Die vorliegende Seminararbeit beschäftigt sich mit der Frage, ob - und wenn ja inwieweit - die Kosten eines Studiums Auswirkungen auf die Besteuerung eines Studenten entfalten. Dieser Themenkreis ist vor allem aus zwei Gründen von Interesse: Zum Ersten gibt es ein praktisches Interesse der Studenten, steuermindernde Wirkungen des Studiums möglichst zu nutzen. Zum Zweiten ist das Thema auch deshalb interessant, weil sich hier in jüngerer Zeit ein bemerkenswerter Wandel in der Rechtsprechung ergab, der dann auch Änderungen in der Gesetzgebung nach sich zog.
Im Rahmen dieser Seminararbeit wird die Frage der Behandlung von Studienkosten nicht isoliert betrachtet, sondern in eine knappe grundsätzliche Darstellung eingebunden. Daher nimmt die Arbeit ihren Ausgangspunkt bei einer Definition, was Steuern sind und führt zu einer skizzenhaften Darstellung der Grundprinzipien der Besteuerung. Die Aufgabenstellung bewegt sich im Bereich des Einkommensteuerrechts. Deshalb wird im zweiten Kapitel die Systematik der synthetischen Einkommensermittlung der deutschen Einkommsteuer erarbeitet und erschlossen, wo mögliche Ansatzpunkte der Berücksichtigung von Studienkosten sind. Im dritten Kapitel wird die Gesetzgebung und Rechtsprechung zum Thema Studienkosten vorgestellt und die Entwicklung hin zum derzeit geltenden Recht aufgezeigt. Das Kapitel schließt mit einigen Ausführungen zur Ermittlung der Studienkosten ihrer Höhe nach. Eine umfassende Darstellung der Ermittlung der steuerlich relevanten Höhe der absetzbaren Aufwendungen kann jedoch nicht geleistet werden. Das abschließende Kapitel vier fasst dann die Ergebnisse der Arbeit zusammen, gibt Gestaltungshinweise für Studenten und liefert einige Vorschläge für die Weiterentwicklung des Einkommensteuerrechts hinsichtlich der Behandlung der Studienkosten.
Klargestellt werden soll vor Beginn der Arbeit an dieser Stelle auch, dass das Thema der Berücksichtigung der Studienkosten nur aus der Sicht des Studenten selbst bearbeitet wird. In wie weit Studienkosten beispielsweise bei der Besteuerung der gegenüber dem Studenten unterhaltspflichtigen Person Auswirkungen haben können, wird in den nachstehenden Ausführungen nicht erläutert.
Inhaltsverzeichnis
1 Grundsätze der Besteuerung
1.1 Begriffsabgrenzungen
1.2 Historische Wurzeln der modernen Grundlagen der Besteuerung
1.3 Überlegungen zur Steuergerechtigkeit
2 Die Einkommensteuer
2.1 Grundprinzipien der Einkommensteuer
2.2 Das Schema der Einkünfteermittlung
2.3 Ansatzmöglichkeiten der Studienkosten
3 Rechtsprechung und Gesetzgebung zur steuerlichen Behandlung der Studienkosten
3.1 Ursprüngliche Regelung
3.2 Die Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs
3.3 Gesetzliche Regelung seit dem Veranlagungszeitraum 2004
3.4 Ermittlung der Studienkosten
4 Zusammenfassung und weiterer Ausblick
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht die steuerliche Abzugsfähigkeit von Studienkosten für Studenten in Deutschland und analysiert dabei den Wandel von der ursprünglichen Rechtsprechung hin zur gesetzlichen Neuregelung ab 2004.
- Grundlagen der Besteuerung und Steuergerechtigkeit
- Systematik der Einkommensteuer und Ermittlung des Einkommens
- Entwicklung der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs zu Studienkosten
- Gesetzliche Neuregelungen seit dem Veranlagungszeitraum 2004
- Ermittlung und Abgrenzung absetzbarer Studienaufwendungen
Auszug aus dem Buch
3.2 Die Rechtsprechung des Bundesfinanzhof
Mit dem bereits mehrmals zitierten Urteil des BFH vom 04.12.2002 kam es zu einer durchaus bemerkenswerten Änderung der Rechtsauffassung des höchsten deutschen Finanzgerichts. Hier wurde eine Auffassung geändert, die fast 70 Jahre bestand hatte und in Folge dessen kam es zu mehreren interessanten Urteilen hinsichtlich der Abzugsfähigkeit von Studienkosten. Die im Wesentlichen zwischen 2002 und 2005 ergangenen Urteile können an dieser Stelle nicht voll umfänglich besprochen werden, lediglich einige wesentliche Kernsätze sind herauszuarbeiten.
Mit dem Urteil VI R 120/01 vom 04.12.2002 gibt der BFH die Position auf, dass Aufwendungen für einen Bildungsgang, der das Überwechseln von einer Berufs- oder Erwerbsart in eine andere stets als Berufsausbildungskosten und damit Sonderausgaben zu qualifizieren sind. Es kann sich dabei durchaus um Werbungskosten bzw. vorab entstandene Werbungskosten handeln. Als Gründe für die Änderung der Rechtsprechung führt der BFH die breite Kritik an der bisherigen Rechtsprechung durch die nachgeordnete Gerichtsbarkeit und Wissenschaft an sowie die Tatsache, dass nach der bisherigen Rechtsprechung eine Ungerechtigkeit im Sinne eines Akademikerprivilegs vorliegt, wenn zwar ein Zweitstudium als Werbungskosten ansetzbar sein kann, sofern es beruflich veranlasst ist, aber ein Studium nach erfolgter nicht-akademischer Ausbildung stets Berufsausbildungskosten und damit Sonderausgaben sind.
Ein weiterer Grund ist die Veränderte Situation im Bildungswesen und auf dem Arbeitsmarkt, welche das Konzept des einmaligen Erlernens eines Lebensberufs nicht mehr zulässt. Die strenge Unterteilung in Berufsausbildungskosten und Fortbildungskosten bei Umschulungsmaßnahmen ist damit nicht mehr sachgerecht. Der BFH trifft hier somit eine veränderte Wertentscheidung: Die Aufwendungen sind notwendig und mindern die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Steuerpflichtigen. Im Urteil vom 17.12.2002 präzisiert der BFH hinsichtlich der Aufwendungen für ein Studium, dass auch die Aufwendungen für ein berufsbegleitendes Erststudium Werbungskosten sein können, wenn diese Kosten beruflich veranlasst sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Grundsätze der Besteuerung: Einführung in die rechtlichen Grundlagen und historischen Gestaltungsprinzipien der Besteuerung sowie die Diskussion zur Steuergerechtigkeit.
2 Die Einkommensteuer: Erläuterung der Systematik der deutschen Einkommensteuer und Identifikation potenzieller Ansatzpunkte für den Abzug von Studienkosten.
3 Rechtsprechung und Gesetzgebung zur steuerlichen Behandlung der Studienkosten: Analyse der zeitlichen Entwicklung der Rechtsprechung und der daraus resultierenden gesetzlichen Neuregelungen ab 2004.
4 Zusammenfassung und weiterer Ausblick: Resümee der komplexen Rechtslage für Studenten und kritische Würdigung der aktuellen steuerlichen Behandlung von Bildungsaufwand.
Schlüsselwörter
Einkommensteuer, Studienkosten, Steuergerechtigkeit, Sonderausgaben, Werbungskosten, Berufsausbildung, Erststudium, Bundesfinanzhof, Leistungsfähigkeit, Steuerrecht, Abgabenordnung, Gesetzgebung, Rechtsprechung, Veranlagungszeitraum, Existenzminimum
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Seminararbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Frage, ob und inwieweit die Kosten eines Studiums die steuerliche Belastung eines Studenten beeinflussen können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Im Zentrum stehen die Grundsätze der Besteuerung, die Systematik der Einkommensermittlung sowie die historische und aktuelle Entwicklung der rechtlichen Behandlung von Studienkosten.
Welches Ziel verfolgt der Autor mit dieser Untersuchung?
Ziel ist es, die komplexen steuerrechtlichen Möglichkeiten zur steuermindernden Berücksichtigung von Studienaufwendungen darzustellen und die Auswirkungen der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär angewandt?
Es handelt sich um eine juristische und betriebswirtschaftliche Analyse, die auf einer Auswertung von Gesetzen, Rechtsprechung (insb. BFH-Urteile) und steuerrechtlicher Fachliteratur basiert.
Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Systematik der Einkommensteuer, die Unterscheidung zwischen Werbungskosten und Sonderausgaben bei Studienkosten sowie den Wandel der Rechtsprechung und die Neuregelung durch das Gesetz zur Änderung der Abgabenordnung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlagworte sind Einkommensteuer, Steuergerechtigkeit, Werbungskosten, Sonderausgaben, Erststudium und der Abzug von Bildungsaufwendungen.
Wie unterscheidet sich die Behandlung eines Erststudiums von einem Zweitstudium laut der aktuellen Rechtslage?
Ein Erststudium kann in der Regel nur noch als Sonderausgabe abgesetzt werden, während ein beruflich veranlasstes Zweitstudium meist als Werbungskosten geltend gemacht werden kann, was steuerlich vorteilhafter sein kann.
Warum hält der Autor die aktuelle Rechtslage für problematisch?
Der Autor kritisiert die Komplexität und die Abgrenzungsprobleme zwischen Aus- und Fortbildung, die zu einer uneinheitlichen Behandlung führen und möglicherweise eine rein steuerlich motivierte Verhaltenssteuerung bei Bürgern auslösen.
- Quote paper
- Markus Hubner (Author), 2006, Der Student im Steuerrecht (Abzugsfähigkeit der Studienkosten), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/58591