Metaphysische Anfangsgründe der Naturwissenschaften: Rückführung aller physikalischen Größen auf die reine Vernunft
Mit den MAN will Kant nichts geringeres versuchen als der Physik den Status einer apodiktischen Wissenschaft zu verleihen. Ziel ist es, den physikalischen Begriffen eine vor-theoretische Gewissheit zu verleihen, indem diese auf nicht physikalische Begriffe zurückgeführt werden. Anders ausgedrückt sollen die physikalischen Begriffe durch eine Metaphysik, die vor der Beobachtung der Bewegung, also vor jeder Physik und Empirie steht, auf eine Grundlage gestellt werden, welche aus der reinen Vernunft abgeleitet werden kann. Diese Grundlage soll der Physik Newtons schließlich apodiktische Gewissheit verleihen, da sie sich, nach Kant, auf Begriffe a priori berufen kann, also eine externe und nicht nur eine interne Semantik beinhaltet.
Hierbei sollen die Axiome der newtonschen Mechanik, namentlich die physikalischen Größen Masse und Kraft, als Modell dienen. Zum gleichen Zweck führt Kant in den „Metaphysischen Anfangsgründen der Naturwissenschaften“ einen Substanzbegriff ein, der mit Newtons Konzept der Masse korreliert. Dieser Substanzbegriff als einer Substanz in der Erfahrung, verbindet ontologische und epistemische Aspekte.
Inhaltsverzeichnis
1. Programm der MAN
2. Verwendung des Substanzbegriff in Kants Theorie der Natur
3. Das doppelte Begründungsanliegen der MAN
4. Zur Semantik des Massenbegriffs
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Bestreben Immanuel Kants in den „Metaphysischen Anfangsgründen der Naturwissenschaften“ (MAN), der newtonschen Physik durch die Anbindung an seine Erkenntnistheorie eine apodiktische Gewissheit und eine externe Semantik zu verleihen. Dabei steht die Analyse des kantischen Substanzbegriffs und dessen Korrelation mit dem physikalischen Massenbegriff im Zentrum, um die Brücke zwischen reiner Vernunft und empirischer Erfahrung zu schlagen.
- Kants Programm zur Begründung der Physik als apodiktische Wissenschaft
- Die dreifache Verwendung des Substanzbegriffs (logisch, epistemisch, ontologisch)
- Das doppelte Begründungsanliegen der MAN zur Verknüpfung von Erkenntnistheorie und Mechanik
- Die Semantik des newtonschen Massenbegriffs und das Problem des Zirkels der Messung
- Die Rolle der Materie als Bewegliches im Raum
Auszug aus dem Buch
1. Programm der MAN:
Mit den MAN will Kant nichts geringeres versuchen als der Physik den Status einer apodiktischen Wissenschaft zu verleihen.
Ziel ist es, den physikalischen Begriffen eine vor-theoretische Gewissheit zu verleihen, indem diese auf nicht physikalische Begriffe zurückgeführt werden.
Anders ausgedrückt sollen die physikalischen Begriffe durch eine Metaphysik, die vor der Beobachtung der Bewegung, also vor jeder Physik und Empirie steht, auf eine Grundlage gestellt werden, welche aus der reinen Vernunft abgeleitet werden kann. Diese Grundlage soll der Physik Newtons schließlich apodiktische Gewissheit verleihen, da sie sich, nach Kant, auf Begriffe a priori berufen kann, also eine externe und nicht nur eine interne Semantik beinhaltet.
Hierbei sollen die Axiome der newtonschen Mechanik, namentlich die physikalischen Größen Masse und Kraft, als Modell dienen. Zum gleichen Zweck führt Kant in den „Metaphysischen Anfangsgründen der Naturwissenschaften“ einen Substanzbegriff ein, der mit Newtons Konzept der Masse korreliert. Dieser Substanzbegriff als einer Substanz in der Erfahrung, verbindet ontologische und epistemische Aspekte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Programm der MAN: Dieses Kapitel erläutert Kants Vorhaben, der Physik durch eine metaphysische Fundierung in der reinen Vernunft apodiktische Gewissheit zu verschaffen.
2. Verwendung des Substanzbegriff in Kants Theorie der Natur: Hier wird dargelegt, wie Kant logische, epistemische und ontologische Substanzkonzepte in den MAN zu einem Begriff der materiellen Substanz verschmilzt.
3. Das doppelte Begründungsanliegen der MAN: Das Kapitel analysiert Kants Bestreben, die Physik als Teiltheorie seiner allgemeinen Theorie der Natur zu erweisen und die Anwendbarkeit der Mathematik auf die Natur zu begründen.
4. Zur Semantik des Massenbegriffs: Die Untersuchung befasst sich mit dem „Zirkel der Messung“ bei der Definition der Masse und zeigt auf, wie Kant versucht, dem Massenbegriff durch Anbindung an die Theorie der Alltagserfahrung eine externe Bedeutung zu geben.
Schlüsselwörter
Kant, Metaphysische Anfangsgründe der Naturwissenschaften, MAN, Substanzbegriff, Massenbegriff, Newtonsche Mechanik, Erkenntnistheorie, Apodiktische Wissenschaft, Materie, Bewegung, Zirkel der Messung, Ens per se, Epistemologie, Ontologie, Physik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert Immanuel Kants philosophisches Programm in den „Metaphysischen Anfangsgründen der Naturwissenschaften“ und dessen Ziel, der newtonschen Physik eine metaphysische und erkenntnistheoretische Fundierung zu geben.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Substanzbegriffe bei Kant, die Semantik physikalischer Größen wie Masse und Kraft sowie die Verbindung von theoretischer Physik und Erkenntnistheorie.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Es wird untersucht, wie Kant den Substanzbegriff nutzt, um der Physik Newtons apodiktische Gewissheit zu verleihen und eine Verbindung zwischen der internen Struktur physikalischer Gesetze und einer externen Bedeutung herzustellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine philosophische Textanalyse unter besonderer Berücksichtigung der Interpretationen von Brigitte Falkenburg zum Verhältnis von Kants Naturphilosophie und newtonschen Konzepten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des kantischen Substanzbegriffs, die Analyse der zwei Begründungsanliegen der MAN und die kritische Auseinandersetzung mit der Semantik des Massenbegriffs.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Substanzbegriff, Materie, apodiktische Wissenschaft, Zirkel der Messung und Erkenntnistheorie.
Wie unterscheidet Kant die drei Ebenen des Substanzbegriffs?
Kant unterscheidet ein logisches Konzept (Subjekt der Prädikation), ein epistemisches Konzept (Beharrliches in Raum und Zeit für die Wiedererkennbarkeit) und ein ontologisches Konzept (Ens per se).
Was ist das Problem des „Zirkels der Messung“ in diesem Kontext?
Das Problem besteht darin, dass Masse und Kraft wechselseitig definiert werden, was den wissenschaftlichen Anspruch der Definitionen ohne eine externe Anbindung an die Alltagserfahrung schwächen würde.
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- Christian Aichner (Author), 2006, Brigitte Falkenburg: Der Substanzbegriff in Kants MAN und die Semantik des newtonschen Massenbegriffs, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/58472