Essstörungen im Kindes- und Jugendalter

Anorexia Nervosa, Bulimia Nervosa, Adipositas (Esssucht)


Hausarbeit, 2018

21 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Extreme Essstörungen
2.1. Anorexia Nervosa
2.2. Bulimia Nervosa
2.3. Adipositas (Esssucht)

3. Überblickende Betrachtung
3.1. Essstörungen im Kontext von Sucht

4. Verlauf

5. Behandlungsformen

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

8. Anhang

1. Einleitung

Essen ist lebensnotwendig, denn unser Körper braucht Nährstoffe zum Überleben. In der heutigen Zeit hat es neben der Nahrungsaufnahme verschiedene Bedeutungen, da es Genuss, Lebensqualität, Ästhetik und Kultur beinhaltet. Zum einen hat es zum Beispiel einen hohen gesellschaftlichen Wert, indem man Gelegenheiten nutzt, um zusammen zu essen oder gemeinsam zu kochen. Das gemeinsame Essen gilt als Symbol für das Zusammenleben der Menschen und ist zudem ein Ritual mit langen Traditionen und Regeln. Heutzutage gehen diese Traditionen häufig unter, insbesondere in unserer modernen Industriegesellschaft. Die Menschen essen zunehmend ungesund und unregelmäßig, was im Laufe der Zeit zu einer Störung des Essverhaltens führen kann. Hinzu kommt, dass immer mehr Menschen nach dem Schönheitsideal unserer Zeit streben und so Gefahr laufen, ihre körperlichen Wunschvorstellungen vor ihre lebensnotwendigen Grundbedürfnisse zu stellen. Schönheit, Attraktivität sowie Erfolg sind für viele Frauen mit Schlanksein beziehungsweise sich „schlank fühlen“ gleichzusetzen. Überdies vergessen die meisten den Sinn der Ernährung, nämlich den Genuss und die Erhaltung des Lebens. Durch diese und andere Angewohnheiten von Menschen, werden verschiedene Essstörungen immer häufiger in Industrieländern diagnostiziert und registriert. Die Verhaltensweisen von Essgestörten sind sehr verschieden, unter anderem essen sie entweder zu viel oder sie nehmen zu große Mengen an Nahrung zu sich, wodurch sie die gegessenen Speisen wieder erbrechen. Manche verweigern sogar die Nahrungsaufnahme. Die Extremformen von Essstörungen sind Adipositas, Bulimie und Anorexie. Die latente Esssucht wurde bislang noch nicht genau erforscht und wird somit nur teilweise erwähnt. Die Grenzen zwischen den Essstörungen sind fließend, wobei nach Feiereis (1989, S. 15ff.) die Mischformen von Anorexie und Bulimie beschrieben wurden. Die vielen verschiedenen Unterscheidungskriterien und Ursachenbenennungen machen es kaum möglich, die zahlreichen Varietäten zu benennen.

In diesem Sinne zählt nicht die Vollständigkeit zu den Hauptpunkten, sondern ein Einblick und das Aufzeigen einiger wichtiger Erkennungsmerkmale.

Die folgende anleitende Forschungsfrage steht als zentrales Thema der Hausarbeit: Inwiefern beeinflussen Essstörungen die weitere Entwicklung im Kindes- und Jugendalter?

Dem vorangehend werden in dieser vorliegenden Hausarbeit zunächst allgemeine Aspekte beleuchtet, bevor im Folgenden näher die Erkrankungen Magersucht, Bulimie und Esssucht im Vordergrund stehen. Des Weiteren erfolgt eine Thematisierung der Ursachen, Symptome und verschiedener Therapiemöglichkeiten. Außerdem ist von Relevanz, dass deutlich wird, wie gefährlich diese Störungen sind und wie jedes Individuum etwas dagegen tun kann.

2. Extreme Essstörungen

Im Allgemeinen versteht man unter Essstörungen sämtliche „abnormale“ Umgänge mit dem Essen, zum Beispiel zu viel, zu wenig oder fast gar nichts, wodurch ein ständiger Wechsel die Nahrungsaufnahme der Betroffenen beeinflusst. Das Verschlingen einer Mahlzeit, ohne zu berücksichtigen, wie sie riecht, das Sättigungsgefühl nicht zu erkennen oder aus reinem Appetit zu essen, um ein Gefühl zu besänftigen oder zu unterdrücken, sowie fast gar nichts mehr zu essen und dazu enorm viel Sport treiben und dabei untergewichtig zu werden, gehören zu den benannten Umgangsformen. Hinzu kommt Gegessenes oder Verschlungenes gleich wieder von sich zu geben und im anderen Moment nicht anders zu können, als wieder Unmengen in sich rein zu schlingen. Sich vor sich selbst zu ekeln, sich ständig zu dick zu finden, auch wenn man normalgewichtig ist oder aufkommende Probleme mit zu viel oder zu wenig essen zu lösen, sind entscheidende Kennzeichen von Essstörungen, die in den folgenden Kapiteln genauer definiert werden. Essstörungen gehören zu den psychosomatischen Störungen und sind oft mit seelischer Belastung und körperlichen Schäden verbunden (BZgA, Köln, 2010).

Sie stellen für die Betroffenen Lösungsversuche dar, wodurch tiefere seelische Probleme verdrängt werden können. Dadurch, dass die Probleme der Betroffenen individuell sind, gibt es folglich auch keinen einheitlichen Erklärungsansatz sowie kein genau definiertes Erscheinungsbild. Die Tatsache, dass die Ernährung lebensnotwenig ist, macht es für die betroffenen Menschen unmöglich, der Nahrungsaufnahme aus dem Weg zu gehen. Die primären, bereits benannten Formen der Essstörungen sollen im Folgenden in Bezug auf die Beschreibung der Krankheit, auf den Verlauf sowie betroffene Altersgruppe beschrieben werden.

2.1 Anorexia Nervosa

Im Jahre 1698 wurde die Magersucht als eine Art der Essstörung erstmalig von dem englischen Arzt Richard Morton erwähnt (Wendt, 2000, S. 10).

Er beschrieb die wesentlichen charakteristischen Merkmale der Krankheit, wobei eine Ursache die „nervöse Auszehrung auf Grund von Traurigkeit und ängstlicher Sorge sei“ (Wendt, 2000, S. 10). Morton legte den Grundstein für die Forschungsrichtung eines gestörten Essverhaltens. Erst durch die Arbeiten von Ernest-Charles Laségue (1874) und William Gull (1873) wurde die Magersucht im 19. Jahrhundert medizinisch betrachtet (Habermas, 2015, S. 5). Im Jahre 1874 wurde der dazugehörige Fachtermini Anorexia Nervosa durch Gull eingeführt, wobei der Begriff Anorexia als Appetitlosigkeit zu deuten ist. Der deutsche Begriff der Magersucht wird durch die Form einer Essstörung ausgezeichnet, während der davon betroffene Mensch eine gestörte Wahrnehmung seines Körpers hat und aus Furcht vor Gewichtszunahme die Aufnahme von Nahrung verweigert (Teufel & Zipfel, 2015, S. 16).

Die Magersucht tritt fast immer in der Adoleszenz und am häufigsten im Alter zwischen 14 und 18 Jahren auf, weswegen sie auch als sogenannte Pubertätsmagersucht geläufig ist. Diese können Ausnahmen sein, wobei es sich oft um eine Mischform in Verbindung mit einer bulimischen Symptomatik handelt. Die Ursachen können von den Betroffenen zurückblickend nur sehr unzureichend wiedergegeben werden. Sie leiden an einem stark gestörten Körpergefühl und haben große Angst vor einer Gewichtszunahme (Teufel & Zipfel, 2015 S. 16). Betroffene, die mit einer restriktiven Diät beginnen, greifen schnell auf eine Nahrungsverweigerung zurück und versuchen, das Hungergefühl zu verdrängen. Die massive Bedeutung der strengen Kontrolle zählt als die primäre Leistung, durch das Hungern Kontrolle über sich und über den eigenen Körper zu besitzen. Hierbei kann beispielsweise das Selbstwertgefühl gestärkt werden, indem ein Gefühl von Macht entsteht, den eigenen Willen zu haben und den Körper besiegen zu können. Trotz dieser Annahmen drehen sich die Gedanken von Betroffenen letztlich nur um das Essen, während (Wortwiederholung) sie beispielsweise ihre sozialen Kontakte reduzieren, sich nicht mehr mit ihren Freunden treffen und das Abendessen mit der Familie umgehen, können sie ihre Vorstellungen vom Wunschkörper besser umsetzten. Außerdem treiben sie exzessiv Sport, bleiben häufig stehen, anstatt sitzen zu bleiben oder laufen in einem schnellen Tempo anstatt zu gehen. Sportliche anspruchsvolle Aktivitäten wie beispielsweise Fitness werden von ihnen alleine bis zur körperlichen Erschöpfung durchgeführt. Viele Mädchen erbrechen ihr Essen oder greifen zu Abführmitteln, harnbetreibende Mittel oder Diuretika (Cuntz & Hillert, 2003, S. 51f.).

Essstörungen sind in der Bevölkerung ungleich verteilt und werden nach den Variablen Geschlecht, Alter und sozialer Status geordnet. Höllingen und Schlack (2007) aus dem Robert-Koch Institut Berlin haben in ihrer Studie herausgefunden, dass „nach wie vor [...] vorrangig Mädchen und junge Frauen von diesen Erkrankungen betroffen" (Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz, 2007, S. 794) sind.

Der Altersbereich für die Entwicklung einer Anorexia nervosa (AN) wird zwischen 15 und 24 Jahren, mit einem Altersgipfel im 14. und 16. Lebensjahr, für die Bulimianervosa (BN) zwischen dem 16. und dem 19. Lebensjahr angegeben, eine Ersterkrankung tritt jedoch auch im dritten Lebensjahrzehnt noch häufig auf“ (Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz, 2007, S. 794).

Jungen Menschen mit einer Essstörung fehlt es häufig an einer Krankheitseinsicht, obwohl Essstörungen mit einem großen gesundheitlichen Risiko verbunden sind. Im späteren Erwachsenenalter werden sich viele Essgestörte ihrer Krankheit bewusst, wobei sie dennoch unter ihrer Fixierung auf das Gewicht und die Unfähigkeit zu genießen leiden. Durch die Mangelernährung und den Gewichtsverlust kann es zu schwerwiegenden körperlichen Schäden kommen. Der Körper wird stark durch die hormonelle Störung beeinflusst, wodurch es zu trockner Haut, brüchigem Haar und im Extremfall auch zu der Veränderung der Körperbehaarung führen kann. Bei Männern wird vordergründig Impotenz als Folge festgestellt. Sexuelle Regungen werden bei Betroffenen nicht festgestellt, da zugehörige Botenstoffe und Hormone ausbleiben. Jugendliche die eine Essstörung vor der Pubertät aufweisen, sind in ihrer körperlichen Entwicklung unterentwickelt. Zudem gibt es medizinische Symptome die vor allem Folge der Anorexia nervosa sind. Diese haben nicht direkt etwas mit der Krankheitsursache zu tun. Allerdings wird das Ausmaß der Folgeerscheinungen dadurch beeinträchtig, ob es sich um eine Mischung von Essstörungen handelt oder um eine reine Magersucht. Die Betroffenen leiden an Amenorrhöe (Ausbleiben der Menstruation) (Teufel & Zipfel, 2015, S. 16). Weitere wichtige und häufige, aber nicht obligatorische Folgen können ein verlangsamter Herzschlag, zu niedriger Blutdruck, Untertemperatur, Dysfunktion der Schilddrüse und unter anderem Schäden im Magen-Darmtrakt sein. Der Körper von Magersüchtigen reagiert auf diese Folgen mit Müdigkeit, Frieren und Verstopfungen. Durch die konstante Mangelernährung wird der Energieverbrauch gesenkt, wobei die normale Aufnahme von Nahrung zu einer Gewichtszunahme führen kann. Als Langzeitfolge sind beispielsweise Osteoporose (Verringerung der Knochendichte) und Unfruchtbarkeit bekannt (BZgA, n.d).

Abgesehen von physischen Folgeschäden kommt es im Zuge von Essstörungen auch zur Beeinträchtigung der Psyche welche durch depressives Verhalten, Schuldgefühle, Selbsthass und ein selbst verletzendes Verhalten gekennzeichnet sind.

2.2. Bulimia Nervosa

Wie auch die Anorexie ist die Bulimia nervosa eine Störung des Essverhaltens, die überwiegend Frauen betrifft. Die Erkrankung ist durch wiederholte Attacken von Heißhunger, welche auch als sogenannte „Fressanfälle“ in Erscheinung treten, meist gefolgt von selbst herbeigeführtem Erbrechen gekennzeichnet.

Menschen, die an einer Bulimie leiden, sieht man dies auf den ersten Blick nicht an, da sie oft nicht untergewichtig sind (Teufel & Zipfel, 2015, S. 17). Solche Patienten sind häufig, wie Menschen mit einer Magersucht, auf Erfolg ausgerichtet. Sie wirken auf andere Menschen sehr gepflegt und sportlich. Sie führen ein Doppelleben, bei welchem sie nach außen perfekt wirken und sich innerlich vor sich selbst ekeln. Um ihre Fassade authentisch wirken zu lassen, essen die Betroffenen in der Öffentlichkeit vorwiegend fett- und kalorienarme Lebensmittel. Wenn sie allein sind, kommt es häufig zu Fressattacken, welche mit als Kern der Krankheit gilt (Teufel & Zipfel, 2015, S. 17).

Auch wenn die Betroffenen sich viel mit Nahrung beschäftigen und oft viel davon verstehen, kämpfen sie mit einer Bulimia nervosa ständig mit ihrem Gewicht. Dabei wollen sie nicht unbedingt dünner werden, sondern ihr Gewicht halten. Auch wenn sie, wie Magersüchtige, eine krankhafte Angst vor der Gewichtszunahme haben, können sie nicht zwangsläufig komplett auf Nahrung verzichten. Im Grunde sind Bulimiekranke starke Esser, wobei die Unmengen an Nahrung wieder erbrochen werden, um nicht zuzunehmen (BZgA, 2010, S. 54).

Bulemiker können bis zu zehn Fressattacken am Tag haben, wobei sich die Symptomatik des “Essens und Erbrechens“ über den ganzen Tag verteilen kann (Teufel & Zipfel, 2015, S. 17). Oft sind es bis zu 15.000 kcal, die Betroffene über den Tag in sich rein stopfen. Um einen Vergleich anzubringen, kann geschrieben werden, dass der durchschnittliche Kalorienbedarf für Frauen und Männer bei leichter Arbeit bei etwa 2.200 kcal am Tag liegt. Diese Essanfälle erleben Bulimiker mindestens zweimal pro Woche, welche über einen Zeitraum von drei Monaten hinweg besteht (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, 2008, S. 15). Die Heißhungerattakten dauern bis zu vier Stunden an. Durch das selbstinduzierte Erbrechen glauben die Betroffenen, die angestrebte Idealfigur zu erreichen. Der „Purging-Typus“ der Bulimia nervosa nutzt kurzfriste Maßnahmen wie selbstinduziertes Erbrechen, Laxanzien oder Diurektika. Der „Nicht-Purging-Typus“ greift auf mittelfristige gewichtsreduzierende Maßnahmen wie übermäßige körperliche Betätigung, Fasten oder ein gezügeltes Essverhalten zurück. Allerdings schämen sich Bulimiker auch für das, was sie getan haben, und leiden dadurch noch mehr unter ihrer Krankheit. Sie ekeln sich vor sich selbst und haben Angst, entdeckt zu werden. Außerdem fühlen sie sich schuldig, da sie denken, keine Kontrolle über ihre Körper zu haben. Erwähnenswert wäre, dass Maßnahmen der kurzfristigen oder mittelfristigen Gewichtsregulation diese Schulgefühle umgehen, da sie für Betroffene einen „selbstreinigende“ Funktion haben und die Missachtung der selbstgesetzten Essregeln kompensieren.

Viele von den Ess-Brech-Süchtigen wissen, dass sie am Ende ihrer Heißhunger-Attacke etwas Bestimmtes essen müssen, um anschließend leichter erbrechen zu können. Das Rückzugsverhalten kann die Offenbarung der Krankheit verhindern, wobei durch die soziale Isolation ähnlich wie bei der Magersucht Depressionen und selbstverletzendes Verhalten entstehen kann. Sie fühlen sich insgesamt ähnlich wie Menschen mit einer Magersucht sehr unsicher und besitzen nur wenig Selbstbewusstsein. Sie sind meist negativ eingestellt und ihr Gedankengang häufig pessimistisch ausgerichtet. Weitere psychischen Schäden und Auswirkungen auf das spätere Erwerbsleben der Anorexia nervosa und der Bulimia nervosa erkrankten Menschen, werden im weiteren Verlauf der Arbeit erwähnt. Ähnlich wie bei der Anorexia nervosa sind die physischen Schäden der Bulimia nervosa durch das häufige Erbrechen enorm. Die Auswirkungen sind Elektrolytstörung, Hypogylkämie (Kaliummangel), Flüssigkeitseinlagerungen sowie Herzrhythmusstörungen und Nierenschäden, welche durch das Austreten des Magensaftes und Flüssigkeiten bei ständigem Erbrechen entstehen. Durch die aggressive Magensäure in Speiseröhre und Mund treten besonders dort Entzündungen auf. Bulimie erkrankte Menschen sind oft betroffen von ständig geschwollenen Lymphknoten und einen Abbau des Zahnschmelzes. Da Bulemiker ihre Essstörung gut vor Anderen verbergen können und sich zunächst keine gravierenden äußeren Merkmale ansehen lassen, bleibt ihre Krankheit häufig unentdeckt. Bulimische Frauen sind zum Zeitpunkt der Ersterkrankung in der Regel älter als anorektische Mädchen und Frauen. Das häufigste Erkankungsalter liegt zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr (BzgA, 2004, S. 19). Seit den 1980er Jahren wird die Essbrechsucht als eigenständige Krankheit dargestellt, aber erst seit den 2000er ist es möglich, sie in der internationalen Klassifikation der Krankheiten zu beschreiben (Stangl, 2018).

2.3. Adipositas

Esssüchtige nehmen im Vergleich zu anderen Menschen im überstarken Maß Nahrung zu sich, selbst dann, wenn sie keinen Hunger haben. Übersteigt die Energiezufuhr den eigentlichen Energieverbrauch eines Menschen, entsteht eine positive Energiebilanz. Durch dies kommt es zu einem Ungleichgewicht, wodurch sich das Körpergewicht erhöht und Übergewicht entsteht. Die Begriffe „Übergewicht“, „Fettsucht“ und „Adipositas“ werden trotz ihrer unterschiedlichen Bedeutung oftmals als Synonym verwendet, weswegen es notwendig ist, eine genaue Trennung vorzunehmen. Adipositas ist heutzutage durch einen erhöhten Anteil im Fettgewebe gekennzeichnet (Wirth, 2000, S. 7). Während bei der Adipositas demnach die Fettmasse im Körper entscheidend ist, liegt erst dann Übergewicht vor, wenn das körperhöhenbezogene Körpergewicht ein bestimmtes Maß überschreitet. Rein wissenschaftlich betrachtet, spricht man heute von Adipositas, sobald das Körpergewicht der betroffenen Person bei einem BMI (Body Mass Index) von über 30 liegt.

Der Grad der Adipositas kann hierbei noch dreimal differenziert werden, wobei ein erhöhter, hoher und sehr hoher Grad vorliegen kann. Der BMI berechnet sich aus dem Körpergewicht geteilt durch die Körpergröße in Metern zum Quadrat. Auch wenn dieser zu den wichtigsten Größen zur Berechnung der Körperfettmasse dient, gibt der Taillienumfang weitaus mehr Information preis, als der besagte BMI (Wirth, 2015, S. 358). Der Begriff „Fettsucht“ ist mit dem Begriff „Adipositas gleichzusetzen, obwohl er weit verbreiteter ist. „Fettsucht“ ist missverständlich und häufig negativ besetzt, wodurch der Begriff verstärkt die soziale Diskriminierung adipöser Menschen fördert. Anschließend kann man sagen, dass Adipositas in den meisten Fällen nichts mit Sucht nach Fett zu tun hat. In vielen Kreisen wird der Begriff der „Fettsucht“ oft als Gegensatz in Bezug auf Magersucht gesehen. Jedoch kann dies nicht belegt werden, da im Gegensatz zur Anorexia nervosa bei der Adipositas nicht grundsätzlich von einer psychischen Störung ausgegangen wird (Pudel, 1982. S. 23). Die Klink am Korso beschreibt die „psychogene Adipositas“ folgendermaßen: „Die Adipositas gilt nur in Verbindung mit einer der folgenden psychischen Störungen als "psychogene Essstörung". Vom Essverhalten her wird der Typ „Dauresser“ (...) vom Typ mit Essanfällen - "binge-eater" - (...) unterschieden“ (Klinik am Korso, Fachzentrum für gestörtes Essverhalten Bad Oeynhausen, n.d.).

Adipositas gilt also in erster Linie nicht als Essstörung. In dem Klassifikationsschema der American Psychiatric Association DSM IV wird die Adipositas nicht aufgeführt, da sie nicht direkt mit psychischen Störungen und Verhaltensauffälligkeiten einhergeht (Jacob, 1998 S. 9).

Im Klassifikationssystem ICD - 10 (International Classifikation of Diseases and Related Health problems) wird die „Adipositas und sonstige Überernährung“ als Ernährungs- und Stoffwechelkrankheit bezeichnet. Die häufigste Form der Adipositas ist die Adipositas durch übermäßige Kalorienzufuhr. Es kann jedoch auch zu anderen Ursachen kommen, wie beispielsweise arzneimittelinduzierte Adipositas. In diesen Fällen wird von einer sekundären Adipositas gesprochen (Schobert, 1993. S. 44).

Wer mehr Energie zu sich nimmt als er verbraucht, nimmt an Körpergewicht zu. Wer also einen zu hohen Körperfettanteil hat, muss die Energiezufuhr senken, indem er weniger isst und gleichzeitig den Energieverbrauch durch mehr Bewegung steigert. Wie bereits erwähnt, essen Esssüchtige auch dann, wenn sie keinen Hunger haben. Dies kommt dadurch zu Stande, da ihre Appetit- und Sättigungsregulation gestört ist, wobei Esssüchtige ihr Essverhalten und vor allem ihr Körpergewicht als etwas nicht Kontrollierbares empfinden. Sie fühlen sich ihrem Zwang nach Essen und Nahrungsaufnahme machtlos und ausgeliefert, wodurch der Suchtcharakter deutlich wird. Die Verhaltensaspekte zwischen Adipositas und beispielsweise Bulimie scheinen ähnlich, da sich auch Esssüchtige wie Bulimiker sich für ihr Essverhalten schämen und versuchen, dies so weit wie möglich zu verbergen. Die Ursache von Adipositas liegt allein nicht nur in der erhöhten Energiebilanz, sondern hat ihren Ursprung auch in gesundheitlichen und genetischen Faktoren.

In Bezug auf den Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGs) wurde herausgefunden, dass es im Kindes- und Jugendalter eine massive Verbreitung von Übergewicht und Adipositas gibt. Bei den Ergebnissen stellte sich heraus, dass 15% der deutschen Kinder im Alter von 3 bis 17 Jahren übergewichtig sind und davon 6,3% unter Adipositas leiden (Kurth & Ellert, 2008, S. 406).

3. Überblickende Betrachtung

Gemeinsamer Nenner der Essstörungen ist die extreme, zu starke oder zu geringe Selbstkontrolle von Hunger und Appetit. Gestörtes Ernährungsverhalten beruht weder auf einer Psychose noch auf organischen Abnormitäten. Allerdings sind sie nach wie vor ein aktuelles Problem. In den letzten Jahren stiegen die Zahlen, wobei die Ursachen und eine wirkungsvolle Therapie ungeklärt sind. Besonders auffällig erscheint die Unfähigkeit der Patienten, denen es schwer fällt, ihre eigenen Gefühle zu erkennen und zu benennen. Sie fühlen sich schlecht, ohne zu wissen, wieso, erkennen ihre eigene Wut nicht und können auch nur teilweise mit ihren Emotionen umgehen. Ihre Gefühle werden mit großen Mengen Nahrungsmitteln gedeckt. Insbesondere Bulimiker spüren ein Unwohlsein, wobei verschiedenste Erklärungsmöglichkeiten, wie Stress, sich ausgeliefert fühlen, Einsamkeit, Langeweile oder innere Leere entscheidend sein können. Durch ein solches Unwohlsein wird ein Fressanfall ausgelöst, ohne sich die Hintergründe des Gefühls bewusst zu machen. Das Essen dient dazu, das Gefühl zu vermindern und einzudämpfen. Betroffene Menschen mit einer Magersucht höhlen diesbezügliche ihre Gefühle aus. Dadurch, dass sie nicht essen, wird nur ein primäres Ziel gesetzt. Die eigentlichen Probleme der Beteiligten werden als unscheinbar und nebensächlich angesehen, da sie sich zur alltäglichen Lösung das abrupte Abnehmen gesetzt haben. Die Essstörungen werden von einem sich selbst aufrechterhaltenden Prozess angetrieben, der einen Kreislauf bildet. Es führt kein Ausweg aus dem Kreislauf, ohne die Entdeckung der eigenen Gefühlswelt. Die bereits erwähnte KiGGs-Studie fand im Jahr 2008 mittels des SCOFF-Fragebogens heraus, dass insgesamt 21,9% der Kinder und Jugendlichen im Alter von 11 bis 17 Jahren Anzeichen auf ein abnormes Essverhalten zeigen. Der Anteil der Mädchen mit Verdacht auf Essstörung umfasste aufgerundet die doppelte Anzahl, als die der Jungen. Dies wird durch die Abbildung 1 im Literaturverzeichnis verdeutlicht.

[...]

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Essstörungen im Kindes- und Jugendalter
Untertitel
Anorexia Nervosa, Bulimia Nervosa, Adipositas (Esssucht)
Hochschule
Universität Potsdam
Note
2,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
21
Katalognummer
V583790
ISBN (eBook)
9783346169617
ISBN (Buch)
9783346169624
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Essstörungen, Anorexia nervosa, Bulimia nervosa, Asipositas nervosa, Jugendliche, Körper, Gesundheit, Krankheit
Arbeit zitieren
Jo Merith Jänicke (Autor), 2018, Essstörungen im Kindes- und Jugendalter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/583790

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