Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der veränderten Diplomatie des byzantinischen Reiches unter Johannes I. Tzimiskes, insbesondere werden die Verhandlungen mit dem Westen unter Otto I thematisiert. Die Frage nach dieser Veränderung ist von besonderem Interesse, weil wir hierbei nicht nur eine isolierte Handlung in der Geschichte Byzanz erschließen, sondern eine historische Wandlung in den Beziehungen zwischen dem östlichen und westlichen Kaisertum näher betrachten.
Die Basis meiner Darstellung bilden die Überlegungen Telemachos C. Lounghis über die Ideologie der „begrenzten Ökumene“ und die römische Frage. Sie ermöglichen mir, die Veränderungen nicht nur anhand der Taten darstellen zu können, sondern auch die ideologischen Unterschiede eines Herrschers, der die "unbegrenzte Ökumene" (also eine universale Herrschaft) anstrebt und eine, die "begrenzte Ökumene" (mit Konstantinopel als Zentrum) annehmenden Herrschers vergleichend anzuführen. Diese bedeutsame Diskrepanz soll im Folgenden nachdrücklich dargestellt werden. Des Weiteren sollte auch die Monographie Daniel Nerlichs gewürdigt werden, der so erst einen guten Einstieg in die Thematik ermöglichte.
Die vorliegende Arbeit ist grundsätzlich in zwei Teile gegliedert. Zunächst werde ich auf die allgemeine Situation des byzantinischen Reiches unter Nikephoros II. eingehen. Anschließend stelle ich über die Erläuterung des Konfliktfelds Süditalien als eine Art Spielball zwischen den Mächten den Bezug zu den Ottonen dar. Im Anschluss gehe ich im Besonderen auf das Heiratsprojekt ein.
Hierbei werden die Berichte Luidprands von Cremona, sowie Unstimmigkeiten innerhalb der Chronik Widukinds von Corvey eine wichtige Rolle spielen. Parallel beginnt der zweite Teil mit einer Erläuterung der Umstände unter Johannes I Tzimiskes. Hierbei beschränke ich mich jedoch auf die Basis des gegebenen Kontextes, die Zeit bis zum Tod Otto I. Schließlich komme ich genauer auf die diplomatische Wende unter Tzimiskes zu sprechen.
Die Konflikte um die Titulatur innerhalb der diplomatischen Wendungen werde ich nur am Rande betrachten. Dies begründet sich vor allem in dem, nur sehr geringfügigem Quellenmaterial über Johannes I. Tzimiskes Herrschaft, welche keine so umfassenden Diplomatenschriften übermitteln, wie es unmittelbar zuvor Luidprand tat.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Diplomatische Bedingungen unter Nikephoros II.
2.1 Allgemein politische Ausgangssituation für Nikephoros II.
2.2 Süditalien als Konfliktfeld
2.3 Das Heiratsprojekt und sein vorläufiges Scheitern
3. Die diplomatische Wende unter Johannes I. Tzimiskes
3.1 Thronbesteigung und Ausgangsituation
3.2 Die Klärung der Süditalienfrage und die kaiserliche Hochzeit
4. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die diplomatischen Beziehungen zwischen dem byzantinischen Kaiserreich unter Johannes I. Tzimiskes und dem Westen unter Otto I. Das zentrale Ziel ist es, die ideologische Wandlung und die veränderte diplomatische Praxis im Vergleich zur Ära des Nikephoros II. zu analysieren und zu bewerten.
- Diplomatische Strategien Byzanz' unter Nikephoros II. im Vergleich zu Johannes I. Tzimiskes
- Die Rolle Süditaliens als geopolitisches Konfliktfeld zwischen den Kaiserreichen
- Ideologische Spannungsfelder: "Unbegrenzte Ökumene" versus "begrenzte Ökumene"
- Das byzantinisch-ottonische Heiratsprojekt als diplomatisches Instrument
Auszug aus dem Buch
2.3 Das Heiratsprojekt und sein vorläufiges Scheitern
Das Heiratsprojekt zwischen Byzanz und einem westlichen Kaisertum ist seit der Zeit Karls des Großen ein dauerhaftes Thema innerhalb der diplomatischen Verhandlungen. Hierbei kam es letztendlich immer wieder zu Uneinigkeiten, welche eine solche Verbindung am Ende verhinderten. Als Beispiele seien an dieser Stelle die möglichen Verbindungen zwischen Karl und Eirene im Jahre 802, Konstantinos und Irmengard 869 oder auch zwischen Hadwig (die Schwester Ottos I.) und Romanos II. im Jahre 949 anzuführen.
Man möchte beinahe von einer Tradition sprechen, dass Ost und West immer wieder über eine solche Verbindungen verhandelt haben, aber doch nie eine für beide Seiten akzeptable Lösung gefunden haben. Die Gründe für diese Uneinigkeiten im speziellen Kontext zu den Zeitgenossen Nikephoros II. und Otto I. werden ich nun näher beleuchten.
Der Grund für derartige Bestrebungen Ottos, auch vor seiner Kaiserkrönung, ist allgemein bekannt. Doch durch die Kaiserkrönung gewann eine solche Verbindung einen noch größeren Wert für ihn und sein Reich. Schließlich war Byzanz der Nachfolgestaat des einstigen römischen Reich, auch wenn sie als ihr eigentliches gesellschaftliches Zentrum Konstantinopel (oder auch Neurom) der antiken Hauptstadt Rom vorzogen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die diplomatischen Wandlungen zwischen dem östlichen und westlichen Kaisertum ein und stellt das theoretische Gerüst der "begrenzten Ökumene" vor.
2. Diplomatische Bedingungen unter Nikephoros II.: Dieses Kapitel analysiert die konfrontative Außenpolitik des Nikephoros II., insbesondere in Süditalien, und das Scheitern früherer diplomatischer Annäherungsversuche.
3. Die diplomatische Wende unter Johannes I. Tzimiskes: Hier wird der Machtwechsel in Byzanz beleuchtet und dargelegt, wie unter Tzimiskes eine pragmatischere Diplomatie zur Beilegung des Süditalienkonflikts führte.
4. Schluss: Der abschließende Teil fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass die Außenpolitik unter Tzimiskes eine deutliche Entspannung gegenüber dem ottonischen Reich darstellte.
Schlüsselwörter
Byzanz, Johannes I. Tzimiskes, Nikephoros II., Otto I., Diplomatie, Süditalien, Ökumene, Kaisertum, Heiratsprojekt, Luidprand von Cremona, Ost-West-Beziehungen, Ideologie, Außenpolitik, Machtanspruch, Legitimation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die diplomatischen Beziehungen zwischen dem Byzantinischen Reich und dem westlichen Kaisertum (Ottonen) im 10. Jahrhundert unter den Kaisern Nikephoros II. und Johannes I. Tzimiskes.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum?
Zentrale Themen sind die geopolitischen Interessen in Süditalien, die verschiedenen Kaisertitel und die ideologischen Konzepte imperialer Herrschaft.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, wie sich die diplomatische Strategie unter Johannes I. Tzimiskes veränderte und warum diese Wende zu einer Annäherung an das ottonische Reich führte.
Welche wissenschaftliche Methode findet Anwendung?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf einer Auswertung zeitgenössischer Chroniken (z.B. Luidprand von Cremona, Widukind von Corvey) und aktueller Forschungsliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Konfrontationspolitik unter Nikephoros II. und die diplomatische Wende und Klärung der Süditalienfrage unter Tzimiskes.
Was charakterisiert die Arbeit?
Die Arbeit ist durch den Fokus auf die ideologische Diskrepanz zwischen der "unbegrenzten" und der "begrenzten Ökumene" sowie eine quellenkritische Betrachtung der diplomatischen Legationen geprägt.
Warum spielt Süditalien eine so entscheidende Rolle?
Süditalien diente als Pufferzone und Spielball zwischen den Machtsphären, an dem sich die Ansprüche beider Kaiserreiche auf universale Herrschaft reibungsvoll entzündeten.
Inwiefern unterscheidet sich Tzimiskes von seinem Vorgänger?
Im Gegensatz zur konfrontativen und teilweise arroganten Haltung des Nikephoros II. agierte Tzimiskes deutlich pragmatischer, um durch diplomatische Absicherungen (inklusive einer kaiserlichen Hochzeit) Stabilität für sein Reich zu gewinnen.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2017, Die Zweikaiserproblematik und Diplomatie. Die Rolle des Kaisers Joannes I. Tzimiskes und der Ottonen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/588029