Der Titel dieser Arbeit ist eine Anspielung auf ein, vor allem in der Philosophie verwandtes, Bild Ludwig Wittgensteins, mit der er die Leistung aber auch die Grenzen seiner eigenen Untersuchungen veranschaulichen wollte. Siegfried J. Schmidt verwendet es selbst mehrfach, in seiner Arbeit Geschichten und Diskurse, um sein Ziel anzukündigen, der ‚Fliege’ aus dem Glas konstruktivistischer Begrenzungen zu verhelfen.
An dieser Stelle soll nun überprüft werden inwieweit Schmidt, diesen selbst im Untertitel proklamierten ‚Abschied vom Konstruktivismus’, dessen bekannter deutschsprachiger Vertreter er lange war bzw. ist, leistet. Zunächst wird deshalb der Begriff des Radikalen Konstruktivismus vorgestellt. Dies soll in Form eines kurzen geschichtlichen Abrisses, der daraus hervorgehenden neueren Entwicklung seit den 1970ern und seinem Umgang mit häufigen Kritikpunkten erfolgen. Als zentral ist hier die Definition und Richtungsgebung Ernst von Glasersfeld zu sehen. Als einer der immer noch aktiven Mitbegründer, aber auch dem Namensgeber dieser Denkrichtung, der zudem seit langem in engem Kontakt zu Schmidt steht, fügen sich seine Ausführungen besonders gut in die vorliegende Arbeit.
Als Untersuchungsgegenstand der Schmidtschen Position werden seine früheren Äußerungen zum radikalen Konstruktivismus, im Auftakt-Aufsatz des von ihm herausgegebenen Buches Der Diskurs des Radikalen Konstruktivismus von 1987 mit seinem Werk Geschichten & Diskurse von 2003, miteinander verglichen. Aus Letzterem werden dabei überwiegend das Vorwort sowie die Kapitel Handeln und Kommunikation einbezogen. So soll erörtert werden, ob Schmidt sich nur von einem allgemeinen Verständnis des Radikalen Konstruktivismus verabschiedet oder auch seine eigene Position stark verändert. Im Resümee werden schließlich die Texte Schmidts, mit der allgemeinen Begriffserklärung des Radikalen Konstruktivismus abgeglichen, und auf die Behauptung eines Abschieds vom Konstruktivismus hin überprüft.
Inhaltsverzeichnis
- Der Radikale Konstruktivismus – Begriffserläuterung
- Schmidts Position zum radikalen Konstruktivismus
- Schmidts frühere Position von 1987
- Schmidts Position in,Geschichten & Diskurse'
- Vorwort
- Handeln
- Kommunikation
- Zusammenfassung zu, Geschichten und Diskurse'
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit analysiert die Position Siegfried J. Schmidts zum Radikalen Konstruktivismus, indem sie seine früheren Äußerungen mit seinen Ausführungen in "Geschichten & Diskurse" vergleicht. Der Fokus liegt darauf, ob Schmidt sich von einem allgemeinen Verständnis des Radikalen Konstruktivismus verabschiedet hat und seine eigene Position verändert hat.
- Begriffserläuterung des Radikalen Konstruktivismus
- Schmidts frühe Position zum Radikalen Konstruktivismus
- Schmidts Position in "Geschichten & Diskurse"
- Analyse der Unterschiede zwischen Schmidts früherer und aktueller Position
- Bedeutung des Abschieds vom Konstruktivismus für Schmidts Werk
Zusammenfassung der Kapitel
Der Radikale Konstruktivismus - Begriffserläuterung
Dieses Kapitel erläutert den Radikalen Konstruktivismus, ausgehend von der Annahme, dass Wissen individuell konstruiert wird und keine objektive Realität existiert. Es werden die wichtigsten Vertreter des Radikalen Konstruktivismus vorgestellt, darunter Ernst von Glasersfeld, Heinz von Foerster und Humberto Maturana.
Schmidts Position zum radikalen Konstruktivismus
Dieses Kapitel analysiert die Entwicklung von Schmidts Position zum Radikalen Konstruktivismus. Es werden seine frühen Äußerungen aus dem Jahr 1987 mit seinen Ausführungen in "Geschichten & Diskurse" verglichen. Dabei werden das Vorwort, das Kapitel "Handeln" und das Kapitel "Kommunikation" aus "Geschichten & Diskurse" besonders berücksichtigt.
Schlüsselwörter
Radikaler Konstruktivismus, Siegfried J. Schmidt, Ernst von Glasersfeld, Geschichten & Diskurse, Wissen, Erkenntnis, Realität, Objektivität, Subjektivität, Kommunikation, Handeln.
Häufig gestellte Fragen
Was ist Radikaler Konstruktivismus?
Eine erkenntnistheoretische Position, die besagt, dass Wissen vom Subjekt aktiv konstruiert wird und kein Abbild einer objektiven Realität ist.
Wer ist Siegfried J. Schmidt im Kontext dieser Theorie?
Schmidt war lange Zeit einer der bekanntesten deutschsprachigen Vertreter des Radikalen Konstruktivismus, bevor er in seinem Werk „Geschichten & Diskurse“ einen „Abschied“ davon proklamierte.
Was bedeutet die Metapher von der „Fliege im Glas“?
Es ist ein Bild von Ludwig Wittgenstein, das Schmidt nutzt, um das Ziel zu beschreiben, über die konstruktivistischen Begrenzungen hinaus zu gelangen.
Wie hat sich Schmidts Position zwischen 1987 und 2003 verändert?
Die Arbeit vergleicht seine frühen theoretischen Ansätze mit seinen späteren Ausführungen zu Handeln und Kommunikation, um einen möglichen Paradigmenwechsel aufzuzeigen.
Welche Rolle spielt Ernst von Glasersfeld in der Arbeit?
Glasersfeld wird als Mitbegründer und Namensgeber der Richtung herangezogen, um eine allgemeine Definition des Radikalen Konstruktivismus als Vergleichsbasis zu liefern.
- Arbeit zitieren
- Tanja Kasper (Autor:in), 2005, Lässt Schmidt die Fliege aus dem Glas? Zum radikalen Konstruktivismus Siegfried J. Schmidts, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/58859