Vergleich von Zielsetzung und Vorgehensweise bei der Abschlussprüfung


Bachelorarbeit, 2016

55 Seiten, Note: 3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Grundlagen
1.3 Ziel der Arbeit

2. Zielsetzung und Prüfungstechnik
2.1 Rechtliche Bestimmungen
2.1.1 Rechtliche Bestimmungen zum Jahresabschluss
2.1.2 Rechtliche Bestimmungen zur Prüfung
2.2 Gesamtziel der Prüfung
2.2.1 Unternehmerische Überwachung
2.2.2 Prüfnormen
2.2.3 Risiken der Prüfung
2.2.4 Prüfung der Wesentlichkeit
2.2.5. Zielsetzung des Prüfers für eine Prüfung
2.3. Prüfungsprozess
2.3.1. Auftragsannahme
2.3.2. Prüfungsplanung
2.3.3. Durchführung
2.3.4. Berichtserstattung

3. Conclusio

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis:

Abb: Abbildung

AP: Abschlussprüfung

AR: Audit Risk

Bzw.: Beziehungsweise

CR: Control Risk

DR: Detection Risk

etc.: et cetera

GoB: Grundzüge ordnungsgemäßer Buchführung

GuV: Gewinn- und Verlustrechnung

IAASB: Internatinal Auditing and Assurance Standards Board

IAESB: International Accounting Education Standards Board

IAS: International Accounting Standards

IESBA: International Ethics Standards Board for Accountants

IFAC: International Federation of Accountants

IFRS: International Financial Reporting Standards

IKS: Internes Kontrollsystem

IKS: Internes Kontrollsystem

IR: Inherent risk

ISA: International Standards of Auditing

ISQC: International Standard on Quality Control

IWP: Institut Österreichischer Wirtschaftsprüfer

KFS: Kammer Fachsenate

KWT: Kammer der Wirtschaftstreuhänder

PE: Prüfungs-Einzelfragen

PG: Prüfungsgrundsatzfragen

RL: Rechnungslegung

RL: Rechnungslegung

UGB: Unternehmensgesetzbuch

VFE-Lage: Vermögens-, Finanz- und Ertragslage

Vgl.: vergleiche

WP: Wirtschaftsprüfer

z.B.: zum Beispiel

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Bilanz (Voss, Handelsbilanz, 2014, S. 49)

Abbildung 2: Unternehmerische Überwachung (in Anlehnung an Hofmann & Hofmann, Abb.1, 1990, S. 15)

Abbildung 3: Beziehungsgeflecht zwischen den Normenarten (Marten, Quick & Ruhnke, Abb. I.6-5, 2007, S. 112)

Abbildung 4: Ordnungskonzept für fachtechnische Normen (Marten, Quick & Ruhnke,Abb. I.6-6, 2007, S. 114)

Abbildung 5: Risiken der Abschlussprüfung (Graumann, ABB. 78, 2009, S. 165)

Abbildung 6: Zusammenhang zwischen Wesentlichkeit auf Abschlussebene und Toleranzwesentlichkeit (Marten, Quick & Ruhnke, Abb. II. 1-3, 2015, S.243)

Abbildung 7: Kausalitätskette zwischen Wesentlichkeit und Prüfungsrisiko (Graumann, ABB.95, 2009, S. 194)

Abbildung 8: Einrichtung eines Qualitätssicherungssystems (Graumann, ABB.19, 2009, S. 44)

Abbildung 9: Systematisierung der Erlangung von Prüfungsnachweisen (in Anlehnung an Freidank & Sassen, 2012, S. 278)

1. Einleitung

1.1 Problemstellung

Diese Arbeit befasst sich mit der Zielsetzung und der Vorgehensweise eines Prüfers bei der Überprüfung von geschäftlichen Vorgängen in einem Unternehmen. Die verschiedenen Vorgehensweisen bei der Prüfung hängen von der Zielsetzung einer Prüfung ab. Dabei ist zu berücksichtigen, ob und inwieweit die jeweiligen Zielsetzungen auch von der Prüfungsdurchführung abhängen.

Die Ursache der unterschiedlichen Zielsetzungen liegt zum einen an den unterschiedlichen Arten von Prüfungen. Zum anderen resultieren sie daraus, dass bei der Prüfung nicht immer das gesamtmögliche Programm von Prüfungshandlungen gefahren werden kann. Es kann weder jede Buchung nachvollzogen werden, noch kann jeder wirtschaftlich relevante Vorgang darauf geprüft werden, ob er unter Wirtschaftlichkeits- und Unternehmensgesichtspunkten jeweils richtig behandelt worden ist. Hierzu fehlt einerseits die dazu notwendige Zeit und andererseits stünden hierfür die Kosten in keinem adäquaten Verhältnis zum Ziel der Prüfung.

1.2 Grundlagen

Zu prüfen ist der Geschäftsbericht, dessen wesentlicher Bestandteil der Jahresabschluss ist. Unter Berücksichtigung des Themas dieser Arbeit „ Vergleich von Zielsetzung und Vorgehensweise bei der Abschlussprüfung “ wird das Hauptaugenmerk auf die Bilanz gerichtet. Hierbei ist darzustellen, wie eine Bilanz aufgebaut ist und welchen Vorschriften, Richtlinien und Standards sie unterliegt. In diesem Rahmen wird auch auf die Notwendigkeit der Abschlussprüfung im Allgemeinen einzugehen sein.

Dabei ist bei der Rechnungslegung auf die separate Betrachtung der internen und externen Rechnungswesen einzugehen, wobei im Allgemeinen auf die Prüfung im Sinne der Wirtschaftsprüfung zu achten ist.

Der Abschlussprüfer stellt die korrekte Anwendung der Rechnungslegungsregelungen im Jahresabschluss sicher. Dabei ist zu berücksichtigen, dass ein möglichst getreues Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage zu vermitteln ist. (§222 Abs.2 UGB) Dabei ist die Tätigkeit des Wirtschaftsprüfers im Rahmen der Vorbehaltsaufgaben während der Jahresabschlussprüfung und der Erteilung oder Versagung des Bestätigungsvermerkes von entscheidender Bedeutung.1

Die Überprüfung des Geschäftsberichts ist nicht nur eine Angelegenheit zwischen dem zu prüfendem Unternehmen und dem beauftragten Abschlussprüfer. Es gibt noch zahlreiche andere Interessenten am Ergebnis der jeweiligen Prüfung. Diese können aus den unterschiedlichsten Gründen ein Interesse an der Prüfung haben. Auch in deren Interesse ist die externe Rechnungslegung zu erstellen.

Die Gründe, aus denen sie ein eigenes Interesse an dem Unternehmen haben, resultiert häufig aus ihrer jeweilig wechselseitigen wirtschaftlichen Beziehung. Durch die entstandene Beziehung entsteht auf Seiten der Interessenten das Verlangen, auf wahrheitsgemäße Berichterstattung. Nur so könne die eigenen Interessen gesichert werden.

Zum einen sind es die Anteilseigner, die an einer maximalen Rendite interessiert sind. Für sie ist die finanzielle Zukunft des Unternehmens von entscheidender Bedeutung.

Auch die Gläubiger des Unternehmens sind an der finanziellen Entwicklung des Unternehmens interessiert. Sie wollen im Falle von vertraglichen Beziehungen wissen, ob das betroffene Unternehmen seinen vertraglichen, insbesondere finanziellen Verpflichtungen in hinlänglicher Art und Weise nachkommen kann.

Gerade Kunden und Lieferanten sind als wesentliche Gläubiger zu betrachten, da ihr Eigennutze daraus resultiert, dass das Unternehmen weiterhin liquide Mittel zur Verfügung hat und somit für eventuelle Gewährleistungs- bzw. Garantieansprüche und andere Forderungen aufkommen kann.

Das Interesse der Arbeitnehmer richtet sich hauptsächlich auf die Punkte der Arbeitssicherheit, Arbeitsplatzbedingungen und dem persönlichen Entwicklungsprogress der Karriere in dem Unternehmen. Diese Faktoren müssen ebenfalls für künftige Ereignisse finanziell abgesichert sein.

Einer der entscheidendsten Adressaten von geprüften Jahresabschlussinformationen ist die Öffentlichkeit. Sowohl mittelständische als auch größere Unternehmen können die makropolitische Situation ganzer Regionen beeinflussen. Firmen ab einer gewissen Größe können aufgrund ihrer Wirtschaftskraft auf ihre Umgebung massiv einwirken. Daher ist es für die Öffentlichkeit von enormen Interesse, über die VFE-Lage des Unternehmens im Klaren zu sein.2

Dabei unterliegt nicht jedes Unternehmen der Prüfungspflicht und dies auch nicht nur zum Ende eines Geschäftsjahres. Dazu wird zeitlich unterschieden in Form der periodischen und aperiodischen Prüfungen. Dabei wird unter Punkt 2.2.1.1. spezifiziert werden, wo der genaue Unterschied liegt.

Besonders zu berücksichtigen ist bei der periodischen Prüfung, die größenabhängige Pflichtprüfung von Kapitalgesellschaften und von solchen mit anderen Gesellschaftsformen.

1.3 Ziel der Arbeit

Ziel der Arbeit ist es zu klären, ob und inwieweit es Interdependenzen zwischen der jeweiligen Zielsetzung und der jeweiligen Vorgehensweise gibt. Dazu ist es notwendig aufzuzeigen, welche kaufmännischen, rechtlichen und sonstigen Aspekte zur Zielsetzung und zur Vorgehensweise gehören und wie mit ihnen im Einzelfall umzugehen ist.

Nach Darlegung der allgemeinen rechtlichen Grundlagen in Bezug auf die Bilanz und auf die relevanten Prüfungen, wird eine Prüfungsplanung zu treffen sein, welche prüfungsrelevanten Größen in welcher Art und Weise geprüft werden sollen.

Diese Prüfungsplanung hat das Ziel, Prüfungen möglichst kurz zu halten und mit geringstem finanziellem Aufwand eine geeignete Stufe der Sicherheit der Prüfung zu ermitteln und zu gewährleisten. Die Ziele sind folglich so festzulegen, dass bei geeigneter Prüfungsvorgehensweise bzw. Prüftechnik möglichst ein uneingeschränkter Bestätigungsvermerk des Abschlussprüfers erteilt werden kann. Es sind folglich die jeweils notwendigen, zielabhängigen Vorgehensweisen herauszuarbeiten und zu begründen.

2. Zielsetzung und Prüfungstechnik

2.1 Rechtliche Bestimmungen

Um die Notwenigkeit von Prüfungen zu erläutern, ist es erforderlich, zu allererst die gesetzlichen Vorschriften, und berufsständischen Regelungen und Standards darzulegen. Diese Faktoren verhelfen schließlich zur Zielbildung und dadurch zur zielabhängigen Vorgehensweise.

Dazu wird in Punkt 2.1.1 der Jahresabschluss mit einem speziellen Augenmerk auf die dazugehörige Bilanz angesprochen. Daran anschließend wird das Kernthema dieser Thesis, die eigentliche Prüfungsthematik unter Punkt 2.1.2. behandelt.

2.1.1 Rechtliche Bestimmungen zum Jahresabschluss

In diesem Kapitel werden die grundsätzlichen rechtlichen Rahmenbedingungen erläutert, die notwendig sind, um den Jahresabschluss zu verstehen. Als grundsätzliche Frage stellt sich, was der Jahresabschluss ist und wo dieser, vor allem auch rechtlich, einzuordnen ist.

Um den Jahresabschluss sinnvoll einordnen zu können, ist die betriebliche Rechnungswesen zu betrachten, die als Unterstützungsfunktion der Betriebsleitung zu verstehen ist.

Das Rechnungswesen ist wiederum in weitere Subsysteme zu zerteilen, nämlich die Finanzbuchhaltung, die Kostenrechnung, Statistik, Planrechnung und Vergleichsrechnung.

Dazu gibt es auf der einen Seite das interne Rechnungswesen. Diese ist zwar nicht verpflichtend, jedoch unerlässlich. Sie setzt sich mit Funktionen wie der Betriebsabrechnung und der Kosten- und Leistungsrechnung auseinander, die wichtige Planungs- und Steuerungsinformationen der Unternehmensleitung zur Verfügung stellt.

Auf der anderen Seite befindet sich im Rahmen des externen Rechnungswesens die Finanzbuchhaltung, die als Grundlage für die Bilanz dient. Sie ist für darunter fallende Unternehmen verpflichtend.3

Rechnungslegungspflichtige Unternehmen sind somit verpflichtet, nach §189 UGB einen Jahresabschluss aufzustellen. Das gilt für alle Unternehmen, die einen Umsatz- Schwellenwert vom 700.000 Euro innerhalb von 2 Jahren überschreiten oder einen qualifizierten Umsatz-Schwellenwert von 1.000.000 Euro in einem Jahr überschreiten. Die Regelung gilt für alle Personengesellschaften und Kapitalgesellschaften, bei denen kein unbeschränkt haftender Gesellschafter eine natürliche Person ist. Hierbei gibt es dann auch noch Spezifizierungen. Ausgenommen sind Land-, Forstwirte und freie Berufe, wie z.B. Ärzte, Rechtsanwälte und Notare.

Jahresabschlusspflichtige Unternehmen sind aufgrund ihrer Rechtsform Kapitalgesellschaften (GmbH, AG, SE, etc.), verdeckte Kapitalgesellschaften, Genossenschaften und Vereine. Genossenschaften und Vereine gehören nur dann zu den betroffenen Unternehmen, wenn sie die oben beschriebenen Schwellenwerte von 700.000 Euro bzw. den qualifizierten Umsatz-Schwellenwert von 1.000.000 überschreiten.4

Wie in Punkt 1.2 bereits angeschnitten, obliegt der Inhalt des Jahresabschlusses in wesentlichen Teilen dem Unternehmensgesetzbuch.

Zentraler Bedeutung hat dabei die Vorschrift, dass der Jahresabschluss dazu führen soll, ein möglichst getreues Bild der VFE-Lage zu vermitteln (§222 Abs.2 UGB). Unter anderem ist darauf zu achten, dass die einmal gewählte Gliederung des Jahresabschlusses beibehalten wird (§223 Abs.1 UGB). Insbesondere wenn es um die aufeinanderfolgenden Bilanzen und Gewinn-und Verlustrechnungen geht. Dadurch ist jährlich gewährleistet, dass spezifische Posten immer unter den selben Konten zu finden sind.

Um die VFE-Lage darzustellen, hat sich das Unternehmen verschiedener Instrumente, wie z.B. der Bilanz, dem Cashflow-Statement und der GuV zu bedienen.5

Grundlegend aufgebaut und gegliedert ist diese einerseits nach der Aktivseite, die das Anlage- und das Umlaufvermögen beinhaltet. Andererseits ist dort die Passivseite, die sich aus Eigenkapital und Fremdkapital besteht (§224 UGB). Grob betrachtet unterscheiden sich die Aktivseite von der Passivseite dadurch, dass man den Aktiva die Mittelverwendung und den Passiva die Mittelherkunft zuschreibt.6

Zur Bilanzierung und zum Inhalt des Jahresabschlusses ist laut §195 UGB zu beachten, dass der Jahresabschluss klar und übersichtlich aufzustellen ist, ein klares Bild der Vermögens- und Ertragslage zu vermitteln ist und dass dies nach den Grundzügen ordnungsmäßiger Buchführung zu geschehen hat.

Bisher wurde die Rechnungslegung nur über rein nationale Gesetze und Vorschriften beschrieben. Allerdings muss sich ein Unternehmen, dass international agieren möchte auch solchen internationalen Standards anpassen, wie den IFRS (International Financial Reporting Standards). Die Hauptaufgabe der IFRS ist die Deckung des Informationsbedürfnisses der Kapitalinvestoren7. Um deren Informationsbedarf im Wesentlichen zu entsprechen sind folgende Elemente dem Abschluss zu inkludieren:

Die Darstellung der Vermögenslage, der Bilanz, der GuV mit sonstigen Gesamtergebnisbestandteilen, des Anhangs, der Eigenkapitalveränderungsrechnung und der Kapitalflussrechnung.8 In dem Falle, dass ein Unternehmen Anteile an rechtlich selbstständigen Unternehmen hält, verlangen die nationalen Vorschriften dort noch zusätzlich die Anfertigung eines Konzernlageberichts gemäß §245 UGB.

Hier einige Beispiele zu den Unterscheidungen von UGB und IFRS.

Aus der Betrachtung der Rechnungsziele kann man die Unterschiede zwischen UGB und IFRS daran festmachen, dass das IFRS vor allem der Information dient, und dass das UGB Ziele wie Kapitalerhaltung, Gläubigerschutz, Steuerbemessung, Information verfolgt. Das wird auch durch die jeweils unterschiedlich vorherrschenden Darlegungsgrundsätze deutlich. Das UGB handelt nach dem Vorsichtsgrundsatz, während das IFRS von dem Prinzip des „ True and fair view “ geleitet wird. In der GuV bietet das IFRS wesentlich größere Gestaltungsfreiräume als das UGB. Die Kapitalflussrechnung ist laut UGB nur für Konzernabschlüsse verpflichtend, jedoch nach IFRS vorgeschrieben.9

2.1.2 Rechtliche Bestimmungen zur Prüfung

In den Grundlagen dieser Abhandlungen (Punkt 1.2) wurde bereits auf die Gründe und Interessenten der Jahresabschlüsse verwiesen. Im weiteren Vorgehen werden die rechtlichen Grundlagen dieser Prüfungen nach den Gesetzen, den berufsständischen Regelungen und den internationales Prüfstandards dieses Fachgebiets erläutert.

Zentral steht die Pflicht der Abschlussprüfung nach §268 UGB, der besagt, dass der Jahresabschluss durch einen Abschlussprüfer zu prüfen ist. Dies ist jedoch nicht notwendig, sobald es sich um eine kleine Gesellschaft mit beschränkter Haftung handelt. Zu beachten ist außerdem, dass der Abschlussprüfer von Konzernlageberichte und Konzernabschlüsse die jeweiligen Abschlüsse und Lageberichte von abhängigen Unternehmen zu prüfen hat, bevor diese der Muttergesellschaft vorgelegt werden (§268 Abs. 2 UGB).

Im Umfang des Jahresabschlusses ist die Buchführung nach §§224 ff UGB zu prüfen und darauf hin zu kontrollieren, ob die gesetzlichen Vorschriften und ergänzenden Bestimmungen der jeweiligen Gesellschaftsverträge oder der Satzungen auch eingehalten wurde. Dabei ist drauf zu verweisen, dass der Abschlussprüfer die volle Verantwortung für den Bestätigungsvermerk trägt und obendrein noch dazu verpflichtet ist, die Abschlüsse auf die Einhaltung der bereits erwähnten GoB’s zu überprüfen (§269 UGB).

2.1.2.1 Der Abschlussprüfer

Laut §268 Abs.4 UGB kann der Abschlussprüfer bzw. Konzernabschlussprüfer ein einzelner Wirtschaftsprüfer oder auch eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft sein.

§2 A-QSG verpflichtet die Angehörigen dieses Berufsstandes im Rahmen von externen Qualitätskontrollen die Regelungen, die zur Einhaltung ihrer Berufspflichten notwendig sind, zu schaffen und diese schließlich auch zu überwachen und durchzusetzen. Dazu werden die Wirtschaftsprüfer internen Qualitätssicherungsmaßnahmen unterzogen, um zu gewährleisten, dass sie mit hinreichender Sicherheit die betriebswirtschaftlicher Prüfungen ordnungsgemäß durchzuführen.10

Solche Qualitätsprüfungen dürfen nur von dafür speziell vorgesehenen Personen durchgeführt werden, die als Qualitätsprüfer eingetragen sind und Vorstandsmitglied, Geschäftsführer, vertretungsbefugter Personengesellschafter oder angestellter Revisor der Prüfungsgesellschaft sind (§11 Abs.1 A-QSG).

Der Abschlussprüfer wird laut §270 Abs.1 UGB von den Gesellschaftern gewählt. Jedoch hat der Aufsichtsrat, soweit vorhanden, einen Vorschlag hierfür einzureichen.

Jedoch gibt es spezielle Gründe, weshalb der Prüfer nicht zugelassen werden kann. Infolge §271 UGB gilt ein Abschlussprüfer als befangen, wenn nicht zugelassene oder nicht bekannt gemachte Beziehungen zwischen dem Prüfer und dem zu prüfenden Unternehmen bestehen. Diese Beziehungen können geschäftlicher, finanzieller oder persönlicher Art sein.

Damit es hierbei zu keinen Komplikationen kommt, wird im Zuge von externen Qualitätssicherungsmaßnahmen die nicht vorhandene Befangenheit des Prüfers festgestellt (§15 A-QSG). Des weiteren sind in §271a UGB weiter Angaben zu den Ausschlussgründen des AP gemacht, in denen auf spezielle Gründe der Ausübungsuntersagung eingegangen wird. Als Beispiel wird auf die Mithilfe bei Steuerberatungsleistungen oder die Entwicklung, Installation und Einführung von Rechnungslegungsinformationssystemen verwiesen. (§271a Abs.2f UGB)

2.1.2.2. Die gesetzliche Prüfungspflicht für Unternehmen

In §268 wird nicht nur geregelt, durch wen eine Abschlussprüfung zu erfolgen hat. Vielmehr wird auch festgelegt, welche Unternehmen von der gesetzlichen Prüfungspflicht betroffen sind.

Hierbei handelt es sich um mittelgroße und große Kapitalgesellschaften. Kleine Gesellschaften sind davon nicht betroffen, solange sie nicht gesetzlich verpflichtet sind, einen Aufsichtsrat zu bilden. Festlegungen zu den einzelnen Größenklassen der Kapitalgesellschaften finden sich im § 221 UGB. Weiterhin sind dort geregelt die Personengesellschaften geregelt, bei denen kein unbeschränkt haftender Gesellschafter eine natürliche Person ist, sondern dies eine Kapitalgesellschaft ist. Diese Gesellschaften unterliegen der gesetzlichen Prüfungspflicht. (§221 Abs. 5 UGB)

2.1.2.3 Regelungen, Standards und Fachgutachten

Nachdem nun deutlich gemacht wurde, warum geprüft wird, und wer unter die gesetzlichen Pflichtprüfungen fällt, wird im Folgenden dargestellt, gemäß welchen Regelungen, Fachgutachten und Standards eine Prüfung abläuft.

Grundlegend beruht eine Prüfung auf den Gesetzen, den berufsständischen Regelungen und den internationalen Standards.

Die gesetzlichen Vorschriften bilden für die Prüfung das nationale Rahmenkonzept, das für die inländischen Unternehmen bestimmt ist, die der gesetzlichen Prüfungspflicht unterliegen.

Zur Spezifizierung und Erweiterung dieser Gesetzestexte existieren nun berufsständische Regelungen, die von der Kammer der Wirtschaftstreuhänder (KWT), Fachsenaten (KFS) und dem Institut Österreichischer Wirtschaftsprüfer (IWP) ausgegeben werden. Dazu wird vom IWP ein ganzer Katalog an Fachgutachten, Richtlinien und Stellungsnahmen ausgegeben. Dieser erstreckt sich unter anderem über die Fachgebiete der Rechnungslegung (RL), Prüfung-Grundsatzfragen (PG) und die Prüfung-Einzelfragen (PE).11

Hierbei werden beispielsweise im sogenannten KFS/PG1 Fachgutachten von den Fachsenaten herausgegeben, die regeln, wie bei der Durchführung der Abschlussprüfung zu verfahren ist.12 Diese Fachgutachten berufen sich auf Standards, die gesetzlich verpflichtend sind. Ergänzend ist darauf zu verweisen , dass im Falle der Übernahme von internationalen Standards durch die Europäische Kommission die Abschlüsse nach diesem aufzustellen sind. (§269a UGB)

Hierunter fallen die International Standards of Auditing (ISAs), die vom International Auditing and Assurance Standards Board (IAASB) herausgegeben werden. Diese sollen zum einen als neue Leitsätze dienen und zum andern die Notwendigkeit erfüllen, niedergeschriebene Prinzipien darzustellen.13

Im Rahmen der Abschlussprüfung befasst man sich grundsätzlich mit den ISAs von 200: „ Übergreifende Zielsetzung des unabhängigen Prüfers und Grundsätze einer Prüfung in Übereinstimmung mit den ISAs “ bis hin zu ISA 810: „ Bericht über zusammenfassende Abschlüsse“

Der ISA 200 gibt die Rahmenbedingung vor, die die Zielsetzung umfasst und erläutert den Zweck, den die Prüfung erfüllen soll.

Grundlegend sind die ISAs alle nach einem Muster aufgebaut. Sie beginnen mit der Vorbemerkung, die den Anwendungsbereich darstellen. Als zweiter Punkt kommt das Ziel der jeweiligen ISA, dass durch den Prüfer erreicht werden muss, um hinreichende Prüfsicherheit zu erreichen. Danach werden die verpflichtenden Anforderungen an den Prüfer aufgezeigt, die es einzuhalten gilt. Als letzten Punkt jedes ISA folgen die Anwendungshinweise, die dem Prüfer als Erläuterung dienen.14

Dazu wird in den nächsten Kapiteln näheres erläutert.

2.2 Gesamtziel der Prüfung

Das Gesamtziel der Prüfung baut auf bestimmten Grundannahmen auf. Dabei sind auf der einen Seite die Zielarten zu betrachten und auf der anderen Seite die Zielrichtung.

Die sogenannten Zielarten sind in Grob- und Feinziele zu unterteilen.

Schon im Vorab wir darauf verwiesen, dass die Feinziele innerhalb des Prüfungsprozesses (Punkt 2.3) festgelegt werden. Dieser gliedert sich dabei grob in Auftragsannahme, Prüfungsplanung, Durchführung und Berichtserstattung. Hierbei werden Zielerwartungen an jeden einzelnen dieser jeweiligen Prozesse gerichtet.

Das vorliegende Kapitel beschäftigt sich mit der Grobzielsetzung des Prüfers, nämlich dem Gesamtziel der Prüfung. Um zu ermitteln, wobei es sich bei dem Grobziel handelt, bedarf es einer schrittweisen Näherung. Dazu wird die Grundlage der Prüfung dadurch ermittelt und festgelegt, dass die unternehmerische Überwachung in Relation zu der zeitlichen (periodisch bzw. aperiodisch), formellen und materiellen Prüfung gebracht wird.

Aufgrund dieser Faktoren sollte es dem Prüfer dann möglich sein, Verständnis für die Geschäftstätigkeit aufzubringen und den Prüfungsinhalt bestimmen zu können.

Für die Zielsetzung ist es zusätzlich sinnvoll, sich ein klares Bild über die jeweiligen Normenarten zu machen. Die Prüfung selbst hat den relevanten Prüfnormen zu entsprechen.15 Aus den Normenarten, besser gesagt aus den fachtechnischen Normen, lässt sich dann schließlich auch die spätere Vorgehensweise der Prüfung ableiten.

Die bisherigen Schritte, die schließlich zu den Zielgrößen führen, dürfen jedoch nicht die Gesichtspunkte des Risikos und der Wesentlichkeit der zu betrachtenden Prüfungsobjekte außer Acht lassen. Diese Gesichtspunkte sind von entscheidender Bedeutung in der späteren Vorgehensweise, da sie den kompletten Prüfungsprozess begleiten. Auch wenn die Einflüsse erst eine wichtige Rolle in der schlussendlichen Planung spielen, sind sie durchaus schon in der Grobzielplanung zu berücksichtigen.

Das folgende Kapitel klärt nun, aus welchen Teilaspekten sich die Grobzielsetzung zusammensetzt. Die gewonnenen Erkenntnisse werden dann unter Punkt 2.2.5. zusammengefasst.

[...]


1 Vgl. Marten, Quick & Ruhnke, Wirtschaftsprüfung, 2007, S. 16

2 vgl. Lück, 1.2 Die Interessenten der Jahresabschlussprüfung,1999, S. 3-4

3 vgl. Koeder, Funktionen, 1993, S. 19

4 vgl. Bundesministerium für Finanzen, Betroffene Unternehmen, 2016

5 vgl. Auer, Instrument, 2011, S. 4

6 vgl. Kreidl & Messner,Bilanz, 2010, S. 21

7 vgl. Bitzyk & Steckel, Allgemeines, 2014, S. 9

8 vgl. Bitzyk & Steckel, Elemente, 2014, S. 12

9 vgl. Kreidl & Messner, Unterschied, 2010, S. 23

10 vgl. Institut der Wirtschaftsprüfer in Deutschland, 2008, Abschn. Q1

11 vgl. Bernhard Waldbrunner, SIWA Online GmbH, o. J.

12 vgl. Institut Österreichischer Wirtschaftsprüfer, 2015

13 vgl. Freidank & Sassen, ISAs, 2012, S. 33

14 vgl. Steckel & Baldauf, Internationale Standards on Auditing, 2016, S. 7 f.

15 vgl. Marten et al., Zielsetzung, 2007, S. 115

Ende der Leseprobe aus 55 Seiten

Details

Titel
Vergleich von Zielsetzung und Vorgehensweise bei der Abschlussprüfung
Hochschule
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck  (Institut für Rechnungswesen, Steuerlehre & Wirtschaftsprüfung)
Note
3
Autor
Jahr
2016
Seiten
55
Katalognummer
V588060
ISBN (eBook)
9783346174574
ISBN (Buch)
9783346174581
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Abschlussprüfung, Wirtschaftsprüfung, Jahresabschluss, Risko der Prüfung, Prüfung der Wesentlichkeit, Prüfungsprozess, Auftragsannahme, Prüfungsplanung, Durchführung der Prüfung, Berichterstattung
Arbeit zitieren
Justin Deisenroth (Autor), 2016, Vergleich von Zielsetzung und Vorgehensweise bei der Abschlussprüfung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/588060

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