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Das frühneuzeitliche Papiermachergewerbe: Situierung des Gewerbes und Lebens- und Arbeitsverhältnisse

Title: Das frühneuzeitliche Papiermachergewerbe: Situierung des Gewerbes und Lebens- und Arbeitsverhältnisse

Seminar Paper , 2005 , 20 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Christian Schulze (Author)

History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age
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Summary Excerpt Details

Die Papiermacherei der Frühen Neuzeit war ein zahlenmäßig sehr unbedeutendes Gewerbe. Verglichen mit dem Textil- oder Baugewerbe gab es sehr wenige Papiermacher, die in vereinzelt gelegenen Mühlen ein Produkt herstellten, das für den Großteil der Bevölkerung ohne Nutzwert war. Und doch entstand hier ein so wertvolles Erzeugnis, dass es für die frühneuzeitliche Gesellschaft von hoher Bedeutung war. Ziel der vorliegenden Arbeit ist die Untersuchung der Lebens- und Arbeitswelt der Papiermacher. Zunächst wird nach den Besonderheiten des Papiermachergewerbes gefragt. Was waren die Unterschiede im Vergleich mit anderen Handwerken und Gewerben? Darüber hinaus wird untersucht, wie Papiermachereien betrieblich organisiert waren, in welche Abhängigkeiten sich die Papiermacher dadurch begaben und welche Verdienstmöglichkeiten sie hatten. Schließlich werden der Zugang zum Handwerk und die gesellschaftliche Stellung der Papiermacher erläutert, und es wird untersucht, in welchem Maße die Papiermacher organisiert waren. Der zweite Teil der Arbeit befasst sich mit der Lebens- und Alltagssituation im Papiermachergewerbe. Der Arbeitsalltag und die gesundheitlichen Risiken für die Papiermacher werden dem Einkommen gegenübergestellt, und das besondere Verhältnis zwischen Papiermachern und ihren Gesellen wird eingehender beleuchtet. Zum Abschluss stehen Lebensalltag und Wohnsituation auf der Mühle im Mittelpunkt. Alle Punkte werden zum einen allgemein besprochen, zum anderen aber auch anhand zweier frühneuzeitlicher Papiermühlen exemplarisch genauer untersucht. Zum ersten sei die „Äußere Papiermühle zu Schornreute“ genannt, die eine der sechs Papiermühlen in der Reichsstadt Ravensburg war. Ravensburg kann seit dem Ende des 14. Jahrhunderts als eines der wichtigsten deutschen Zentren der Papiermacherei gelten. Papier aus Ravensburg war europaweit für seine exzellente Qualität bekannt und ein gefragter Exportartikel. Die Ravensburger Papiermühle war 1545 gegründet worden und existierte mit kurzen Unterbrechungen über 300 Jahre bis sie 1880 aufgelöst wurde. Verglichen wird diese Ravensburger Mühle mit der Papiermühle zu Bomlitz in der Lüneburger Heide. Sie wurde erst 1681 errichtet und war gezielt gegründet worden, um die Verwaltung des Landesherrn jederzeit mit Papier beliefern zu können. Die Geschichte der Bomlitzer Mühle endet keine 100 Jahre später, denn schon 1779 musste die Papiermühle nach Schwierigkeiten wieder geschlossen werden. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Situierung des Papiermachergewerbes

2.1 Papiermühlen als Produktionsort eines frühneuzeitlichen „Luxusartikels“; Besonderheiten des Gewerbes

2.2 Betriebliche Organisationsformen und Verdienstmöglichkeiten

2.3 Organisation der Papiermacher, Zugang zum Handwerk und gesellschaftliche Stellung

3. Lebens- und Arbeitsverhältnisse

3.1 Arbeitsalltag und Arbeitsbedingungen in der Papiermühle

3.2 Verhältnis zwischen Papiermüller und Gesellen

3.3 Lebensalltag und Wohnsituation

4. Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Lebens- und Arbeitswelt der Papiermacher in der Frühen Neuzeit, wobei sie die betrieblichen Organisationsformen, die sozialen Abhängigkeiten und den Alltag in den Mühlen am Beispiel von Ravensburg und Bomlitz analysiert.

  • Besonderheiten des frühneuzeitlichen Papiermachergewerbes
  • Betriebsformen wie Erbpacht und das Verlagssystem
  • Soziale Struktur und Zugangsbeschränkungen zum Handwerk
  • Arbeitsalltag, körperliche Belastung und Gesundheitsrisiken
  • Die Papiermühle als Mikrokosmos und Lebensraum

Auszug aus dem Buch

3.1 Arbeitsalltag und Arbeitsbedingungen in der Papiermühle

Die Arbeit in der frühneuzeitlichen Papiermühle stellte hohe körperliche Anforderungen an den Papiermacher, seine Gesellen und die Hilfskräfte. Im Durchschnitt wurde 16 Stunden am Tag gearbeitet, der Arbeitsbeginn variierte von Mühle zu Mühle, doch im allgemeinen wurde von vier Uhr morgens bis zum Einbruch der Dunkelheit gearbeitet. Günter Bayerl betont jedoch, dass diese immens erscheinende Arbeitsbelastung keineswegs besonders, sondern vielmehr typisch für das frühneuzeitliche Gewerbe ist. Innerhalb des Produktionsprozesses gab es eine strenge Trennung zwischen den Papiermachern, ihren Gesellen und den Lehrlingen sowie der restlichen Belegschaft: den Gehilfen, Knechten und Mägden. Während die gelernten Arbeiter sich mit dem eigentlichen Herstellungsprozess beschäftigen, wurden die Frauen hauptsächlich für anstrengende körperliche und gefährliche Tätigkeiten eingesetzt.

Die Lumpen, die von vertraglich gebundenen Lumpensammlern zusammen getragen wurden, mussten von den Frauen in der Papiermühle zunächst sortiert, dann geschnitten, vorgereinigt und zum Schluss eingeweicht und gekocht werden. Nachdem die eingekochten Lumpen durch den Meister und seine Gesellen zu Papier verarbeitet worden waren, mussten wiederum die Frauen das Glätten, Aufhängen, Zählen und Verpacken des Papiers erledigen. Teilweise wurden hierbei auch Kinder eingesetzt, aber die Arbeiten in der Papiermühle erforderten zumeist soviel Geschick und Erfahrung, dass Kinder damit überfordert waren. Während Kinderarbeit in der frühneuzeitlichen Papiermühle also eine Ausnahme war, waren Frauen in den Produktionsprozess voll eingebunden.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Arbeit führt in das Thema der Papiermacherei ein, benennt die Forschungsziele sowie die untersuchten Fallbeispiele in Ravensburg und Bomlitz.

2. Situierung des Papiermachergewerbes: Dieses Kapitel erläutert die Besonderheiten des Gewerbes als innovativen, aber ländlichen Sektor und beleuchtet die verschiedenen Betriebsformen sowie den Zugang zum Handwerk.

3. Lebens- und Arbeitsverhältnisse: Hier werden der harte Arbeitsalltag, das spezielle Verhältnis zwischen Meister und Gesellen sowie die räumliche Einheit von Wohnen und Arbeiten detailliert beschrieben.

4. Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel fasst die Ergebnisse zur Sonderstellung des Gewerbes, zur ökonomischen Struktur und zur Lebenswelt der Papiermacher zusammen.

Schlüsselwörter

Papiermacherei, Frühe Neuzeit, Papiermühle, Ravensburg, Bomlitz, Verlagssystem, Erbpacht, Arbeitsbedingungen, Sozialgeschichte, Handwerk, Berufsrisiken, Lumpenverarbeitung, Wirtschaftsgeschichte, Papierherstellung, Gesellen

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Lebens- und Arbeitswelt der Papiermacher während der Frühen Neuzeit unter besonderer Berücksichtigung ihrer sozialen und ökonomischen Stellung.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Im Fokus stehen die betriebliche Organisation der Papiermühlen, die Arbeitsbedingungen in diesen Betrieben sowie die soziale Einbettung der Papiermacher in ihrer jeweiligen Region.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die Unterschiede in den Organisationsformen (Erbpacht vs. Verlagssystem) aufzuzeigen und die Auswirkungen dieser Strukturen auf die Lebenssituation der Beschäftigten zu untersuchen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine komparative Analyse, bei der zwei spezifische Papiermühlen – die Ravensburger und die Bomlitzer Mühle – als Fallbeispiele herangezogen werden.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Situierung des Gewerbes, die Analyse der betrieblichen Organisationsformen sowie die detaillierte Beschreibung des Alltags, der Hierarchien und der Wohnverhältnisse in den Mühlen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen gehören Papiermacherei, Frühneuzeit, Verlagssystem, Papiermühle und Sozialgeschichte.

Wie unterschied sich die wirtschaftliche Lage in Ravensburg von der in Bomlitz?

Während die Bomlitzer Mühle eine staatliche Erbpacht darstellte und den Müller ökonomisch stärker forderte, agierte die Ravensburger Mühle im Verlagssystem, was den Müller vor größeren finanziellen Risiken schützte.

Welchen Stellenwert hatte die „Mühlenversammlung“ für die Gesellen?

Sie war ein wichtiges Instrument der Mitbestimmung, das aufgrund des eklatanten Fachkräftemangels den Gesellen eine starke Verhandlungsposition gegenüber dem Meister verschaffte.

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Details

Title
Das frühneuzeitliche Papiermachergewerbe: Situierung des Gewerbes und Lebens- und Arbeitsverhältnisse
College
Humboldt-University of Berlin  (Institut für Geschichtswissenschaften)
Course
Proseminar 'Einführung in die Geschichte der Frühen Neuzeit: Sozialgeschichte der Ständegesellschaft'
Grade
1,3
Author
Christian Schulze (Author)
Publication Year
2005
Pages
20
Catalog Number
V58467
ISBN (eBook)
9783638526517
ISBN (Book)
9783656775157
Language
German
Tags
Papiermachergewerbe Situierung Gewerbes Lebens- Arbeitsverhältnisse Proseminar Geschichte Frühen Neuzeit Sozialgeschichte Ständegesellschaft“
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christian Schulze (Author), 2005, Das frühneuzeitliche Papiermachergewerbe: Situierung des Gewerbes und Lebens- und Arbeitsverhältnisse, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/58467
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