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Der sprachtheoretische Fremdwortdiskurs im 18. Jahrhundert - Aufklärerische vs. verklärte Sprachkritik

Title: Der sprachtheoretische Fremdwortdiskurs im 18. Jahrhundert - Aufklärerische vs. verklärte Sprachkritik

Term Paper (Advanced seminar) , 2006 , 22 Pages , Grade: 1

Autor:in: Clara Maria Schreiber (Author)

German Studies - Linguistics
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Im Zentrum dieser Arbeit soll nicht eine Betrachtung von Fremdwörtern und Fremdwortgebrauch im 18. Jahrhundert stehen, sondern der metasprachliche Diskurs über diesen. Besonders für das 18. Jahrhundert (und das hier zudem berücksichtigte beginnende 19. Jahrhundert) ist eine bewusste Auseinandersetzung mit der Fremdwortfrage durch Grammatiker, Lexikographen, Sprachkritiker und -pfleger zu verzeichnen. Spannend bei der Betrachtung dieser Periode scheint die unterschiedliche Funktionalisierung der Sprache zu sein, die in den Antworten auf die Frage, ob, in welchem Maße und in welcher Form Fremdwörter zu gebrauchen seien, deutlich hervor scheint und zum Fundament der Argumentationen wird. Zudem ist die sprachwissenschaftliche Betrachtung des Diskurses über die Einflüsse fremder Sprachen auf das Deutsche interessant und wichtig, da die Beiträge ihrem Anspruch und ihrer Wirkung nach nicht nur deskriptiv, sondern vor allem normativ sind, d.h. dazu in der Lage,„das System zu beeinflussen und Sprachwirklichkeit zu schaffen.“
Die von Gardt unterschiedenen Idealtypen einer Argumentation lassen sich im Diskurs des 18. Jahrhunderts allesamt verfolgen. Die in dieser Arbeit untersuchten Argumentationen gegen einen (unmäßigen) Fremdwortgebrauch im 18. Jahrhundert spielen sich zunächst vor allem auf der Ebene eines sprachpädagogischen, bzw. -soziologischen Diskurses ab und sind in Verbindung mit den aufklärerischen Denkströmungen der Zeit zu sehen. Aufschlussreich sind hier vor allem sprachtheoretische und sprachkritische Schriften. Selbstverständlich kann in diesem Rahmen nur auf eine kleine Auswahl von Autoren eingegangen werden, die jedoch eine zentrale Rolle, vor allem in ihrer Wirkung auf die Nachwelt, spielen. So ist mit Leibniz der Beginn einer Fremdwortkritik, die der Frage der Volksaufklärung untersteht, zu setzen. Wolff geht einen Schritt weiter und dehnt die Kritik sogar auf die fachsprachliche Terminologie aus. In Campe ist zuletzt der Gipfel eines, von seinen Zeitgenossen allzu oft missverstandenen, Fremdwortpurismus mit aufklärerischem Ziel zu sehen, ihm wird in dieser Arbeit nicht ohne Grund der größte Raum zugesprochen werden. [...]

Excerpt


Inhalt

1. Einleitung

2. Fundament und Prämissen des Fremdwortdiskurses im 18. Jahrhundert

3. Aufklärerische Absichten

3.1 Leibniz’ pädagogisches Interesse

3.2 Geburt einer deutschen Wissenschaftssprache

3.3 Campes Verdeutschungsprogramm

4. Verklärte Einsichten

4.1 Fichte als Mitbegründer nationalistischen Sprachdenkens

4.2 Aufwertung des Deutschen durch Herabsetzung des Fremden

4.3 Die Fremdwortfrage unter historistischer Perspektive

5. Fazit und Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht den metasprachlichen Diskurs über den Fremdwortgebrauch im 18. Jahrhundert, wobei sie den Gegensatz zwischen aufklärerisch motivierter Sprachkritik und einer verklärt-nationalistischen Sichtweise analysiert. Ziel ist es, die unterschiedlichen Funktionalisierungen von Sprache in dieser Epoche offenzulegen und ihre theoretischen Hintergründe zu beleuchten.

  • Sprachkritik als Instrument der Volksaufklärung
  • Rolle der Sprache bei der Identitätsstiftung
  • Einfluss des Fremdwortpurismus auf die Sprachgeschichte
  • Sprachphilosophische Aspekte der Debatte
  • Verhältnis von Sprache und Denken

Auszug aus dem Buch

3.1 Leibniz’ pädagogisches Interesse

An den Anfang jeglicher als aufklärerisch zu bezeichnender Sprachkritik lässt sich mit gutem Recht Gottfried Wilhelm Leibniz stellen. In seinen Vorstellungen von der Überwindung der sozialen, geistigen und politischen Missstände seiner Zeit spielt die Sprache keine unerhebliche Rolle. „Erziehung überwindet alles“ – aus diesem in seiner Ermahnung an die Deutschen formulierten Grundsatz heraus lässt sich auch das Anliegen seiner Sprachkritik verstehen. Für eine Verbesserung der Zustände, in denen sich das deutsche Volk befindet, hält er einen nationalen Volkswillen für unabdingbar, dieser wiederum kann seiner Meinung nach nur auf ein Einheitsgefühl gegründet sein, welches sich in besonderem Maße über die Identifikation mit einer gemeinsamen Sprache erzielen ließe.

Für Leibniz wird Sprache vorrangig zu einem Mittel zum Zweck, nämlich dem der Einheitsstiftung. Er verfolgt ein pädagogisches Interesse; im Zentrum seiner Gedanken steht dabei nicht so sehr die Abgrenzung nach außen, sondern die Identifikation nach innen. Er hat „in die Diskussion [über den Fremdwortgebrauch] ein völlig neues, qualitativ anderes Moment eingeführt.“ Als Problem sieht er vor allem die bestehende Sprachentrennung zwischen Gelehrten und Laien, die sich maßgeblich auf die Verwendung von Fremdwörtern gründet und durch die einem großen Teil des Volkes der Zugang zu wissenschaftlichen Erkenntnissen verwehrt bleibt. Seiner Meinung nach müsste es im Interesse der Gelehrten liegen, ihre Erkenntnisse unter das Volk zu bringen. Das Kriterium der Verständlichkeit des Geschriebenen und Gesprochenen soll zum Maßstab nicht nur, aber besonders der Verwendung von Fremdwörtern werden.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung definiert den Fokus der Arbeit auf den metasprachlichen Diskurs über Fremdwörter im 18. Jahrhundert und stellt die methodische Herangehensweise dar.

2. Fundament und Prämissen des Fremdwortdiskurses im 18. Jahrhundert: Dieses Kapitel beleuchtet die historische Entwicklung der Diglossie und die Verehrung des Lateinischen als Ausgangspunkt für die Fremdwortkritik.

3. Aufklärerische Absichten: Das Kapitel analysiert, wie Autoren wie Leibniz, Wolff und Campe Sprache als Instrument zur Volksaufklärung nutzten, um Wissen breiteren Schichten zugänglich zu machen.

4. Verklärte Einsichten: Hier werden gegensätzliche Positionen vorgestellt, in denen Sprache primär als Spiegel des Volksgeistes und nationalistisches Identitätsmerkmal verstanden wird.

5. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Kontraste zwischen instrumenteller und idealistischer Sprachbetrachtung zusammen und zeigt die Relevanz der Untersuchung für das Verständnis der Sprachgeschichte auf.

Schlüsselwörter

Fremdwortdiskurs, Sprachkritik, 18. Jahrhundert, Aufklärung, Volksaufklärung, Sprachreinheit, Sprachpurismus, Leibniz, Campe, Wolff, Nationalismus, Volksgeist, Sprachgeschichte, Wissenschaftssprache, Sprachideologie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit?

Die Arbeit analysiert den sprachtheoretischen Diskurs über den Gebrauch von Fremdwörtern im 18. Jahrhundert und die verschiedenen Beweggründe, die hinter der damaligen Sprachkritik standen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Themenfelder umfassen die aufklärerische Forderung nach Sprachverständlichkeit, die pädagogische Funktion der Sprache sowie den aufkommenden Sprachnationalismus und das Streben nach Sprachreinheit.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es, die unterschiedlichen Funktionalisierungen von Sprache im 18. Jahrhundert aufzuzeigen und insbesondere den Kontrast zwischen instrumentell-aufklärerischer und idealistisch-nationalistischer Sprachkritik zu verdeutlichen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin stützt sich auf eine tiefgehende Auseinandersetzung mit sprachtheoretischen und sprachkritischen Schriften prominenter Denker der Epoche, wie Leibniz, Wolff, Campe, Fichte, Arndt und Grimm.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung aufklärerischer Ansätze, die die Vermittlung von Wissen in den Vordergrund stellen, und sogenannter "verklärter" Einsichten, bei denen Sprache als Ausdruck eines nationalen Wesens dient.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Schlagworte sind Fremdwortdiskurs, Aufklärung, Sprachpurismus, Sprachnationalismus und Volksaufklärung.

Warum spielt die Unterscheidung zwischen Gelehrten und Laien bei Leibniz eine so große Rolle?

Für Leibniz war die Sprachbarriere durch Fremdwörter ein Hindernis für die Volksaufklärung; er forderte eine verständliche Sprache, damit wissenschaftliche Erkenntnisse nicht nur einem kleinen Kreis von Gelehrten, sondern dem ganzen Volk zugänglich sind.

Inwiefern unterscheidet sich Campes Ansatz von dem eines reinen Sprachnationalisten?

Obwohl Campe oft als Sprachnationalist missverstanden wurde, war sein Ansatz primär pragmatisch und volksaufklärerisch motiviert; für ihn stand die Erhöhung der allgemeinen Kommunikationsfähigkeit im Zentrum, nicht die generelle Abwertung des Fremden.

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Details

Title
Der sprachtheoretische Fremdwortdiskurs im 18. Jahrhundert - Aufklärerische vs. verklärte Sprachkritik
College
Martin Luther University  (Germanistisches Institut)
Course
Das Fremdwort in der deutschen Sprachgeschichte
Grade
1
Author
Clara Maria Schreiber (Author)
Publication Year
2006
Pages
22
Catalog Number
V58566
ISBN (eBook)
9783638527224
ISBN (Book)
9783656784500
Language
German
Tags
Fremdwortdiskurs Jahrhundert Aufklärerische Sprachkritik Fremdwort Sprachgeschichte
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Clara Maria Schreiber (Author), 2006, Der sprachtheoretische Fremdwortdiskurs im 18. Jahrhundert - Aufklärerische vs. verklärte Sprachkritik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/58566
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