Der außerschulische Lernort in der beruflichen Bildung. Pädagogischer Nutzen und Herausforderungen für die Schule


Projektarbeit, 2020

58 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

2 Außerschulisches Lernen in der beruflichen Bildung
2.1 Notwendigkeit der Lernorte in der beruflichen Bildung
2.2 Begriffserklärungen und Merkmale
2.3 Das Potenzial von ASL für die Schule
2.4 Didaktisch-methodische Herangehensweisen an ASL
2.5 Paradoxon des schulischen Lernens
2.6 Die Projektmethode am außerschulischen Lernort

3 Qualitative Forschung
3.1 Das narrative Interview als Instrument der qualitativen Forschung
3.2 Inhaltsanalyse als Instrument der qualitativen Forschung

4 Ergebnissicherung

5 Diskussion der Ergebnisse

6 Fazit

Anhang 1: Strukturierungshilfe

Anhang 2: Kodierungsleitfaden

Anhang 3: Transkription

Abkürzungsverzeichnis

SuS Schüler und Schülerinnen

LuL Lehrer und Lehrerinnen

ASL Außerschulische/r Lernort/e

KÖ Kriterium Öffnung der Schule

KKOOP Kriterium Kooperation

KKOM Kriterium Kompetenzen

KD Kriterium Differenzierung

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Ablaufmodell strukturierender qualitativer Inhaltsanalyse modifiziert nach MAYERING 2016

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Strukturierungshilfe Interview (eigene Darstellung)

Tabelle 2: Kodierungsleitfaden (eigene Darstellung)

1 Einleitung

In der beruflichen Bildung sind Lernortkooperationen zwischen Schule, Betrieb und Ausbildungsstätte das Qualitätsmerkmal auf allen Ebenen der Zusammenarbeit. In der Praxis gelingt es jedoch nicht immer die Lernorte methodisch, curricular und prozessual miteinander zu verbinden und den didaktischen Mehrwert des Zusammenwirkens vollständig auszuschöpfen. Das Außerschulische Lernen verspricht eine größere Realitätsnähe, kreative Eigentätigkeit, prozessorientiertes sowie ganzheitliches Lernen, eine ungeahnte Methodenvielfalt sowie die Förderung sozial kommunikativer Kompetenzen. Im Zuge dieser Einschätzung konnte im Praxissemester folgende Forschungsfrage nachgegangen werden: Inwiefern kann das außerschulische Lernen in der beruflichen Bildung organisiert werden, damit ein lernförderner Effekt entsteht? Welches Potenzial hat der außerschulische Lernort (ASL) durch den Projektunterricht?

Um die Forschungsfrage beantworten zu können beschäftigt sich der erste Teil der Studienarbeit mit der Theorie der ASL im Allgemeinen als auch im Kontext der beruflichen Bildung. Neben den Begrifflichkeiten und Merkmalen des außerschulischen Lernens werden Aspekte der methodischen Herangehensweise erschlossen. Dabei wird auch das Paradoxon von Nähe und Distanz des schulischen Lernens thematisiert. Im zweiten Teil der Arbeit werden Ansätze der qualitativen Forschung herangezogen. Der Fokus liegt vor allem auf den Bereichen der narrativen Interviews und der qualitativen Inhaltsanalyse nach MAYERING (2016). Dafür wird wie folgt vorgegangen: Zuerst wird die qualitative Forschung im Überblick dargestellt und mit dem Thema der narrativen Interviews als Instrument der qualitativen Datenerhebung verbunden. Hierfür wird der Begriff des Interviews erläutert und das narrative Interview als Sonderform aufgegriffen. Naben der Vorstellung typischer Charakteristika erfolgen Hinweise zur Erstellung und Durchführung der Interviewform. Zur Auswertung der erhobenen Daten wird die Herangehensweise nach MAYERING (2016) dargelegt. Dafür wird der Begriff der qualitativen Inhaltsanalyse definiert sowie Eigenschaften und Zielsetzungen erarbeitet. Weiterhin wird die Inhaltsanalyse als strukturierende Inhaltsanalyse durchgeführt. Dazu wird das Textmaterial der Interviews mit den theoretischen Aspekten des ersten Teils der Studienarbeit verglichen. Für einen ordentlichen Vergleich wird ein Kodierleitfaden angelegt. Im dritten Teil der Arbeit werden die Ergebnisse des Kodierleitfadens vorgestellt. Die Ergebnisse beruhen auf das verfügbare Material und umfassen lediglich Aspekte die zur Beantwortung der Forschungsfrage herangezogen werden müssen. Anschließend werden die Ergebnisse diskutiert und ein Fazit gezogen.

2 Außerschulisches Lernen in der beruflichen Bildung

Um den Erziehungs- und Bildungsauftrag gerecht zu werden und um die SuS auf eine immer komplexer werdende Alltags- und Lebenswelt sowie gesellschaftliche Herausforderungen vorzubereiten wird der Schule nahegelegt neue Lehr-, Lern- und Unterrichtsorte zu etablieren. Die Folge dieser inneren Schulreform ist die Öffnung der Schule und das Aufsuchen von ASL. Dabei wird das fachliche Lernen ergänzt, vertieft und unter neuen Perspektiven relativiert. Lernorte außerhalb der Schule sollen Potenzial zur Überwindung von Fächergrenzen und methodischer Offenheit bieten. Die berufliche Bildung scheint mit dem dualen System und der Kooperation der Lernorte Schule, Betrieb und überbetriebliche Ausbildungsstätte diesem Versprechen voraus zu sein (BAAR und SCHÖNKNECHT 2018, 77-83).

Im Zuge dieser Einschätzung beschäftigt sich die vorliegende Arbeit mit der Frage, welche Bedeutung das außerschulische Lernen in der beruflichen Bildung hat. Dabei soll es nicht darum gehen, unterschiedliche Lernorte im dualen System genauer zu beschreiben. Stattdessen soll exemplarisch mit den Erfahrungen aus der Praxis und den Beweggründen der Theorie, Gründe für das außerschulische Lernen gesucht werden. Da das Aufsuchen von Lernorten außerhalb der Schule immer ein höherer Aufwand bedeutet, stellt sich die Frage, ob die Erfahrungen, die außerschulisch gemacht werden können, und der zu erwartete Lernerfolg der SuS, diesen Aufwand rechtfertigen. Hierfür soll der Projektunterricht auf seine Eignung für das außerschulische Lernen geprüft werden. Weiterhin ist zu klären, inwiefern die Notwendigkeit der ASL in der beruflichen Bildung besteht, was unter dem ASL verstanden wird, wo das Potenzial der ASL liegt und wie üblicherweise eine didaktische und methodische Herangehensweise am ASL realisiert werden kann.

2.1 Notwendigkeit der Lernorte in der beruflichen Bildung

Ohne den Betrieb würde das komplexe System der Berufsbildung und der dualen Ausbildung nicht funktionieren. In der beruflichen Bildung erfolgen Lernortkooperationen zwischen Betrieb, Schule und Ausbildungsstätte, die im gelungenen Fall methodisch, curricular, prozessual miteinander verknüpft sind und den Vorteil des Zusammenwirkens vollständig ausschöpfen. Insbesondere das Lernfeldkonzept in der beruflichen Bildung soll den schulischen Unterricht an berufliche Problemstellungen und Handlungsfeldern orientieren, um so allgemeine und berufliche Kompetenzen der SuS zu fördern. In der Praxis erweist sich die Abstimmung insbesondere dann als schwierig, wenn die Wissensbestände der Schule nicht in einen berufspraktischen Zusammenhang gebracht werden können (DIETRICH 2016, 53-65).

Am Lernort Betrieb orientiert sich die Ausbildung an die Auftragslagen der beruflichen Bildung und damit an die vorhandenen Arbeits- und Geschäftsprozessen. Das Lernen erfolgt durch die Bewältigung praktischer Aufgaben und mithilfe eigener berufsdidaktischer Modelle, beiläufig und erfahrungsbasiert. Auch die überbetrieblichen Ausbildungsstätten stoßen bei inhaltlichen und terminlichen Abstimmungen auf Kritik. So werden spezifische Bereiche der Ausbildung oftmals modularisiert in Blockform verpflichtet durchgeführt. Durch eigene Methoden und didaktische Ansätze der Lernorte sowie fehlende Lernortkooperationen entstehen folglich inhaltliche Dopplungen (GRIMM 2018, 179-181).

Um den Vorteil der Lernortkooperationen vollständig ausschöpfen zu können, reicht kein einfacher Raum- oder Ortswechsel. Für das Zusammenwirken sind gemeinsame didaktische und methodische Herangehensweisen, Vor- und Nachbereitungsphasen sowie professionelles Lehrerverhalten notwendig. Die ASL können möglicherweise Brücken schlagen um aufzuzeigen, wie schulische Inhalte zeitweilig außerhalb des Klassenraumes aufgegriffen werden können, Lernortkooperationen funktionieren und die SuS umfangreiche Lernerfolge erzielen (ERHORN und SCHWIER 2018 7-12; DEINET und DERECIK 2018, 16-18).

2.2 Begriffserklärungen und Merkmale

In der neuen Bildungsdebatte skizziert ein erweiterter Bildungsbegriff das Zusammenspiel zwischen schulischem und außerschulischem Lernen. Demnach sind Bildungsprozesse und Orte in einem breiten Spektrum beschrieben und lassen sich im Lebensalltag nur schwer auseinanderhalten. Während formelle und nicht formelle Bildungsprozesse den schulischen und außerschulischen Institutionen zugeordnet werden, findet informelle Bildung in allen Bildungsprozessen und an allen Orten statt. Durch das informelle Lernen, dem situativen, ungeplanten sowie beiläufigen Lernen, wird die Grundlage eines breiteren Bildungsbegriffes gelegt und die Gleichrangigkeit unterschiedlicher Lernorte betont (RATHGEB-SCHNIERER et al. 2011, 145-150).

Der Begriff des Lernortes wurde erstmals durch den Deutschen Bildungsrat im Kontext des öffentlichen Bildungswesens verortet und benennt ihn als die „[…] anerkannte Einrichtung […], die Lernangebote organisiert. Dabei handele es sich aber nicht allein um räumlich verschiedene, sondern in ihrer pädagogischen Funktion unterscheidbare Orte“ (DEUTSCHER BILDUNGSRAT. 1974).

Der Lernort als eine im Rahmen des öffentlichen Bildungswesens anerkannte Einrichtung, wird dementsprechend in primäre Lernorte, die den primär pädagogischen Zwecken dienen und in sekundäre Lernorte, die primär außerpädagogischen Zwecken dienen, unterteilt. Insofern erfüllen die Schule, der Betrieb, die Lehrwerkstatt, etc. pädagogisch-didaktische Anforderungen, während sekundäre Lernorte wie die Gemeinde, das Einkaufszentrum, der Wald, etc. lediglich die primären Lernorte ergänzen. Erst durch den „intentionalen Einbezug in den Unterricht werden Lernorte außerhalb der Schule zu außerschulischen Lernorten“ ( THOMAS 2006, 283-287; FEIGE 2008, 67).

Grundsätzlich kann jeder außerhalb der Schule bestehende Ort zu einem schulisch genutzten ASL werden, wenn sich das Vorgehen didaktisch auf der Grundlage aktueller Lehrpläne legitimieren lässt. Der Lernort kann folglich als ein Ort beschrieben werden, der zu den vorgegebenen Lehr- und Bildungsplänen der Schule anschlussfähig ist, indem an ihm als „Originalschauplatz“ Themen und Inhalte des Unterrichts bzw. der Unterrichtsfächer direkt erarbeitet und erforscht werden können (BURK et al. 2008a 45-76; DEINET und DERECIK 2018, 15-28).

Um das Potenzial der ASL auszuschöpfen, wird die Etablierung von lokalen Bildungslandschaften angestrebt. Diese sind definiert als „langfristige, professionell gestaltete, auf gemeinsames und planvolles Handeln abzielende […] Netzwerke zum Thema Bildung, die ausgehend von der Perspektive des lernenden Subjektes formale Bildungsorte und informelle Lernwelten umfassen und sich auf einen definierten lokalen Raum beziehen“ (DEINET und DERECIK 2018, 20).

2.3 Das Potenzial von ASL für die Schule

Der ASL hat das Potenzial „originale Begegnungen“ zu ermöglichen, die direkten Begegnungen der SuS mit einem konkreten Ort, mit Menschen oder mit Ereignissen die exemplarisch die Natur, Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft präsentieren. Dabei können vorfindbare Inhalte, Phänomene und Gegebenheiten abstrakte und komplexe Wirkungszusammenhänge „begreifbar“ und „durchschaubar“ machen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 58 Seiten

Details

Titel
Der außerschulische Lernort in der beruflichen Bildung. Pädagogischer Nutzen und Herausforderungen für die Schule
Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Note
1,3
Autor
Jahr
2020
Seiten
58
Katalognummer
V583972
ISBN (eBook)
9783346181190
ISBN (Buch)
9783346181206
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bildung, herausforderungen, lernort, nutzen, pädagogischer, schule
Arbeit zitieren
Henrike Meyer (Autor), 2020, Der außerschulische Lernort in der beruflichen Bildung. Pädagogischer Nutzen und Herausforderungen für die Schule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/583972

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