Die Perikope Mk 13,9-13. Eine neutestamentliche Exegese

Ankündigung von Verfolgung und Verrat


Hausarbeit, 2004

22 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

Einführung und Inhalt

Teil I: Arbeitsübersetzung

Teil II: Zwei textkritische Probleme
II. 1. Problem in Vers 9b
II. 2. Problem in Vers 10

Teil III: Literarische Analyse
III.1. Kontext und Kohärenz
III.2. Linguistische Analysen (Grammatik, Semantik, Syntax, Stil)

Teil IV: Literarkritik
IV.1. Aufnahme durch Matthäus 10,17-22 und 24,9-14
IV.2. Aufnahme durch Lukas in 12,11f. und 21,12-19

Teil V: Formgeschichte
V.1. Gattungskritik
V.2. „Sitz im Leben“
V.3. Genese der Perikope

Teil VI: Redaktionsgeschichte
VI.1. Komposition durch Markus
VI.2. Aufnahme durch Matthäus
VI.3. Aufnahme durch Lukas

Teil VII: Abschluss

Literaturliste

Quellen

Hilfsmittel

Sekundärliteratur

Einführung und Inhalt

Die Perikope Mk 13,9-13 soll hier im Rahmen einer neutestamentlichen Proseminararbeit exegetisiert werden. Gleich zu Beginn findet sich eine Arbeitsübersetzung, die schon z.T. die erarbeiteten Ergebnisse vorwegnimmt. Es folgen zwei ausgewählte textkritische Probleme und anschließend die klassischen Arbeitsschritte einer Exegese, die sich jedoch nicht strikt voneinander trennen lassen, sondern sich gegenseitig, wie Schnittmengen eines Ganzen, vervollständigen. Auf eine abschließende Betrachtung dieses Ganzen soll nicht verzichtet werden.

Teil I: Arbeitsübersetzung

9a Ihr aber, seht auf euch selbst!

b Ausliefern werden sie euch an Synhedria und in Synagogen werdet ihr geprügelt werden,

c und vor Statthalter und Könige werdet ihr gestellt werden,

d wegen mir,

e ihnen zum Zeugnis.

10 Und unter allen Völkern muss zuerst das Evangelium verkündet werden.

11 a Und wenn sie euch abführen, um euch auszuliefern,

b sorgt euch nicht, was ihr reden sollt,

c sondern, was euch in jener Stunde gegeben wird, das redet!

d Denn ihr seid es nicht, die reden, sondern der Heilige Geist.

12a Und ein Bruder wird (den) Bruder dem Tode ausliefern und ein Vater (das) Kind,

b und Kinder werden sich gegen Eltern erheben, und sie töten helfen.

13a Und ihr werdet gehasst sein von allen,

b wegen meines Namens.

c Der aber bis zum Ende standhält, der wird gerettet werden.

Teil II: Zwei textkritische Probleme

II.1. Problem in Vers 9b

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten1

Lesart A führen Sinaiticus, Alexandrinus, die Minuskelfamilie f 13, Minuskelhandschrift 33 und der sog. Mehrheitstext.2 Sie ist damit sehr gut bezeugt, insbesondere durch den hochwertigen Codex Sinaiticus und auch durch Minuskel 33, die der Kategorie II angehört. Der Alexandrinus spielt für die Bewertung, mit Kategorie III für die synoptischen Evangelien, eine geringere Rolle. Auch wirft der hohe Anteil an byzantinischem Koine-Texten einen schlechten Schatten auf die Lesart.

Lesart B wird nur von Texten bezeugt, die in Kategorie III oder schlechter einzuordnen sind. Darunter Codex W (032), der dazu kleine Abweichungen bietet3, die Minuskelhandschriften von f 1 und Minuskel 28.4 Diese Lesart ist somit allein durch äußere Kriterien für die textkritische Entscheidung nicht zu erwägen.

Auch Lesart C ist schlecht bezeugt. Höchstens Codex Θ (038) gibt der Lesart Gewicht, da er in Kategorie II eingeordnet ist. Hier liest er allerdings kleine Abweichungen. Die Lesart führen noch der schwer einzuschätzende D-Text, und die Minuskeln 565 und 700, die anscheinend von Θ abhängen und mit ihm zusammen den Cäsarea-Text repräsentieren5. Auch diese Lesart ist demnach nicht zu berücksichtigen.

Lesart D ist die am Besten bezeugte, da durch den vortrefflichen Vaticanus und L (019) repräsentiert. Als weiteres Argument ist auch Minuskel 2427 zu nennen, die einen ausgezeichneten Text der Kategorie I bietet. Für eine Bevorzugung unterstützend, wirken Ψ mit Kategorie III und die geringe Vertretung des Koine-Textes.6

Durch die äußeren Kriterien konnten Lesart B und C ausgeschlossen werden. Es soll dennoch eine Erklärung für die Varianten gefunden werden: Das zusätzliche καὶ in Lesart B kommt in der Umgebung von Mk 13,9 recht häufig vor, allein in Vers 9 drei mal. Ein simpler Abschreibefehler ist also ziemlich wahrscheinlich (hier ein Dittographie-Fehler).

Alle Handschriften, die Lesart C führen, lesen Vers 9a nicht. 9b endet somit direkt auf folgende Worte aus Vers 8: „ἀρχὴ ὠδίνων ταῦτα“ (Dies ist der Anfang der Wehen). Das εἶτα (danach) wurde wahrscheinlich vom Abschreiber eingefügt, um die Textstelle stilistisch auszubessern und einen Bezug zu Vers 8 herzustellen.

Nun muss noch eine Entscheidung zwischen Lesart A und D getroffen werden, von denen D anhand der erörterten äußeren Kriterien eher zu bevorzugen ist, auch wenn der Sinaiticus dagegen spricht.

Die inneren Kriterien sind schnell behandelt. Lesart D ist lectio brevior und das γὰρ in Lesart A lässt sich zudem durch den Kontext erklären, da es eine kausale Verbindung zu Vers 9a herstellt.

Nach der Darstellung der wichtigsten Argumente ist folglich Lesart D die wahrscheinlichste.

II.2. Problem in Vers 10

Ein weiteres Problem findet sich in Vers 10. Hierfür sind ebenfalls 4 Lesarten gegeneinander abzuwägen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Lesart A unterscheidet sich von D nur durch eine Wortumstellung, die vom Codex Regius (019) und der Minuskel 33 bezeugt werden. Beide sind in Kategorie II einzuordnen, während die anderen Zeugen mit Kategorie III zu bewerten sind. So der Alexandrinus und die Minuskelfamilien f 1.13. Auch der sog. Mehrheitstext liest auf diese Weise.7

Lesart B erstreckt sich, aufgrund anderer Satzabtrennung, auch auf Vers 9. Wie oben ersichtlich, gehört der erste Teil von Vers 10 noch zum vorigen Satz. Erst ab πρῶτον beginnt ein neuer Sinnabschnitt. Diese Lesart ist wie A qualitativ mittelmäßig bis schlecht bezeugt: Θ gehört Kategorie II an, W der Kategorie III. Weitere Zeugen sind die Minuskel 565, die von Θ abhängt und einige Koine-Texte.8

Lesart C wird nur vom Sinaiticus in seiner ursprünglichen, noch nicht korrigierten, Form bezeugt. Mit Korrektur entspricht der Codex der Lesart D. Der Gebrauch des Wortes λαὸν ist, meiner Meinung nach, irrational und eine stimmige Übersetzung nicht möglich, denn auf δεῖ folgt üblicherweise kein Akkusativ9. Auch eine Einbindung von λαὸν als Subjekt in die folgende AcI-Konstruktion ist, aufgrund der Satzstellung, nicht denkbar. Lesart C ist daher mit größter Wahrscheinlichkeit nicht die ursprüngliche, da sie schon im Sinaiticus korrigiert und auch von keiner erhaltenen Handschrift übernommen wurde.

Lesart D hingegen ist sehr gut bezeugt, v.a. durch den Codex Vaticanus und die Minuskeln 2427 (Kat. I) und 892 (Kat. II). Bestätigend wirken der korrigierte Sinaiticus, Ψ, Minuskel 28 (Kat. III) und der D-Text. Auch folgen nur wenige Reichstexte der Lesart.10

Die textkritische Entscheidung fällt bei diesem Problem beinahe eindeutig zugunsten von Lesart D aus. Am ehesten ist noch Lesart A mit dem Codex Regius zu beachten.

Auch die inneren Kriterien machen Lesart D zur wahrscheinlichsten. So stellt sie die lectio difficilior dar, und die anderen Lesarten (bis auf C) lassen sich recht einfach erklären. A bietet nur eine Wortumstellung, die das Verständnis erleichtern soll. Das δὲ in Lesart B ist wahrscheinlich ein Dittographie-Fehler, oder ein absichtlich hinzugefügtes Partikel.

Teil III: Literarische Analyse

Der folgende Abschnitt befasst sich mit Inhalt und Zusammenhang der Perikope, schildert deren Umgebung und die Einordnung in das gesamte Evangelium. Anschließend wird ihre Sprache auf Eigenheiten, Grammatik und Stil untersucht.

III.1. Kontext und Kohärenz

Die Perikope Mk 13,9-13 befindet sich im 3. Hauptteil des Markusevangeliums (11,1-16,8), der in und um Jerusalem verortet ist. Genauer gesagt ist sie Teil des letzten Kapitels vor der Passionsgeschichte Jesu. Auf dem Ölberg sitzend und zwei Tage vor dem Pessachfest offenbart Jesus, auf Anfrage, dem engeren Jüngerkreis der vier Vertrauten die letzten Dinge (13,3-37). Die Stellung dieser Endzeitrede „entspricht dem traditionellen Ort der Eschatologie in der urchristlichen Lehre“11. In den beiden Kapiteln davor zieht Jesus in Jerusalem ein, räumt den Tempel zum Bethaus, lehrt später in ihm das rechte Gottes- und Weltverhältnis (Steuerfrage; Auferstehung; die beiden höchsten Gebote; Davidssohnschaft; Heuchelei der Pharisäer – Glaube der Witwe) und prophezeit dessen Untergang (13,1f.). Mehr denn je wird er von den Hohenpriestern und Schriftgelehrten bedrängt, die dann in Kapitel 14 seine Beseitigung planen und in Judas einen Helfer finden.

Die Verse in 13,3-13 zählen in einem Fokus die kommenden Wehen und Verfolgungen auf. Zunächst die globale Situation, in der die Völker von falschen Christoi verführt und von Krieg, Naturkatastrophen und Hungersnöten geplagt werden. Verse 9-11 reden dann speziell von der missionierenden Gemeinde, die durch heidnische und jüdische Gerichtsautoritäten verfolgt wird, 12-13a von Zwietracht, Mord und Hass in Familie und Gesellschaft. Schließlich wird in Vers 13b dem ausharrenden Einzelnen die Rettung prophezeit.

Danach schildert Markus die Zerstörung des Jerusalemer Tempels, wahrscheinlich als vaticinium ex eventu, und die letzte große Bedrängnis vor der Apokalypse und der Wiederkunft Christi, die mit großer Wachsamkeit erwartet werden sollen.

Wie oben erwähnt, fokussiert Markus in Vers 9 die Situation der verfolgten Gemeinde, die mit ὑμεῖς und im Folgenden mit zahlreichen Verben der 2. Person Pl. angeredet wird. Die Einleitung in Vers 9a trennt die Perikope von den vorigen Versen, die dann mit dem Trostspruch in Vers 13 endet. Der anschließende Vers 14 eröffnet mit der prophezeiten Tempelzerstörung ein neues Thema. Die Perikope ist damit eindeutig vom Umfeld abgegrenzt, was durch weitere Beobachtungen bestätigt wird. So sind z.B. der dreifache Gebrauch von παραδίδωμι (9.11.12) und die Verwendung von Futur- und Passivformen in jedem Satz sehr auffällig. Auch die Betrachtung der Wortfelder macht die Perikope in sich kohärent: Autorität (Synhedrion, Synagoge, Statthalter, König, Vater, Eltern); Drangsal (ausliefern, geschunden werden, sich sorgen, töten, sich erheben, hassen, standhalten, gerettet werden); Gericht (ausliefern, Synhedrion, Zeugnis, ἄγω, das laut Bauer t.t. der Gerichtssprache für „abführen“ ist).

Eine Ausnahme bildet jedoch Vers 10. Er wirkt inkohärent, da er sich, u.a. durch die AcI-Konstruktion, grammatikalisch vom Kontext unterscheidet. Es sind keine Futurformen erhalten und lediglich das parataktische καί verknüpft den Vers mit der Umgebung. Demgegenüber ist ein Bezug zwischen „verkündigen“ und „Zeugnis“ und zwischen „Evangelium“ und „wegen mir“ erkennbar. Oder man verbindet 10 mit Vers 13a: εἰς πάντα τὰ ἔθνη - ὑπὸ πάντων.

Auch Vers 12 ist strittig. Es findet ein sprunghafter Wechsel des Wortfeldes statt, nämlich von Gericht und Verfolgung zu Familie und Tod. Doch verstärken v.a. das gliedernde παραδίδωμι und die Futurformen die Kohärenz zur Umgebung. In sich wird der Vers durch den dreifachen Gebrauch von λαλέω zusammengehalten.

III.2. Linguistische Analysen (Grammatik, Semantik, Syntax, Stil)

Die Verse 9 und 11 kündigen Verfolgung und Verurteilung durch das jüdische und römische Umfeld an. Stilistisch wird dies durch den Einsatz von Wortpaaren (συνέδρια - συναγωγάς, ἡγεμόνων - βασιλέων) und dem Chiasmus in 9b unterstrichen (in Kapitel I anschaulich gemacht). Die parallele Anordnung von 9b und c und der Reim der beiden Verben (δαρήσεσθε - σταθήσεσθε) verstärken die beängstigende Stimmung des ganzen Verses. Die schon erwähnte Benutzung von παραδίδωμι (= ausliefern, übergeben, preisgeben, überantworten, verraten) dehnt die Stimmung auf die gesamte Perikope aus.

Zu beachten sind auch die Homoioteleuta in Vers 12, die das Familiäre noch enger an den Tod binden. Des weiteren, der Gebrauch eines Aorist in 13 (ὑπομείνας), der das Kurzzeitige und Punktuelle des „Standhaltens“ ausdrückt, und somit die tröstende Wirkung der Zusicherung bestärkt.

Der Grund für Verfolgung und Hass wird gleich zwei mal, in den Versen 9d und 13b, genannt: ἕνεκεν ἐμοῦ, διὰ τὸ ὄνομά μου. Drei Imperative (βλέπετε ἑαυτούς, μὴ προμεριμνᾶτε, τοῦτο λαλεῖτε) geben Anweisungen, wie man mit der Situation umgehen soll. Die Verfolgung wird zudem ein Zeugnis (i.S.v. Predigt, Bekenntnis) für, oder (i.S.v. Beweismittel) gegen die Verfolger (9e). Eine Festlegung ist hier nicht möglich, da αὺτοῖς sowohl Dativus commodi als auch incommodi sein kann12. Diesem Befund ist, im Hinblick auf Form- und Redaktionsgeschichte, besondere Aufmerksamkeit zu schenken.

Am auffälligsten ist die Struktur der Perikope, die mit Hilfe von Parallelen und inhaltlichen Kontrasten, sowohl Regelmäßigkeit und Gleichklang als auch Spannung in den Text bringen. Sie zeugt von hohem stilistischen und erzählerischem Können:

Der Gebrauch der zahlreichen Passiv- (δαρήσεσθε, σταθήσεσθε, ἔσεσθε μισούμενοι) und Futurformen vermittelt das angesprochene Gefühl des Ausgeliefertseins noch viel mehr. Aktiv kann der Standhafte nichts gegen die drohende Zukunft tun.

Dem gegenüber stehen jedoch zwei weitere Passivformen: σωθήσεται (der Ausharrende wird gerettet werden) und δοθῇ, ein Aorist Passiv zu δίδωμι! Der Leidende wird also nicht ständig an Gericht und Tod preisgegeben, ihm wird gleichzeitig Beistand vom Heiligen Geist gegeben.

Teil IV: Literarkritik

Hier sollen nun in Kürze die Aufnahme der Perikope in die anderen synoptischen Evangelien gezeigt und verglichen werden, wobei die sog. Zwei-Quellen-Theorie für die Untersuchung der literarischen Abhängigkeit vorausgesetzt wird. Die Redaktionsgeschichte baut auf diesem Schritt auf und legt die Texte genauer aus.

Markus 13,9-13 findet sich bei Matthäus in 10,17-22 und z.T. in 24,9-14, bei Lukas in 21,12-19 und teilw. in 12,11f.

Vorab ist zu bemerken, dass die Verwendung von Q-Stoff im bloßen Vergleich nicht ersichtlich ist. Außerdem fällt auf, dass Lukas nicht ein Wort mehr von Mk übernimmt, als Mt. Es existieren also keine Parallelen zwischen Mk und Lk, die von Mt nicht auch aufgenommen wurden.

IV.1. Aufnahme durch Matthäus 10,17-22 und 24,9-14

Die eschatologische Rede in Mt 24f. folgt größtenteils dem markinischen Aufbau von Kapitel 13, allerdings mit Ergänzungen und Streichungen des Stoffes.

Mk 13,9-13 wird in diese Rede mit erheblichen Umstellungen und nur sehr verkürzt aufgenommen, nämlich nur παραδώσουσιν ὑμᾶς aus Mk 13,9b, den gesamten Vers 13, und Vers 10 mit starken Veränderungen. Wie Mk wendet sich Mt in 24,9 den Verfolgungen der Gemeinde zu. Die Verfolger selbst, also die Gerichte etc. fehlen, ebenso die Verwerfungen in der Familie. Auch der Beistand des Heiligen Geistes wird nicht angesprochen. Dafür kommen zahlreiche neue Themen hinzu, wie Abfall, Verrat, Hass, Erkalten der Liebe und die Verführung durch falsche Propheten. Es lässt sich erkennen, dass Mt im Gegensatz zu Mk zusätzlich innergemeindliche Zwistigkeiten anspricht, und die staatlich-heidnischen Autoritäten und Gerichte ausklammert. Er betont die innere Bedrohung, also den Verlust des Glaubens und der Liebe der Gemeindeglieder. Die Standhaften aber (24,13) werden zudem den Hass der Außenwelt, ja ganzer Völker (ein Zusatz zum übernommenen Vers 13), aushalten müssen. Gerade dieses Ausharren aber ist Verkündigung des Evangeliums13 und dient somit als Zeugnis für14 die hassenden Völker. Für Mk hingegen ist das Schicksal des standhaften Bekenners die Verkündigung. Doch dazu später.

Fast wortgetreu, nur mit stilistischen Ausbesserungen und einigen Vokabelsubstitutionen, wird die Perikope in Mt 10,17-22 rezipiert, befindet sich aber hier nicht in einem ausgewiesenen eschatologischen Kontext. Sie ist Teil der sog. Aussendungsrede, der zweiten großen Redeinheit im Evangelium, in der Jesus die Jünger über Verkündigung und Nachfolge belehrt, bzw. in der Mt allgemein über Missionsarbeit und Nachfolge schreibt, denn „[e]s gibt bei Mt [...] keinerlei Hinweise darauf, daß die Jünger im Rahmen einer vorösterlichen Missionsarbeit tatsächlich Verfolgungen und Misshandlungen ausgesetzt waren, wie sie“15 in unserer Perikope beschrieben werden. Dies bestätigt das hinzugefügte „καὶ τοῖς ἔθνεσιν“ in Vers 18, das völlig im Gegensatz zu Vers 5 steht, in der den Jüngern verboten wird zu den Heidenvölkern zu gehen.

[...]


1 Kategorisierung der einzelnen Handschriften unter Zuhilfenahme von Aland: Text des NT, S. 167-170.

2 Des weiteren: altlateinische und Vulgata- Handschriften, die Peschitta, die von Harkel bearbeiteten syrischen Texte und Einzelhandschriften der sahidischen Überlieferung.

3 Anstatt παραδώσουσιν steht nur δώσουσιν.

4 Hinzu kommen wenige vom Mehrheitstext abweichende Handschriften und der Sinai-Syrer.

5 Vgl. Aland: Text des NT, S. 122. Zur Aufzählung sind noch die altlateinischen Übersetzungen hinzuzufügen.

6 Hinzu, Einzelhandschriften der sahidischen und die bohairische Überlieferung.

7 Hinzu, die lateinische Handschrift q und die Harkel-Übersetzung.

8 Des weiteren: altlateinische Handschriften und die Peschitta.

9 Die Übersetzung „Und unter allen Völkern muss zuerst dem Volk (= Israel?) das Evangelium verkündet werden“ ist also nicht möglich. Anstatt λαὸν müsste λαῷ stehen.

10 Des weiteren: altlateinische und Vulgata- Handschriften.

11 Conzelmann: Arbeitsbuch, S. 317.

12 Vgl. BDR: Grammatik, § 188,1; zu μαρτύριον siehe Bauer: Wb.; ThWNT4: Art. μαρτύς [...], S. 478-509.

13 Mt 24,13f.: Der aber bis zum Ende standhält, der wird gerettet werden. Und es wird τοῦτο τὸ εὐαγγέλιον verkündet werden [...].

14 Oder gegen.

15 Kühschelm: Jüngerverfolgung, S. 29.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Die Perikope Mk 13,9-13. Eine neutestamentliche Exegese
Untertitel
Ankündigung von Verfolgung und Verrat
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Ev. Theologie)
Note
1,3
Autor
Jahr
2004
Seiten
22
Katalognummer
V588422
ISBN (eBook)
9783346187147
ISBN (Buch)
9783346187154
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Markus, Exegese, 13, Apokalypse, Textkritik, Formgeschichte, Redaktionsgeschichte, Neues Testament, Verfolgung, Christentum, Verrat
Arbeit zitieren
Christian Elias (Autor), 2004, Die Perikope Mk 13,9-13. Eine neutestamentliche Exegese, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/588422

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