Wenn von einem Börsengang bzw. IPO (Initial Public Offering) gesprochen wird, so ist damit i.d.R. die Verbriefung der Aktien eines Unternehmens an einer Börse gemeint. Die Möglichkeit des Börsengangs ist ausschließlich für Unternehmen vorbehalten, die gemäß ihrer Rechtsform durch einen Börsengang die Emissionsfähigkeit erhalten. Eine der möglichen Rechtsformen ist die AG (Aktiengesellschaft). Eine weitere mögliche Rechtsform ist die KGaA (Kommanditgesellschaft auf Aktien). Die letzte zu nennende Rechtsform ist die SE (Societas Europae) oder auch europäische Aktiengesellschaft genannt und ist eine Rechtsformmöglichkeit für Unternehmen innerhalb der EU (Europäische Union).
Jedoch sind nicht ausschließlich die Aktien von Unternehmen an einer Wertpapierbörse handelbar. Zusätzlich können Unternehmen weitere Arten von Wertpapieren an einer Börse emittieren. Dabei ist eine bestehende Notierung der Anteile des Unternehmens an einer Börse nicht zwingend notwendig. Es bedarf die Erfüllung anderer Kriterien, auf welche in späteren Kapiteln näher eingegangen wird, die maßgeblich entscheidend für eine Notierung der Wertpapiere sind.
Es können zahlreiche Motive Anlass dazu geben, weshalb sich ein Unternehmen zur Emission von Wertpapieren entscheidet. Diese wissenschaftliche Arbeit fokussiert sich dabei auf das Motiv der Finanzierung mit der Zielsetzung „Wachstum“. Konkret bedeutet dies, ob und in wie weit ein Unternehmen durch den möglichen Finanzierungseffekt, welcher aus der Verbriefung von Wertpapieren resultiert, einen Unternehmenswachstum generieren kann. In diesem Zusammenhang muss jedoch die Definition von Unternehmenswachstum berücksichtigt werden.
Grundsätzlich muss dabei zwischen quantitativen und qualitativem Wachstum differenziert werden. Quantitativer Wachstum ist ein klar zu quantifizierender Mengenwachstum. Bezogen auf ein Unternehmen handelt es sich um positive Wachstumsraten in Bereichen, wie z.B. Umsatzwachstum, Belegschaftswachstum oder Filialausbau. Qualitativer Wachstum bedeutet eine höhere Ergebnisqualität in allen Dimensionen und ist somit schwieriger messbar. Dabei kann es sich beispielsweise um eine Qualitätssteigerung in den Produkten oder Dienstleistungen handeln sowie im ökologischen Nutzen des Unternehmens als auch um eine nachhaltige wirtschaftliche Qualität bzw. Situation.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung und Vorgehensweise
2 Nutzung der Wertpapierbörse zur Wachstumsfinanzierung
2.1 Untersuchung der Finanzierungsmöglichkeiten
2.1.1 Methoden der Außen- und Eigenfinanzierung
2.1.2 Methoden der Außen- und Fremdfinanzierung
2.1.3 Mezzanine-Kapital
2.1.4 Gesamtbetrachtung der Finanzierungsinstrumente
2.2 Erfolgsanalyse real stattgefundener Börsengänge
2.2.1 Ado Properties S.A.
2.2.2 Vapiano SE
2.2.3 Abschlussbetrachtung
3 Darstellung des IPO-Ablaufprozesses und Analyse der Kosten
3.1 Planungsphase und Start der Vorbereitungsphase
3.2 Vorbereitungsphase und Start der Prozessphase
3.3 Prozessphase
3.4 Kostenstruktur eines IPO
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Bachelor-Thesis untersucht das Initial Public Offering (IPO) als strategisches Instrument zur Wachstumsfinanzierung von Unternehmen und analysiert dabei sowohl die theoretischen Grundlagen der Finanzierung als auch den praktischen Ablaufprozess eines Börsengangs.
- Grundlagen und Methoden der Außen- sowie Eigen- und Fremdfinanzierung.
- Detaillierte Erfolgsanalyse realer Börsengänge (Fallbeispiele Ado Properties S.A. und Vapiano SE).
- Strukturierte Darstellung des IPO-Ablaufprozesses von der Planung bis zur Notierungsaufnahme.
- Analyse der Kostenstruktur eines Börsengangs und deren Auswirkungen auf das Unternehmen.
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Methoden der Außen- und Eigenfinanzierung
In diesem Kapitel geht es darum, die Methoden vorzustellen und zu analysieren, welche einem Unternehmen durch einen Börsengang/-notierung zur Verfügung stehen, mit der Zielsetzung Eigenkapital zu erhalten.
Börsengang/Erstnotierung von Aktien: Bei einem Börsengang bzw. IPO handelt es sich um eine Beteiligungsfinanzierung. Dies bedeutet, dass ein Unternehmen durch den Verkauf von Unternehmensanteilen, was im Falle des Börsengangs Aktien sind, Eigenkapital seitens der Investoren erhält. Das erhaltene Eigenkapital steht dem Unternehmen in aller Regel unbefristet und dauerhaft zur Verfügung.
Aktien sind mit einem Nennwert versehen. Werden sie von dem emittierenden Unternehmen zu diesem rechnerischen Nennwert ausgegeben, welcher mindestens einen Euro betragen muss, so spricht man von einer Emission zu Pari. Allerdings können Aktien mit einem Aufgeld (Agio) ausgegeben werden. In diesem Falle spricht man von einer Emission über Pari, was in der Praxis die geläufigste Situation ist. In der Bilanz des Unternehmens wird der Nennwert der Aktien im Grundkapital ausgewiesen, während das Aufgeld als Kapitalrücklage bilanziert wird. Die Übertragung von Unternehmensanteilen wäre auch ohne eine dazwischen geschaltete Börse möglich. Jedoch bietet die Veräußerung von Unternehmensanteilen über eine Börse exklusive Vorteile, welche prinzipiell die Lösung der Probleme sind, die bei außerbörslichem Handel entstehen oder entstehen können.
Potenzielle Kapitalgeber von nicht börsennotierten Unternehmen sehen sich mit dem Problem der mangelnden Fungibilität konfrontiert, da kein organisierter Markt für den Kauf und Verkauf der Gesellschaftsanteile existiert. Ein- bzw. Austritt von Gesellschaftern gestaltet sich relativ aufwändig. Die Übertragung von Gesellschaftsanteilen erfordert meistens die Zustimmung anderer Gesellschafter, der Gesellschafterwechsel muss notariell beurkundet werden und in das Handelsregister eingetragen werden. Hinzu kommen Bewertungsprobleme, da keine Marktpreise für die Gesellschaftsanteile existieren. In diesem Zusammenhang ist auch die asymmetrische Informationsverteilung zwischen Kapitalnehmer und Kapitalgeber zu berücksichtigen. Diese ist aus finanzierungstheoretischer Perspektive ein weiterer möglicher Grund für Probleme bei der Kapitalbeschaffung. Des Weiteren existieren für den Kapitalgeber mangelnden Diversifizierungsmöglichkeiten beim außerbörslichen Handel.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung definiert das Thema Börsengang, erläutert die Zielsetzung "Wachstum" als zentrales Motiv der Untersuchung und beschreibt die methodische Vorgehensweise.
2 Nutzung der Wertpapierbörse zur Wachstumsfinanzierung: Dieses Kapitel untersucht verschiedene Finanzierungsinstrumente und führt eine Erfolgsanalyse anhand der Unternehmen Ado Properties S.A. und Vapiano SE durch.
3 Darstellung des IPO-Ablaufprozesses und Analyse der Kosten: Hier werden die Phasen eines Börsengangs (Planung, Vorbereitung, Prozess) sowie die damit verbundenen Kostenstrukturen detailliert erläutert.
4 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und beantwortet die Forschungsfrage, inwieweit ein IPO tatsächlich als geeignetes Instrument zur Wachstumsfinanzierung dienen kann.
Schlüsselwörter
Initial Public Offering, IPO, Börsengang, Wachstumsfinanzierung, Eigenkapital, Fremdkapital, Mezzanine-Kapital, Kapitalerhöhung, Unternehmenswachstum, Emissionsprozess, Börsenreife, Due Diligence, Kapitalmarkt, Finanzierungsinstrumente, Wertpapierprospekt
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das IPO als Finanzierungsinstrument und analysiert dessen Potenzial, nachhaltiges Unternehmenswachstum zu fördern.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die zentralen Themen umfassen Finanzierungsarten, den detaillierten Ablaufprozess eines Börsengangs, Kostenstrukturen und eine kritische Analyse realer Praxisbeispiele.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es herauszufinden, ob ein Unternehmen durch einen Börsengang tatsächlich qualitatives und quantitatives Wachstum realisieren kann und welche Faktoren dabei eine Rolle spielen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse zu Finanzierungsinstrumenten sowie einer empirischen Erfolgsanalyse ausgewählter Unternehmen anhand von Geschäftsberichten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert Finanzierungsinstrumente, bewertet Börsengänge anhand der Beispiele Ado Properties und Vapiano und erläutert den organisatorischen Ablauf eines IPO.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie IPO, Wachstumsfinanzierung, Eigenkapital, Due Diligence und Kapitalmarkt charakterisiert.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor im Fall der Ado Properties S.A.?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass Ado Properties das IPO erfolgreich genutzt hat, um durch ein funktionierendes Geschäftsmodell und strategische Kapitalerhöhungen zu wachsen.
Warum konnte die Vapiano SE den Börsengang nicht für nachhaltigen Erfolg nutzen?
Laut der Arbeit scheiterte der Erfolg bei Vapiano an Managementfehlern und einer misslungenen Expansionsstrategie, die zu existenzbedrohenden Problemen führte.
- Citar trabajo
- Anonym (Autor), 2020, Initial Public Offering als Instrument zur Wachstumsfinanzierung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/588018