Fragt man Kinder unmittelbar vor ihrer Einschulung danach, was sie in der Schule lernen wollen, erhält man meist die Antwort „Lesen und Schreiben“ - jedenfalls habe ich die Erfahrung mit Vorschulkindern gemacht. Das Erlernen dieser beiden Kulturtechniken ist für sie das zentrale Thema im Bezug auf Schule. Bereits vor der Einschulung haben die Kinder unterschiedliche Erfahrungen mit der Schrift gemacht. Viele Kinder können schon ihren eigenen Namen schreiben, einige können weitere Worte oder einzelne Buchstaben aufschreiben. Manche Kinder können schon lesen. Es gibt aber auch immer wieder Kinder, die noch keinerlei Erfahrungen mit Schrift gemacht haben; die nicht wissen, wofür man Schrift überhaupt benötigt oder wodurch sie sich von Malen unterscheidet. Als spätere Lehrerin muss ich auf diese Erfahrungsunterschiede vorbereitet sein. Es wird meine Aufgabe sein, allen Kindern lesen und schreiben beizubringen und hier nach Möglichkeit kein Kind zu über- bzw. unterfordern. Eine mögliche Lese- und Schreiblernmethode ist ein Fibellehrgang. Allerdings ist es bei der Auswahl der Fibel wichtig, sie genau zu untersuchen. Die „einzelnen Fibeln unterscheiden sich gerade im Inhaltlichen und in den sozialerzieherischen Zielen voneinander, so daß im Grunde jedes Buch für sich beurteilt werden muss“ (Brügelmann, Hans 2000, 194). Ich möchte mich in meiner Aufgabe mit der Fibel „Bücherwurm“ aus dem Klett-Verlag beschäftigen. Sie ist im Januar 2004 erschienen und zählt somit zu den neuesten Fibeln.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Allgemeines
2.1 Die Fibel
2.2 Übungshefte
2.3 Bücherwurm-Arbeitsblock: Üben – Differenzieren – Fördern
2.4 Anlauttabelle, Anlautbilder, Anlautposter
2.5 Lehrerband
3. Analyse
3.1. Ersteindruck
3.2. Methode
3.3. Inhalt
3.4. Sprache
3.5. Zusatzmaterialien
3.6. Bild und Text
4. Schlussbemerkungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, eine didaktische Analyse der Fibel „Bücherwurm“ (erschienen 2004) durchzuführen, um deren Eignung für den Erstlese- und Schreibunterricht zu bewerten. Dabei wird insbesondere untersucht, wie das Werk den unterschiedlichen Lernvoraussetzungen von Kindern gerecht wird und welche methodischen Ansätze zur Differenzierung und Kompetenzförderung geboten werden.
- Methodenintegrative Ansätze und analytisch-synthetische Lernverfahren
- Die Bedeutung von Zusatzmaterialien für die individuelle Förderung
- Analyse der sprachlichen Gestaltung und der Textsortenvielfalt
- Repräsentation von Lebenswelten und Rollenbildern im Fibelinhalt
- Die funktionale Verknüpfung von Bild und Text im Lernprozess
Auszug aus dem Buch
3.2. Methode
Bei der Bücherwurm-Fibel handelt es sich um eine methodenintegrative Fibel. Sie arbeitet hauptsächlich mit der analytisch-synthetischen Methode. Es wird somit sowohl auf die Sinnentnahme als auch auf die Technik des Lesens geachtet.
Schon auf der zweiten Fibeldoppelseite werden die Namen der Fibelkinder Nina und Nino als Wortpaar dargestellt. Diese werden durchgegliedert und mittels Minimalpaarvergleich die Buchstaben „a“ und „o“ gewonnen. Als nächstes werden die Buchstaben „i“ und „n“ eingeführt. Neue Worte wie „Ina“ oder „an“ können so erlesen werden.
Alle Buchstaben werden stets als Buchstabenpaar aus Groß- und Kleinbuchstaben gelernt.
Die Bücherwurm-Fibel arbeitet außerdem mit zwei Ganzwörtern: „ruft“ und „ist“. Das Wort „ruft“ wird schon nach vier, „ist“ nach sechs analytisch synthetisch erschlossenen Buchstaben eingeführt.
Diese Tatsache ermöglicht, dass die Kinder schon früh sinnvolle Sätze lesen können. Als Beispiel ist hier „Nina ruft Mama an.“ zu nennen. Durch diese Methode lernen die Kinder schon früh die Bestandteile der Schrift – Buchstaben, Worte und Sätze – kennen. Der „selbstständige Umgang der Kinder mit Schrift“ (Conrady, Peter 1987, 19) wird somit begünstigt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die unterschiedlichen Vorerfahrungen von Kindern beim Schriftspracherwerb und definiert die Zielsetzung der Analyse der Fibel „Bücherwurm“.
2. Allgemeines: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über das Fibelwerk, den Aufbau der Lehrgangsseiten und die erhältlichen Zusatzmaterialien wie Übungshefte und Lehrerband.
3. Analyse: Die Analyse untersucht systematisch den Ersteindruck, die angewandten Methoden, inhaltliche Schwerpunkte, die sprachliche Gestaltung sowie die Verzahnung von Bild und Text.
4. Schlussbemerkungen: Hier erfolgt eine kritische Würdigung der Fibel, in der sowohl Stärken als auch Schwächen des Fibellehrgangs zusammengefasst und ein persönliches Fazit zur künftigen Verwendung gezogen werden.
Schlüsselwörter
Fibelanalyse, Bücherwurm, Schriftspracherwerb, Erstlesen, Erstschreiben, analytisch-synthetische Methode, Differenzierung, Anlauttabelle, Fibellehrgang, Medienkompetenz, Schulausgangsschrift, Zusatzmaterialien, Lernfortschrittsdiagnose, Inklusion, Deutschunterricht
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit bietet eine fundierte Analyse der Fibel „Bücherwurm“ aus dem Klett-Verlag und bewertet deren Eignung für den Lese- und Schreibunterricht in der ersten Klasse.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Untersucht werden vor allem die methodische Ausrichtung, die sprachliche Gestaltung, die Auswahl der Themen und die Verknüpfung von Fibeltexten mit den umfangreichen Zusatzmaterialien.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Ziel ist es, die didaktische Qualität des Lehrwerks zu prüfen und aufzuzeigen, wie das Material Lehrer dabei unterstützen kann, Kinder individuell beim Schriftspracherwerb zu begleiten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin nutzt eine qualitative Inhaltsanalyse unter Hinzuziehung einschlägiger fachwissenschaftlicher Literatur zur Fibelanalyse und Didaktik des Schriftspracherwerbs.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Ersteindrucks, der methodischen Grundlagen, inhaltlicher Aspekte, der Sprachstruktur sowie der Bild-Text-Relation innerhalb des Lehrwerks.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Fibellehrgang, Differenzierung, Schriftspracherwerb, Anlauttabelle und die analytisch-synthetische Lesemethode.
Wie bewertet die Autorin die Differenzierungsmöglichkeiten?
Die Autorin hebt die „AHA“- und „Lesekreis“-Seiten sowie den Arbeitsblock als sehr positive Werkzeuge hervor, die es ermöglichen, den Unterricht zu öffnen und den Schülern selbstentdeckendes Lernen zu erlauben.
Was ist ein kritisches Manko des „Bücherwurm“?
Ein bemängelter Punkt ist die Unterrepräsentation kultureller Vielfalt bei der Darstellung der Kinderfiguren sowie das Fehlen von Texten in Verbundschrift, was den Lehrer vor zusätzliche Aufgaben stellt.
Welche Rolle spielt die Anlauttabelle im Konzept?
Die Anlauttabelle wird als essenzielles Hilfsmittel angesehen, das den Kindern den Zugang zur Schrift durch freies Produzieren und aktives Probieren ermöglicht.
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- Britta Wüst (Author), 2004, Fibelanalyse 'Bücherwurm', Klett-Verlag 2004, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/58570