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Die Verwendung und Inszenierung von Tod in einer Literatur der Angst

Title: Die Verwendung und Inszenierung von Tod in einer Literatur der Angst

Term Paper (Advanced seminar) , 2005 , 18 Pages , Grade: 1,5

Autor:in: André Weikard (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Der Ansatz, dem sich diese Arbeit verpflichtet sieht, nämlich Literatur nach Gesichtspunkten der Text-Leser-Interaktion zu untersuchen, tut dies mit dem alles übergreifenden Ziel die emotionale Potenz von Texten zu erklären. Es geht darum, der kantschen Definition von Schönheit als dem, „was ohne Begriff allgemein gefällt“, das „ohne Begriff“ auszutreiben, indem das Gefallen untersucht wird. Gerade dem, was man gemeinhin für unerklärlich hält und was Literatur doch so trefflich vermag, diesem Schmerz „wie der Tod eines, den wir lieber hatten als uns“, soll näher gerückt werden. Es ist damit eine Zugangsweise zu Literatur gewählt, die sowohl die Grenzen des Faches sprengt als auch unsicheres Terrain betritt. Das Wagnis besteht dabei in der Komplexität und Divergenz der menschlichen Psyche und der damit einhergehenden Schwierigkeit, darüber zu gültigen Aussagen zu kommen. Auch diese Arbeit wird sich mit den skizzierten Schwierigkeiten konfrontiert sehen. Manches wird thesenhaft, vieles unentschieden und das Meiste unvollständig bleiben. Und doch erscheint das Ziel lohnend genug, diese Hindernisse in Kauf zu nehmen. Es soll sich mit Angst auseinandergesetzt werden. Mit der, die im Leser provoziert werden soll, also jener, die vom Autor intendiert ist und mit einem ihrer Mittel: dem Tod. Dabei wird zu untersuchen sein, welche Ängste der Tod auslöst. Es werden grundsätzliche Überlegungen anzustellen sein, zu welchem Zweck diese Ängste literarische Verwendung finden und mit welchen Mitteln sie gesteigert werden. Dazu sind verschiedene Arten der Darstellung und Interpretation von Tod durch den Autor, seine Position im Stück oder die Einbindung des Todes in bestimmte Kontexte, die motivgeschichtlich behandelt werden sollen, von Belang und einer eingehenderen Betrachtung wert.

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Tod als herausragender Gegenstand der Ängstigung

3. Ängste im Zusammenhang mit Tod

3.1 Angst vor dem Ende des Bewusstseins

3.2 Angst vor dem Jenseits

3.3 Die Angst um das Hinterbliebene

4. Darstellungen des Todes

4.1 Der einsame Tod

4.2 Der plötzliche Tod

4.3 Der grausame Tod

4.4 Der sanfte Tod

5. Tod als Konsequenz und Strafe

6. Tod und Lust

7. Tabuisierung

8. Tod als Vergleichsgröße

9. Die Personifizierung des Todes

10. Schlafes Bruder

11. Der eingetretene Tod

12. Schluss

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die literarische Darstellung und Funktion des Todes als Mittel zur emotionalen Ängstigung des Lesers. Ziel ist es, die Text-Leser-Interaktion zu analysieren und zu erklären, wie Autoren den Tod in verschiedene Kontexte einbetten, um Ängste zu provozieren, zu steigern oder durch spezifische Inszenierungen abzumildern.

  • Analyse der emotionalen Wirkung des Todes in der Literatur.
  • Untersuchung verschiedener Angstkategorien im Zusammenhang mit dem Sterben.
  • Betrachtung von Todesdarstellungen wie dem plötzlichen, grausamen oder sanften Tod.
  • Zusammenhang zwischen Tod, Lust und Schönheit in literarischen Werken.
  • Die Rolle der Personifizierung und Tabuisierung des Todes.

Auszug aus dem Buch

4.3 Der grausame Tod

Das Sterben, das Coppelius mit seiner Nähe auszulösen scheint, wird von Nathanael als grausam und quälend beschrieben. Seine Schwester erkrankt nach einer Berührung des zum Ungeheuer stilisierten Coppelius: „Nicht lange dauerte es, so fingen meinem Schwesterlein die Augen an zu schmerzen, Geschwüre, unheilbar, setzten sich dran - in drey Wochen war sie blind - drey Wochen darauf vom Nervenschlag getroffen todt.“ Es ist die Rede von einem Siechtum über Wochen, von einem Tod, dem das Erblinden vorausgeht und der in der Gestalt eines „Nervenschlages“ grob und gewaltsam eintritt. Nur wenige Seiten weiter findet sich ein erneutes Beispiel dafür, wie der Tod zu einem Schreckensbild gesteigert wird. Nach einer Explosion findet Nathanael den Vater mit „gräßlich verzerrtem Gesicht“.

Der Zweck ist offenbar: Die Angst, die mit dem ins unerträgliche gesteigerten Tod evoziert wird, überträgt sich auf seinen Boten und Urheber Coppelius, der immer verkommener erscheinen soll. Das gelingt auch offensichtlich, denn Clara zeigt sich von dem Bericht Nathanaels „tief erschüttert“ und habe „kaum atmen können“, „es flimmerte mir vor Augen“. Und dann spricht sie es aus: „Erst jetzt vernahm ich, wie Dein guter Vater solch’ entsetzlichen, gewaltsamen Todes starb“. Mit dieser Deutung bestätigt die sonst gegen Nathanaels Geistersehen so eingenommene den Leser in seinen Affekten.

Es gibt noch weitere Beispiele im „Sandmann“ für die Ausstaffierung des Phänomens Tod mit den Merkmalen des Hässlichen und Grausamen, wie sie alle dem einen Zweck dienen, den Schauder des Lesers zu vergrößern. Es sei an dieser Stelle nur noch auf die Schlussszene hingewiesen, in der Nathanael, scheinbar von seinem Wahn genesen, von einem Turm aus den gefürchteten Coppola erblickt. Daraufhin „zuckte es krampfhaft in seinen Pulsen und Adern“, „todtenbleich“ starrt er durch das Perspektiv, „grässlich brüllte er auf“, „grausig lachend“.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Vorstellung des theoretischen Ansatzes zur Untersuchung der Text-Leser-Interaktion und Zielsetzung der Arbeit.

2. Der Tod als herausragender Gegenstand der Ängstigung: Erörterung der literarischen Bedeutung des Todes als effektivstes Mittel zur Affekterzeugung beim Rezipienten.

3. Ängste im Zusammenhang mit Tod: Systematisierung der drei grundlegenden Ängste: Ende des Bewusstseins, Jenseits und Sorge um Hinterbliebene.

4. Darstellungen des Todes: Differenzierung zwischen einsamen, plötzlichen, grausamen und sanften Todesarten als literarische Stilmittel.

5. Tod als Konsequenz und Strafe: Untersuchung des Todes als Resultat von Schuldgefühlen oder Verlust von Haltung und Würde.

6. Tod und Lust: Analyse der engen Verknüpfung von Eros und Thanatos in literarischen Texten.

7. Tabuisierung: Betrachtung der Ersatzsprache und Euphemismen, die durch das gesellschaftliche Tabu des Sterbens entstehen.

8. Tod als Vergleichsgröße: Deutung des Todes als Maßstab für Opferbereitschaft und moralische Werte.

9. Die Personifizierung des Todes: Analyse der mythologischen und künstlerischen Gestaltung des Todes als handelnde Figur.

10. Schlafes Bruder: Erörterung der literarischen Gleichsetzung von Schlaf und Tod.

11. Der eingetretene Tod: Dramaturgische Analyse der Platzierung von Toden am Ende von Erzählungen zur Spannungserzeugung.

12. Schluss: Zusammenfassende Betrachtung der Ambivalenz des Todes als literarisches Motiv und Fazit der eigenen Untersuchung.

Schlüsselwörter

Literatur, Tod, Angst, Ängstigung, Text-Leser-Interaktion, Sterben, Literaturwissenschaft, Affektbündel, Todesdarstellung, Tabuisierung, Personifizierung, Erlösung, Schuld, Spannungserzeugung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert, wie das Motiv des Todes in der Literatur gezielt genutzt wird, um beim Leser emotionale Wirkungen, insbesondere Angst, hervorzurufen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die psychologischen Aspekte von Ängsten (z.B. vor dem Jenseits), die verschiedenen ästhetischen Darstellungsformen des Todes sowie dessen Verknüpfung mit Lust und Strafe.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist die Erforschung der „emotionalen Potenz“ literarischer Texte und der Funktionsweise, wie Autoren mittels Todesinszenierungen eine angstgeladene Atmosphäre schaffen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die primär auf der Textarbeit an kanonischen Werken und der Einordnung der Todesmotive beruht.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Typologisierung von Todesarten (einsam, plötzlich, grausam, sanft), die Analyse der Personifizierung des Todes sowie dessen Funktion als Vergleichsgröße und Bestrafung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Literatur, Angst, Affektbündel, Tabuisierung und die spezifische Text-Leser-Interaktion.

Warum wird der Tod in der Literatur oft an das Ende von Stücken gesetzt?

Der Autor argumentiert, dass der Tod am Ende eines Werkes als dramaturgisches Mittel dient, um die Spannung bis zum Schluss zu halten und den Moment höchster Intensität zu markieren.

Wie korrelieren Tod und Lust in den untersuchten Werken?

Die Arbeit zeigt eine enge Symbiose auf, in der Lust und Tod nicht trennbar sind, wobei das Verbotene nach Sanktion verlangt und eine gemeinsame Symbolsprache entwickelt.

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Details

Title
Die Verwendung und Inszenierung von Tod in einer Literatur der Angst
College
University of Marburg  (Germanistik)
Course
Literatur der Angst
Grade
1,5
Author
André Weikard (Author)
Publication Year
2005
Pages
18
Catalog Number
V58823
ISBN (eBook)
9783638529181
ISBN (Book)
9783656815150
Language
German
Tags
Verwendung Inszenierung Literatur Angst Literatur Angst
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
André Weikard (Author), 2005, Die Verwendung und Inszenierung von Tod in einer Literatur der Angst, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/58823
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