Die vorliegende wissenschaftliche Hausarbeit im Rahmen des ersten Staatsexamens wird sich mit dem Thema „Schulabsentismus: Prävention und Intervention“ auseinandersetzen. Die Arbeit widmet sich dabei den verschiedenen Ursachen und Gründen, weshalb Kinder und Jugendliche die Schule verweigern. Aus diesem Grund beschäftigt sich die vorliegende Arbeit konkret mit der Frage, wie man die Ursachen von Schulabsentismus präventiv angehen und intervenieren kann. Zu Einführung gilt es jedoch zu klären, wie es sein kann, dass Schülerinnen und Schüler der Schule phasenweise oder dauerhaft fernbleiben, obwohl das Gesetz alle Kinder und Jugendlichen zum Schulbesuch verpflichtet. Deswegen wird erst einmal auf die gesetzlich verankerte Schulpflicht in der Bundesrepublik Deutschland näher eingegangen. Danach gilt es zu klären, was Schulabsentismus im engeren Sinne bedeutet. Dazu bedarf es einer Begriffserklärung sowie der Darstellung einiger Definitionen und Erscheinungsformen von Schulabsentismus. Im nächsten Kapitel werden aus dem Forschungsstand mögliche Ursachen und Einflussfaktoren bei der Entstehung von Schulabsentismus herangezogen und es wird betrachtet, welche Konsequenzen die regelmäßige Schulverweigerung mit sich bringt. Anschließend werden präventive und intervenierende Maßnahmen auf verschiedenen Ebenen vorgestellt, die sowohl im schulischen als auch im außerschulischen Kontext den Ursachen von Schulverweigerung entgegenwirken können. Zu guter Letzt wird ein Forschungsprojekt präsentiert, welches hart an der Reduzierung von Schulabsentismus gearbeitet hat. Mit abschließenden Worten im Fazit wird die vorliegende Arbeit beendet.
Schon früher und bis in unsere heutige Zeit wird Schulschwänzen von der Gesellschaft als Ausdruck von kindlichem Ungehorsam abgestempelt. Als Folge für sein Fehlverhalten musste das Kind mit Bestrafungen und Hausarrest rechnen. Für die Pädagogik ist das Phänomen Schulabsentismus ein Thema, das mit voller Aufmerksamkeit angegangen werden muss. Aus der Sicht der Bildungspolitik ist Schulabsentismus jedoch ein Skandal. Leider wird in den meisten Schulen sowie auch in den Bildungsverwaltungen das Problem Schulabsentismus schlichtweg tabuisiert. Diese Haltung verdeutlicht Desinteresse, Gleichgültigkeit und Ignoranz. Auch wird das Phänomen als eine gesellschaftliche Herausforderung angesehen. Medien berichten von Schulschwänzern, die mit delinquenten Haltungen in Kontakt kommen, und machen auf die gefährdeten Zukunftsaussichten aufmerksam.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
2. Recht auf Bildung, die Schulpflicht
2.1. Durchsetzung der Schulpflicht, der Schulzwang
2.2. Historischer Abriss der Schulpflicht
3. Schulabsentismus: Definition und Begriffsbestimmung
3.1. Heterogene Begriffsbestimmung und deren Nutzung
3.2. Schulschwänzen
3.3. Schulverweigerung
3.4. Zurückhalten/ Schulentzug
3.5. Der aktuelle Forschungsstand
4. Gründe, Ursachen und Folgen des Schulabsentismus
4.1. Das Ausmaß des Schulabsentismus
4.2. Bedingungsfaktoren des Schulabsentismus
4.3 Die individuelle Ebene
4.4. Die institutionelle Ebene
4.5. Schulabsentismus und seine Einflussfaktoren
4.6. Folgen von Schulabsentismus
5. Prävention und Intervention von Schulabsentismus
5.1. Grundlagen
5.2. Die Prävention von Schulabsentismus
5.3. Präventive Maßnahmen auf der Systemebene
5.4. Präventive Maßnahmen auf der Schulebene
5.5. Präventive Maßnahmen auf der Klassenebene
5.6. Intervention von Schulabsentismus
5.7. Interventive Maßnahmen auf der Systemebene
5.8. Interventive Maßnahmen auf der Schulebene
5.9. Interventive Maßnahmen auf der Klassenebene
6. Vorstellung des Praxisforschungsprojekts „Coole Schule: Lust statt Frust am Lernen“
6.1 Das Forschungsprojekt „Coole Schule: Lust statt Frust am Lernen“ am Standort Freiburg im Breisgrau
6.2 (Sozial-)Pädagogische Elemente und Gestaltungsprinzipien
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Phänomen des Schulabsentismus, analysiert dessen vielfältige Ursachen sowie Folgen und erarbeitet präventive sowie interventive Ansätze zur Reduzierung von Schulverweigerung, um betroffenen Schülern eine erfolgreiche Schullaufbahn zu ermöglichen.
- Rechtliche Grundlagen und Historie der Schulpflicht
- Definition und Differenzierung verschiedener Formen von Schulabsentismus
- Analyse individueller und institutioneller Einflussfaktoren
- Konzeptionelle Ansätze zur Prävention und Intervention
- Vorstellung und Auswertung des Praxisforschungsprojekts „Coole Schule“
Auszug aus dem Buch
3.2. Schulschwänzen
Die Herkunft des Begriffs Schulschwänzen wird von Grimm mit einem Augenzwinkern beschrieben. Der Terminus leitet sich bekanntlich von dem Begriff „Schwänzelpfennige“ ab. Im 17. und 18. Jahrhundert war die Rede von Münzgeld, welches von Dienstboten entwendet wurde, wenn sie für ihre Herrschaften Botschaften übermittelt haben. Seinen eigentlichen Ursprung hat der Begriff Schulschwänzen aus einer „Gaunersprache“, auch Rotwelsch genannt, aus dem 13. Jahrhundert, welche von nicht einheimischen Randgruppen gesprochen wurde. Später sprachen Studenten von dem Begriff „Schwänzen“, wenn sie gewollt ihre Vorlesungen und Seminare versäumten.
„Mit Schwänzen verbindet sich aus dieser Tradition bis heute die Vorstellung, dass der Schwänzer [...] die gewonnene Zeit am besten in Geselligkeit, mit (studentischen) Freuden und Späßen zu füllen weiß“. Das Schulschwänzen wird sozusagen mit einem beabsichtigten Regelverstoß gleichgesetzt, wobei die Zeit genüsslich verbracht wird. Als Schulschwänzer werden demnach Jugendliche kategorisiert, die ein gestörtes Familienverhältnis haben, aus sozial schwachen Familien stammen, eine erschwerte Eltern-Kind-Beziehung aufzeigen, und aufgrund einer derart gescheiterten Erziehung müssen diese Jugendliche nacherzogen werden. An sich gesehen ist das Schulschwänzen nicht wirklich besorgniserregend. „Schulversäumnisse dieser Art gehören in das Repertoire adoleszenztypischer Regelverstöße, die keineswegs als Hinweis auf erhebliche Sozialisationsrisiken gewertet werden müssen.“
Schulschwänzende Jugendliche fallen in der Regel durch dissoziale Verhaltensstörungen auf und haben eine geringe oder keine Motivation, Leistungen in der Schule zu erbringen. Bedenklich wird dies jedoch erst, wenn die Schulversäumnisse aufgrund von schulischem Versagen regelmäßiger werden und somit die weitere Schullaufbahn und die Integration in die Gesellschaft erheblich in Gefahr gerät. Das Schulschwänzen lässt sich als ein vorübergehendes Fernbleiben von der Schule definieren, wobei der Schüler gelegentlich auch im Unterricht wieder präsent ist. Verglichen mit Schulverweigerung und Zurückhalten ist das Schulschwänzen der harmloseste Begriff dieses Themenfeldes. Denn beim Schulschwänzen geht es um ein Fehlen in Ausnahmefällen, dies könnten einzelne Stunden sein, wie zum Beispiel, wenn Unterrichtsphasen durch den längeren Aufenthalt auf der Toilette versäumt werden oder durch zu spät kommen oder früher nach Hause gehen. Demnach kann es sich auch um das Ausfallen halber Tage und gelegentliches Fehlen ganzer Tage oder bestimmter Unterrichtseinheiten handeln. Sollte es zu einer längeren und regelmäßigen Abwesenheit kommen, so spricht man von einer Schulverweigerung.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in das Thema Schulabsentismus, Problematisierung der Schulpflicht und Darstellung der Zielsetzung der Arbeit.
2. Recht auf Bildung, die Schulpflicht: Skizzierung des historischen Werdegangs und der rechtlichen Relevanz der Schulpflicht in Deutschland.
3. Schulabsentismus: Definition und Begriffsbestimmung: Überblick über die heterogenen Definitionsansätze von Schulabsentismus, Schulschwänzen, Schulverweigerung und Zurückhalten.
4. Gründe, Ursachen und Folgen des Schulabsentismus: Tiefgehende Analyse der Faktoren, die zum Fernbleiben von der Schule führen, sowie der psychosozialen und wirtschaftlichen Konsequenzen.
5. Prävention und Intervention von Schulabsentismus: Darlegung von Strategien zur präventiven Vorbeugung sowie interventiven Maßnahmen auf System-, Schul- und Klassenebene.
6. Vorstellung des Praxisforschungsprojekts „Coole Schule: Lust statt Frust am Lernen“: Präsentation eines Modellprojekts zur Verringerung der Schulverweigerung und dessen Umsetzung am Standort Freiburg.
7. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse und Schlussfolgerungen zur Notwendigkeit intensiverer präventiver und unterstützender Maßnahmen.
Schlüsselwörter
Schulabsentismus, Schulpflicht, Schulschwänzen, Schulverweigerung, Bildungsforschung, Prävention, Intervention, Schulklima, Unterrichtsqualität, Schulabbruch, Sozialisation, Lehrer-Schüler-Beziehung, Elternarbeit, Lernmotivation, Bildungsauftrag
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich umfassend mit dem Phänomen des Schulabsentismus, untersucht Ursachen, Folgen und verschiedene Formen des unerlaubten Fernbleibens und entwickelt pädagogische Lösungsstrategien.
Welche zentralen Themenfelder deckt das Werk ab?
Zentral sind der rechtliche Rahmen der Schulpflicht, eine differenzierte Begriffsbestimmung, die Analyse von Bedingungsfaktoren sowie die Darstellung von Präventions- und Interventionsmöglichkeiten in der schulischen Praxis.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es, Wege aufzuzeigen, wie das Phänomen Schulabsentismus frühzeitig erkannt, durch gezielte Maßnahmen präventiv verhindert und bei Bedarf erfolgreich interveniert werden kann, um Schülern eine dauerhafte Schulintegration zu ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Untersuchung zugrunde?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Aufarbeitung aktueller Forschungsstände, der Analyse existierender Modelle sowie der Vorstellung und Reflexion eines konkreten Praxisforschungsprojekts.
Welche Aspekte werden im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil behandelt ausführlich die Gründe und Ursachen (individuell, familiär, institutionell), die Folgen von Schulabsenz sowie detaillierte Interventionskonzepte für verschiedene Ebenen des Schulalltags.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?
Wichtige Schlagworte sind Schulabsentismus, Schulpflicht, Prävention, Intervention, Schulschwänzen, Schulverweigerung und Bildungserfolg.
Welche Rolle spielt die Familie beim Zustandekommen von Schulabsentismus?
Die Familie wird als primäre Sozialisationsinstanz betrachtet, wobei Desinteresse, fehlende Unterstützung oder belastende Lebensumstände innerhalb der Familie einen maßgeblichen Einfluss auf das Schulbesuchsverhalten der Kinder ausüben können.
Wie unterscheidet sich die "Coole Schule" von herkömmlichen Maßnahmen?
Das Projekt verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz, der Bildungscurriculum, Sozialpädagogik und kommunale Netzwerke verzahnt und Schüler individuell an ihren Stärken orientiert fördert, statt sie allein durch Sanktionen zu disziplinieren.
- Quote paper
- Anonym (Author), 2015, Schulabsentismus. Prävention und Intervention, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/583754