Claus-Dieter Osthövener hielt am 7. Mai 2001, dem 150. Geburtstag Adolf von Harnacks, eine Antrittsvorlesung mit dem Titel „Adolf von Harnack als Systematiker“, die er ein Jahr später in redigierter Fassung als Aufsatz publizierte. Ausgehend von diesem Aufsatz und auf der Basis seines wohl bedeutendsten systematischen Werkes, „Das Wesen des Christentums“ (1900), möchte ich im Rahmen dieser Hauptseminararbeit im Fach Systematik die Bedeutung von Harnacks Wirken für die Systematische Theologie herausstellen und damit einen Beitrag zur systematisch-theologischen Erforschung des theologischen Werkes Harnacks leisten. In einem abschließenden Resümee möchte ich dann schließlich die kritische Frage klären, ob Adolf von Harnack nicht heutzutage vielmehr auch als Systematiker in den Blick genommen werden müsste als nur in seiner oft wahrgenommenen Funktion als Dogmenhistoriker und Patristiker. Die außerordentlich guten Gedanken von Claus-Dieter Osthövener möchte ich dabei fortführen und in dieser Arbeit systematisch-theologische Erwägungen anstellen, die zu einer interdisziplinären Erforschung des Harnackschen Werkes von Kirchenhistorikern und Systematikern und zu einer Neuauflage der Harnack-Forschung im 21. Jahrhundert anregen wollen.
Karl Gustav Adolf Harnack, ab 1914 von Harnack (* 7. Mai 1851 in Dorpat; † 10. Juni 1930 in Heidelberg) gilt als einer der bedeutendsten Dogmenhistoriker auf der Schwelle vom 19. zum 20. Jahrhundert und als einer der einflussreichsten protestantischen Theologen seiner Zeit. Zudem hatte er bedeutenden Einfluss auf das wissenschaftliche und kulturelle Leben in Preußen und fungierte als Wissenschaftsorganisator unter Kaiser Wilhelm II. Er leistete auch außerordentliche Beiträge zur theologischen Wissenschaft. Oftmals überließ man innerhalb der protestantischen Wissenschaft des 20. Jahrhunderts die Erforschung des theologischen Wirkens Adolf von Harnacks der Kirchengeschichte. Zahlreiche bedeutende Kirchenhistoriker wie beispielsweise Kurt Nowak, Wolfram Kinzig oder Kurt-Victor Selge haben sich in der jüngeren Vergangenheit bereits mit dem Werk Harnacks befasst, wohingegen dieses seitens der Systematischen Theologie bisweilen nur zu gewissen Teilen eingehend untersucht wurde (so u. a. von Gunther Wenz, Trutz Rendtorff und in jüngster Zeit von Claus-Dieter Osthövener).
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kurzer biographischer Abriss zu Leben und Werk Harnacks
2.1 Kindheit und Jugend
2.2 Theologischer und beruflicher Werdegang
2.3 Adolf von Harnack als Wissenschaftsorganisator in Preußen
2.4 Politisches Engagement unter Kaiser Wilhelm II.
2.5 Theologisches Werk und Vermächtnis
3. Das dreibändige „Lehrbuch der Dogmengeschichte“ (1886-1890)
4. „Das Wesen des Christentums“ (1900) als epochales Werk
5. Die Harnack-Forschung im 20. Jahrhundert
6. Adolf von Harnacks Bedeutung für die theologische Wissenschaft
6.1 Neues Testament
6.2 Kirchen- und Theologiegeschichte
6.3 Systematische Theologie
7. Claus Dieter-Osthövener: Adolf von Harnack als Systematiker (2002)
8. Resümee: Adolf von Harnack – ein Systematiker?
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung von Adolf von Harnack für die Systematische Theologie. Ausgehend von Claus-Dieter Osthöveners Thesen und Harnacks Hauptwerk „Das Wesen des Christentums“ wird die zentrale Forschungsfrage geklärt, ob Harnack, der primär als Dogmenhistoriker wahrgenommen wird, ebenfalls als Systematiker zu betrachten ist.
- Biographischer Werdegang und wissenschaftsorganisatorisches Wirken
- Analyse des „Lehrbuchs der Dogmengeschichte“ und des „Wesens des Christentums“
- Rezeption in der Harnack-Forschung des 20. Jahrhunderts
- Bedeutung für die neutestamentliche Wissenschaft und Systematische Theologie
- Diskussion der Methodik und des Geschichtsverständnisses Harnacks
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Karl Gustav Adolf Harnack, ab 1914 von Harnack (* 7. Mai 1851 in Dorpat; † 10. Juni 1930 in Heidelberg) gilt als einer der bedeutendsten Dogmenhistoriker auf der Schwelle vom 19. zum 20. Jahrhundert und als einer der einflussreichsten protestantischen Theologen seiner Zeit. Zudem hatte er bedeutenden Einfluss auf das wissenschaftliche und kulturelle Leben in Preußen und fungierte als Wissenschaftsorganisator unter Kaiser Wilhelm II. Er leistete auch außerordentliche Beiträge zur theologischen Wissenschaft. Zu nennen seien hier beispielsweise sein dreibändiges Lehrbuch der Dogmengeschichte (Freiburg 1886-1890; s. Kap. 3) oder auch „Das Wesen des Christentums“ (1. Auflage Leipzig 1900; s. Kap. 4), welches im deutschsprachigen Raum schnell zum wohl populärsten theologischen Werk der Jahrhundertwende avancierte und bis dato in zahlreichen Neuauflagen erschienen ist.
Oftmals überließ man innerhalb der protestantischen Wissenschaft des 20. Jahrhunderts die Erforschung des theologischen Wirkens Adolf von Harnacks der Kirchengeschichte. Zahlreiche bedeutende Kirchenhistoriker wie beispielsweise Kurt Nowak, Wolfram Kinzig oder Kurt-Victor Selge haben sich in der jüngeren Vergangenheit bereits mit dem Werk Harnacks befasst, wohingegen dieses seitens der Systematischen Theologie bisweilen nur zu gewissen Teilen eingehend untersucht wurde (so u. a. von Gunther Wenz, Trutz Rendtorff und in jüngster Zeit von Claus-Dieter Osthövener). Dieser hielt am 7. Mai 2001, dem 150. Geburtstag Adolf von Harnacks, eine Antrittsvorlesung an der Martin-Luther Universität Halle-Wittenberg mit dem Titel „Adolf von Harnack als Systematiker“, die er ein Jahr später in redigierter Fassung als Aufsatz in der ZThK publizierte. Ausgehend von diesem Aufsatz und auf der Basis seines wohl bedeutendsten systematischen Werkes, „Das Wesen des Christentums“ (1900), möchte ich im Rahmen dieser Hauptseminararbeit im Fach Systematik die Bedeutung von Harnacks Wirken für die Systematische Theologie herausstellen und damit einen Beitrag zur systematisch-theologischen Erforschung des theologischen Werkes Harnacks leisten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Leben und Werk Harnacks sowie Darstellung der Fragestellung zur Bedeutung als Systematiker.
2. Kurzer biographischer Abriss zu Leben und Werk Harnacks: Überblick über Herkunft, Werdegang, politisches Engagement und wissenschaftliche Ämter.
3. Das dreibändige „Lehrbuch der Dogmengeschichte“ (1886-1890): Analyse des bedeutendsten kirchengeschichtlichen Hauptwerks und dessen Rezeption.
4. „Das Wesen des Christentums“ (1900) als epochales Werk: Untersuchung der Vorlesungsreihe und deren Wirkung als Grundschrift liberaler Theologie.
5. Die Harnack-Forschung im 20. Jahrhundert: Darstellung der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Harnack im Laufe des letzten Jahrhunderts.
6. Adolf von Harnacks Bedeutung für die theologische Wissenschaft: Aufarbeitung der Beiträge Harnacks zur Neutestamentlichen Wissenschaft, Kirchengeschichte und Systematik.
7. Claus Dieter-Osthövener: Adolf von Harnack als Systematiker (2002): Vorstellung und Diskussion der Arbeit Osthöveners als zentraler systematisch-theologischer Bezugspunkt.
8. Resümee: Adolf von Harnack – ein Systematiker?: Abschlussbetrachtung und Fazit zur Einordnung Harnacks als Systematiker.
Schlüsselwörter
Adolf von Harnack, Systematische Theologie, Dogmengeschichte, Das Wesen des Christentums, Kulturprotestantismus, Claus-Dieter Osthövener, Kirchengeschichte, Wissenschaftsorganisation, Liberale Theologie, Hermeneutik, Religion, Dogmatik, Christentum, Christentumstheorie, Reformationsgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das theologische Werk von Adolf von Harnack, insbesondere mit dem Ziel, ihn über seine bekannte Rolle als Historiker hinaus auch als Systematiker zu würdigen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themenfelder umfassen Harnacks Biografie, seine bedeutendsten Publikationen wie das Lehrbuch der Dogmengeschichte und „Das Wesen des Christentums“ sowie seine politische und wissenschaftspolitische Rolle.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, durch eine systematisch-theologische Analyse nachzuweisen, dass Harnacks Werk methodische und inhaltliche Elemente aufweist, die eine Einordnung als Systematiker rechtfertigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und einer kritischen Auseinandersetzung mit der bisherigen Harnack-Forschung, insbesondere unter Einbeziehung von Claus-Dieter Osthövener.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine biographische Einführung, eine Analyse seiner theologischen Schlüsselwerke sowie eine Untersuchung seiner Bedeutung für die verschiedenen Disziplinen der Theologie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Adolf von Harnack, Dogmengeschichte, Systematische Theologie, Kulturprotestantismus und das Wesen des Christentums.
Warum wurde gerade Claus-Dieter Osthövener als Basis gewählt?
Osthövener lieferte mit seinem Aufsatz von 2002 einen entscheidenden systematischen Beitrag, der Harnack explizit als Systematiker in den Blick nimmt und somit das Fundament für die Argumentation dieser Arbeit bildet.
Ist Harnacks Geschichtsverständnis mit dem eines Systematikers vereinbar?
Ja, laut der Arbeit und Osthövener ist Harnacks „reine“ Geschichtsforschung immer begrifflich reflektiert, was auf ein systematisches Interesse schließen lässt, das besonders in seiner Wesensschrift hervortritt.
- Quote paper
- Jan Mark Budde (Author), 2020, Adolf von Harnack als Systematiker. Systematisch-theologische Erwägungen im Anschluss an Claus-Dieter Osthövener, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/584024