Der Unterricht von Politik, im Sinne der Bedeutung von Gesetzen und Wirtschaft, tritt in Schulen unter vielen Namen auf. Teilweise als Sozialkunde, schlicht als Politikunterricht oder auch als Gemeinschafts- und Staatsbürgerkunde tituliert, zielt das Fach aber in die gleiche Richtung ab: Schülerinnen und Schülern soll aufgezeigt werden, was Politik ist und wie sie funktioniert, welche Akteure beteiligt sind und wie politisches Handeln im „Alltag“ anzutreffen ist.
Ziel der vorliegenden Hausarbeit ist es, die Entwicklungen der Urteils- und Konfliktkompetenzen der Schülerinnen Elke, Johanna und Laura formal als Argumentation und inhaltlich als politische Orientierung innerhalb des Lehrstücks Dorfgründung
nachzuvollziehen und dabei ihre individuellen Lernwege zu rekonstruieren.
Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung
2. Forschungsziel und –Methode
3. Interpretation: Politisierungstypen / Lerngruppenprofile
3.1 Kurzer Überblick über den Fall
3.2 Schlüsselstellen im Lehrstück
3.2.1 Elke
3.2.2 Laura
3.2.3 Johanna
3.3 Analyse der Lernwege
4. Auswertung
4.1 Welche Möglichkeiten oder Gefahren ergeben sich aus der Methode Dorfgründung für Elke, Laura und Johanna?
4.2 Konsequenzen für Lehrerhandeln und Didaktik
4.3 Selbstreflexion
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, die individuellen Lernprozesse und die Entwicklung der Urteils- sowie Konfliktkompetenzen dreier Schülerinnen (Elke, Johanna und Laura) im Rahmen des Lehrstücks "Dorfgründung" zu rekonstruieren und qualitativ zu analysieren. Dabei wird der Fokus darauf gelegt, wie die Schülerinnen von einem primär privaten Argumentationsniveau in einen politisch-öffentlichen Diskurs übergehen und welche Rolle dabei ihr Bedürfnis nach Struktur und Harmonie spielt.
- Analyse individueller Lernprozesse in der politischen Bildung
- Anwendung des "hermeneutischen Dreischritts" und der Argumentationsanalyse nach Toulmin
- Untersuchung der Politisierungstypen im Kontext des Lehrstücks "Dorfgründung"
- Rekonstruktion der Argumentationsniveaus der beteiligten Schülerinnen
- Reflexion über didaktische Konsequenzen für den Politikunterricht
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Elke
Eine Schlüsselstelle im Lernprozess von Elke ist die Diskussion zum Erbrecht und die damit verbundene Verteilungskonfliktlinie in der 5. Szene des zweiten Akts:
2. Akt, 5. Szene: Fünfte Dorfversammlung: Ein Dorfmodell wählen (2): Erbrecht und Gerechtigkeit
27. Wencke: Ich habe mal eine Frage. Wenn du sagst, prozentuale Abgaben. [?] für jeden, dass er alles behalten kann, was er will oder haben wir auch so was wie - Marx hatte ein Erbverbot.
70. Elke: Ich finde auch, es ist so ein bisschen potenzialhemmend und auf die Arbeit auch allein auswirken könnte. Weil die Eltern praktisch im Hinterkopf immer haben, egal was sie jetzt schaffen, das wird nicht bleiben nach ihrem Tod. Und das kann natürlich dann sein, dass sie sagen, OK, dann streng ich mich halt gar nicht erst an, wie du gesagt hast. Und ich glaube nicht, dass das gut ist...
71. Wencke: ... Was heißt, nicht anstrengen, sondern von wegen ich spare nicht mir was vom Mund ab, um es meinem Kind zu geben, sondern ...
72. Elke: ... Also gebe ich es aus und ...
73. Wencke: ... Ja, ich gebe es aus und ich sage, ich sorg dafür, dass in dem Dorf ein vernünftiges Bildungssystem herrscht.
74. Elke: Ja, aber wenn du irgendwie ...
75. Wencke: ... Und damit, finde ich, ist es eigentlich besser dran, jedes Kind, das in diesem Dorf zur Welt kommt, dann die gleichen Chancen hat von vorn herein. Und ich meine, die Sachen auch von wegen da ist kein Andenken mehr, ich meine, weswegen willst du erinnert werden, weil du deinem Kind ein Auto vermacht hast oder weil du deinem Kind eine gute Mutter oder guter Vater gewesen bist?
76. Elke: Aber es ist ja schon Veranlagung, dass du [?] hinterlassen möchtest. Und wenn du irgendetwas Großes aufbaust, ist ja klar, dass du das tust, mit dem Gedanken, dass es danach sowieso irgendwie …
Zusammenfassung der Kapitel
1.Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Bedeutung moderner Methoden in der politischen Bildung und führt das Lehrstück "Dorfgründung" als Möglichkeit ein, politische Mündigkeit jenseits von Frontalunterricht zu fördern.
2. Forschungsziel und –Methode: In diesem Kapitel werden die Forschungsfragen sowie die theoretische Grundlage der Best-Practice-Forschung und der hermeneutischen Analyse zur Untersuchung der Lernprozesse erläutert.
3. Interpretation: Politisierungstypen / Lerngruppenprofile: Hier erfolgt eine detaillierte Analyse der individuellen Lernverläufe von Elke, Laura und Johanna anhand von Schlüsselstellen im Unterricht und deren Argumentationsmustern.
4. Auswertung: Dieses Kapitel wertet die Ergebnisse hinsichtlich der Chancen und Gefahren der Methode "Dorfgründung" aus, zieht Konsequenzen für das Lehrerhandeln und reflektiert den Prozess aus Sicht des Autors.
5. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten fachdidaktischen und wissenschaftlichen Quellen.
Schlüsselwörter
Politikunterricht, Dorfgründung, Lernprozessanalyse, Argumentationsanalyse, Politische Mündigkeit, Bürgerbewusstsein, Urteilskompetenz, Konfliktkompetenz, Politisierungstypen, Didaktik, Sozialwissenschaften, Partizipation, hermeneutische Analyse, handlungsorientierter Unterricht, Kompetenzmodell.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Lernprozesse dreier Schülerinnen während der Durchführung des Lehrstücks "Dorfgründung" und untersucht deren politische Kompetenzentwicklung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind politische Mündigkeit, der Einsatz handlungsorientierter Methoden wie Planspiele im Politikunterricht sowie die diagnostische Erschließung individueller politischer Urteilsbildung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, die Entwicklung der Urteils- und Konfliktkompetenzen der drei Schülerinnen zu dokumentieren und zu rekonstruieren, wie sie sich im Rahmen einer simulierten Gemeinschaft politisch positionieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin/der Autor nutzt die Best-Practice-Forschung und den hermeneutischen Dreischritt (Verstehen, Auslegen, Anwenden), ergänzt durch eine Argumentationsanalyse nach dem Toulmin-Schema.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung, eine detaillierte Fallinterpretation der drei Schülerinnen (basierend auf Protokollen) und eine abschließende Auswertung des methodischen Vorgehens.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen zählen Politikdidaktik, Lernprozessanalyse, Konfliktkompetenz, Dorfgründung und Bürgerbewusstsein.
Welche Rolle spielt das Harmoniebedürfnis der Schülerinnen?
Die Analyse zeigt, dass alle drei Schülerinnen stark von einem Bedürfnis nach Harmonie und formaler Sicherheit geleitet werden, was dazu führt, dass sie Konflikte im Unterricht eher vermeiden und sich an starken Mitschülern orientieren.
Warum wird die Methode "Dorfgründung" als geeignet für diese Analyse erachtet?
Das Lehrstück erlaubt es, Lernprozesse durch aufeinander aufbauende Akte zu strukturieren und das Kompetenzniveau der Schüler anhand ihrer Argumentationen im "Dorfalltag" objektivierbar zu machen.
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- N. H. (Autor), 2011, Elke, Johanna und Laura. Lernprozessanalyse dreier Schülerinnen im Lehrstück "Dorfgründung", Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/588101