Die vorliegende Arbeit soll den Künstler Majakowski aus Sicht der „Biblioteka Poeta“ zeigen. Die Biblioteka Poeta enthält eine zensierte Darstellung von russischen Schriftstellern, die vom Sowjetbürger gelesen werden sollten.
Als Basis dieser Arbeit wird das Vorwort der Majakowski-Ausgabe der Biblioteka Poeta von 1964, geschrieben von V.O. Perzov verwendet. Dazu werden speziell die Herkunft und die Vielseitigkeit Majakowski’s betrachtet. Außerdem werden die Beziehungen des Künstlers zu Russland und der russichen Sprache behandelt sowie sein Weg zum Sowjetdichter.
Weiterhin wird in jedem Kapitel eine kritische Beurteilung auf die Darstellung in Biblioteka Poeta gegeben.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Biografisches: Herkunft, Tendenzen, Vorlieben
3 Zum Aspekt der Vielseitigkeit
4 Der Autor und Russland
5 Majakowski’s Selbstmord
6 Der Autor und die russische Sprache
7 Die Werke von Majakowski
8 Vladimir Majakowski’s Weg zum Sowjetdichter
9 Zusammenfassung
Zielsetzung und Themenfelder
Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch die Darstellung des Künstlers Vladimir Majakowski im Vorwort der „Biblioteka Poeta“-Ausgabe von 1964. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch eine selektive und teils zensierte Berichterstattung das Bild des Dichters im sowjetischen Kontext geformt wurde, und diese Darstellung mit historisch belegten Fakten zu vergleichen.
- Analyse der biografischen Darstellung und ihrer Lücken.
- Untersuchung der ideologisch gefärbten Rezeption von Majakowskis Auslandsaufenthalten.
- Kritische Beleuchtung der Darstellung seines Verhältnisses zur russischen Sprache.
- Hinterfragung der selektiven Auswahl von Majakowskis literarischem Gesamtwerk.
- Bewertung der Konstruktion Majakowskis als idealtypischer „Sowjetdichter“.
Auszug aus dem Buch
2 Biografisches: Herkunft, Tendenzen, Vorlieben
Vladimir Vladimirovič Majakowski wurde am 19. Juli 1893 geboren. Er wurde zu Ehren seines Vaters, Vladimir Konstantinovič Majakowski, der am selben Tag Geburtstag hat benannt. Majakowski wuchs in einem kleinem Dorf 25 km von Kitaiis entfernt auf. Majakowski ist das jüngste von fünf Kindern, von denen zwei Kinder starben.
Majakowski’s Vater war Förster und gehörte zum verarmten Adel. Seinen Adelstitel aber nutzte der Vater, laut Perzov, nie aus. Er hielt nichts von seinem Adelstitel, machte sich im Gegenteil noch lustig darüber. Der Vater hielt die Feudalen für arrogant und sah sich selber eher im Millieu der Bauern. Diese Einstellung übernahm sein Sohn. Dem Vater wohnte eine „kriegerische Leidenschaft“ inne, die den Geist der Demokratie in die Familie einführte.
Majakowski’s Mutter Aleksandra Alekseevna war eine geborene Pawlenko und entstammte einer Militärfamilie. In ihrer Jugend zeichnete sie und schrieb Gedichte. Des Weiteren lernte sie Französisch. Nach ihrer Heirat widmet sie sich ganz dem Haus und Familie, und besonders Majakowski bekommt als jüngstes Kind eine besondere Zuwendung.
Perzov beschreibt Majakowski’s Kindheit als ein Leben in einer Nicht-proletarischen Umgebung, die Majakowski’s „Nähe zu den Menschen der Arbeit“ erklären soll. Majakowski sieht sich genau wie sein Vater zu den Arbeitern zugehörig, und kämpft daher auf deren Seite gegen die Autokratie.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung erläutert die methodische Grundlage der Arbeit, die auf dem Vorwort von V.O. Perzov aus dem Jahr 1964 basiert.
2 Biografisches: Herkunft, Tendenzen, Vorlieben: Dieses Kapitel vergleicht die im Vorwort dargelegte Kindheit Majakowskis mit anderen Quellen und deckt dabei erste Auslassungen auf.
3 Zum Aspekt der Vielseitigkeit: Hier wird analysiert, wie die „Biblioteka Poeta“ die künstlerische Vielseitigkeit Majakowskis zwar betont, dabei aber systematisch nicht-literarische Bereiche ausblendet.
4 Der Autor und Russland: Dieses Kapitel untersucht die Darstellung der Auslandsreisen als reine Studienaufenthalte und beleuchtet die dabei verschwiegenen persönlichen Kontakte.
5 Majakowski’s Selbstmord: Die knappe und einsame Darstellung des Suizids im Vorwort wird hier im Kontext der unterdrückten politischen Schwierigkeiten des Dichters kritisch hinterfragt.
6 Der Autor und die russische Sprache: Diese Sektion analysiert, wie Majakowskis Sprachgebrauch im Vorwort als angeblicher Protest gegen ausländische Einflüsse instrumentalisiert wird.
7 Die Werke von Majakowski: Es wird dargelegt, welche Werke aufgrund ideologischer Bedenken nicht in die Ausgabe aufgenommen wurden und wie dies im Vorwort gerechtfertigt wird.
8 Vladimir Majakowski’s Weg zum Sowjetdichter: Dieses Kapitel fasst die Konstruktion Majakowskis als idealtypische Synthese aus Kunst und Revolution zusammen.
9 Zusammenfassung: Die Zusammenfassung resümiert das durch das Vorwort vermittelte, oberflächliche Bild und stellt die drei Phasen der poetischen Entwicklung Majakowskis gegenüber.
Schlüsselwörter
Vladimir Majakowski, Biblioteka Poeta, V.O. Perzov, Sowjetdichter, Zensur, Literaturgeschichte, Futurismus, russische Literatur, Ideologie, Biografie, Sprachwandel, Oktoberrevolution, Realismus, sowjetischer Patriotismus, Suizid.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die verzerrte und zensierte Darstellung des Dichters Vladimir Majakowski in einer offiziellen sowjetischen Publikation aus dem Jahr 1964.
Welches ist das zentrale Thema der Untersuchung?
Im Zentrum steht die Diskrepanz zwischen dem offiziell konstruierten Bild des „Sowjetdichters“ und den biografischen sowie historischen Fakten, die in der Vorlage weggelassen wurden.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die ideologische Beeinflussung der Literaturrezeption in der Sowjetunion durch eine kritische Dekonstruktion des Vorworts von V.O. Perzov aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Die Autorin nutzt eine vergleichende Textanalyse, bei der das primäre Quellendokument mit ergänzenden historischen und biografischen Informationen konfrontiert wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene biografische und thematische Schwerpunkte wie Majakowskis Herkunft, seine Auslandsreisen, seinen Sprachgebrauch und die Auswahl seiner Werke.
Welche Begriffe beschreiben den Kern der Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind Zensur, Ideologie, Biografie, literarische Konstruktion, Majakowski und Sowjetkultur.
Warum wird im Vorwort die Affäre mit Lilja Brik nicht erwähnt?
Die Arbeit führt dies auf die Absicht zurück, Majakowskis Leben in der „Biblioteka Poeta“ von privaten Konflikten und komplexen zwischenmenschlichen Beziehungen zu bereinigen, um ein linientreues Bild zu wahren.
Wie wurde Majakowskis Schulabbruch im Vergleich zu anderen Quellen dargestellt?
Während das Vorwort von einer „freiwilligen Entscheidung“ für die Parteiarbeit spricht, belegen andere Quellen, dass der Ausschluss aufgrund von Nichtzahlung des Schulgeldes erfolgte.
- Citation du texte
- Stefanie Heberling (Auteur), 2006, Die Darstellung von Vladimir Vladimirovic Majakowski in der Biblioteka Poeta, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/58536