Heißt es wegen dem Pferd oder doch wegen des Pferds? Mit beiden Varianten kommen Sprecher des Deutschen zumeist in Kontakt. Und nicht Wenige fragen sich dabei: Welche Variante ist richtig? Ob tatsächlich eine richtige Variante existiert, soll diese Arbeit aufklären.
Weiterhin wird Aufschluss über Positionen von Sprachverständnissen gegeben, die sich anhand der Erkenntnisse, ob Sprache "richtig" sein kann oder nicht, orientieren werden. Es gilt, die errungenen Erkenntnisse im Schulkontext zu verorten, um die Frage zu beantworten, ob grammatische Zweifel einen Gewinn für den bewussten Umgang mit Sprache sowie Sprachwandel darstellen.
Um das Themenfeld der sprachlichen Zweifelsfälle exemplarisch verorten zu können, wird dies anhand der Kasusrektionen des Genitivs und Dativs unternommen. Hierfür wird der Begriff des sprachlichen Zweifelsfalls definiert. Mit der Definition gehen die Positionen der sprachlichen Zweifelsfälle einher, welche verschiedene Verständnisse von Sprachzweifeln aufweisen. Im Hinblick auf niedersächsische Kerncurricula werden Auszüge aus Lehrwerken analysiert, womit die Bestandsaufnahme in der Schule erfasst wird. Die Analyse soll den Weg für alternative Schulaufgaben ebnen, welche praktikabel für die Schule sein sollten. Die Alternativen werden im Kontext der Positionen formuliert, wodurch ebenso ein Diskurs der Herangehensweisen angestrebt wird. Komplementiert wird demnach die theoretische Ebene durch die praktische Ebene, in denen linguistische Perspektiven sowie Schulbezüge hergestellt werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Definition der sprachlichen Zweifelsfälle
2 Die theoretische Ebene
2.1 Perspektiven auf die deutsche Sprache
2.2 Die Kasusrektionen des Genitivs und Dativs
2.3 Genitiv oder Dativ?
3 Die praktische Ebene
3.1 KC-Einordnung
3.2 Lehrwerkanalyse
3.3 Alternative Vorschläge
4 Zwischen normativen und deskriptiven Positionen
5 Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die Arbeit untersucht die Behandlung grammatischer Zweifelsfälle, konkret am Beispiel der Kasusrektionen von Genitiv und Dativ, im schulischen Kontext. Dabei wird hinterfragt, inwiefern bestehende Curricula und Lehrwerke dem Anspruch gerecht werden, Sprache als wandelbare Einheit zu vermitteln, und es wird ein deskriptiver Ansatz angestrebt, der Sprachwandel als natürlichen Prozess begreift.
- Verhältnis zwischen normativen und deskriptiven Sprachverständnissen
- Kasusrektionen des Genitivs und Dativs als linguistisches Beispiel
- Analyse niedersächsischer Kerncurricula hinsichtlich des Sprachwandels
- Evaluierung der Behandlung von Sprachzweifeln in aktuellen Schulbüchern
- Entwicklung alternativer, nicht-wertender Unterrichtsansätze
Auszug aus dem Buch
2.3 Genitiv oder Dativ?
Szczepaniak und Vieregge erkennen eine Schwankung zwischen dem Genitiv und Dativ bei den Präpositionen dank, trotz, wegen sowie während (vgl. 2017, S. 43). Aus der sprachgeschichtlichen Perspektive könne man die Ursprünge der Präpositionen offenlegen. So seien die Präpositionen dank und trotz mit Dank/danken sowie Trotz/trotzen verwandt. Hierbei ist nach Szczepaniak und Vieregge der Dativfall die Ursprungsform, die nach dem Dativ verlangenden Satzkonstruktionen wie „Ich danke dir“ und „Trotz dem Teufel“ ersichtlich wird (vgl. ebd.). Wegen sei hingegen eine Präposition mit Genitivursprung, die nun ebenso als Dativrektion formuliert werde (vgl. ebd.). Die Dativform werde bis heute teilweise abgelehnt. Sick spricht von einem „Rückzugsgefecht“, dem sich der Genitiv ausliefere (vgl. Sick 2004, S. 16). Bis indes auch er Genitivrektionen einräumt, die mit früheren Dativrektionen konkurrieren (vgl. ebd.). So scheint der Kasuswechsel beidseitig zu verlaufen, sowohl vom Dativ zum Genitiv als auch umgekehrt. Szczepaniak und Vieregge erkennen die daraus resultierende Variationsvielfalt, welche unter den Lernenden in der Schule zu Zweifeln führen vermag (vgl. 2017, S. 44).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik grammatischer Zweifelsfälle am Beispiel von Kasusrektionen ein und skizziert die Zielsetzung, den Schulkontext sowie das theoretische Fundament der Arbeit.
2 Die theoretische Ebene: Dieses Kapitel erörtert die theoretischen Grundlagen des Sprachverständnisses, beleuchtet das Spannungsfeld zwischen normativen und deskriptiven Ansätzen und definiert die Kasusrektionen des Genitivs und Dativs linguistisch.
3 Die praktische Ebene: In diesem Teil werden niedersächsische Kerncurricula analysiert, ausgewählte Lehrwerke untersucht und alternative, deskriptiv orientierte Unterrichtsvorschläge präsentiert.
4 Zwischen normativen und deskriptiven Positionen: Das Kapitel reflektiert die Erkenntnisse der Curricula- und Lehrwerkanalyse und kritisiert die vorwiegend normative Didaktik, die den Anforderungen eines modernen, wandelbaren Sprachverständnisses kaum entspricht.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und fordert für den Unterricht einen Mittelweg, der den Schülern klare Regeln vermittelt, jedoch gleichzeitig den Sprachwandel als natürlichen Prozess integriert.
Schlüsselwörter
Grammatische Zweifelsfälle, Kasusrektion, Genitiv, Dativ, Sprachwandel, Normativ, Deskriptiv, Unterricht, Kerncurriculum, Lehrwerkanalyse, Sprachbewusstsein, Didaktik, Sprachgebrauch, Sprachnorm, Variation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Vermittlung grammatischer Zweifelsfälle im Deutschunterricht und untersucht, wie Lehrwerke und Curricula mit sprachlicher Variation umgehen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentral sind die theoretischen Perspektiven auf Sprachwandel, die linguistische Betrachtung der Kasusrektionen von Genitiv und Dativ sowie die praktische Umsetzung dieser Themen in niedersächsischen Schulen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, zu hinterfragen, ob die aktuelle schulische Praxis dem Ziel gerecht wird, Sprache als wandelbare Einheit zu vermitteln, anstatt sie ausschließlich über normative Kategorien von „richtig“ oder „falsch“ zu definieren.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Die Autorin kombiniert eine theoretische Literaturanalyse zur Sprachwissenschaft mit einer Bestandsaufnahme und kritischen Analyse von Kerncurricula und konkreten Lehrwerkauszügen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Hintergründe zum Sprachverständnis geklärt, gefolgt von einer praktischen Analyse, in der untersucht wird, wie aktuelle Lehrmaterialien die Kasuswahl bei bestimmten Präpositionen behandeln.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung am besten?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Grammatische Zweifelsfälle, Kasusrektion, Sprachwandel, Normativität und Unterrichtsgestaltung.
Wie bewertet die Arbeit die Behandlung von Kasusrektionen in den untersuchten Lehrwerken?
Die Arbeit kritisiert, dass viele Lehrwerke die Kasusrektion zu starr und oft wertend systematisieren, wodurch die Chance vertan wird, den Schülern ein Verständnis für Sprachwandel und Variation zu vermitteln.
Welchen konkreten "Mittelweg" schlägt die Autorin für den Unterricht vor?
Die Autorin schlägt vor, dass Lehrkräfte einerseits klare Regeln für den gegenwärtigen Sprachgebrauch aufzeigen, andererseits aber offen für die historische Wandelbarkeit der Sprache bleiben und Variationen thematisieren, sobald diese in der Gesellschaft gehäuft auftreten.
- Citation du texte
- Mücahit Kaya (Auteur), 2019, Chancen und Grenzen grammatischer Zweifelsfälle im Unterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/584086