Die Expertisen der wirtschaftlichen Berater unterschiedlicher Professionen werden in dieser Arbeit kombiniert, um den Umfang der wirtschaftlichen Beratung zu verdeutlichen. Für diverse Aspekte werden zur Illustration konkrete Beispiele verwendet, die sich im Rahmen von Unternehmensnachfolgen ergeben können. Die Thematik dieser Masterarbeit wird demnach aus den genutzten Elementen unterschiedlicher (Literatur-)Bereiche erarbeitet, bildet somit eine interdisziplinäre Schnittmenge und damit ein charakteristisches Beispiel für das Tätigkeitsfeld eines Mediators.
§ 1 Abs. 1 MedG versteht unter Mediation: „ein vertrauliches und strukturiertes Verfahren, bei dem Parteien mithilfe eines oder mehrerer Mediatoren freiwillig und eigenverantwortlich eine einvernehmliche Beilegung ihres Konflikts anstreben.“ Die Grenzen des Mediationsraumes ergeben sich vor allem dadurch, dass die Mediation einerseits ein außergerichtliches Verfahren ist und andererseits informelle Gespräche der Beteiligten Personen nicht zum Mediationsverfahren gehören.
Die Unternehmensnachfolge ist ein Spezialfall der Vermögensnachfolge, bei der ein Vermögenswert von einer oder mehreren Personen auf eine oder mehrere Personen übertragen wird. Während bei Großunternehmungen hierbei auch volkswirtschaftliche Aspekte von Bedeutung sein können, geht es in vielen Fällen um Aspekte, die mit betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten zusammenhängen. Die Fragestellung: ´Was ist wirtschaftlich gewollt?´ bestimmt die Überlegungen und Diskussionen der Beteiligten. Das Betrachtungsobjekt, das einzelne Unternehmen, maximal ein Unternehmensverbund, gibt der Unternehmensnachfolge ihren Namen. Die Nachfolge impliziert, dass bei diesem Vorgang ein Ausgangszustand und ein Folgezustand zeitlich nacheinander bestehen, deren statische Betrachtung im Sinne eines Vorher-Nachher-Vergleichs der Unternehmensnachfolge als dynamischem Prozess allerdings nicht gerecht würde.
Inhaltsverzeichnis
A. Zusammenfassung
B. Literaturüberblick und Begriffsverständnisse
I. Literaturüberblick
II. Mediation
III. Unternehmensnachfolge
IV. Unternehmensnachfolgemediation
1. Konfliktpotenzial der Unternehmensnachfolge
2. Prophylaktische Verfahrensbegleitung
V. Wirtschaftliche Berater bei Unternehmensnachfolgen
1. Beratung
2. Wirtschaft
3. Beratertypus - allgemein
4. Beraterarten
a) Wirtschaftsanwälte
b) Wirtschaftsprüfer
c) Steuerberater
d) Unternehmensberater
e) Notare
f) Finanzplaner
g) Supervisoren
h) Sonstige
VI. Integration
1. Anleihe bei der Soziologie
2. Integrationsentscheidung
3. Maß der Integration
C. Analyse 1: Strukturbetrachtungen
I. Thesen zur Struktur
II. Mediation und Wirtschaft
1. Die Mediation im wirtschaftlichen Kontext
2. Das Ökonomie-Prinzip in der Mediation
III. Mediation und Wirtschaftsberatung
1. Ziel der Mediation vs. Ziel der wirtschaftlichen Beratung
2. Mediationsphasen vs. Phasen der Wirtschaftsberatung
3. Mediationsprinzipien vs. Prinzipien der Wirtschaftsberatung
IV. Metakommunikation über wirtschaftliche Berater
1. Beratung in der Unternehmensnachfolgemediation generell
2. Gewichtung von Sachthemen in der Mediation
3. Beratung durch wirtschaftliche Berater
4. Organisation der Integration
a) Entscheidung gemäß § 2 Abs. 4 MedG
b) Beraterauswahl
V. Umsetzung in und nach der Mediation
VI. Teilergebnisse
D. Analyse 2: Perspektivische Betrachtungen
I. Thesen zu den Perspektiven
II. Beraterintegration aus Sicht der Parteien
1. Der neutrale wirtschaftliche Berater
2. Der eigene wirtschaftliche Berater
3. Der wirtschaftliche Berater der anderen Mediationspartei
III. Beraterintegration aus Sicht des wirtschaftlichen Beraters
1. Mediation bei Dauermandat
2. Mediation bei Beratungsprojekt
3. Konkurrenzsituationen …
a) … zum Mediator
b) … zu anderen Beratern
IV. Beraterintegration aus Sicht des Mediators
1. Komplexitätsmanager
2. Beratungsbedarfsermittlung
3. Interne und externe wirtschaftliche Berater
4. Integration der Berater in den Mediationsvertrag
5. Hypothesenbildung zu wirtschaftlichen Beratern
6. Aufbau von Rapport
7. Einsatz von Methoden und Techniken …
a) … gegenüber dem Berater
b) … gegenüber den Medianden
8. Zusammenspiel mehrerer Berater
9. Einzelgespräch mit wirtschaftlichem Berater
10. Nicht-kooperativer wirtschaftlicher Berater
11. Konflikte zwischen Medianden und Beratern
12. Konflikte zwischen Beratern
13. Supervision bei misslingender Beraterintegration
14. Post-Mediations-Phase
a) Doppelte Kompetenz-Wertschöpfung
b) Multiplikatorengewinnung
15. Dokumentationen
V. Teilergebnisse
E. Empfehlungen zur Zusammenarbeit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Integration von wirtschaftlichen Beratern in Mediationsverfahren bei Unternehmensnachfolgen. Das zentrale Ziel besteht darin, Strukturen und Strategien zu entwickeln, wie die Expertise externer Berater (z. B. Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, Anwälte) gewinnbringend in das Mediatonsverfahren eingebunden werden kann, ohne dessen Struktur, Vertraulichkeit oder Neutralität zu gefährden.
- Integration wirtschaftlicher Berater in Unternehmensnachfolge-Mediationen
- Strukturbetrachtungen des Mediatonsraums bei Hinzuziehung Dritter
- Analyse der Akteursrollen (Mediator, Parteien, Berater)
- Perspektivische Betrachtungen zur Beraterintegration aus Sicht der verschiedenen Beteiligten
- Entwicklung von Empfehlungen für die praktische Zusammenarbeit
Auszug aus dem Buch
IV. Unternehmensnachfolgemediation
Aus Sicht der Mediation sind Unternehmensnachfolgeprozesse als Konfliktorte nicht nur möglich, sondern auch wahrscheinlich, da sie dreifach existentiell sein können:
• Für den Übergeber handelt es sich neben der wohlmöglich abrupten Änderung des Alltags um seine Nachlassregelung, bei der es – wenn im Extremfall die Unternehmung für die Sicherstellung seiner Altersvorsorge erforderlich ist – um seine Zukunft, die Zukunft seines Partners und seiner Abkömmlinge geht.
• Für den Nachfolger geht es um die Festlegung seiner beruflichen Existenz mit der Übernahme von Verantwortung und unternehmerischen Risiken, samt Auswirkungen auf seine Familie und Nachkommen.
• Für die Unternehmung mit ihren Stakeholdern sowie das Umfeld der Unternehmung besteht das Risiko, dass durch einen Wechsel des Eigentümers und/oder der Geschäftsführung die Zukunft scheinbar weniger klar ist als die Jahre vor der Unternehmensnachfolge.
So wird in der Literatur die Unternehmensnachfolge als Feld der Mediation, konkret der Wirtschaftsmediation, häufig genannt. Wobei die Unternehmensnachfolgemediation in die klassische Unterteilung der Wirtschaftsmediation (in a) zwischen Unternehmungen und in b) in Unternehmungen) nicht einordbar ist. Daher sollte als Kategorie c) der Wirtschaftsmediation die Mediation an Unternehmungen eingeführt werden, in die auch andere Konflikte der Gesellschafter/Eigentümer-Ebene gehören. Berichte über Unternehmensnachfolgemediationen und deren genauere Analyse sind aber in der Literatur eher selten zu finden. Dies mag zum einen an der Vertraulichkeit des Verfahrens (nunmehr § 1 Abs. 1 i.V.m. § 4 MedG) liegen, zum anderen aber wohl auch an der im Verhältnis zu den erfolgenden Unternehmensnachfolgen eher seltenen Einschaltung eines Mediators. Überlappungen finden sich noch in der Erbmediation (einem Bereich der Familienmediation), da ein gravierender Teil des Konfliktstoffes aus (drohenden) Erbstreitigkeiten resultiert. Gerade die Kombination der Unternehmensnachfolge mit familiären Generationswechseln (hinsichtlich Vermögen, Verantwortung und Rollen) führt zu Komplexität, die durch die Mediation beherrschbar gemacht werden kann.
Zusammenfassung der Kapitel
A. Zusammenfassung: Einleitende Reflexion über die Komplexität und Dramatik des Themas, verbunden mit der Einordnung der Arbeit als interdisziplinäre Untersuchung im Kontext des Mediationsgesetzes.
B. Literaturüberblick und Begriffsverständnisse: Darstellung des aktuellen Forschungsstandes zur Einbindung von Beratern in Mediationen sowie Definition der relevanten Begriffe wie Mediation, Unternehmensnachfolge und der verschiedenen wirtschaftlichen Beratertypen.
C. Analyse 1: Strukturbetrachtungen: Theoretische Auseinandersetzung mit der Integration wirtschaftlicher Berater aus systemischer Sicht und unter Berücksichtigung soziologischer Aspekte sowie der Struktur des Mediationsprozesses.
D. Analyse 2: Perspektivische Betrachtungen: Vertiefte Untersuchung der Rollen von Parteien, Beratern und Mediatoren aus verschiedenen Perspektiven und Analyse konkreter Herausforderungen bei der Integration.
E. Empfehlungen zur Zusammenarbeit: Zusammenstellung praktischer Handlungshilfen und Regieanweisungen für Mediatoren und Berater zur Gestaltung einer erfolgreichen Kooperation.
Schlüsselwörter
Unternehmensnachfolge, Mediation, Wirtschaftsberatung, Beraterintegration, Mediationsgesetz, Konfliktpotenzial, Systemintegration, Sozialintegration, Prozessbegleitung, Familienunternehmen, Prozessorganisation, Beratergovernance, Interdisziplinarität, Nachfolgeplanung, Wirtschaftsmediator.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das Hauptanliegen dieser Arbeit?
Die Arbeit untersucht, wie wirtschaftliche Berater (z. B. Wirtschaftsprüfer, Steuerberater) effektiv und regelkonform in Mediationsprozesse bei Unternehmensnachfolgen integriert werden können.
Welche Themenfelder stehen im Fokus?
Im Zentrum stehen die Zusammenarbeit zwischen Mediatoren und Beratern, die Rollenklärung der Beteiligten, die Einordnung der Beratung im Mediationskontext und die praktische Umsetzung der Integration.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Es geht darum, wie die Schnittstellen zwischen dem Mediationsverfahren und der wirtschaftlichen Fachberatung gestaltet werden müssen, um Konflikte zu minimieren und eine nachhaltige Unternehmensnachfolge zu gewährleisten.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär genutzt?
Der Autor wählt einen strukturellen und perspektivischen Analyseansatz, der soziologische und betriebswirtschaftliche Konzepte mit den rechtlichen Anforderungen des Mediationsgesetzes (MedG) verknüpft.
Womit befasst sich der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil analysiert die strukturellen Rahmenbedingungen der Beraterintegration (Systemintegration) sowie die Rollenwahrnehmung und Zusammenarbeit aus der Perspektive der verschiedenen Akteure (Sozialintegration).
Welche Schlagworte charakterisieren das Werk?
Unternehmensnachfolge, Mediation, Wirtschaftsberater, Systemintegration, Prozessbegleitung, Rollenkonflikte und Interdisziplinarität.
Welche Herausforderungen identifiziert der Autor bei der Beraterintegration?
Herausforderungen sind unter anderem der Konflikt zwischen der Neutralität des Mediators und der Parteilichkeit mancher Berater, die Gefahr von Doppelrollen sowie die Schwierigkeit, unterschiedliche Wissensstände und Beratungsarchitekturen zu harmonisieren.
Was empfiehlt der Autor für Mediatoren, die mit Beratern arbeiten?
Es wird empfohlen, frühzeitig den Beratungsbedarf zu klären, Berater explizit in den Mediationsvertrag oder Ergänzungsverträge einzubinden, Rollen klar abzugrenzen und bei Konflikten zwischen Beratern oder gegenüber Parteien supervisorische Instrumente zu nutzen.
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- Christian Heuser (Author), 2012, Unternehmensnachfolgemediation. Die Integration wirtschaftlicher Berater, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/584283