Mobile TV - Formate. Geschäftsmodelle und Erfolgsfaktoren für eine erfolgreiche Markteinführung


Diplomarbeit, 2006

147 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Gegenstand der Arbeit
1.2 Zentrale Fragestellung
1.3 Aufbau der Arbeit
1.4 Zur Quellenlage

2. Stand der technologischen Voraussetzungen für die Einführung von Mobile TV
2.1. Übertragungstechnologien
2.1.1. DVB-H
2.1.2. DMB
2.1.3. ISD B-T
2.1.4. Media-FLO
2.1.5. DXB
2.1.6. GPRS
2.1.7. UMTS
2.1.8. Wireless LAN/WiMAX
2.1.9. Vergleich der Technologien
2.2. Endgerätesituation
2.2.1. Endgeräteaustauschzyklus
2.2.2. Anforderungen an die Endgeräte
2.2.2.1. Displaytechnologie
2.2.2.2. Akkukapazität
2.2.2.3. Speichermöglichkeiten
2.2.2.4. Audio

3. Formate und Dienste für Mobile TV
3.1. Merkmale der mobilen TV-Nutzung
3.1.1. Änderung der Sehgewohnheiten durch Ortsunabhängigkeit
3.1.2. Sonstige Merkmale der mobilen TV-Nutzung
3.1.3. Erwartungen der Konsumenten an mobilen Content
3.2. Anforderungen an Mobile Content
3.3. Potentielle Angebotsformen
3.4. Formate für Mobile TV
3.4.1. Nachrichten
3.4.2. Sport
3.4.3. Erotik
3.4.4. Comedy
3.4.5. Fiktionale Formate
3.4.6. Musikprogramme
3.4.7. Teleshopping
3.4.8 Quizshows
3.5. Dienste für Mobile TV
3.5.1. Mehrwertdienste
3.5.2. Location Based Services
3.5.3. Glücksspiele/Wetten
3.5.4. Electronic Service/Program Guide

4. Geschäftsmodelle
4.1. Marktpotential
4.2. Wertschöpfungskette Mobile TV
4.3. Potentielle Geschäftsmodelle
4.3.1. Grundlagen des Geschäftsmodells
4.3.2. Verschiedene Erlösmodelle
4.3.2.1. Indirekte Erlöse
4.3.2.2. Direkte Erlöse
4.3.2.3. Abrechnungsproblematik
4.3.3. Potentielle Führungsmodelle
4.3.3.1. TV-geführtes Modell
4.3.3.2. Mobilfunk-geführtes Modell
4.3.4.3. Unabhängiger Plattformbetreiber
4.3.4. Geschäftsmodelle zwischen den Marktbeteiligten
4.3.4.1. Erlösteilung
4.3.4.2. Content-Lizenzierung
4.3.4.3. Content-Auftragsproduktion

5. Erfolgsfaktoren
5.1. Grundlegende Erfolgsfaktoren für die Markteinführung
5.1.1. Erfolgsfaktor Frequenzverfügbarkeit
5.1.2. Erfolgsfaktor Endgerätesubvention
5.2. Grundlegende Erfolgsfaktoren für die Marktentwicklung
5.2.1. Erfolgsfaktor exklusiver Content
5.2.2. Erfolgsfaktor transparente Tarife
5.3. Übergreifender Erfolgsfaktor – Partnerschaftliche Marktentwicklung

6. Fazit

7. Quellenverzeichnis

8. Anhang
8.2. Glossar
8.3. Eidesstattliche Versicherung

EIDESSTATTLICHE VERSICHERUNG

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1 : Vergleich der Prime Times; eigene Darstellung nach Wirtz, B., „Medien- und Internetmanagement“, Wiesbaden 2005, S. 303 und Park, Dr. A., „Next Generation of Mobile Devices“, Vortrag bei den Medientagen München, 26.10.05, S. 2

Abb. 2 : Verschiedene Angebotsformen; eigene Darstellung

Abb. 3: Mobile-Entertainment-Umsatz Deutschland 2004; eigene Darstellung nach Midray, „Analyse 2004“, bei: Figge, D./Westerberg, F., „Mobile Entertainment–OMD Workshop“, S. 14

Abb. 4: Interesse der Nutzer an Mobile TV BMCO Projekt Berlin; eigene Darstellung nach Künstner, T., „Mobile Media: Wachstumsmarkt oder Branchenhysterie?“, Vortrag bei den Medientagen in München, 28.10.05, S. 9

Abb. 5: Umsatzprognose Mobile TV in Deutschland; eigene Darstellung nach Goldmedia, „Mobile TV 2010. Marktpotentiale für mobiles Fernsehen über T-DMB und DVB-H in Deutschland“, zitiert bei Eckstein, E., „Bereit für Fernsehen auf dem Handy“, in: Medien Bulletin 12/2005, S. 46

Abb. 6: Mobile TV Wertschöpfungskette; eigene Darstellung

Abb. 7: Teilmodelle eines integrierten Geschäftsmodells; eigene Darstellung nach Wirtz, B., „Electronic Business“, Wiesbaden 2001, S. 211

Abb. 8: Erlösmodelsystematik; eigene Darstellung nach Wirtz, B. , „Electronic Business“, Wiesbaden 2001, S. 215

Abb. 9: TV-geführtes Modell; eigene Darstellung nach Digital Terrestrial Television Action Group, „Television on a handheld receiver“, S. 12

Abb. 10: Mobilfunk geführtes Modell; eigene Darstellung nach Digital Terrestrial Television Action Group, „Television on a handheld receiver“, S. 12

Abb. 11: Unabhängiger Plattformbetreiber; eigene Darstellung nach Digital Terrestrial Television Action Group, „Television on a handheld receiver“, S. 13

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Vergleich der Technologien; eigene Darstellung

Tabelle 2: Übersicht über verschiedene Erlösformen; eigene Darstellung

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

1.1 Gegenstand der Arbeit

Bedingt durch die Digitalisierung und die damit verbundene Konvergenz der einzelnen Medien hat der individuelle Konsum medialer Inhalte in den letzten zehn Jahren stark zugenommen.

So ist es heutzutage beispielsweise möglich, sich eine persönliche Musiksammlung mit aus dem Internet heruntergeladenen Titeln zusammenzustellen oder problemlos auf das reichhaltige Angebot an unterschiedlichen multimedialen Informationsquellen zuzugreifen.

Auch im Bereich Fernsehen hat die Digitalisierung der Übertragungskanäle und die damit verbundene Multiplikation der angebotenen Programme es den Konsumenten ermöglicht, aus einem breiteren Angebotsspektrum auszuwählen. Zusätzlich bietet die Entwicklung neuer Produkte wie z.B. des Personal Video Recorders (PVR) den Konsumenten den Nutzen, sich die Inhalte persönlich nach eigenem Belieben zusammenzustellen sowie den Zeitpunkt des Konsums teils selbst zu bestimmen.

Durch Video-on-Demand- oder Pay-per-View-Angebote, die in anderen Ländern bereits weit verbreitet sind, wird diese Personalisierung des Fernsehkonsums in Deutschland zukünftig sogar noch weiter zunehmen.

Parallel dazu steigt die Mobilität der Menschen seit einigen Jahren immer weiter an. Besonders zeigt sich dies am großen Erfolg der mobilen Kommunikation. Weltweit nutzen bereits über 2 Mrd. Menschen Mobilfunk und alleine in Deutschland besteht mit rund 75 Mio. Nutzern[1] bei ca. 83 Mio. Einwohnern eine Marktdurchdringung von knapp 90 %. Laut Prognosen werden in wenigen Jahren sogar mehr Telefonate über das Mobiltelefon geführt werden als über das Festnetz[2] und mittelfristig sollen diese beiden Bereiche komplett zusammenwachsen[3].

Während des großen Hypes um die Versteigerung der UMTS-Lizenzen im Jahr 2000 wurden die Erwartungen geschürt, dass es zusätzlich zur reinen Kommunikation möglich sein werde, Musik über das UMTS-Netz auf das Mobiltelefon herunterzuladen, Radio zu hören, kurze Videos anzuschauen und sogar fernzusehen.

Kurz gesagt, neben der Kommunikation sollte nun auch der Medienkonsum mobil werden. In diesem Zusammenhang wurde das Mobiltelefon auch gerne als der vierte Bildschirm der Geschichte nach der Kinoleinwand, dem Fernseher und dem Computer bezeichnet[4] und der Begriff des Mobile Entertainment[5] geprägt.

Doch die große UMTS-Euphorie war schon bald wieder verflogen und als die ersten Non-Video-Angebote im Jahr 2003 starteten, geschah dies mehr oder weniger unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Kaum mehr jemand dachte an Videos oder gar Fernsehen auf dem Mobiltelefon. Stattdessen waren bzw. sind im Bereich des Mobile Entertainment Klingeltöne, Logos und Spiele die großen Renner und damit Produkte, die auch über das „alte“ GSM/GPRS-Netz vertrieben werden können. Anbieter wie Jamba! und ZED erzielen enorme Umsätze durch den Verkauf dieser Produkte und die Nachfrage der überwiegend jüngeren Konsumenten scheint ungebrochen.

Erst seit Ende 2004/Anfang 2005 ist auch in den Markt für Bewegtbild endlich Bewegung gekommen. Ein Großteil der im Jahr 2005 verkauften Mobiltelefone ist in der Lage, Bewegtbild darzustellen und auch Inhalte stehen seitdem zur Verfügung. So verkauft Jamba! zusätzlich zum mittlerweile berühmt gewordenen Klingelton-SparAbo nun auch kurze Videoclips, natürlich ebenfalls im SparAbo. Des Weiteren bieten Vodafone und T-Mobile über ihre UMTS-Netze seitdem verschiedenste Angebote an, die vom Comedy-Kanal auf Abruf bis hin zum Live-Signal von N-TV reichen. Und das Angebot wächst beständig.

Das so genannte Mobile TV ist also tatsächlich Realität geworden. Die aktuellen Nutzerzahlen sind zwar noch überschaubar, doch die Prognosen für die weitere Marktentwicklung stimmen zuversichtlich und die Euphorie der Anbieter ist dementsprechend groß.

Groß ist allerdings auch die Liste der noch ungeklärten Fragen bezüglich der genauen Umsetzung. Es besteht noch vielerorts Unsicherheit darüber, wie die Konvergenz dieser zwei als sehr unterschiedlich geltenden Branchen letztlich vonstatten gehen soll. Hierzu werden alternative Technologien erprobt, attraktivere Inhalte getestet und andere Geschäftsmodelle diskutiert, um die Entwicklung zu einem Massenmarkt voran­zu­treiben.

1.2 Zentrale Fragestellung

Vor diesem Hintergrund ist es das Ziel dieser Arbeit, einen Überblick über die zentralen Einflussfaktoren dieser Entwicklung zu schaffen, der es ermöglicht, die Besonderheiten dieses „neuen Mediums“ zu verstehen und die Entwicklungspotentiale einzuschätzen.

Die wichtigsten Fragen, die es dabei zu beantworten gilt, sind:

Welche Technologien sind geeignet, um einen Massenmarkt mit mobil empfangbaren Bewegtbildangeboten jeglicher Art zu versorgen?

Welche Anforderungen sind für die Bewegtbilddarstellung an mobile Endgeräte zu stellen und welchen Einfluss hat die Verfügbarkeit geeigneter Endgeräte auf die Massenadaption von Mobile TV?

Was erwarten die Konsumenten von Mobile TV und welche Inhalte müssen ihnen angeboten werden, um diese Erwartungen zu erfüllen und sie zu einer dauerhaften Nutzung zu animieren?

Auf welche Weise kann bei den beteiligten Akteuren ein gemeinschaftliches Interesse geschaffen werden, die Entwicklung des Marktes voranzutreiben?

Da für die meisten dieser Aspekte jedoch noch verschiedene Lösungen und Modelle diskutiert werden, wurde an diesen Stellen versucht, Lösungsvorschläge zu sammeln sowie eigene Ideen zu entwickeln und diese auf ihre Eignung zu überprüfen.

Insgesamt wurde dabei eine möglichst neutrale Sichtweise eingenommen. Auf eine durchgehende Betrachtung der Thematik aus der Perspektive eines bestimmten Akteurs wurde bewusst verzichtet. An Stellen, an denen es sinnvoll erscheint, wurden jedoch beispielsweise Vor- und Nachteile aus der Sicht der Mobilfunknetzbetreiber oder Fernsehsender als den zentralen Akteuren in diesem Markt aufgeführt.

Gemeinhin finden sich die verschiedensten Begriffe für diesen Markt. Die Bandbreite reicht dabei von Handy TV und mobilem Fernsehen über Mobile Video bis zu Mobile TV. Genauso unterschiedlich wie die verschiedenen Begriffe ist auch das ihnen zu Grunde liegende Verständnis der Thematik. Der simple Download kurzer Bewegtbildclips (Mobile Video) findet sich ebenso wie der Konsum des normalen Fernsehprogramms auf dem Mobiltelefon (mobiles Fernsehen).

Der für diese Arbeit gewählte Begriff Mobile TV soll aber keiner der genannten Einschränkungen unterliegen. Vielmehr soll darunter allgemein und umfassend die Verbreitung von TV- sowie TV-ähnlichen Inhalten wie beispielsweise Videoclips via DVB-H, DMB, UMTS oder ähnlichen Technologien zur Nutzung auf mobilen Endgeräten wie Mobiltelefonen und PDAs verstanden werden.

Um dieses umfangreiche Themenfeld zumindest ein wenig einzugrenzen, konzentriert sich die vorliegende Arbeit auf den deutschen Markt, ohne jedoch darauf zu verzichten, dort wo es geboten erscheint, Erfahrungen aus anderen Ländern zum Vergleich heranzuziehen.

Des Weiteren wurden rechtliche Fragen, z.B. des Rundfunk- oder Urheberrechts, weitgehend unberücksichtigt gelassen, da dies den Rahmen dieser Arbeit gesprengt hätte.

1.3 Aufbau der Arbeit

Zunächst sollen in Kapitel zwei die technologischen Grundlagen und Möglichkeiten beschrieben werden. Dazu werden zum einen verschiedene Übertragungstechnologien dargestellt und ihre Eignung für die Verteilung von Inhalten an eine große Menge an Nutzern untersucht. Zum anderen werden im zweiten Teil dieses Kapitels die technologischen Anforderungen an die benötigten Endgeräte in Bezug auf Mobile TV erläutert.

Ziel dieses Kapitels ist es, einen Überblick über die verschiedenen technologischen Aspekte und damit verbundenen Probleme zu geben und damit eine sichere Diskussionsgrundlage für die weitere Arbeit zu schaffen.

Die potentiellen Formate und Inhalte stehen im Mittelpunkt des dritten Kapitels. Hierzu wird zunächst das wahrscheinliche Nutzungsverhalten der Kunden und deren Erwartungen an Mobile TV beschrieben. Daraus abgeleitet werden mögliche Angebotsformen dargestellt, um abschließend verschiedene Formate und Dienste auf ihre Eignung für Mobile TV zu untersuchen.

In Kapitel vier soll aufgezeigt werden, wie die Wertschöpfungskette für Mobile TV aussehen könnte und welche Geschäftsmodelle denkbar wären. Als Grundlage für verschiedene Erlösmodelle dient dabei die Analyse des Marktpotentials zu Beginn des Abschnitts.

Kapitel fünf schließlich bildet eine Synthese der drei vorausgehenden Themengebiete, in der die zentralen erfolgskritischen Faktoren für die Entwicklung des Mobile-TV-Marktes herausgearbeitet werden.

Abgeschlossen wird die Arbeit im sechsten Kapitel mit einem persönlichen Fazit.

1.4 Zur Quellenlage

Aufgrund der Aktualität der Thematik waren zum Zeitpunkt der Bearbeitung hauptsächlich Bücher über verwandte Themenbereiche wie Mobile Commerce, UMTS und Interaktives Fernsehen verfügbar, die im Rahmen dieser Arbeit als Grundlage genutzt wurden.

Studien, Whitepapers verschiedener Unternehmen und Fachzeitschriften fließen aufgrund ihrer zeitnahen Publikation verstärkt in das Quellenmaterial ein. Außerdem gingen die Erkenntnisse zahlreicher besuchter Panels der International Broadcasting Conference in Amsterdam (08.-13. September 2005), den Medientagen in München (26.-28. Oktober 2005) und des Workshops „MultiMedia Mobil“ der Deutschen TV Plattform am 02. Dezember 2005 in Berlin in diese Arbeit mit ein.

Zur Überprüfung der Sekundärinformationen auf ihre Praxisrelevanz hin wurde in der Zeit vom 01. bis zum 21. Dezember 2005 eine Expertenexploration durchgeführt. Zielgruppe dieser Expertenexploration waren Personen aus Unternehmen, die in Teilen der Mobile TV-Wertschöpfungskette tätig sind bzw. in anderer Form beruflich zur Weiterentwicklung des Marktes beitragen.

Als Erhebungsmethode wurde die schriftliche Befragung mit offenen Fragen gewählt. Angefragt wurde bei 26 Unternehmen, darunter beispielsweise Medienunternehmen mit TV-Sendern wie NBC Universal, der RTL Group und ProSiebenSAT1, TV-Produzenten wie Me, Myself & Eye, Constantin Entertainment und UFA sowie Mobilfunknetzbetreiber wie O2 und Vodafone. Beantwortet wurde der Fragebogen letztendlich von 10 Unternehmen, teilweise jedoch nicht in schriftlicher Form, sondern telefonisch. Die Rücklaufquote betrug somit 38,5 %.

Die Begründung für die Nichtbeantwortung bei den meisten Unternehmen waren neben fehlender Zeit vor allem eben auch die Aktualität der Thematik und, damit verbunden, Probleme mit Angaben zur Unternehmensstrategie oder der Herausgabe sensibler Daten.

Der Fragebogen ist dieser Arbeit in Kapitel 8.1. (Anhang – Expertenexploration) beigefügt. Die ausgefüllten Fragebögen finden sich mitsamt der digitalen Version dieser Arbeit auf der beigefügten CD-ROM.

2. Stand der technologischen Voraussetzungen für die Einführung von Mobile TV

2.1. Übertragungstechnologien

Für Mobile TV sind verschiedene Übertragungstechnologien denkbar. Einige dieser Technologien haben bereits das Standardisierungsverfahren durchlaufen und werden, wie GPRS und UMTS, kommerziell genutzt.

In diesem Kapitel sollen die wichtigsten dieser Technologien kurz vorgestellt werden, ohne allzu detailliert die genauen technischen Spezifikationen zu beschreiben. Vielmehr geht es um das Aufzeigen der wesentlichen Vor- und Nachteile, um die einzelnen Technologien im Hinblick auf ihre Eignung für Mobile TV zu bewerten.

Die momentan für die nahe Zukunft und den deutschen Markt wichtigsten und von den Landesmedienanstalten und der Wirtschaft am meisten diskutierten Technologien sind DVB-H, DMB und GPRS/UMTS. Alle weiteren Technologien werden in erster Linie in anderen Ländern oder erst in fernerer Zukunft eine Rolle spielen und sollen deshalb in dieser Arbeit nur der Vollständigkeit halber aufgeführt werden.

2.1.1. DVB-H

„Digital Video Broadcast – Handheld“ (DVB-H) wurde vom Digital Video Broadcast Konsortium zur terrestrischen Rundfunkübertragung von Video- und Audioinhalten auf mobile Endgeräte wie moderne Mobiltelefone oder PDAs, die über einen vergleichsweise kleinen Bildschirm mit beispielsweise 360 × 288 oder 180 × 144 Bildpunkten verfügen, entwickelt.

Wie die anderen Varianten der DVB-Familie, DVB-T (digitales, terrestrisches Fernsehen), DVB-S (…Satellit…) und DVB-C (…Kabel…), ist DVB-H vom European Telecommunications Standardisation Institute (ETSI) als Standard anerkannt[6].

DVB-H basiert auf DVB-T, besitzt aber gegenüber DVB-T spezifische Eigenschaften, die den besonderen Anforderungen an die mobile Nutzung entsprechen sollen.

Im Gegensatz zu DVB-T und auch den anderen Varianten, die mit MPEG2 komprimiert werden, wird DVB-H mit H.264 (MPEG-4/Part 10) komprimiert. Die Datenraten der Videosignale lassen sich dadurch je nach Kapazität des Sendernetzes, gewünschter Qualität und den Anforderungen der Endgeräte auf Werte zwischen 120 und 400 kBit/s anpassen. Angedacht sind Auflösungen von 360 × 288 oder 176 × 144 Bildpunkten und Datenraten von 384 bzw. 128 kbit/s[7]. Auf diese Weise ließen sich zwischen 25 und 40 Fernsehprogramme in einem rund 8 MHz großen DVB-Kanal übertragen. Im Vergleich dazu passen lediglich vier bis sechs Fernsehprogramme in normaler Standardauflösung von 720 × 576 Bildpunkten in einen gleichgroßen DVB-T Kanal. Auch Hörfunkprogramme lassen sich sowohl über DVB-H als auch über DVB-T übertragen.

Einer der wichtigsten Vorteile von DVB-H liegt im so genannten Time-Slicingverfahren. Dieses Verfahren reduziert die Stromaufnahme auf ein für Batteriebetrieb geeignetes Maß, so dass praktikable Spielzeiten gerade auch bei mobiler Nutzung erzielbar sind. Die Leistungsaufnahme der Endgeräte bei Demodulation und Decodierung konnte durch dieses Verfahren um bis zu 90 % gegenüber herkömmlichen „Always-on“-Verfahren[8] verringert werden[9]. Diese enorme Einsparung wird unter anderem dadurch erzielt, dass die zu einem Programm gehörigen Pakete zu vorhersehbaren festen Zeitpunkten versendet werden, so dass sich der Empfänger in der Zwischenzeit kurz abschalten kann, um Energie zu sparen. Außerdem ermöglicht dieses Verfahren das so genannte „Handover during offtime”. Dem Endgerät ist es dadurch möglich, in den Empfangspausen in benachbarten Funkzellen nach demselben Dienst zu suchen und unbemerkt und ohne sichtbare Unterbrechung von einem Kanal auf den anderen zu wechseln[10]. Selbst bei höheren Geschwindigkeiten ist dadurch ein nahtloser Übergang von einer Funkzelle zur nächsten möglich. Nachteilig ist, dass die Wiedergabe im Vergleich zu anderen Verbreitungswegen wie DVB-T o.a. häufig zeitversetzt erfolgt[11]. Bei Live-Übertragungen von Sportereignissen könnten Nutzwert und Spaß somit durchaus leiden, wenn Nutzer anderer Übertragungsverfahren das entscheidende Tor einige Sekunden früher bejubeln können.

Eine weitere Stärke von DVB-H ist die Integration von IP Datacast (IPDC). Mit IPDC werden Rundfunknetze um IP-Protokolle erweitert, so dass auf diese Weise interaktive Rundfunkdienste über eine allgemeine Schnittstelle in Kombination mit einem Rückkanal, beispielsweise über Mobilfunknetze, eingeführt werden könnten. IPDC ist somit der Standard eines künftigen Dienstekonzeptes für die Kombination verschiedener Rundfunk- und Mobilfunknetze auf Basis des Internetprotokolls (IP). IP Datacast ist ebenfalls vom ETSI standardisiert.

Zur Verbesserung der Übertragungsleistungen und der Robustheit des Signals gerade bei mobilem Empfang benötigt DVB-H neben dem zweistufigen Fehlerkorrekturkonzept von DVB-T ein weiteres Fehlerschutzverfahren auf der Ebene des IP-Datenstroms[12]. Zu diesem Zweck wurde das so genannte Multi Protocol Encapsulation Forward Error Correction (MPE FEC) entwickelt. Dieses Verfahren soll selbst bei hohen Geschwindigkeiten und Störungen mit den in die Endgeräte integrierten Antennen einen möglichst optimalen Empfang gewährleisten[13].

Neben den bisher aufgeführten Vorteilen von DVB-H bestehen jedoch auch folgende Nachteile:

In erster Linie ist an dieser Stelle die mangelnde Verfügbarkeit der für DVB-H in Deutschland benötigten Frequenzen zu nennen. Momentan werden die für DVB-H nutzbaren Frequenzen für die analoge Ausstrahlung der öffentlich-rechtlichen Programme genutzt oder werden, auch wenn ungenutzt, von den öffentlich-rechtlichen Sendern nicht freigegeben[14].

Zur Lösung dieses Problems setzen die Landesmedienanstalten und interessierte Unternehmen große Hoffnungen in die internationale Frequenzplanungskonferenz ITU-R Regional Radio Conference im Juni 2006 in Genf, bei der u.a. die Frequenzverteilung für Europa mit Blick auf neue Nutzungsarten, also eben auch auf Mobile-TV, neu koordiniert werden soll[15].

Spätestens im Jahr 2010, wenn die analoge Verbreitung von Rundfunk in Deutschland endgültig abgeschaltet werden soll, und die durch parallele Ausstrahlung von analogen und digitalen Signalen (Simulcast) blockierten Frequenzen frei werden, sollen ausreichend Frequenzen für die flächendeckende Ausstrahlung von DVB-H vorhanden sein[16].

Fraglich ist allerdings, ob bis dahin die benötigte Netzinfrastruktur im gesamten Bundesgebiet ausgebaut worden ist.

Die auf den ersten Blick günstig erscheinende Tatsache, dass DVB-H grundsätzlich die bereits bestehende Netzinfrastruktur von DVB-T mitnutzen kann und kein eigenes, kostenintensives DVB-H Sendernetz aufgebaut werden muss, kann sich als Nachteil auswirken. Denn DVB-H wird auch nur an den Orten eingeführt werden, an denen DVB-T bereits auf Sendung ist. Da DVB-T bis jetzt in erster Linie in den Ballungsräumen verfügbar ist, könnten mit einem DVB-H Sendernetz momentan lediglich 40 Prozent der Bevölkerung versorgt werden[17]. Von einer flächendeckenden Einführung und Verfügbarkeit lässt sich also vorerst nicht sprechen.

Laut Dr. Hans Hege, dem Direktor der Medienanstalt Berlin-Brandenburg, könnte DVB-H allerdings trotzdem bundesweit bereits ab 2007 zur Verfügung stehen[18]. Voraussetzung sei allerdings der weitere Ausbau des Sendernetzes von DVB-T und, wie bereits erwähnt, die Verfügbarkeit der benötigten Frequenzen durch Freigabe der ungenutzten Frequenzen durch die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten. Diese haben sich auf das Ziel verständigt, 90 Prozent aller Haushalte den DVB-T Empfang zu ermöglichen, doch halten sie eine wirkliche Vollabdeckung wie beim analogen Fernsehen für nicht finanzierbar. Für den mobilen Empfang über DVB-H bedeutet diese Planung aufgrund der zu tätigenden Zusatzinvestitionen für zusätzliche Sendeanlagen nur eine Flächenabdeckung von 60-70 Prozent, da nicht geklärt ist, wer diese Investitionen übernehmen soll und ob sie jemals refinanzierbar sind[19].

Im Bereich der Endgeräte stehen zum jetzigen Zeitpunkt bis auf erste Prototypen noch keine marktfähigen Endgeräte zur Verfügung. Nokia hat die Markteinführung seines ersten DVB-H-fähigen Handys, des N92, zur CeBIT 2006 angekündigt. Die anderen Hersteller sind noch mit der Entwicklung beschäftigt. Die bei den Pilotprojekten verwendeten Empfänger waren umgerüstete 3G-Telefone oder PDAs.

Ein erster Praxistest dieser Technologie in Deutschland wurde vom Broadcast Mobile Convergence (bmco) Projekt im Mai 2004 für die Dauer von zwei Monaten in Berlin gestartet.

Ziel dieses Pilotprojektes, an dem Unternehmen wie Nokia, Philips, Universal Studio Networks und Vodafone beteiligt waren, war neben Aufbau und Betrieb einer konvergenten DVB-T/H- und GPRS-Plattform die Analyse der Wertschöpfungskette für mobile Broadcastdienste.

Neben den vier TV-Sendern 13th Street, Eurosport, N24 und RTL Shop wurde im Rahmen dieses Projektes mit VIVAplus Get the Clip ein interaktiver Dienst und mit einem Stadt- und Lifestyleguide von Berlin eine auf das Endgerät herunterladbare Serviceapplikation angeboten[20].

Im Rahmen des von T-Systems geleiteten Mobile Media-Distribution-(MMD)-Projektes wurde mit Unterstützung der Landesregierung und der Medienanstalt Berlin-Brandenburg ebenfalls in Berlin im Februar 2005 ein DVB-H-Sendernetz für umfangreiche Tests in Betrieb genommen. Ziel dieses auf zwei Jahre angelegten zweiten Projektes auf deutschem Boden ist es, die Leistungsfähigkeit der Endgeräte im Zusammenspiel von Mobilfunk und Rundfunknetzen zu erproben und das Nutzungsverhalten und die Wünsche der Anwender für den Empfang klassischer sowie neuer Content-Formate zu untersuchen.

Während der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin wurden Anfang September 2005 15 Fernsehprogramme, 20 Radioprogramme und 16 interaktive Dienste über dieses Netz ausgestrahlt[21]. Neben dem Empfang von herkömmlichen Programmen der TV-Sender ARD, SAT 1 und ZDF u.a. bestand für die Besucher der IFA die Möglichkeit, an einem speziell für die Nutzung auf mobilen Endgeräten konzipierten interaktiven Quiz der UFA teilzunehmen.

In den fünf norddeutschen Bundesländern Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein wird momentan im Hinblick auf die Fußballweltmeisterschaft 2006 die Einführung eines DVB-H-Testbetriebs unter Beteiligung aller vier Mobilfunk-Netzbetreiber (T-Mobile, Vodafone, E-Plus und O2) vorbereitet. Ziel dieser Initiative ist es, eine möglichst schnelle Markteinführung zu ermöglichen und die Erprobungsphase an den WM-Spielstätten als Insellösung bereits zur Fußballweltmeisterschaft 2006 zu beginnen[22]. Auch das MMD-Projekt in Berlin soll gerade im Hinblick auf dieses Großereignis in dieses Szenario eingebunden werden. In den Regelbetrieb wird DVB-H allerdings auch in diesen Regionen vor Ende dieses Testbetriebs im Jahr 2007 nicht übergehen. Die oben erwähnte Zeitvorgabe von Hans Hege ließe sich somit aber zumindest für die norddeutschen Ballungsräume einhalten.

2.1.2. DMB

„Digital Multimedia Broadcast“ (DMB) wurde als Plattform für mobile Fernsehdienste auf der Basis des europäischen Eureka 147 Standards für digitalen Hörfunk „Digital Audio Broadcasting“ (DAB) entwickelt und ist wie DVB-H ein ETSI-Standard.

In Korea werden mobile Fernsehdienste seit Anfang 2005 via Satellit (S-DMB) und seit Ende 2005 in der terrestrischen Variante (T-DMB) verbreitet. In Deutschland soll es DMB laut den Plänen der Landesmedienanstalten und beteiligten Unternehmen aber vorerst nur als T-DMB geben[23].

DMB arbeitet, wie DVB-H, ebenfalls mit MPEG-4 Kompression und ist auf ähnliche Auflösungen und Datenraten wie DVB-H ausgelegt. Parallel dazu kann MPEG 1 Layer II zur Ausstrahlung von Digital-Radioprogrammen eingesetzt werden.

Aufgrund der mangelnden Akzeptanz von DAB in Deutschland werden die für DMB benötigten Frequenzen von den Hörfunksendern wenig genutzt und liegen somit zum Großteil brach. Aus diesem Grund wären sie für DMB sofort verfügbar. Neben der fast schon 100-prozentigen Netzabdeckung in der Fläche liegt hierin einer der wichtigsten Vorteile von DMB.

Obwohl ursprünglich bereits DAB bei der Systementwicklung im Hinblick auf mobilen Rundfunk optimiert wurde, wurde bei der Entwicklung in Korea ein zusätzlicher Fehlerschutz hinzugefügt[24]. Das DMB-Signal gilt dadurch als sehr robust und als hervorragend geeignet für die mobile Nutzung z.B. in Zug und Auto. Weniger gut ist dagegen die Empfangsqualität in geschlossenen Räumen, was unter anderem mit der in Deutschland regulatorisch vorgeschriebenen schwachen Sendeleistung zusammenhängt[25].

Die Integration weiterer Daten-, Informations- und Transaktionsdienste ist möglich. Da diese Dienste allerdings (vorerst) nicht auf Basis des Internet-Protokolls, z.B. per IP-Datacast realisiert werden können, werden sich darauf aufbauende Verknüpfungen mit Internetanwendungen über einen Mobilfunkrückkanal nicht so einfach wie bei DVB-H umsetzen lassen[26].

Eine wesentliche Schwäche von DMB ist, dass sich, gegenüber den im vorangehenden Kapitel erwähnten 25-40 Programmen pro DVB-H-Kanal, in einem herkömmlichen DMB-Kanal lediglich 3-4 MPEG4-komprimierte Programme in oben genannter Auflösung übertragen lassen[27].

Des Weiteren liegt der Batterieverbrauch der Endgeräte bei DMB im Vergleich zu DVB-H höher, was kürzeres Entertainmentvergnügen oder größere Akkus und somit weniger attraktive Endgeräte zur Folge hat.

Wie zu Beginn dieses Kapitels bereits erwähnt, befindet sich DMB in Korea seit Anfang 2005 bereits im Regelbetrieb. Interessanterweise werden dort TV-, Radio- und Datendienste für den mobilen Empfang sowohl über Antenne (T-DMB) als auch über Satellit (S-DMB) verbreitet.

Die terrestrische Variante ist ein Free-to-Air-Service mit einer Framerate von 30 Frames/s. S-DMB ist inkompatibel zu T-DMB und wird ausschließlich zur Verbreitung von Pay-TV-Angeboten verwendet. Die Framerate bei S-DMB beträgt 15 Frames/s[28]. Die Qualität ist somit interessanterweise bei den Bezahldiensten geringer als bei den Free-to-Air-Angeboten.

Was die Endgeräte betrifft, so steht bereits eine große Anzahl an Geräten der Hersteller LG, Samsung und Perstel für den koreanischen Markt zur Auswahl. Hierbei handelt es sich um Handys, Handhelds, Autoempfänger und portable DVD-Player. Auch für den europäischen Markt gibt es mittlerweile Geräte wie das LG V9000, das zusätzlich mit GSM- und UMTS-Chips ausgestattet ist.

In Deutschland haben die Landesmedienanstalten mittlerweile das Potential von DMB erkannt. DAB-Frequenzen im L-Band bei 1,5 GHz sollen Anfang 2006 bundesweit ausgeschrieben werden[29]. Damit erhalten Anbieter die Chance, Dienste für DMB bereits ein Jahr früher als mit DVB-H und eventuell sogar noch vor der Fußballweltmeisterschaft flächendeckend auf den Markt zu bringen. Dies würde DMB erhebliche Time-to-Market Vorteile gegenüber DVB-H bringen[30]. Aufgrund des komplexen Sachverhalts der Frequenzvergabe und der verschiedenen Einflussfaktoren bleibt abzuwarten, ob sich dieser zeitliche Vorteil auch wirklich auszahlt.

Trotz dieser Aussicht auf baldige Einführung des Regelbetriebs werden zur Weltmeisterschaft im Großraum München auch weiterhin verschiedene Angebote im Rahmen des Pilotprojektes World Cup 2006 erprobt.

Rund 1.000 ausgewählten Testempfängern wie Journalisten und sonstigen Multiplikatoren werden zwölf Wochen lang sieben digitale Hörfunkprogramme, Fernsehangebote wie Spieltagzusammenfassungen und viele weitere Dienste wie beispielsweise Mannschaftsaufstellungen und Veranstaltungstipps zur Auswahl stehen[31].

Neben der Feststellung der Nutzerakzeptanz der verschiedenen Angebote steht besonders die technische Versorgung des gesamten Großraums München über drei Sendestandorte im Vordergrund dieses Tests. Da München Sitz des Medienzentrums der Weltmeisterschaft und damit Hauptaufenthaltsort von Journalisten und sonstigen Meinungsmultiplikatoren aus aller Welt sein wird, ist dieses Pilotprojekt als besonders prestigeträchtig zu sehen.

Unabhängig von der Fußballweltmeisterschaft wurde von der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) die Stadt Regensburg und deren Umland als Modellregion für ein DMB-Projekt namens „Mi Friends“ (Mobiles Interaktives Fernsehen, Radio, Information, Entertainment und Neue Digitale Services) ausgewählt.

Neben den technischen Abläufen werden in diesem Projekt in erster Linie verschiedene Contentangebote und deren Zuschauerakzeptanz erprobt. 75 Inhalteanbieter haben sich mittlerweile beworben, um bei diesem DMB-Testlauf Angebote wie Live-Sportevents, Beiträge von Nachrichtendiensten und Verkehrshinweise anbieten zu können.

Auch in anderen europäischen Ländern wurden bereits DMB Pilotprojekte gestartet, die technisch bereits einwandfrei funktionieren und zum Großteil ermutigende Ergebnisse erbracht haben[32]. Aus technischer Sicht soll an dieser Stelle kurz das T-DMB Pilotprojekt von VDL und TF1 in Paris erwähnt werden. Ziele dieses im Oktober 2005 gestarteten Projektes sind neben der Messung der Nutzerakzeptanz verschiedener Angebotskonzepte vor allem Tests zur Verbesserung der Empfangsqualität innerhalb von Gebäuden sowie Tests der Bild- und Tonqualität mit verschiedenen Frame- und Bitraten[33].

Für Anfang 2006 sind zusätzlich Tests mit interaktiven Anwendungen und Conditional Access-Systemen geplant. Auch für den deutschen Markt könnten die Ergebnisse dieser Tests gerade auch im Hinblick auf verschlüsselte Pay-Angebote von großem Interesse sein.

2.1.3. ISD B-T

Der “Integrated Services Digital Broadcasting”-Standard (ISD B) wird bereits seit einigen Jahren in Japan für die Ausstrahlung von Standard- und auch High Definition-TV über Satellit (ISD B-S) und über Antenne (ISD B-T) verwendet.

ISD B-T ist auch als „Layered System“ bekannt und gilt als sehr flexibles System. Unterschiedlich codierte Dienste können in diesem System so zusammen übertragen werden, dass mobile Endgeräte nur die Signale mit geringerer Datenrate empfangen. Andere Geräte wie z.B. stationäre Fernsehgeräte empfangen zusätzlich ergänzende Informationen, die die Qualität des dargestellten Signals verbessern[34].

Bereits bei der Planung des Analog/Digital-Umstiegsszenarios wurde in Japan 1/13 des für digitales Fernsehen vorgesehenen Frequenzspektrums für die Ausstrahlung von Rundfunkdiensten auf mobile Endgeräte reserviert[35].

Interessanterweise wurde die Vergabe der Sendelizenzen für diesen Frequenzbereich an die Bedingung gekoppelt, dass die ausgestrahlten Dienste kostenlos für die Nutzer zu empfangen sein müssen. Zusätzlich wurde den Endgeräteherstellern vorgeschrieben, ausreichend kompatible Endgeräte mit einheitlichem, einfach zu bedienendem Browsingssystem zur Verfügung zu stellen[36].

Nachteilig hierbei ist, dass Japan weltweit das einzige Land ist, das ISD B-T nutzt, und sich diese Endgeräte von daher nicht auch in anderen Ländern vermarkten lassen.

Außerdem kann dadurch allgemein nicht auf Erfahrungswerte von erfolgreich durchgeführten Pilotprojekten in anderen Ländern zurückgegriffen werden. Zum erstmaligen Test des Systems wird von daher voraussichtlich Mitte 2006 ein groß angelegtes Pilotprojekt in Japan gestartet werden.

2.1.4. Media-FLO

Media-Forward Link Only (FLO) ist ein vom amerikanischen Technologieanbieter Qualcomm in den USA entwickeltes proprietäres System zum Übertragen von Rundfunkdiensten an Mobilfunknutzer, das vom Prinzip her DVB-H recht ähnlich ist.

Qualcomm plant, dieses System als komplette Mobile TV-Lösung, bestehend aus Rechnungslegung, Digital Rights Management etc. zunächst den Mobilfunknetzbetreibern in den USA anzubieten[37].

Wie bei DVB-H kann die Stromaufnahme des Endgerätes durch Benutzung des Time-Slicing-Verfahrens sehr gering gehalten werden. Außerdem gilt Media-FLO, bedingt durch ein hierarchisches Modulationsverfahren, ebenfalls als sehr robustes System, das auch für die wirklich mobile Nutzung in Zug oder Auto sehr gut nutzbar ist[38].

Qualcomm besitzt bereits Lizenzen für einen bestimmten Frequenzbereich in den USA und plant den Start eines ersten Pilotprojekts Anfang 2006[39]. Ab Oktober 2006 ist der Regelbetrieb in mehreren US-Großstädten mit über 100 Programmen geplant. Allerdings wurde in Pittsburgh vom Netzwerkbetreiber Crown Castle bereits ein recht erfolgreiches DVB-H Pilotprojekt gestartet, so dass auch in den USA ein ähnliches Szenario mit parallel laufenden Standards wie in Deutschland möglich ist.

Aufgrund dieser Konkurrenz durch DVB-H und der hohen Investitionen von 800 Millionen Dollar[40] in die Entwicklung werden die USA als Markt wohl nicht ausreichen, um profitabel arbeiten zu können. Deshalb plant Qualcomm, Media-FLO z.B. auch in Indien einzuführen. Als frühestmöglicher Zeitpunkt für den Einstieg gilt hier jedoch das Jahr 2007. Jedoch müssen in Indien die Lizenzen für bestimmte Frequenzspektren erst noch von der Regierung vergeben werden. Da jedoch auch hier die knappen Netzkapazitäten und die dafür vergebenen Lizenzen als Schlüssel zum Erfolg anzusehen sind, besteht zumindest die Gefahr, dass Länder wie Indien komplett auf andere Technologien wie DVB-H oder DMB setzen und Qualcomm mit Media-FLO nicht zum Zuge kommt.

2.1.5. DXB

Digital Extended Broadcasting (DXB) ist ein Systemkonzept, das im Rahmen eines vom Bundesministerium für Forschung und Bildung unterstützten Forschungsprojektes entwickelt wird. Teilnehmer sind unter anderem Siemens, das Institut für Rundfunktechnik, T-Systems, Vodafone und das Fraunhofer-Institut für Nachrichtentechnik[41].

Ziele dieses von 2005 bis 2007 laufenden Projektes sind die Verknüpfung der verschiedenen Systeme DMB und DVB-H auf Basis des Internet-Protokolls und die Erarbeitung einer DXB-Netzinfrastruktur[42].

Hierbei soll es möglich werden, TV-Programme und Multimedia-Anwendungen ohne zusätzliche Umkodierung sowohl über DAB- als auch über DVB-H-Netze zu verbreiten und eine Harmonisierung beider Systeme zu erreichen.[43]

Der Vorteil von DXB wäre, dass sich der kostenintensive Aufbau mehrerer Netzinfrastrukturen erübrigen würde. Als frühestmöglicher Zeitpunkt für die Markteinführung gilt allerdings erst Mitte 2007, also ein ganzes Jahr nach dem anvisierten Start von DMB. Keines der interessierten Unternehmen wird so lange warten wollen, zumal es sehr fraglich ist, ob bis zu diesem Zeitpunkt multistandardfähige bzw. DXB-fähige Endgeräte bereits vorhanden sein werden.

Für die kurzfristige Markteinführung von Mobile TV wird DXB somit keine Rolle spielen, auf mittel- bis langfristige Sicht gehen Experten wie der Vodafone DXB-Projektleiter Christian Rauch[44], Gerd Kilian vom Fraunhofer IIS[45] und Reiner Müller von der Bayerischen Landesmedienanstalt[46] aber davon aus, dass sich diese konvergente Technologie am Markt etablieren wird.

2.1.6. GPRS

Im Gegensatz zu den bisher in diesem Kapitel beschriebenen Technologien ist GPRS keine Rundfunk-, sondern eine Mobilfunktechnologie.

GPRS wird auch als Mobilfunkstandard der 2,5. Generation (2,5G) bezeichnet, da die heute bestehenden GSM-Netze (2. Generation – 2G) auf dem Weg zu UMTS, dem Mobilfunkstandard der dritten Generation (3G), weitgehend flächendeckend um den paketorientierten Dienst GPRS erweitert wurden[47].

Innerhalb einer GPRS-Funkzelle sind im Downlink momentan Übertragungsgeschwindigkeiten von bis zu 57,6 kBit/s[48] und damit annähernd in ISDN-Ge­schwin­dig­keit möglich. Theoretisch wären Datenraten von 172 kBit/s realisierbar[49]. Für den größten Teil der heutzutage mit GPRS genutzten Anwendungen wie WAP und MMS reichen 57,6 kBit/s jedoch vollkommen aus.

Ein entscheidender Unterschied zu den Rundfunktechnologien besteht darin, dass diese Datenraten pro Funkzelle und damit nicht zwangsläufig pro Nutzer zur Verfügung stehen. Alle Nutzer, die sich innerhalb einer Funkzelle befinden, teilen sich die zur Verfügung stehende Datenrate. Somit nimmt die individuell zur Verfügung stehende Datenrate mit jedem zusätzlichen Teilnehmer pro Funkzelle ab. Dies liegt an der ursprünglichen Auslegung von Mobilfunknetzen für die bidirektionale „Individual-to-Individual“-Verbindung. In der damit verbundenen Möglichkeit der Interaktivität durch einen direkten Rückkanal liegt aber auch wiederum ein Vorteil der Mobilfunktechnologien gegenüber den unidirektionalen Rundfunktechnologien.

Für die Bewegtbildübertragung stellt diese geringe Datenrate einen Nachteil dar. In erster Linie liegen die Möglichkeiten daher im Download bzw. MMS-Empfang von kurzen Videoclips von geringer Größe. Anbieter wie Jamba! oder BobMobile bieten schon heute für viele aktuelle Endgerätemodelle kurze Videoclips wie Animationen, Musikvideos, Erotikclips u.ä. mit großem Erfolg zum Download an.

Vorteilhaft für diese Anbieter ist, dass die Marktdurchdringung von GPRS-fähigen Endgeräten in Deutschland mittlerweile bei knapp 70%[50] liegt und die Anzahl der Nutzer, denen eine Nutzung dieser Dienste technisch möglich ist, somit relativ hoch ist.

Problematischer sieht es dagegen mit Real-Time-Anwendungen aus. Real Time ist, wenn überhaupt, nur bei geringem Datenverkehr in einer Funkzelle und mit schlechter Bildqualität möglich. Eine gleichzeitige Übertragung von Videoinhalten als Stream an mehrere Nutzer in der gleichen Funkzelle ist nicht möglich. Vor allem aber wären die Kosten sowohl für den Anbieter als auch für den Nutzer unverhältnismäßig hoch.

Da der Abruf von Datendiensten wie beispielsweise Webseiten über GPRS dagegen recht gut möglich ist, wäre GPRS, wie bereits erwähnt, aber zumindest als Rückkanal für interaktive und individuelle nicht zu datenintensive Zusatzdienste geeignet[51].

2.1.7. UMTS

Wie schon bei GPRS handelt es sich bei UMTS um eine Mobilfunktechnologie, die im Wesentlichen für Multimediadienste inklusive Videoübertragung und weniger für Sprachdienste konzipiert worden ist. Reine Sprachübertragung wird zum Großteil aus Kosten- und Netzabdeckungsgründen weiterhin über das GSM-Netz abgewickelt. Die UMTS-fähigen Endgeräte sind abwärtskompatibel, die alten GSM/GPRS-Endgeräte allerdings nicht aufwärtskompatibel.

Bei der Vergabe der UMTS Lizenzen wurde den Mobilfunkunternehmen von der Regulierungsbehörde Telekommunikation und Post (RegTP - heute Bundesnetzagentur) vorgeschrieben, bis Ende 2005 einen Versorgungsgrad von 50 % der Bevölkerung zu erreichen[52]. Geht man von der vorerst angestrebten Hauptversorgung der Ballungszentren aus, entspräche dies einer Fläche von 3 bis 7 Prozent der Bundesrepublik Deutschland. Laut eigenen Angaben haben alle vier Lizenzinhaber diese regulatorischen Auflagen bereits deutlich übererfüllt (T-Mobile – 1000 Städte und Gemeinden, dies entspricht 55 % der Bevölkerung/Vodafone – 1200 Städte und Gemeinden, dies entspricht 60 % der Bevölkerung/E-Plus – mehr als 50 % der Bevölkerung/O2 – 1000 Städte und Gemeinden, Kooperation mit T-Mobile und eigenes Netz, dies entspricht mehr als 60 % der Bevölkerung)[53] und sind dabei, die noch bestehenden Flecken in der Netzabdeckung weiter zu schließen.

Da aber nach derzeitiger Planung einige Teile Deutschlands aus Kostengründen wohl nicht mit UMTS versorgt werden, müssen die UMTS-Endgeräte in der Lage sein, in GSM-Netzen GPRS als Fallback-Technik zu nutzen[54]. Bei datenintensiven Bewegtbildübertragungen wird dies jedoch bereits kritisch, da die Datenrate bei GPRS geringer ist.

Die momentan erreichbare Datenrate innerhalb einer UMTS-Zelle beträgt 384 kBit/s[55] im Vergleich zu 57,6 kBit/s bei GPRS (siehe Kapitel 2.1.6.). Theoretisch wären sogar 2 Mbit/s pro Zelle möglich und mit der Erweiterungstechnologie HSDPA (High Speed Downlink Packet Access) soll die Datenrate beim Downlink sogar auf das 10fache heutiger UMTS-Netze steigen. T-Mobile plant die Einführung dieser Technologie an allen Orten, an denen bereits eine UMTS-Versorgung besteht, zur CeBIT im März 2006. Für den Up-link ist wenig später die Einführung von HSUPA (High Speed Uplink Packet Access) geplant[56], so dass in beide Richtungen deutlich höhere Datenraten möglich wären.

Auch die Eigengeschwindigkeit des Nutzers hat Einfluss auf die mögliche Datenrate, da bei höheren Geschwindigkeiten Interferenzen die Übertragungsqualität beeinträchtigen. Benutzer, die in fahrenden Autos oder Zügen mobiles Fernsehen über das UMTS-Netz nutzen wollen, müssen sich im Optimalfall mit gerade einmal 144 kbit/s (pro Funkzelle) begnügen[57].

Die oben genannten 384 kBit/s entsprechen den angestrebten Datenraten eines Fernsehprogramms innerhalb eines DVB-H Kanals (siehe Kapitel 2.1.1.). Diese Werte lassen sich jedoch nicht ohne weiteres vergleichen, denn auch wenn UMTS, wie zu Beginn dieses Kapitels erwähnt, im Wesentlichen für Multimediadienste inklusive Videoübertragung und weniger für Sprachdienste konzipiert worden ist, so besteht hier, wie schon bei GPRS, eine wesentliche Einschränkung gegenüber den Rundfunktechnologien wie DVB-H und DMB.

Ein schwerwiegender Nachteil von UMTS für die Verteilung von datenintensiven Inhalten, wie z.B. Video an mehrere Nutzer am selben Ort und zum gleichen Zeitpunkt, liegt nämlich, wie auch bei GPRS, im ursprünglichen Zweck von Mobilfunknetzen für die bidirektionale Einzelverbindung zwischen Sender und Empfänger. Die 384 kBit/s werden auf alle Nutzer innerhalb einer Zelle aufgeteilt und wie bei GPRS nimmt somit die individuell zur Verfügung stehende Datenrate mit jedem zusätzlichen Nutzer innerhalb einer Zelle ab. Das oft genannte Szenario, dass Fußballfans im Stadion stehend zusätzlich live die parallel laufende Begegnung auf ihrem Mobiltelefon verfolgen können, lässt sich mit UMTS derzeit also kaum realisieren.

Hoffnungen der Mobilfunknetzbetreiber ruhen allerdings auf Multimedia Broadcast and Multicast Service (MBMS). MBMS ist ein System zum Audio/Video-Streaming in UMTS-Netzen. Diese UMTS-Erweiterung ordnet die Datenströme nicht einzelnen Nutzern zu, sondern aggregiert sie in Kanälen, die dann in jeder Zelle über einen zusätzlichen MBMS-Funkkanal ausgestrahlt werden. Gerade auch in Verbindung mit HSDPA werden auf diese Weise bis zu 256 kbit/s pro Kanal und damit 2 Fernsehprogramme bei immerhin noch 128kbit/s angestrebt. Dieses System würde sich somit für Content Multicast (an mehrere Nutzer) über Mobilfunknetze eignen, wird jedoch nicht vor Mitte 2007 marktreif sein[58].

Zusätzlich zu dem Problem der geringen Datenraten besteht bei UMTS im Vergleich zu den Rundfunktechnologien noch das Problem, dass jede Einzelverbindung sowohl für den Sender als auch für den Empfänger Übertragungskosten verursacht. Diese Kosten betragen Senderseitig pro Empfänger 3,20 €/h gegenüber gerade einmal 0,05 €/h bei der Rundfunkausstrahlung via DVB-H[59].

Die Übertragungskosten steigen somit mit zunehmender Nutzerzahl, wogegen es bei den Rundfunktechnologien einen sehr viel geringeren Unterschied macht, ob ein einzelner Teilnehmer die Dienste nutzt oder 100 000.

Trotz dieser Nachteile von UMTS bei der Verbreitung von Videoinhalten bestehen bereits Angebote am Markt: Seit Herbst 2004 bieten Vodafone und T-Mobile ihren UMTS-Kunden in Deutschland mobiles Fernsehen an. Diese Angebote für die UMTS-Kunden mit leistungsfähigem Endgerät bis zum 31.12.05 (Vodafone) kostenlos nutzbar gewesen bzw. noch bis zum 31.03.06 (T-Mobile) kostenlos nutzbar. Vodafone hat nach eigenen Angaben bereits 665.000[60] dieser Endgeräte verkauft und zählt 400.000 aktive Nutzer seines Mobile-TV-Angebotes Vodafone Live. Bei diesen Angeboten sind sowohl Live TV als auch der Abruf (On Demand) von Nachrichtensendungen, Musikclips o.ä. im Streamingmodus möglich.

2.1.8. Wireless LAN/WiMAX

Neben den beschriebenen Rundfunk- und Mobilfunktechnologien sollte in diesem Kontext auf keinen Fall die Entwicklung der drahtlosen Internettechnologien unerwähnt bleiben. Der in diesem Bereich aktuelle Wireless-LAN- (W-LAN) Standard (IEEE 802.11) soll in naher Zukunft durch das schnellere und breitbandigere WiMAX (IEEE 802.16) ergänzt werden.

Kritisch sind diese Technologien vor allem für UMTS, weil sie in erster Linie in Großstädten und datenverkehrstechnischen Brennpunkten wie z.B. Flughäfen, Einkaufszentren etc. verfügbar sind und damit an Punkten, an denen viel potentieller UMTS-Verkehr generiert wird. An diesen Punkten sind diese drahtlosen Netze eine interessante Option für den möglichen Rückkanal und für individuelle Downloads von Content[61]. Bis Ende 2005 könnten etwa 10.000 professionell betriebene Standorte, so genannte Hotspots, nach Einschätzung von Marktexperten in Deutschland erreicht werden[62].

Die Bruttodatenraten von W-LAN liegen bei maximal 11Mbit/s (IEEE 802.11b) bzw. 54Mbit/s (IEEE 802.11a und g). Selbst unter optimalen Bedingungen liegt die erreichbare Nettodatenrate allerdings nur wenig über der Hälfte dieser Angaben[63].

WiMAX (Worldwide Interoperability for Microwave Access) bietet Bruttodatenraten von bis zu 108Mbit/s[64].

Wie bei UMTS ist auch bei diesen beiden Technologien zu beachten, dass sich alle Nutzer im jeweiligen Netz diese Bandbreite teilen.

Auch wenn der Schwerpunkt bisher auf urbane Gebiete gelegt wurde, könnten sich diese drahtlosen Technologien besonders in ländlichen Bereichen schnell durchsetzen, da der Netzaufbau aufgrund der geringeren Anzahl an benötigten Sendemasten in diesen Gebieten sehr viel günstiger ist als bei UMTS[65]. Möglich ist dann, neben der Übertragung von Video- und Datendiensten und der Nutzung als Rückkanal, beispielsweise auch Telefonie über W-LAN (VoIP). Nokia hat bereits Endgeräte angekündigt, die automatisch vom Handynetz auf W-LAN umschalten, wenn ein Signal verfügbar ist[66].

Besonders die Mobilfunknetzbetreiber sehen hierin natürlich eine Bedrohung ihrer Kalkulationen und Geschäftsmodelle zur Refinanzierung ihrer Investitionen in UMTS-Lizenzen und Netzausbau, nutzen aber die heimischen und öffentlich zugänglichen Funknetzwerke trotzdem als Ergänzung, insbesondere für die Versorgung mit Datendiensten innerhalb von Gebäuden[67].

Neben den hohen Datenraten sind diese Technologien vor allem dadurch interessant, dass sie, im Gegensatz zu Rundfunk und Mobilfunk, teilweise in unlizenzierten Bändern betrieben werden können, was sich aber aufgrund der höheren Wahrscheinlichkeit der Störung durch andere elektronische Geräte wie Mikrowellen, nachteilig auswirken könnte.

Was die Endgeräteverfügbarkeit angeht, so existieren bereits heute PC-Karten, die eine Kombination aus UMTS und W-LAN offerieren und auch erste Handys von Nokia bieten beides an[68].

2.1.9. Vergleich der Technologien

Die wichtigsten Vor- und Nachteile der vorgestellten Technologien sollen in der folgenden Tabelle noch einmal kurz dargestellt werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Vergleich der Technologien; eigene Darstellung

[...]


[1] Vgl. VATM e.V., „VATM Jahrbuch 2005“, S. 12.

[2] Vgl. http://www.voip-info.de/news/newsartikel__671.php, Stand 18.12.05.

[3] Vgl. Seckler, R., „Mobile Strategy aus Sicht eines Providers“, in: Giordano, M./Hummel, J (Hrsg.)., „Mobile Business“, Wiesbaden 2005, S. 34.

[4] Vgl. Betti, D., “Mobile television: the fourth screen”, in: TVB Europe 09/05, S. 49.

[5] Der Begriff Mobile Entertainment umfasst dabei „alle Produkte und Dienste mit unterhaltsamen Inhalten, die auf einem mobilen, personengebundenen Gerät via drahtloser Verbindung betrieben werden können.“ Vgl. Figge, D./Westerberg, F., „Mobile Entertainment–OMD Workshop“, S. 4.

[6] Vgl. http://www.etsi.org/services_products/freestandard/home.htm, Stand 05.11.05.

[7] Vgl. http://www.dvb.org/documents//DVB-H_Outline.pdf, S. 12, Stand 08.11.05.

[8] Verfahren, bei dem der Empfänger ununterbrochen auf Empfang ist. Siehe Glossar.

[9] Vgl. http://www.dvb.org/documents//DVB-H_Outline.pdf, S. 16, Stand 08.11.05.

[10] Vgl. http://www.dvb.org/documents//DVB-H_Outline.pdf, S. 16, Stand 08.11.05.

[11] Vgl. Ponton Lab, „Mobile TV liegt in der Luft“, S. 6.

[12] Vgl. Ebert, K., „Hybrides Netzwerk: DVB-H + UMTS“, Fachhochschule Wiesbaden WS 04/05, S. 5.

[13] Vgl. o.V., „Thales Solution for Broadcasting to Mobile Receivers”, in: Smart Cast Mobility – Mobile TV Head End Solution 09/05, S. 2.

[14] Vgl. Müller, R., Vortrag im Rahmen des Workshops „MultiMedia Mobil – Szenario 2006/Netze“ am 02.12.05.

[15] Vgl. Czemper, J., Vortrag im Rahmen des Workshops „MultiMedia Mobil – Szenario 2006/Netze“ am 02.12.05.

[16] Vgl. Müller, R., Vortrag im Rahmen des Workshops „MultiMedia Mobil – Szenario 2006/Netze“ am 02.12.05.

[17] Vgl. Kuhl, H., „Fernsehen fürs Taschenkino“, in: Fernsehen Digital 11/05, S. 14.

[18] Vgl. Kuhl, H., „Fernsehen fürs Taschenkino“, in: Fernsehen Digital 11/05, S. 14 .

[19] Vgl. Sietmann, R., „Digitale Spaltung – Beim Handy TV droht das digitale Auseinanderdriften der Republik“, in: c´t 21/05 S. 99.

[20] Vgl. http://www.dvb-h-online.org/Services/services-berlin.htm, Stand 10.11.05.

[21] Vgl. Kuhl, H., „Fernsehen fürs Taschenkino“, in: Fernsehen Digital 11/05, S. 15.

[22] Vgl. Czemper, J., Vortrag im Rahmen des Workshops „MultiMedia Mobil – Szenario 2006/Netze“ am 02.12.05.

[23] Vgl. Müller, R., Vortrag im Rahmen des Workshops MultiMedia Mobil – Szenario 2006/Netze“ am 02.12.05.

[24] Vgl. Digital Terrestrical Television Action Group, „Television on a handheld receiver”, S. 4.

[25] Vgl. Czemper, J., Vortrag im Rahmen des Workshops „MultiMedia Mobil – Szenario 2006/Netze“ am 02.12.05.

[26] Vgl. Ponton Lab, „Mobile TV liegt in der Luft“, S. 6.

[27] Vgl. Kuhl, H., „Fernsehen fürs Taschenkino“, in: Fernsehen Digital 11/05, S. 16.

[28] Vgl. Schneider, Dr. A., Vortrag im Rahmen des Workshops „MultiMedia Mobil – Szenario 2006/Geräte“ am 02.12.05.

[29] Vgl. Müller, R., Vortrag im Rahmen des Workshops „MultiMedia Mobil – Szenario 2006/Netze“ am 02.12.05.

[30] Vgl. Kuhl, H., „Fernsehen fürs Taschenkino“, in: Fernsehen Digital 11/05, S. 16.

[31] Vgl. Strässle-Wendelstein, F., „DMB Trials in Europe – London, Paris, München“, Vortrag bei den Medientagen München, 26.10.05, S. 15f.

[32] Vgl. Strässle-Wendelstein, F., „DMB Trials in Europe – London, Paris, München“, Vortrag bei den Medientagen München, 26.10.05, S. 15.

[33] Vgl. Strässle-Wendelstein, F., „DMB Trials in Europe – London, Paris, München“, Vortrag bei den Medientagen München, 26.10.05, S. 14.

[34] Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Integrated_Services_Digital_Broadcasting, Stand 08.12.05.

[35] Vgl. Digital Terrestrical Television Action Group, „Television on a handheld receiver”, S. 4.

[36] Vgl. Crawford, D., „Mobile TV: Seeing is believing“, in: C2M-Content to Mobile 09/05; S. 11.

[37] Vgl. IP Datacast Forum/bmco Forum, “Frequency Management for Mobile Broadcasting”, S. 2.

[38] Vgl. Crawford, D., „Mobile TV: Seeing is believing“, in: C2M-Content 2 Mobile 09/05, S. 10 f.

[39] Vgl. http://www.voicendata.com/content/vndtoday/105060302.asp, Stand 10.12.05.

[40] Vgl. http://www.voicendata.com/content/vndtoday/105060302.asp, Stand 10.12.05.

[41] Vgl. http://www.dlr.de/pt_it/kt/foerderbereiche/mobile_breitband_kommunikationssysteme/ 3get/ projekte.html, Stand 18.12.05.

[42] Vgl. Schulzki-Haddouti, C., „Miniglotze ohne Input“, in: Financial Times Deutschland vom 02.09.05, S. 34.

[43] Vgl. http://www.blm.de/inter/de/pub/aktuelles/topthemen/mobile_broadcasting/ glossar_technikstandards.htm Stand 01.11.05.

[44] Vgl. Schulzki-Haddouti, C., „Miniglotze ohne Input“, in: Financial Times Deutschland vom 02.09.05, S. 34.

[45] Vgl. Kuhl, H., „Fernsehen fürs Taschenkino“, in: Fernsehen Digital 11/05, S. 17.

[46] Vgl. Müller, R., Vortrag im Rahmen des Workshops „MultiMedia Mobil – Szenario 2006/Netze“ am 02.12.05.

[47] Vgl. Mielke, B., „Übertragungsstandards und ‑bandbreiten in der Mobilkommunikation“, in: Silberer, G., u.a. (Hrsg.), „Mobile Commerce“, Wiesbaden 2002, S. 201.

[48] Vgl. http://www.teltarif.de/i/gprs-technik.html, Stand 04.01.06.

[49] Vgl. Nadj, D., „3G TV-Chance für UMTS“, Fachhochschule Wiesbaden WS 00/01, S. 10.

[50] Vgl. http://www.pcwelt.de/news/handy_pda/mobile/130121, Stand 23.01.06.

[51] Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/General_Packet_Radio_Service, Stand 27.11.05.

[52] Vgl. Nadj, D., „3G TV-Chance für UMTS“, Fachhochschule Wiesbaden, WS 00/01, S. 43.

[53] Vgl. Butzek, E., „Marktreife ab 2007“, in: Medien Bulletin 12/2005, S. 25.

[54] Vgl. Mielke, B., „Übertragungsstandards und -bandbreiten in der Mobilkommunikation“, in: Silberer, G., u.a. (Hrsg.), „Mobile Commerce“, Wiesbaden 2002, S. 196.

[55] Vgl. http://www.umts-report.de/umtseinfuehrung.php?ida=268887&idc=287, Stand 26.11.05.

[56] Vgl. Krödel, T., „Funkgenerationen“, in: c´t 10/04, S. 158 f.

[57] Vgl. Krödel, T., „Funkgenerationen“, in: c´t 10/04, S. 160.

[58] Vgl. Alcatel, „Mobile Broadcasting: Extending the Mobile Experience with efficient Content Delivery“, S. 7.

[59] Vgl. Künstner, T., „Mobile Media: Wachstumsmarkt oder Branchenhysterie?“, Vortrag bei den Medientagen in München, 28.10.05, S. 13.

[60] Vgl. Butzek, E., „Marktreife ab 2007“, in: Medien Bulletin 12/2005, S. 25.

[61] Vgl. Ponton Lab, „Mobile TV liegt in der Luft“, S. 6.

[62] Vgl. http://www.voip-info.de/news/newsartikel671.php, Stand 18.12.05.

[63] Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/W-LAN, Stand 09.12.05.

[64] Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/WiMAX, Stand 09.12.05.

[65] Vgl. Hillenbrand, T., „Städte bauen Internetzugänge per Funk“, in: Financial Times Deutschland vom 09.12.05, S. 5.

[66] Vgl. Hillenbrand, T., „Städte bauen Internetzugänge per Funk“, in: Financial Times Deutschland vom 09.12.05, S. 5.

[67] Vgl. Mielke, B. „Übertragungsstandards und -bandbreiten in der Mobilkommunikation“, in: Silberer, G., u.a. (Hrsg.), „Mobile Commerce“, Wiesbaden 2002, S. 198.

[68] Vgl. http://www.nokia.de/de/mobiltelefone/modelluebersicht/4198.html, Stand 19.12.05.

Ende der Leseprobe aus 147 Seiten

Details

Titel
Mobile TV - Formate. Geschäftsmodelle und Erfolgsfaktoren für eine erfolgreiche Markteinführung
Hochschule
Hochschule RheinMain
Note
1,7
Autor
Jahr
2006
Seiten
147
Katalognummer
V58817
ISBN (eBook)
9783638529129
ISBN (Buch)
9783638715751
Dateigröße
953 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mobile, Formate, Geschäftsmodelle, Erfolgsfaktoren, Markteinführung
Arbeit zitieren
Diplom-Medienwirt (FH) Frank Molter (Autor), 2006, Mobile TV - Formate. Geschäftsmodelle und Erfolgsfaktoren für eine erfolgreiche Markteinführung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/58817

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