verstehen und nachzuvollziehen, welche Einflussfaktoren und Mechanismen dazu führen, dass betriebliche Gesundheitsförderung vermehrt in mittel- bis großständigen Unternehmen zu finden ist, und durch das Herauskristallisieren von Barrieren und Chancen einen Lösungsansatz zur Implementierung von betrieblicher Gesundheitsförderung anbieten zu können.
Die Fragestellungen werden auf Grundlage aktueller Fachliteratur und mit Hilfe von Leitfadengestützten Interviews mit vier Geschäftsführern unterschiedlicher Unternehmensgröße diskutiert. Im Ergebnis wird ersichtlich, dass die Barrieren in der kurzfristigen Denkweise, in den finanziellen, personellen und zeitlichen Ressourcen und in der Unternehmensstruktur und Unternehmenskultur, die von der Wirtschaftsbranche und der Unternehmensgröße abhängig sind, liegen. Mit wachsender
Unternehmensgröße und einhergehender Dezentralisierung der Unternehmensstruktur, die bei Kleinständigen oftmals vom Führungsstil beeinflusst wird, werden die Barrieren nicht selten überwunden und stellen eine Chance dar. Ein primärer Lösungsansatz, der von der Unternehmensgröße unabhängig zu sein scheint, integriert das Thema betriebliches Gesundheitsmanagement in das strategische Management, das als unabdingbares Geschäftsfeld betrachtet werden sollte.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Der Gesundheitsbegriff
2.1 Die geschichtliche Entwicklung des Gesundheitsbegriffs
2.2 Die Gesundheit in der ausdifferenzierten modernen Gesellschaft
2.3 Die Gesundheit in Organisationen
2.3.1 Die gesunde Organisation
2.3.2 Das gesunde Mitglied
3 Gesundheitsförderung in Unternehmen
3.1 Gesundheitsmanagement und Gesundheitsförderung.
3.2 Haupteinflussfaktor: Unternehmenskultur
3.3 Kosten und Nutzen von Gesundheitsförderung
4 Empirische Untersuchung
4.1 Forschungsfrage und differenzierte Leitfragen
4.2 Theoretisches Modell
4.3 Untersuchungsmethodik
4.3.1 Interviewinstrumentarium
4.3.2 Fallauswahl
4.4 Ablauf der Untersuchung
4.5 Untersuchungsauswertung
5 Ergebnisse
5.1 Die Barrieren und Chancen von betrieblicher Gesundheitsförderung
5.1.1 Das kleinständige Unternehmen ohne Gesundheitsförderung
5.1.2 Das mittelständige Unternehmen ohne Gesundheitsförderung
5.1.3 Das mittelständige Unternehmen mit Gesundheitsförderung
5.1.4 Das kleinständige Unternehmen mit Gesundheitsförderung
5.2 Die Unternehmenstypen
5.2.1 Das junge gesundheitsorientierte Startup- Unternehmen
5.2.2 Das etablierte, mitarbeiterorientierte Unternehmen
5.2.3 Das wachsende, strukturierte Unternehmen
5.2.4 Das gesunde, familienfreundliche Unternehmen
5.2.5 Vergleichenden Interpretation
6 Lösungsansätze für die Implementierung von Gesundheitsförderung in KMU
7 Diskussion
7.1 Ergebnisdiskussion
7.2 Methodendiskussion
8 Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit zielt darauf ab, die Barrieren und Chancen betrieblicher Gesundheitsförderung (BGF) in kleinen und mittelständigen Unternehmen (KMU) im Vergleich zu größeren Einheiten zu identifizieren und zu verstehen, warum BGF in diesen Unternehmen häufig nur begrenzt umgesetzt wird. Im Zentrum steht dabei die Forschungsfrage, inwiefern sich kleinständige und mittelständige Unternehmen hinsichtlich ihrer gesundheitsförderlichen Maßnahmen unterscheiden und welche Rolle dabei Unternehmensstruktur, -kultur und Führungsstil spielen.
- Analyse der theoretischen Grundlagen von Gesundheit in Organisationen.
- Untersuchung der Einflussfaktoren Unternehmenskultur und Wirtschaftsbranche.
- Qualitative Untersuchung mittels Experteninterviews mit Geschäftsführern verschiedener Unternehmensgrößen.
- Herauskristallisierung von Barrieren (Ressourcen, Struktur) und Chancen für KMU.
- Entwicklung von Lösungsansätzen zur nachhaltigen Implementierung von Gesundheitsmanagement.
Auszug aus dem Buch
5.1.1 Das kleinständige Unternehmen ohne Gesundheitsförderung
I: Wo liegen deiner Meinung nach für KU die Barrieren?
B1: Also bei den Kleinunternehmen ist eine der Barrieren wohl, dass man sich nicht damit beschäftigt, weil diese vielleicht gar nicht wissen, dass es so was für Kleinunternehmen gibt. Man denkt, es kostet alles nur Geld und Zeit. (...) Sie sehen da bei der Kosten-Nutzen-Abwägung nur die Kosten, die überwiegen.
Die Unternehmenskultur kann weiterhin eine Barriere oder eine Chance darstellen. Die aus diesem Interview herausgehenden Merkmale der Unternehmenskultur sprechen für die Gesundheit der Mitarbeiter und des Unternehmens, denn Gesundheit wird zum Teil auch psychisch definiert:
B1: (...)Mir fällt aber gerade was ein, wir haben dieses Jahr am CampusCup teilgenommen. Wir haben in der Campusliga Fußball gespielt. Ein Mitarbeiter war dabei und eine Mitarbeiterin kam auch schauen, der andere wollte nicht spielen. Da hätten wir sie alle mitgenommen. Also da haben wir auch während der Arbeitszeit Sport getrieben. Und das war cool, hat Spaß gemacht (..)
B1: Wenn jetzt ein Mitarbeiter sagen würde, jeden Freitag um 15:00 Uhr spielen wir eine Stunde Boule. Da haben wir schon mal darüber nachgedacht. Das ist jetzt keine große sportliche Bewegung, aber man ist draußen an der frischen Luft ... das wollen wir tatsächlich machen, denn hier neben unserem Gebäude ist ein Braschenplatz. Wir haben das Boulespiel bis jetzt noch nicht mitgebracht, das liegt einfach daran, dass wir bis jetzt noch keine Zeit hatten, darüber nachzudenken. Wir sind da wirklich offen dafür und sehen den Mehrwert von solchen Aktivitäten. Gerade Boulespielen kostet ja kein Geld (...)
I: Boulespielen würde die Teamatmosphäre fördern, oder?
B1: Klar, aber wir haben eine gute Atmosphäre, einen lockeren Umgang miteinander, wir gehen zusammen essen... wir sind ja noch klein. Einen Betriebsausflug haben wir auch schon gemacht. Wir waren mit dem Boot unterwegs, so etwas ist wirklich gut (...)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Problematik steigender Gesundheitskosten und die Bedeutung der betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) vor dem Hintergrund der Unternehmensgröße.
2 Der Gesundheitsbegriff: Theoretische Herleitung des Gesundheitsbegriffs unter Berücksichtigung systemtheoretischer Ansätze und der Differenzierung in der modernen Gesellschaft.
3 Gesundheitsförderung in Unternehmen: Erläuterung der Begrifflichkeiten, der Unternehmenskultur als Haupteinflussfaktor sowie der Kosten-Nutzen-Analyse von BGF-Maßnahmen.
4 Empirische Untersuchung: Darstellung des qualitativen Forschungsdesigns, der leitfadengestützten Experteninterviews, der Fallauswahl und der Auswertungsmethodik nach Mayring.
5 Ergebnisse: Präsentation und inhaltsanalytische Aufarbeitung der Interviews, unterteilt in die verschiedenen Unternehmenstypen und deren spezifische Barrieren und Chancen.
6 Lösungsansätze für die Implementierung von Gesundheitsförderung in KMU: Ableitung konkreter, praktikabler Ansätze aus den Untersuchungsergebnissen zur Implementierung von BGF in kleinen und mittleren Unternehmen.
7 Diskussion: Reflexion der Forschungsergebnisse im Hinblick auf die Forschungsfrage und kritische Auseinandersetzung mit der gewählten Methodik.
8 Zusammenfassung und Ausblick: Fazit der Arbeit mit einer zusammenfassenden Darstellung der Barrieren und Chancen sowie Ausblick auf zukünftige Forschungsmöglichkeiten.
Schlüsselwörter
Betriebliche Gesundheitsförderung, BGF, Gesundheitsmanagement, BGM, KMU, Unternehmenskultur, Barrieren, Chancen, Führung, Prävention, Systemtheorie, qualitative Untersuchung, Experteninterview, Arbeitsbedingungen, Sozialkapital.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Masterarbeit?
Die Arbeit untersucht die Barrieren und Chancen, die bei der Einführung von betrieblicher Gesundheitsförderung (BGF) in klein- und mittelständischen Unternehmen (KMU) auftreten, und vergleicht diese mit den Gegebenheiten in größeren Unternehmen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Aspekte sind der Wandel des Gesundheitsbegriffs, der Einfluss der Unternehmenskultur und -struktur, die Kosten-Nutzen-Abwägung von Gesundheitsmaßnahmen sowie die Rolle der Unternehmensgröße für die Umsetzung solcher Angebote.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Ziel ist es, die Gründe für das oft seltene Vorhandensein von BGF in KMU zu identifizieren, die zugrunde liegenden Mechanismen zu verstehen und praxisnahe Lösungsansätze zur Implementierung zu entwickeln.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt einen qualitativen Forschungsansatz. Es wurden leitfadengestützte Experteninterviews mit Geschäftsführern und Entscheidungsträgern von vier Unternehmen geführt und mittels inhaltsanalytischer Verfahren nach Mayring ausgewertet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen (Gesundheitsbegriff, Organisationstheorien), die Darstellung der empirischen Untersuchung und die detaillierte Ergebnispräsentation der vier untersuchten Fälle, gefolgt von einer Diskussion der Lösungsansätze.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF), KMU, Unternehmenskultur, Barrieren und Chancen, Gesundheitsmanagement und qualitative Inhaltsanalyse.
Wie unterscheidet sich das "junge Startup" von etablierten Unternehmen hinsichtlich BGF?
Junge Startups sind oft von existentieller Unsicherheit und knappen Ressourcen geprägt, weshalb BGF oft zugunsten kurzfristiger Überlebensstrategien vernachlässigt wird, wohingegen etablierte Unternehmen oft über stabilere Strukturen verfügen, die langfristige Konzepte ermöglichen könnten.
Welche Rolle spielt die Unternehmenskultur bei der Gesundheitsförderung?
Die Unternehmenskultur, insbesondere der Führungsstil und die gelebte Wertschätzung, fungiert als zentraler Hebel. Ein vertrauensvolles Klima kann als Chance dienen, während hierarchische oder auf kurzfristige Gewinnmaximierung ausgerichtete Kulturen als Barrieren wirken können.
Warum ist eine "Zweckmobilität" für Unternehmen oft eine Herausforderung für die Gesundheit?
Unternehmen müssen sich permanent an Marktveränderungen anpassen. Dieser ständige Druck zur Veränderung kann zu hoher Arbeitsbelastung führen, die die Gesundheit der Mitarbeiter gefährdet, da Prozesse kurzfristig optimiert werden müssen.
Können auch KMU ohne große Budgets BGF-Maßnahmen umsetzen?
Ja, laut der Studie können auch kleine Unternehmen durch kreative Ansätze, wie die Einbindung der Mitarbeiter bei der Maßnahmenplanung, eine positive Gesundheitskultur schaffen, auch wenn die Mittel für teure externe Gesundheitsmanager fehlen.
- Citar trabajo
- Marc Chapoutier (Autor), 2014, Barrieren und Chancen von betrieblicher Gesundheitsförderung in kleinen und mittelständigen Unternehmen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/583698